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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-20 · Heft 45 (20.11.1890) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 45 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
Seite 578 (sequence 6)
Language
German
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578 und abgeschlossenes Familienleben. Freilich waren auch Nachtheile damit verbunden, aber die Vortheile glichen sie anderwärts wieder aus. Ihr Familienleben, gerade weil cs abgeschlossen war, hat an Wärme und Würde gewonnen. In wenigen Familien ist so viel Beschaulichkeit, elterliche und geschwisterliche Zuneigung, Achtung vor dem Alter und Sorge für die Kinder, wie in jüdischen Familien; die Frauen auch sind veredelt, nicht erniedrigt worden dadurch, daß ihr Wirkungskreis auf sie selbst und ihre Familie beschränkt blieb. Das Ehristenthum strebte zwar das gleiche Ideal an, ja es war dem Judenthum zu demselben Weg weisend, aber es erreichte dieses Ideal nicht, weil es sich nicht entschließen konnte, das natürliche Recht anzuerkennen und die sittliche Freiheit walten zu lassen. Im Widerspruch mit jenem, feindlich dieser, vollbrachte es jene Zersetzung der Familie, welche die Gesellschaft zerwühlt." In einem „Rückblick und Ausblick" genannten letzten Kapitel schließt dann Hellwald damit, daß nach seiner Ansicht „auf absehbare Zeiten die Familie ihre Rolle noch „nicht ausgespielt habe". * s * Mag inan über die Theorien des Verfassers, in denen sicher »och nicht Alles spruchreif ist, denken wie man will; das aber ist nicht zu verkennen, welches Gewicht ein solches Wort, wie es oben wiedergegeben ist, aus solchem Munde zu bedeuten hat. Das Lob, das unfern Eltern und Voreltern hier gespendet wird, entschädigt für Vieles, was gegen uns gesagt und geschrieben worden ist. Leider giebt es auch unter einer- und der sich vermindernden Religiosität andererseits nehmen uns Manches, was nicht gut ist, und mit dem zunehmenden Luxus auch die guten Sitten in der jüdischeil Familie ab. Es wäre ein verdienstvolles Werk, eine Sittengeschichte speziell der jüdischen Familie in der nachencyklopädischen Zeit zu schreiben. Es nützt uns nicht, auf de» Lorbeer» der Vorfahren auszuruhen und von ihrem Verdienste zu zehren. Wenn inan Betrachtungen über sittliche Schäden i,n heutigen Judenthum anregt, so ivird Eiiiein nur;u häufig entgegengerufen, „man solle die Hand nicht in die Wunde der Mutter legen" — und doch giebt es keine andere Möglichkeit, eine Wunde zu heilen, als daß man sie untersucht. Wir haben die Ueberzeugung, daß die Wunden des jüdischen Familienlebens nur leichte sind, daß dasselbe — um einen Berliner Ausdruck zu gebrauchen — auch heute noch „von Herzen gesund" ist. Aber wenn man die krankhaften Auswüchse nicht rechtzeitig beschneidet, so werden schließlich auch edle Theilc angegriffen werden. U -*•-«# Feuilleton. Der unbekannte Gast. Eine Geschichte von Eduard Kulte. (Fortsetzung.) Des andern Tages gingen alle die Gebräuche, wie sie bei einer jüdischen Hochzeit üblich waren, vor sich. Frühmorgens das Bedeckeii, mit obligatem Menuett und den Reimereien des Schalksnarren. Gegen Mittag das Anrichten, das ist die Uebergabe der Mitgift zu Händen des Vaters des Bräutigams mit dem obligaten Drüberwerfen, damit das Geld ungezählt sei und der Segen des Himmels darüber komme; dann das Mincha-Gebeth, die „Ehuppe", der eigentliche Akt der Trauung mit obligatem Gläserzerbrechen, aus daß die Freude nicht „vervoll" sei. Daraus das „Huhndelfoppeu",! das Frühstück für Braut und Bräutigam, für welche der Trauungstag ein Tag der Buße und der inneren Sammlung und demgemäß ein Fasttag ist, und endlich am Abend die große Mahlzeit. Man setzte sich zu Tische. Die Ledigen besonders und die Verj heiratheten besonders. Der Randarssohn, den Rachel« schon gestern! auf dem Vorspiel für den besten Tänzer erklärte, hatte sich den Tag j über viel an Haschele gehalten. Da er bei der Schwester Wohl; gefallen zu finden bemüht mar, strebte er, auch bei dem Bruder sich j in Gunst zu setzen, und auch jetzt bei Tische nahm er seinen Platz I neben diesem.! Man aß und trank, war lustig und guter Dinge. Scherzrede»! und Tändeleien flogen hin und her bei den Ledigen sowohl wie bei! den Verheiratheten, nur bei diesen in etwas freierer Weise, denn di,! Verheiratheten nehmen sich bei einer Hochzeit immer etwas mehr I heraus. Es kam ans „Droscheschenk", ans Ausrufen der Hochzeits j geschenke. Der Schalksnarr stellte sich auf einen Tisch, und dir; Musikanten fingen an die Instrumente zu stimmen. Bei dieser! Gelegenheit verlassen die Ledigen ihre abgesonderten Plätze und > kommen herüber zu den Verheiratheten, denn sie sind auch neugierig, dic ' verschiedenen Geschenke zu sehen und die lustigen Reimsprüche de-' Schalksnarren zu hören. Der Schalksnarr machte seine Sache rechl gut, er rief die Geschenke mit dem Namen des jeweiligen Gebers aus und wußte zwischen Geber und Geschenk oft einen so feinen Zusammenhang herauszukitzeln, daß man bei jedem Ausruf aufs Neu, in helles Gelächter ausbrach und seine guten Einfälle mit lautein 1 Beifall und „Schekoichrufen" belohnte. Eben hielt er wieder unter ' der Serviette verborgen ein Geschenk in der Hand, das er enthüllen! wollte, und öffnete den Mund, um einen neuen gelungenen Einfa!! I in kräftigen Reimpaaren loszulassen, die ganze Gesellschaft stand; erwartungsvoll da, als einer der Hochzeitsgäste, der eben eine Weile > früher hinausgegangen war, wieder zurückkam, in die Hochzeitsstub, auf Haschele zuging und ihm etwas ins Ohr raunte. Haschele wurde ' bleich wie die Wand; schnell aber faßte er sich, ging auf den Vater! zu und sagte: „Vater-Leben! erschreck nicht, ich muß gleich heil» ' fahren! man sagt mir, es brennt daheim!" „Weh geschrieen!" rief der Randar. „Mach keine Störung da," sagte Haschele, „lind thu' dic Hoch! zeitsfreude nicht verwüsten, ich fahr schon." j „Lemaneschem!" (Um Gotteswillen) rief der Randar, „daß mir; das zukomme» muß. Nein, mein Haschel, ich bleib' keine Minute? langer da, ich fahr auch, wir fahren alle Drei." Die Hochzeitsfreride war durch diesen Zwischenfall allerdings g, , stört. Der Randar mit Haschele und Rachele machten sich sogleich! zur Fahrt bereit. . Die Pferde wurden rasch angespannt; der Randar konnte es! vor Ungeduld kaum aushalten. „Weh geschrieen, daß ich das erleb!! habe!" rief er ein über das andere Mal. Rachele sagte: „Sei nur ruhig, Vater-Leben! Du brauchst nicht se zu erschrecken, er ist ja daheim." „Wer?" „Leb!"! „Laß mich gehen mit diesem Beheme! Ein Spaß! Leb ist daheini! , Thut sich etwas, wenn Leb daheim ist. Bon Leb Beheme wegen \ könnt dic ganze Rande, ich will nicht sagen was, ich will mein Mund! nicht zum Bösen aufthun!"; Inzwischen waren die Pferde angespannt. Mali bestieg de» Wageil. »Jetzt Haschele," sagte der Randar, „nimm Du die Peitsch' in j die Hand und laß mich sehen, was Du kannst. Hü! Hü! fahr zu'" z Der Wagen rollte von dannen. Di trübtest Tänzer Dl es auf abging; ängstlick Fahrt > ganzes Punkt Einbild lange f> Dorf b wenn i ausgebr den Be mehr i höchsten schon se waren, sich da aber, in undst Hüuserr ,,A gefoppt wenig , laufen En den Ho lagen n, sie »ich Feuers zwar n Gefahr kommen „E abgelau da gewc verricht' ihn ano kann ii und mi ereignet Der Kes wenn d Ohren, »achgeg tschlumi geträuu gekomm jetzt ist Rabbi! Ring c Chase» man d> an das im Tra man dc

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