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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-20 · Heft 45 (20.11.1890) · p. Seite 577

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 45 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
Seite 577 (sequence 5)
Language
German
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577 vir in „More seinen t. bald ge von beaut;e noch Islam michten f seine arischer bewußt hristem i unab mensch waschen Berlin egesetze, :ine ge zitirten eit und Aeuße enthum ter, ben Gesetze-! zründer s über haffuin, kommen Beidem heiduug zes und zu seim fhebung on de» den als mg eiujedwedr mzelner bgefaßi, neu sehr wie sie logischen daß sieb unvoll ft daher nosaische itnr ein seiten >» e heral>- lie n ach Leipzig gestiegen sei. Diese Richtung hält ihn nicht ab zu betonen, daß, „wer nicht mit vorgefaßten Meinungen an die Bibel herantritt, in derselben eine der denkwürdigsten Geichichtsurkunden der Welt zu verehren hat." Er findet sogar, „daß der biblische Urmensch von jenem der wissenschaftlichen Vermuthung nicht so weit entfernt sei. Wir erfahren blos, daß der Mensch im Garten Eden lebte, die Sprache besaß und nackend war, wessen er sich nicht schämte. Nichts hören wir davon, daß er ein Obdach oder Werkzeug besessen; in seiner Nahrung war er auf die Früchte der Bäume angewiesen. Von Gottesverehrung und Religion keine Spur; nur Scham lernen wir als erste Empfindung des Menschen kennen, als er vom Saunt des Erkenntnisses gegessen; dann Furcht, als er sich entdeckt sieht." Nachdem Hellwald einen Blick aus die Thierwelt geworfen und die der menschlichen Familie analogen Verhältnisse in derselben besprochen und gezeigt hat, wie bei den verschiedenen Thierarten das Verhältniß zwischen Männchen und Weibchen und zu ihren Nachkommen höchst verschieden gestaltet ist, >vie es außer der schrankenloseir Vermischung auch Vielweiberei (bei einzelnen Affenarten), Vielniännerei (beim Kasuar) und Einzelehe (Tauben, Raben, Sperlingen ». s. m.) giebt und sich bei vielen Thieren der Instinkt der Mutterliebe findet, bei manchen auch Spuren von Zuneigung des Vaters ,tt seinen Kindern und der Jungen zu ihren Eltern Vorkommen, lommt er zu dem Resultat, daß das Faktum familienhafter Geselligkeit nicht ein ausschließliches Produkt der Menschheit ist, sondern daß die menschliche Natur auch hierin denselben Weltgesetzen folge, wie die Thierwelt. Er hebt, indem er sich dann uttu Naturmenschen und Urmenschen wendet, noch einmal hervor, daß die biblische Erzählung die einzelnen Künste des Lebens in dem langen Zeiträume vom Sündenfall bis zur Sündfluth entstehen läßt und daß daher der „vertriebene Adam der Schöpfungssage genau an dem nämlichen Punkte stehe, wie der Urmensch der Wissenschaft, dem kein Paradies geglänzt habe." Schamgefühl, Kuß und Liebe in dem idealen Sinne, wie wir dies Wort gebrauchen, sind nach Hellwald erst Produkte einer verfeinerten Kulturentwicklung. Die ältesten geselligen Menschenvereinigungen seien ehelose Geschlechtsgenoffenschaften gewesen, in welchett die Begriffe der Blutschande wie der Keuschheit fehlten. Es würde zu weit führen, den überreichen Inhalt des Buches auch nur auszugsweise hier wiederzugeben, um so mehr, als in oiesem Blatte nur das interessirt, was mit dem Judenthum in Begehung steht. Nur so viel sei über die Methode der Ethnographie gesagt, daß dieselbe drirch Vergleichung der Sitten der heutigen Naturvölker mit den ältesten Sagen und Mythen der Kulturvölker, sowie mit deit in den niedrigen Gesellschaftsschichten der Letzteren auch noch heute üblichen Bräuchen ihre Schlüsse zieht. Das merkwürdige Resultat, das Hellwald in Uebereinstimmung mit Bachofen, Lippert und den meisten anderen Forschern der letzten drei Jahrzehnte gewinnt, ist, daß vor der Familie, wie wir gewohnt sind, sie uns aorzustellen — die aus Vater, Mutter und Kindern besteht — ganz andere Gruppirungen vorhergegangen seien. Die älteste dieser Gruppen ßi die Muttergruppe gewesen, die nur cius der Mutter und ihren Kmdern bestanden habe. Den Vater habe man gar nicht als zur Familie gehörig betrachtet. Diese Gruppe habe sich häufig zum Matriarchat entwickelt, wobei die Mutter Oberhaupt der Familie gewesen und bei welcher der Erbgang ausschließlich durch die weibliche Linie erfolgt sei. Daher die bei noch vielen Völkern übliche Thronfolge vom Onkel auf die Kinder seiner Schwester! Eine spätere Formation sei das Patriarchat. Ein Mann ist das Oberhaupt der ganzen Gruppe; Frauen und Kinder sind ihm untergeben, aber nicht aus Pietät, sondern weil sie sein Eigenthum sind, weil er sie mit starkem Arm zu schützen weiß. Sie sind nicht viel anders gestellt, als Sklaven und Heerden. In diese Periode fällt überhaupt die Entwicklung des Eigenthumsbegriffs. Erst die dritte Stufe ist dann die auf verwandtschaftlicher Zuneigung beruhende Verbindung der aus gleichem Blttt — von Vater- und Mutterseite — Entsprossenen, dasjenige, was wir als Familie bezeichnen. Alle Völker seien regelmäßig durch diese drei Formationen, die im Einzelnen wieder große Verschiedenheiten aufweisen, durchgegangen; vielfach haben sich aber auch während der jüngeren Perioden Reste der älteren Zeit erhalten, die utis ganz seltsam anmuthen, z. B. die Polyandrie, die Vielmännerei, wo eine Frau mehrere Männer habe. Diese Gesellschaftsform entwickele sich nur aus dem Matriarchat. Sie herrsche z. B. in Tibet, wo jede Frau gleichzeitig auch die Gattin aller Brüder ihres ersten Mannes sei. Aus einem solchen Verhältnisse sei die — auch in Indien vorkommende — Levirathsehe des mosaischen Rechtes entstanden, d. h. die rechtliche Verpflichtung des überlebenden Bruders, die Wittwc seines verstorbenen Brttders zu heirathen, falls dieser ohne Söhne verstorben sei (eine Sitte, die bekanntlich noch heute im Chalizageben fortlebt). Wenn im mosaischen Recht selbst diese Einrichtting unter einen andern Gesichtspunkt gestellt sei — nämlich den, daß der überlebende Bruder verpflichtet sei, die Familie des Verstorbenen zu erhalten — ihm Nachkommenschaft zu erwecken, so sei dies ein Zeichen, daß das Volk Israel zur Zeit der Gesetzgebung bereits auf eine höhere Gesittungsstufe gestiegen sei und das richtige Verständniß für die Ideen der ursprünglichen roheren Zeit, aus welcher sich das Institut erhalten hatte, schon verloren hatte. Die ursprünglichste Form der Eheschließung sei der „Frauenraub" gewesen. Er sei auch — wie aus Deuteronomium und Brich der Richter hervorgehe — bei den alttestamentarischen Juden üblich gewesen. Später sei dieser Raub zum „Scheinraube" geworden, indem die Eheschließung zwischen den betheiligten Familien verabredet, schließlich aber doch eine Art gewaltsamer Entführung nöthig gefunden worden sei, um zweifellos zu dokumentiren, daß die junge Frau nun ihrem Gellten folgen müsse. Die zweite Stufe ist der „Frauenkauf", der schon auf eine Entwicklung friedlichen Handelsverkehrs schließen lasse. In diesem Sinne wird auch die Morgengabc der Bibel gedeutet. Die Hebräer statiden bei ihrem Eintritt in die Geschichte auf der Stufe des Patriarchates, welchem die Vielweiberei entspricht. Das mosaische Gesetz verbiete dieselbe auch nicht, wie sie sich in der, That noch bei den Juden im Orient vorfindet; der Geist aber, in dem die Genesis geschrieben sei, sei schon der weiter fortgeschrittene der Monogamie. Demn betrachtet Hellwald noch die heutige europäische Familie, welche auf Monogamie beruht; erwähnt sei namentlich, daß ders Christenthum ein eheloses Leben für einen besonderen Beweis der Heiligkeit emgesehen habe, woraus sich dann ders Coelibat der Priester entwickelt habe, während andererseits auch das Verbot der Ehescheidung derselben Anschauung entspräche, daß „Nichtheirathen bester denn „Heirathen". Erst die Reformation habe diese beiden Fesseln gesprengt. Er kommt dann zu folgendem interessanten Bekenntniß: „Am meisten näherte sich noch dem erreichbaren Ideal des Familienlebens, wie es dem natürlichen Rechte entstammt und auf die sittliche Freiheit sich gegründet, die jüdische Familie des späten Mittelalters und der vorencyklopädischen Epoche. Die Juden Europas führten und führen vielfach noch heute im Ganzen ein etwas zurückgezogenes k

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