Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 43 (6.11.1890)
- Date
- 1890-11-06
- Page
- Seite 550 (sequence 2)
- Language
- German
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Ter wahre- Steeitpnnktist^die Vertretung der Ge-! Oberhaupt kann doch nnr der Rabbiner sein! Nehme» wirPenJull' Winde vor der Oefscntlichkeis, den, Staate gegenüber.!'an. der Kaiser besuche eine Stadt und jede Kirche sendct7 ihre ito lcmit; der Vorstandgewöhnlich d.e» Robbincr nicht, sorgsam s Tcpntationew Ta erscheint nun der Pastor. Hann der Pfarrer pachtet er daraus,', ihn überall zurückzudräiigen. — Warum geschieht AiM? ... Gewöhnlich ist es Ehrgeiz, das Verlangen,. zn glänzen, Mch z» zeige»; oft ein Schiele» nach einend Bändchen, einem Titel- Men. - Ter Rabbiner fühlt sich aus 'einem ähnlichen -Grunde beeidigt. -Laue Eitelkeit weift sich zurückgesetzt, man möchte''zu gern M'Änr hohe Tckset zugezogen werden, inöchte zn? gern die Haupt-. Mperson spielend Ware aber dies die einzige Triebfeder des Zwistes Maus.beidewSeiten,'dann wäre es eine Sünde, auch nnr ein Wörtchen U-darüber/zu verlieren; das mache Jeder init seinem Gewissen ab, ob W'smwr Ehrsucht^ zu ^Licbe Iliieiingkeit heraussorder» will —, die he hat aber eine» weit tieferen Grund, ist von'weit größerer. Tragweite? als man ihr anfänglich beimeffen möchte. Es sagt näms.der Vorstand:. wir sind die -Gemeinde, und der Rabbiner: Dich bin ihr Vertreter. Das .ist schon eine Meinungsver-> wollen eben he rt, bic der Untersuchung werth ist. , - Was verstechen wir unter dem Ausdrücke „jüdische.-Gemeinde?". RWir müsse» in Kürze.»1» uvo ausgehen und zwar wieder Babylonien Hzchm Ausgangspunkte envühlcn, wie denn auch das ganze Judenthiim nicht in Palästina, sondern in Babylonien wurzelt. ~ We. Mtude» Babyloniens ivare» keine Perser, sondern-Palästinens^ pund waren dies mit Wisse» lifib. Willen. Ihr.Vaterland war dM ^heilige Boden lM Bäter, dorthin .zog. die Ateisten ihre Sehnslich^ Unnt jeder Faser ihres Herzens hingen sie yn jenem Bodens' ^Wiederherstellung sie. erhofften; sie wären demnach ein Staat'im WSta ate. Sie hatten eigene Steuer, eigene Richter, eigene''Ges^^- NejigiöserMtzpnotiSmilD. abbiner P^Siegmund.Fetzler. Wer das Mißgeschick, unter welchem? her jüdische Stamm.seit (Histahc zwei .Jahrtausenden zuleiden hätte,' mit wenigen Worten' kennzeichnen wollte,, der. könnte dies nicht zutreffender als durch en l Pen alten, bekannten Ausspruch: ^kÄIuiimiäre nuckneter, «enipoi- ^^Dyick lmeret".. Unsere GtgneI^^ghrn näüilich zu ältest Zeiten die UMt durften ime mit den herrschenden Staatsgrsetzrn nicht in KoWW Mgerathcii; inuftOn. nur. willig ihre Dnltzstngsstener zahlen, ' hin und'- Uwiedrr einer Schraube Hachgrben, int Uebrigen konnten fle inihrer Hnrlenindüng als ihre wirksamste Waffchbeträchtet; mit vier sie dem --Jildenthiun zu Leibe ' gegangen sind:-?. Schon bei - der Gründling des zweiten: jüdischen '-Staates war Pie VerleinNdung geschäftig-.. 'Die - .... .. . . MammiNnjerrachten^ffch an den-üach Pälastiila^zurückgekehrteLExli-'? ^Mitte. thnn und laffen. zvas sie nur wollten. Ist ^olge dieser VerH.. lanten^ für bie toott den letzteren erlittene Zurückweisung dnnh falsche ^hältniffe »iufttki« die Inden politisch organisirt sein, mußten auch Berichte, die sie an den.Perser-König sandtcn. durch welche der Auf- ^ihre politische» Vertreter vor dem Staate haben. Diese sollte» hpst dis Tempels und.die Befestigung der Rtauern von Jernsalklil V natürlich angesthene. reiche Männer - sein, tun mit Nachdruck^nd. I ej,jc geraume Zeit Hintertrieben wurde lEsra 4,'11—24). Wrsolg für die Ihrigen arbeiten lu können. - Dieser Zustgnd tvur^ Diese günstM.Gelegenheit, die Bekenner der jüdischen Lehs« zu Adann auch nach Europa hinübergeschleppt.. Theils eigener Wille,. |. verdächtigeir ünv^zä verleumdet Pche von den Samäritanern an-? gebahnt wurde, scheint ein Günstling am.persischen Hofe beniktzt zu . habeil,' um seinen? Bernichtungsplan. gegen die Ges'amnitheit d.es 'jüdi- ' schni. Volkes ins Wert zu setze».') - Wie'viel äber die Maukwnrfs- ' arbeib der Verleumdung dazu beigctragen hat, uin^rn jüdischen Staat znm zweiten Male aus seinen Angel», zii heben, das erfahren wir ans? jener, wenn auch etwas sagenhaft kkligenden Erzählung in Gittin 551». JistAltcrthum wie im Mittelalter, in Klöstern'wie in Burgen wurden »theils Haft machte die Inden auch da zuin Staat im .Staate;, sie ^hatten eigene Gerichte, eigene Steuerorgane, sic wurden zu manchen ^Pftichten nicht herangezogeu, hatten aber auch keinerlei Rechte denst ^'Staate gegenüber, sie zvarcn Fremdlinge. Es war demnach'auch hier Nothivendigleit, eine» geachtete», -reichen, klligen, ei»fluftrcichctt'>; 'Marin an die Spitze der Gemeinde zu stellen, nnd so hatte der Staat mit den Vorstehern, mit den Führern diesert Z immer nur und schließlich ^—der Vorsteher! Natürlich! der Judenvorstehrr! der Vertreter des Staates im Staate! nach althergebrachter Sille, nach mittelalterlicher Gewohnheit. Ist das nicht beschämend füralle Jrlden? Gerade die Vorsteher solltei, trachten, diesen Ueberrest längst verschollener Zustande.heseitigt zu sehen. Der Vertreter der niodernen jüdischen Gemeinden vor der Orffcntlichkci?>so1s1rili anderer als der Rabbiner sein, dies erheischt.das Interesse des Judenthiims: Es ist. dies nicht rhdbinischer Ehrgeiz, der siegen soll, sondern die Vernunft,. die Einsicht und das Streben, jeden, auchde» geringsten Rrst her. alten Vopiirtheile von uns^ibzuschütteln.' Es soll ja der adchinistrativc Führer bei der Vertretung auch zugegeir sein,- als.uneigennütziger, selbstloser Mühewälter,. er darf abernicht der einzige und iiicht der oberste Vertreter der Kul tusgemei nde,. des R eligHnsv erban d es sein - Oderist der Gemeindevorsteher^ aiichtz.- kirchlicher-Leiter? Apolitisch grionderten Jude» zn thnn. Das wirr die Gemeinde, u nicht müde^ die heiligen.Kirchenväter wie7die frommen Dunkeler .Vii'iii,- »tüoch lieai die Gliche ,Hitlers. Ter Staat betrachtet uns ... .. v_ v:. teilte fcr^ch liegt die <^ache allder-s. Ter «tnpt betrachtet utts Männer, die Fäden der Verleumdung zu spinnen, ans denen die h als einheimische Bürger., wir haberi gleiche Richter, gleichen Schwur, 1 Schlingen gedreht würden für das tiefgehaßte.'Judenthumj ^.-gleiche und^E^steuer mit allen andern tlnterthänen. - Allein, tetnpora mutantnr?,Mil den. Zeilev' wechseln auch die ^Jndenfind Abgeordnete, ^ehrer^^rofefforen, StaatsrAhe. Hnsez/ ©ittenrHmb auch de^Judenhaß hat seine frühere Taktik.ausgegeben,' ^.ganzes Bestredxn<is1 dahin gerichtet. cmKinit unfern Nebenbürgern verbreitet nicht mehr die Märchen von Brunnenvergiftung, Hostienzu. sein, rviz/sind Deutsche. Franzosen. Engländer »Oesterreicher, ja . : schändllng, - Christenmord und ähnlichen Albernheiten, denn unsere ^?sogar — Ruffen. wir weisen den geringsten Lonvurf der Vaterlands- A^it ist zu nüchtern, um solche Ammenmärchen sich erzählen zu lasten. Dloslgt^it entniftet ab — lassen aber aus Unwrssr^heit den - galten Schandfleck bequem auf uns sitzen, .lasseq^uns i.n! Uder Oefsentlichkeit durch den Gemeindedorst^her ve^reten^ ist diesnirbt cklein sinnlos, sonden; geradezu beschämend. Denn Mheute — lmd das wird jeder Vorsteher zugeben — ist die Gemeinde Uvur ein religiöser Verband,, der, weil er sich allein erhaltm Mnuß. auckadministrative Führer haben soll; wir bilden heute »r kirchliche, nicht.aber politische Gemeinden, und kirchlicheD . Die in Esra 4, 6 enthaltene kürze Notiz iann nach meinem Dafürhalten, nicht anders aufgefatzt werden, als daß^her Chronist auf eine. Thatfache habe Hinweisen wollen,.^ in seiyer Zeit bekannt war, weshalb er sich mit einer leisen Andeutung begnügte. Der hier genannt König Ahasveros und der angegebene Zeitpunkt, in welchem die völlige^ Vernichtung des jüdischen Stammes geplant ^würde, stimmen mit dem Berichte im Buche,Esther vollkommen überein^ so daß der historische- Hintergrund des Pürimfestes nicht geleugnet rytrden darf.