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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-10-23 · Heft 41 (23.10.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 41 (23.10.1890)
Date
1890-10-23
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Don Stäben in ausgedehntem Maße. Im Juli d. I. erhielt mm M. wiederum vom Landrathsamt in Heydetrug ein Strafmandat über 150 Mk. In (yofflc dessen sahen sich die Gläubiger des M. veranlaßt, zur Sicherung ihrer Forderungen einem dinglichen Arrest gegen denselben ansznbringen, und es wurde sein ans Grundzins erbautes Wohnhaus im Werthe von 4000 Mk, und sein tobte© sowie lebendes Inventarium im Werthe von 2000 Ntk. gepfändet. Ta hier M. als ein ordentlicher und strebsamer Mensch gilt, so sahen die Gläubiger von einem Verkauf ab. Nun war Nt. aber außer Stande, das Strafgeld von 150 Mk. zu erschwingen; deshalb wurde seitens des Landrathsamts wegen des Strafgeldes eine Anschlußpsändnng herbeigesührt und der Verkauf des sämmtlicheu Besitzes des Nt. bewirkt. Am 2. d. Nt. wurde vom hiesigen Gerichtsvollzieher Bautz bao Wohnhaus, welches einen Werth von ca. 4000 Ntk. darstellen soll, für 950 Ntk. und das tobte und lebende Inventarium für 450 Ntk., wie es Hecht, gleichfalls weit unter dem Werth, verkauft. Mithin ist das gesammte Vermögen" von ca. 6000 Ntk. für 1400 Ntk. veräußert worden. Nt. und dessen Familie stehen jetzt völlig mittellos da. L2 Ratibor, 20. Oktober. Am 35. Oktober beging der Herzog von Ratibor unter Theilnahme weitester Kreise sein fünfzigjähriges Herz og s jub iläum. Auel) die hiesige israel itis che Gemeinde glaubte, ihrer vaterländischen Gesinnung folgend und von Dankbarkeit gegen den allezeit humanen Herzog erfüllt, ihre Empfindungen in einer Glückwunsch-Adresse niederlegen zu sollen. Ter Herzog ließ auf eine Anfrage durch Kammerdirektor v. Gehren mittheilen, daß er die ans den Herren Rabbiner T r. B l n m e uthal, Vorsteher B artenfte i n und NepräsentantenViceseldwebel a. T. E ohn bestehende Deputation der Gemeinde „sehr gern" empfangen werde. Tie in einem Breslauer Kunstatelier verfertigte Adresse ruht aus seidenem Kissen in einer Mappe aus blauem Sammt mit goldener Verzierung; an den Ecken ist das Wappen des Herzogs in Gold ausgeführt. Die Adresse, deren Widmungsblatt prächtig auogestattet ist, hat solgeuden Wortlaut: Durchlauchtigster Herr Herzog! Gnädigster Fürst intb Herr! Weite Kreise der Provinz nub bes Vaterlandes rüsten sich in freudigem Wetteifer, zu dem Tagen da Ew. Durchlaucht vor einem halben Jahrhundert mit der Herzogskrone sind geschmückt worden, Hochdemselben Huldigung und Glückwunsch darzubringen. Gill doch der Jubelruf nicht allein dem fürstlichen Sproß erlauchter Ahnen und dem von allen Bevölkernngsktassen Seines.Kreises innig verehrten Mann, gilt er doch auch dem erhabenen Paladin Sr. Majestät und der treuen Stütze des Kaiserthrones, beni Helfer der Wahrheit, dem Hüter des Rechtes und dem Vater der Armen! Nicht in der letzten Reihe der Glückwünschenden wagt es die israelitische Gemeinde der Stadt Ratibor, zu diesem gemeinsamen Ehrentage den Gefühlen ihrer Anhänglichkeit Worte zu leihen. Die israelitische Gemeinde hat jederzeit, gleich den anderen Mitbürgern, an allen frohsinnigen und schmerzlichen Geschicken, welche das Herzogliche Hans betroffen, innigen Antheil genommen, und so ist es ihr au diesem bedeutungsschweren Tage Stolz unb Bedürsuiß, mit dem unterthäuigsten Ausdrucke ihrer nngetheilten, wahrhaft treuherzigen Empfindungen zu nahen. Möge der Allmächtige Gott Ew. Durchlaucht die Gnade verleihen. an einem glückumflossenen Lebensabend in unwandelbarem Wohlergehen die gestreuten Friedenssaaten eines ruhmvollen Erdenwallens zu herrlicher Ernte reifen zu sehen, mögen Hochdero heilig theuren Familienbande auch fürder alle Glieder in unversiegbarer Liebe unauflöslich zu einander ketten, geweiht und gesegnet von Geschlecht zu Geschlecht. und möge uns gegönnt iein, in Ew. Durchlaucht noch lauge, lange Jahre die Krone des Herzoglichen Hauses, den Rathgeber des Vaterlandes und den Beschützer der Gebeugten verehren zu dürfen. In ehrfurchtsvoller Ergebenheit harren Ew. Durchlaucht gehorsamste Vorstand, Repräsentanten-Kollegium und Rabbinat der Synagogen-Gemeinde Ratibor. Louis Barten st ein. Stadtrath Tor lau. Dr. Blumenthal. Die Deputation wurde Donnerstag Vormittag 10 Uhr im grünen Saal auf Schloß Stauden von Sr. Durchlaucht dem Herzog und Ihrer Durchlaucht der Herzogin in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen des herzoglichen Hofes überaus huldvoll nnb herzlich empfangen. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Blumenthal als Sprecher der Deputation seiner Freude Ausdruck geliehen, der Dolmetsch der Empfindungen der Gemeinde sein 311 dürfen, verlas derselbe die G l ü ckw un s ch - A d r e s s e und überreichte sie dem Herzog. Tiefbewegt drückte der Herzog Herrn Dr. Blumenthal und den anderen Deputirten die Hand und sagte: „Ich danke Ihnen herzlich für Ihre so schöne Adresse; Sie wissen ja, mit welchem Interesse ich die Angelegenheiten Ihrer Gemeinde verfolge." Darauf dankte auch die Herzogin in herzlichen Worten. Die Prinzen stellten sich den Deputirten vor, und nun begann ein längeres Gespräch, an dem sich alle Anwesenden lebhaft betheiligten und in welchem sich der Herzog wieder als Mann von seltener Menschenliebe und Seeleugüte zeigte. Am Schlüsse der etwa halbstündigen Audienz lud der Herzog die Deputation zur Frühstückstafel und zur Parade der Kriegervereine, in der Herr Cohn als Vorstandsmitglied des Ratiborer Kriegervereins Aufstellung nahm. Wiederholt trat Se. Durchlaucht während j der Parade an Dr. Blu menthal und Herrn Bar teuft ein mit scherz- I Haft liebenswürdigen Bemerkungen heran, bis die Deputation nach etwa! dreistündigem Aufenthalt auf Schloß Stauden unter wiederholtem j Händedruck huldvollst entlassen wurde.! G Norden, 16.Oktober. Die sechste Konferenz des Vereins der > israelitischen Lehrer und Kultusbeamten des Laudrabbi- > nats-Bezirks Emden tagte am 26. und 27. August in Nordheimers Hotel zu Emden. Der Vorsitzende, Herr Hauptlehrer Levy-Norden, exöffnete die Verhandlungen, indem er den Jahresbericht verlas. In demselben wurde unter anderem die Glückwunsch-Adresse des Vereins an den Vorsitzenden des Gemeindebundes, Geheimrath Dr. Kristeller, und das Dankschreiben des hochverdienten Herrn verlesen. Alsdann! erhielt Herr Landrabbiner Dr. Buchholz-Emden das Wort zu seinem j Vortrage über das Thema: „G e s ch i ch t l i ch e Entwickelung des! I uge 11 dunterri ch t s n a ch Bibel und Talmud." Der hochge-! schätzte Redner hatte vor zwei Jahren über dasselbe Thema bis Esra! gesprochen und setzte nun diesmal das Referat fort. Die Anwesenden folgten dem hochinteressanten Vortrage, welcher Ich Stunden währte, mit gespanntester Aufmerksamkeit. Der folgende Theil der Tagesordnung betraf die Besprechung von Schulbüchern, nämlich: 1. Herxheimers Glaubens- und Pf lich teu lehre in 31. Auflage, 2. die Rechenbücher von Kranke, He uer-Ma gu us, Steuer! und Backhaus, 3. Badt, Kinderbibel, 4. die hebräischen Lefe-; fibeln von Liebmann, Fauerbach und Herzberg. Ad 1 wurden auf Vorschlag die drei Hauptlehrer Selig-Emden, Fink-Aurich und Levy- Norden zu einer Kommission mit dem Aufträge gewählt, He^rheimers! Religiousbnch gründlich zu prüfen, die Ergebnisse dieser Prüfung dem j Gemeindebunde und dem Herrn Verleger mitzutheileu und sich zugleich ' bereit zu erklären, das Buch für jüdische Volksschulen umzui arbeiten. (Das Lehrbuch der jüdischen Religion von Dr. Feilchen-! feld-Schwerin. sowie das Lesebuch von Tr. Stein-Kassel waren zu spät j eingetroffen und konnten daher keiner Besprechung unterworfen werden).! Ad 2 nahm der Herr Referent Selig-Emden Bezug auf die Verfügung der königlichen Regierung zu Aurich, welche von Ostern kommenden Jahres nur eines der bezeichueteu Rechenwerke in den Schulen ihres! Bezirks gebraucht missen will. Der Referent empfahl das Rechenbuch von Kranke und begründete dieses. Wegen vorgerückter Zeit erfolgten nur noch einige freie Besprechungen. Die zweite Sitzung begann Morgens : 8' 2 Uhr im ersten Klassenzimmer der jüdischen Schalle zu Emden mit! der Lehrprobe des Vorsitzenden über das Gedicht „Johanna Selms" von Goethe, an welche sich im Konferenzlokal der Vortrag des Vorsitzenden: „Die schulgemäße Behandlung eines po etischeu Lesestücks" schloß. Der Vortrag währte über eine Stunde und erfreute sich des nngetheilten Beifalls aller Anwesenden. Alsdann wurde die interessante Debatte über den Gegenstand eröffnet, welche sich zuerst über bte Lehrprobe und sodann über . das Referat verbreitete. Die Ausstellungen 1 waren unbedeutend und wurden im Schlußwort des Referenten widerlegt. Sodann erhält Herr Apt-Emden das Wort zur Besprechung; über die bezeichneten hebräischen Lesefibeln. Derselbe kommt zum Er-! gebniß, daß Herzbergs Fibel zur Einführung empfehlenswerth sei, : während Israel-Norden und Renß-Nenstadt-Güdeiis für Liebmanns ’ Fibel sich anssprechen. „Badts Kinderbibel" (Breslan-Köbner)! hält derselbe Referent für sehr empfehlenswerth in der Mittelstufe 1 jüdischer Volksschulen. Hierauf wird die Jahresrechmmg des Vereins! von den Herren Wolfs und Neuß revidirt, für richtig befunden und dem Vorsitzenden Decharge ertheilt. Herr Landrabbiner Dr. Buchholz gab einen kurzen Jahresbericht über den Waifenverein des Landrabbinatsbezirks. Derselbe zeigt einen merklichen Fortschritt. Bei der Vorstandswahl wurde der bisherige Vorstand per Akklamation l wiedergewählt. Als Ort der nächstjährigen Versammlung wurde wieder! Emden und als Tage der 25. und 26. August bestimmt.

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