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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-20 · Heft 45 (20.11.1890) · p. Seite 574

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 45 (20.11.1890)
Date
1890-11-20
Page
Seite 574 (sequence 2)
Language
German
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-- 574 hilistellt, an benachbarten Schulen, wo ein besonderer konfessioneller Religionsunterricht angeordnet ist, dessen Erthcilung zu übernehmen. Alles in Allem athmet der Entwurf der Verschiedenheit der religiösen Bekenntnisse gegenüber nicht nur Gerechtigkeit, sondern sogar Wohlwollen. Wir führen zum Beweise nur diejenige Stelle aus de» „Motiven" an, wo über die Berücksichtigung der konfessionellen Minderheiten gesprochen wird. Es heißt da: „Geht die Zahl der Minderheit noch weiter herab (als 15) und ist es nicht möglich, durch Vereinigung von Kindern aus verschiedenen Schulen Hilfe zu schaffen, so wird sich ein Zwang gegen die Gemeindeil ilicht dlirchführen lassen, es ist i aber dadurch nicht ausgeschlossen, daß, wenn ein Lehrer zu gewinnen ist, Staatsmittel ergänzend eintreten." Daß bei einer solchen Uebernahme der Verpflichtungen, die der Staat für den Religionsunterricht theils selbst auf sich lädt, theils den! Kommunen überweist, das bisher zur Deckung dieser Bedürsnisie i mancherorts aufgesammelte Stiftungsvermögen in deil Besitz der betreffenden Kommunen übergeht, wird nicht mehr als billig sein, und auch da, wo dieser Besitzwechsel jüdische Gemeinden und Schulverbände trifft, sicherlich gern hingenommen werden. i Im Interesse des Religionsunterrichts, wie im Interesse der : Entlastung preußischer Synagogen-Gemeinden wollen wir wünschen, > daß der Entwurf zum Gesetze wird; jedenfalls aber dürfen wir den j Geist der Toleranz, der aus dem Entwürfe hervorleuchtet, als ein i gutes Zeichen nach mancherlei Trübsal ansehen.? Abermals die Leute von Sodom. Von Rabbiner Dr. Bäck in Lisia. Herr Dr. G. Minden sucht in der Nr. 42 dieser geschützten j Zeitung in einer geistreichen Erklärung und mit beherzigenswerthen i Worten die Schwierigkeit zu lösen, welche zweifellos darin liegt, daß der Eine der alten Lehrer den Ausspruch: scheli, scheli, schelecha sclielach, das Meine ist mein und das Deine dein, als aus der gewohnten Denkweise der Menschen hervorgehend ansieht, die andern Lehrer aber ihn dem gottlosen Stamm Sodoms, diesem lasterhaftesten Volke des biblischen Alterthums, in den Mund legen. Die! Kluft zwischen der Denkweise der Durchschnitts-Menschen und den! frevelhaften Grundsätzen der Einwohner Sodoms ist doch zu gewaltig,; als daß ein und derselbe Ausspruch: „und mögen die Lehrer in; ihren Ansichten noch so sehr auseinander gehen", von dem Einen i dem mittleren Durchschnitt der Menschen, von dem Andern den lasterhaften Einwohnern Sodoms zugeschrieben werden dürfte. Doch die Erklärung des Herrn Minden macht es nur begreiflich, daß die Klasse der Menschen, deren unerschütterlicher Grundsatz das scheli, scheli ist, ganz wohl zu den Leuten von Sodom gezählt werden darf. Aber die zu weit gehende Zahmheit und Milde jenes Lehrers ist noch nicht gerechtfertigt, der da meint, das scheli, scheli sei die gewohnte Denkweise der Menschen.; Ich meine aber, daß der angeführte Ausspruch eine ganz andere Gestalt gewinnt, wenn wir auf die Ausdrücke genau achten, deren sich derselbe im Urtexte bedient, und wenn lvir dem Ausdruck lia’aumer den w’jesch aiunrim entgegen halten.; Der Lehrer will uns sagen, daß ha’aumer, wenn der Eine oder j der Andere spricht: „das Meine ist mein und das Deine ist dein, > dann spricht er nur die gewöhnliche Denkweise der Menschen aus.! Diese Denkweise ist wohl verwerflich, wie der Egoismus überhaupt! verwerflich ist. Doch ist nicht der Egoismus ein Trieb, den uns j Gott eingepflanzt hat, und wo giebt es einen Menschen, der ihn enti behren konnte? Jedes Meuscheugemüth ist darum der Schauplatz eines Kampfes zwischen dem Streben nach Befriedigung derjenige» Triebe, welche nur die eigene Glückseligkeit ausschließlich zum Zwecke habe», also zwischen dem Egoismus und dem Seelenadel, der seine Glückseligkeit in dem Glücke findet, das er dem Nebenmenschen bereitet, und nur die Auserlesenen unter den Menschen sind es, die sich rühme» können, den Egoismus abgestreift, gänzlich überwunden zu habe»: der große Theil der Menschen trägt ihn in einem Winkel seines Herzens. Aber mag dies auch die gewohnte Denkweise, der Menschen sein, sie erkennen doch diejenigen als die edleren an, welche sich zur Opferfähigkeit erhoben haben, und es ist imnier Einer oder der Andere, der es ausspricht: „das Meine ist mein, das Deine ist dein." Denken wir uns aber, daß dieser Ausspruch für eine Gesammtheit maßgebend, daß er für sie das beherrschende Prinzip geworden, daß er als oberster Rechtsgrundsatz aufgestellt worden; denken wir uns, daß die Gesammtheit sich diesen Grundsatz zu eigen gemacht, daß nicht mehr ha’aiuner der Eine noch der Andere, sondern w’jesch aumrim die übergroße Mehrzahl, die Gesammtheit ihn ausspricht, dann wäre jeder Akt der Menschenliebe ein Verbrechen, dann wäre in der That das scheli, scheli die Art der Einwohner von Sodom, wo auf jedes Werk der Wohlthütigkeit die höchsten Strafen standen. Es ist keine Kontroverse zwischen zwei Lehrern, sondernder eine Lehrer sagt uns: ha'an me i scheli u. s. w.; so lange nur der Eine oder der Andere sich mit denr Ausspruche hervorwagt: das Meine ist mein, das Deine ist dein, dann ist es nur die gewohnte Denkweise der Menschen, die damit zum Ausdruck kommt, erst w'jesch aumrim, wenn eine Gesammtheit diesem Grundsätze huldigt, wird er wie in den Händen der Einwohner Sodoms ein zweischneidige? Schwert, ist er die nackteste Selbstsucht, die auf den Thron gehoben ist. U aufhör« Draditi die M spreche: auf die die nei „Gott i ge offen! ihnen der Os jfeste » festes; Thiere. gegen d Uutersck nur in iremder andere es heißt d. h. di gegen ' Hinweis des Gi ich aus mit eiu auch n inrserm 'pricht 1 die ich Munde Arber die Fortdauer des mosaischen Gesetzes im Zudenthum. oerheißt nachtaln Saadja Bo» Landrabbiner Dr. I. Hamburger. Einum (Schluß.) Andere hierher gehörende Lehren sind: „Es heißt im Sabbath gesetz: „er (der Sabbath) ist ein Zeichen auf ewig" (2. M. 81. 17), das bedeutet, der Sabbath werde nie aufhüren;" „die Propheten werden einst aufhören, aber nicht das Fünfbuch, die Thora." Gegen diesen Ausspruch des R. Jochanan (im 3. Jahrhundert) bemerkte sein Zeitgenosse R. Simon ben Lakisch, daß nicht einmal das Estherbuch, d. h. das Vorlesen desselben anr Purimfeste, und die Halachetli, das mündliche Gesetz, aufhören werden. Ileberhaupt erschien ihnen die ganze Frage von der Möglichkeit der Gesetzesauflösung nicht mehr neu, dieselbe wurde schon in den Tagen des Propheten Ezechiel auf geworfen und beantwortet. In Ezechiel 20, 32 u. 33 heißt es: „Uns wenn es in euren Sinn käme, was nicht sein sollte, und ihr sprechet: „lasset uns wie die Völker werden, gleich den Familien der Sünder. Holz und Stein zu verehren." So wahr ich lebe, spricht der Herr der Ewige, ob ich nicht mit starker Hand und mit ausgestrecktem Arm über euch herrschen werde. Ich lasse euch durch den Stab ziehen und bringe euch unter des Bundes Bande." Unter Hinweisung auf diese Stelle lehrten sie: „Damit Israel nicht spreche: „wir sind unter dev Völkern, lasset uns wie sie thun!" Nicht doch, ruft Gott, ich gebe es nicht zu, sonderir sende ihnen Propheten, die sie bessern und sie mir wieder zuführen werden." Nichtdestoweniger sprechen die Mystiker von dem Aufhören des Gesetzes in der Zukunft und der Offenbarung einer neuen Thora durch den Messias. Rabbi Joseph, ein Lehrer ii» 4. Jahrhundert zitirt die Tradition, daß in der Zukunft die Gesetze Nach ih ieinem i Der Dr nit meh gegen di iitiren l .'lutoritä darüber, girückzul ichnitt 1 gewechsel Deutlich« (esode >-ebot t ist, wed jemand wärm i gelvisse ,• weissag: ">if ewi -Erblich daß Go: (Hora l, klärung -Weil w der Syn

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