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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-11-13 · Heft 44 (13.11.1890) · p. Seite 569

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 44 (13.11.1890)
Date
1890-11-13
Page
Seite 569 (sequence 9)
Language
German
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569 Hegel: „Spinoza ist der Hauptpunkt aller modernen Philosophie. Wenn man anfängt zu philosophiren, muß man zuerst Spinozist sein. ' Die Seele muß sich baden in diesem Aether der reinen Substanz, in der Alles, was man für wahr gehalten, untergegangen ist. Es giebt keine reinere und erhabenere Moral als die Spinozas. Denn hier hat der Mensch nur ewige Wahrheit zum Zweck." «Vorles. über die Geschichte der Philos.) Schlciermacher: „Opfert mit mir ehrerbietig eine Locke den Manen des heiligen verstoßenen Spinoza! Ihn durchdrang der hohe Weltengeist, das Unendliche war sein Anfang und Ende, das Universum seine einzige und ewige Liebe. In heiliger Unschuld und tiefer Demuth spiegelte er sich in der ewigen Welt und sah zu, wie auch er sein liebenswürdiger Spiegel war, voller Religion war und voll heiligen Geistes, und darum steht er auch da allein und unerreicht Meister in seiner Kunst, aber erhaben über seine Zunft, ohne Jünger und Bürgerrecht." (Reden über die Religion.) Ludwig Feuerbach: „Hier ruhte die Philosophie von den tumültuarischen Extremen des Idealismus und Materialismus aus, zwischen welchen sie sich in Frankreich hin und her bewegt hatte; hier reinigte sie sich von allen fremdartigen Bestandtheilen, allen Verzierungen der Phantasie, allen Umhüllungen des Anthropomorphismus; hier gab sie ein reines und getreues Ebenbild ihrer selbst." (Geschichte der neuern Philos.) Eduard Zeller: „Den ausgesprochensten Pantheismus vertritt Baruch Spinoza, jener Jude von Amsterdam, welchem die Unabhängigkeit seines Geistes, die Gediegenheit seines wissenschaftlichen Charakters, die unbestechliche Strenge seines Denkens, die selbstlose Hingebung an die Nothwendigkeit der Sache und ihre Erkenntnis; unter den neuern Philosophen eine so hohe Stellung anweist." «Geschichte der deutschen Philosophie.) Kuno Fischer: „Der Standpunkt Spinozas ist einzig in seiner Art, vollkommen ausschließend und ausgeschlossen, entgegengesetzt den entscheidenden Denkern sowohl der frühern als der folgenden Zeit." (Geschichte der neuern Philosophie. Bd. k, 2.) Soll ich diesen Urtheilen noch die neuerer Historiker, wie Trendelenburgs, Heinrich Ritters, Sigwarts, Erdmanns n. A., hinzufügen? Ich denke, dies Angeführte dürfte meinen Lesern genügen, hoffentlich auch — Herrn von Hartmann. 0, si lacuisses etc. 9 Feuilleton. #«**••*- Zer unbekannte Gast. Eine Geschichte von Eduard Knlke. «Fortsetzung.) „Ich schmus' (rede) mit Leb auch keine Weisheiten aus," sagte Haschele. — „Ich sag' ihm: das und das ist zu thun, und dann: so und so muß es gemacht werden." „Und er?" fragte der Vetter Joichcnc. „Und er," sagte Haschele, „schüttelt mit dem Kopf, wie Einer sagt: Schon gut." „Run, und macht er's nur auch gut?" „Machen thut er Alles, wie es sich gebührt. Ich Hab' noch niemals einen bessern Arbeiter gehabt. Reden thut er kein überflüssig Wort. Man macht' meinen, er ist stumm. Es kann sein, daß er sich nichts zu reden traut, weil er ein Behemc ist!" „Narrele," sagte Vetter Joichene, „dann inüßt' er ja davon wissen, daß er ein Beheme ist! Und wenn Einer das einsieht und sich deshalb vom Reden zurückhalten thut, ist die Behcmischkeit (Dummheit) nicht so groß." „Sei es, wie es will," sagte Haschele, „was geht es mich an!! Ich brauch' ihn ja nicht znm Gescheitrcden, ich Hab' ihn ja nicht als! Advokaten ausgenommen. Wenn wir ein' Prozeß haben, werd' ich mir ihn nicht lassen von Leb Beheme ausdenken; aber was ich von ihm verlang', das thut er, und das thut er gut, und auf dem Platz, wo ich ihn hinstell', da steht er fest! Mit einem Wort, er ist ein Mensch, auf den man sich verlassen kann."! „Run," sagte der Vetter Joichene, „was will mnir mehr haben? ' Mehr kann inan nicht verlangen!" j Die Schwester hörte mit großer Zufriedenheit auf das Lob ihres i Schützlings aus des Bruders Munde. , Während dieses Gespräches flogen die Karten um den Tisch! herum, und bald hatten diese die Aufmerksamkeit der Spielenden; derart in Anspruch genommen, daß die Fragen und Antworten immer j seltener wurden und endlich ganz aufhörten, j Man feierte den Chol-Hamoed, wie es sich gebührt, und da cs j sich wieder gegen die zweiten Tage Peßach zu neigen begann, jo! kehrte der Vetter Joichene in die Khille zurück.; „Also bei unserer Verabredung bleibt es," sagte er zum Randar! vor der Abreise, und dieser erwiederte: „Wie ich gesagt Hab'!"! „Apropoh!" sagte der Vetter Joichene noch zu Haschele, als er j sich auf den Wagen setzte, „hast Du heuer beim „Seder" (Ostermahl) i nicht den „Afikomen" (Nachtisch) gestohlen? Ich Hab' gar nicht ge-; fragt, wie bei Euch der Seder ausgefallen ist." j „Wie soll er ausgefallen sein? Wie in einem jüdischen.Hans." „Ihr habt doch Leb auch beim Seder gehabt?" „Was ist das für eine Frage?" „Weil ich ihn nieiuals bei Tisch gesehen Hab'." „Nu, wir werden doch ein' Jüdcn, der im.Haus ist, in der j Peßach-Nacht nicht vom Seder ausschließen." ' „Darum! Hab' ich gemeint, cs ist vielleicht etwas Lustiges vor-; gefallen! Also bleibt's gesund Alle!" „Glückliche Reis'!" Als der Vetter Joichene »ach Hause kam, sagte er zu seinem Weibe: „Ich muß Dir sagen, Zippcrl, so ein „Malches-Ponim" (königliches Angesicht) der Leb Beheme hat, das Hab' ich in meinem Leben nicht gesehen. Gestanden bin ich nur Alles und Hab' mir ihn angekukt!" „Wenn ich eine große Tochter hätt', die jede Stund' eine Braut werden kann, möcht' ich mir kein' so schönen Jungen in Dienst nehmen" — sagte Zippcrl. „Geh, sei kein Narr! wo denkst Du hin?" „Was ist tentsch, wo ich hin denk'? es hat sich schon einmal so etwas ereignet! Was kann mau wissen?" „Das sollt' Rachelc wissen, was Du da für ein' Gedanken hast! Weißt Du Zipperl, das Madel reißet Dir die Augen aus, wenn Du auch ihre Muhme bist." Zipperl zuckte mit den Achseln und sagte nichts. Auf der Rande draußen ging, nachdem die Feiertage abgelaufcn waren, wieder Alles seinen ruhigen Gang. Die Unterredung des Vaters mit der Tochter hatte das Resultat, welches der Randar vorausgesehen hatte, und nachdem er seinem Versprechen gemäß dem Vetter Joichene die Sache in Kürze mitgetheilt, ließ auch der Brief des Vetter Joichene nicht lange auf sich warten. Dieser Brief brachte eine Neuigkeit. Chone, des Vetter Joichenes Sohn, welcher in Prcßburg auf der Jeschiwah gewesen und jetzt zurückgekehrt war, ist Bräutigam geworden. „Masel tow"! Gut Glück! Gut Glück! - tönte es von allen

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