Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 42 (30.10.1890)
- Date
- 1890-10-30
- Page
- Seite 545 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- Homer 1× ep/1025156
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54.') Hott einem anderen Berge her, der nur der Serbal sein kann, berichtet, doch ist es mir leider, trotz eifriger Nachforschungen nicht gelungen, sie, die wahrscheinlich verloren ging, ausfindig zu machen; doch wage ich zu hoffen, daß der bestimmte Bericht von der Uebersiedlung der heutigen Sinaiten von einem anderen Berge her, den die erwähnten Annalen enthalten, im Verein mit den anderen Gründen, die ich Ihrem Urtheil unterbreitete, Sie veranlassen wird, mich für berechtigt zu halten, der Jahrhunderte lang giltigen Annahme entgegen in einem andern Berg als der Dschebel Musa-Gruppe den Sinai der Schrift zti erkennen. Hiermit schließe ich, und wenn Sie, lieber Freund, meine Argumente vielleicht nicht überzeugt haben sollten, tverden Sie doch zttgeben, daß die Waage schwankt und hie „Serval", hie „Dschebel Musa" mit ziemlich gleichem Recht von den beiden Parteien gerufen tverden darf, die sich mit dieser Frage beschäftigeit. Robinson fordert, das; auf diejenige Stelle, die man für den Lagerplatz der Hebräer am Siitai erklären will, sämmtliche Angaben der Schrift über denselben passen müssen. Es soll sich dort Nachweisen lasseit: Die Spitze eines Berges, tvelche das Lager überragt, ein dem Sinai naheliegender Raum, der einer großen Menschenmenge gestattete, das zu überblicken, was auf demselben vorgeht, die Möglichkeit, sich dein Berg zu nähern, an seinem unteren Theil stehen zu bleiben, ihn zu berühren tnid ihn mit Hürden zu umstelleti. Wenn sich nun auch die Erfüllung dieser Forderungen aut Serbal nicht weniger gut oder schlecht denken läßt als am Ras <‘i;-(JaT(,-af, d. i. an derjenigen Spitze des Sinai der Mönche, die Robinson selbst für die Höhe der Gesetzgebung hält, so legen wir doch kein besonderes Gewicht auf dieselbe, weil sich in die Schilderung des getvaltigen Dramas der Gesetzgebung legendarische Elemente mischen, die sie ebenso wenig geeignet erscheinen läßt, festere geographische und topographische Gebäude auf ihrem Grund zu errichten, als etwa auf den Gesängen des Homer. Bon entscheidender Bedeutung scheint mir dagegen die Wirkung zu sein, welche beide Berge auf den Beschauer üben; solche Gefühlssachen lassen sich aber nicht messen und wägen. Burckhard, Lepsius, mir und vielen andern unbefangenen Gelehrten, ja auch etlichen gewissenhaften Gegnern unserer Ansicht, ist der Serbal, wie gesagt, größer, majestätischer und durch seine einheitliche Erhabenheit auch imposanter erschienen als der Sinai der Mönche, und Sie geben mir wohl zu, daß dieser Umstand für sich genügt, den Eifer zu entschuldigen, mit dem ich für jenen eintrat. Wenn diese Darlegungen Sie und mit Jhtten manchen Leser Ihres Blattes für seine Ansicht gewonnen Hütten, sollte es herzlich freuen, Ihren ganz ergebenen Georg EberS. V --«»* Feuilleton. Der unbekannte Gast. Eine Geschichte von Eduard Knlke. (Fortsetzung.) . Leb saß nicht bei Tische. Seit der Minute, da er in des Randars Dienste getreten tvar, bekam er sein Essett, wie alle Anderen, die im Hause bedienstet waren, hinausgeschickt. Daß er Jude tvar und die Uebrigen nicht, das machte in diesem Punkte keilten Unterschied; im Gegentheil, der Randar hätte es den Kindern sehr übel vermerkt, wenn sie aus dieseut Grunde bei Leb eine Ausnahme hätten machen tvollen. In diesen Dingen verstand er keinen Spaß: Jud oder Christ, wem ich bezahl' und tuet mein Brod essen thutder muß thun, wie ich ihm heiß', Einer wie der Andere, sonst ist kein Regiment im Haus. Das war so ziemlich seine Wirthschafts- Maxiiue; und die Kinder kannten, schützten und befolgten sie auch. Da Leb nicht bei Tische saß, so konnte man von ihm hier ebenso gut sprechen, wie von allen Anderen. Der Randar hatte es bisher vermieden, nach seiner Aufführung zu fragen; wahrscheinlich hatte er! nicht viel erwartet. Um so auffallender muß es der kleinen Tischj gesellschaft sein, daß der Vater diesen Gegenstand heute endlich einmal : zur Sprache bringt. „Laß mich hören, Haschele," wendete sich der Randar an den i jüngsten Sohn, während er der Tochter das leere Glas hinhielt, um es von Neuem Unfällen zu lassen, „laß mich hören, haben denn die Pferd' in gegenwärtiger Zeit so wenig zn thun, daß Tu Dir damit eine Spielerei machen kannst?" „Was für eine Spielerei?" fragte Haschele ruhig. „Zu meiner Zeit," fuhr der Randar in scherzhaftem Tone fort, „wie ich noch ein Jüngl gewesen bin, haben wir auch Rössele gespielt; | aber ein solches Spiel hat kein Geld gekostet. Wenn wir drei; Jünglein beisammen gewesen sind, dann haben wir nichts mehr ge-! braucht, als wie eine Schnur, dann waren zwei von uns die Röss',! und der dritte ist der Kutscher gewesen, und dann ist es gegangen,; über die Straß' und über die Felder hin, daß wir „gefnecht" <ge-; schnauft) haben, wenn wir »ns dann in das Gras niedergeworsen j haben." | „Was willst Tu damit, Vater-Leben?" fragte Haschele. „Was ich damit will?" erwiederte der Randar, „damit will ich sagen, daß, wenn Tu mit Leb Beheme Rössele spielen willst,! kannst Tu das am Sabbath Nachmittag meinetwegen thun, tvenn es Dir eine Freud' macht; aber meine Roß" und Wagen möcht' ich dazu tticht hergebe»." „Wer red't denn von Spiel?" fragte Haschele. „Was heißt, wer von Spiel red't?" fragte dagegen der Randar. „Hab' ich denn heut nicht gesehen, wie Du ihm gewiesen hast, wie man die Pferd' einspanueu thnt?" „Nun, das ist doch, scheint mir, keine Spielerei!" sagte Haschele. „Narrele, >vas Du bist," lachte der Randar, „was ist es denn, als wie eilte Spielerei? Du wirst doch nicht ernsthaft wollen Leb Beheme für die Pferd' abrichten? Du wirst doch nicht meinen, daß Du aus Leb Beheme einen Kutscher machen willst?" „Warum soll ich das nicht meinen, Vater-Leben?" „Warum? was ist das für eine Frage? weil er Leb Beheme ist!" „Nun Vater-Leben, und ich sag' Dir, ich mein' es doch." „Doch? was heißt das? ist heut Purim?" „Auf die Woch'!" sagte Borech, der Vater aber fuhr fort: „Willst Du mir ein Purimspiel im Voraus machen? hättest Du iveuigstens bis Purim gewartet, hütt' ich gesagt, Tu verstehst einen Spaß aufzuführen, tvie Gawriele Stusser in der Khille; aber heut'? tvas sollen die Narreschkeiten vorstellen? kann Leb Beheme ein Kutscher werden? kann man ihn lassen mit Pferd' umgehen? er kann ja das größte Unglück anrichten!" „Ich fürcht' ntich nicht davor, Vater-Leben," sagte Haschele entschieden, „und ich sag', man kann ihm das Leitseil i» die Hand geben; er kann es halten." „Von wannen weißt Du das so gewiß? hast Du vou ihm schon . ein gescheit Wort reden gehört?" Etnem Andern als dem Vater tvüre Haschele, welcher frühzeitig . eine große Selbstständigkeit erlangt, nicht so lange Red' rind Antj wort gestanden; es kochte bereits ein bischen die Galle in ihm, daß! er da ganz uuvermuthet eine so langwierige Prüfung zu bestehen