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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-10-23 · Heft 41 (23.10.1890) · p. Seite 532

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 41 (23.10.1890)
Date
1890-10-23
Page
Seite 532 (sequence 8)
Language
German
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532 jenigen, welche sie schrieben, Araber waren (die Namen rc. beweisen cs), daß sie sich aber bei der Herstellung der Inschriften des Aramäischen bedienten, das damals als die Schriftsprache der semitischen Völker bis an den Saum der Wüste blühte. Diese Jnscription und die sie begleitenden sehr kindlich ausgeführten Bilder stammen aus den Jahrhunderten kurz vor und nach Christi Geburt und danken zum Theil heidnischen Wanderern die Entstehung. Schon im 6. Jahrhundert unserer Zeitrechnung war vergessen, wer sic hergestellt habe und zu welchem Zwecke dies geschehen sei; denn der alte Cosinus Indicopleustes (der Jndienfahrer), einer der ältesten Touristen, der offene Augen für archäologisch Interessantes besaß, durchwanderte damals die Sinaihalbinsel und war der Meinung, diese Inschriften seien von den ausziehenden Juden in den Stein gekratzt worden. Er hielt sie für hebräisch und fügte hinzu, daß die Schickung sie wunderbar erhalten habe, damit sie den Ungläubigen zum Zeugnisse dienten. Diese Inschriften nun, die im Wadi-Mokattcb am häufigsten sind, folgen verschiedenen Richtungen, und während sie am Sinai der Mönche nur vereinzelt Vorkommen, wurden sie am Serbal in reichlicher Menge gefunden. Er scheint das Ziel wallfahrender Nabatäer gewesen zu sein, und die Vermuthung liegt nahe, daß sie auf der Spitze dieses Berges, den sie für heilig hielten, Opfer dargebracht haben. Der Weg, der zu ihr hinaufführte, blieb zum Theil des Ras ec-^afcaf gab es dagegen einige spiegelglatte Granitflächen zu passiren, bei deren Erkletterung zwei gesunde Arme recht dienlich gewesen wären; aber es freut mich heute noch, sie bestiegen zu haben, zumal dies ohne nachhaltig böse Folge geschah. — Da die Dschebel Musaspitze seit der Zeit des Justinian für die Höhe der Gesetzgebung gilt, kann es nicht Wunder nehmen, daß man auf feinem Gebiet die Schauplätze sümintlicher Szenen des Dramas der Gesetzgebung bestimmen zu können behauptet. Einige sind gut gewählt, andere lassen sich mit dem biblischen Bericht schwer oder gar nicht vereinen. Man zeigt auf einer kleinen Gebirgsebene, von der aus die Felsmasse der Dschebel Musaspitze aufsteigt, sogar die Stelle, an der Elias, der bekanntlich nach dem Sinai floh, um sich dort zu verbergen, geweilt haben soll, doch es ist genau ebenso gut möglich, das; dem Propheten aus einer der vegetatiousrcichen, weil von einer Quelle benetzten Hochflächen des Serbal der Herr „im sanften Säuseln" des Windes erschienen sei. Tie Statte des brennenden Busches, die der Aufrichtung des goldenen Kalbes, des Felsens, aus dem Mose den Quell schlug, ja sogar die des Untergangs der Rotte Korah (siel) wird hier gezeigt, aber von so mancher läßt sich behaupten, daß sie recht ungeschickt gewühlt sei. Man war eben nur bestrebt, diese „geheiligte Landschaft" als Schauplatz der Wunder hinzustellen, die der Herr für sein erwähltes Volk verrichtete, und inan ging dabei noch heute erhalten. Schon Burckhardt fand „nahe der Spitze Stufen, die regelmäßig aus großen losen Steinen gebildet waren, die man von unten heraufgebracht haben muß und so künstlich längs dem Abhang ordnete, daß sie den Unbilden der Witterung und der vernichtenden Kraft der Jahre widerstanden haben und noch jetzt zum Aufsteigen dienen". Später sagte man ihm, diese Stufen seien die Fortführung eines Weges vom Fuß des Berges aus, den man einst durch den Felsen gehauen. Auf deni östlichen Gestein der Serbalspitze findet sich eine Plattform von ungefähr 50 Schritten im Ilmfang, und dort gewahrte er sowie andere Reiseilde einen Haufe» kleiner, loser Steine, die, etwa 2 Fuß hoch, einen Kreis von ungefähr zwölf Schritten im Turchmesser bildeten. „Gerade unter der Spitze fand ich," führt derselbe zuverlässige Beobachter wörtlich fort, „aus jedem Block nnt gerader Oberfläche Inschriften, die meist unleserlich waren. Die drei Nunnnern 25 bis 27 (es sind nabatäische) kopirte ich von verschiedenen Steinen". Auch der gelehrte und genaue Frankfurter Naturforscher Rüppetl fand auf der Serbalspitze diese „Einfassung von Feldsteinen", eine sogenannte „Sternlegung", und daß dieselbe ein alter Opferplatz sei, erfuhr auch er, da sich sein Führer derselben ehrfurchtsvoll wie einer heiligen Stätte näherte und dann, nachdein er die Schuhe ausgezogen, in ihrer Mitte ein Gebet sprach. — Dieser hier heimische Araber erzählte auch, daß er in dem Steinkreise schon zweimal ein Schaf als Dankopfer geschlachtet, und zwar einmal nach der Geburt eines Sohnes und dann nach der Genesung von einer Krankheit. Aehnliches berichten auch noch Andere; solche Dankopfer sollen aber heute nicht mehrJhier dargebracht werden. Bis in die dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts war indeß die Serbalspitze jedenfalls noch eine Opferstätte, und daß sie bereits um Christi Geburt Wallfahrer anzog, beweisen die nabatäischen Inschriften, die hier Burckhardt und Andere fanden. Mir selbst war es leider nicht vergönnt, den Gipfel des Serbal zu ersteigen; denn ich trug einen vor kaum vierzehn Tagen gebrochenen Arm im Gtpsverband, und der Führer warnte mich so dringend, von diesem Unternehmen abzustehen, daß ich ihm folgte. Wenige Tage später ließ ich mich freilich nicht abhalten, zwei Spitzen des Sinai der Mönche zu erklimmen. Auf den sogenannten Dschebel Musa gelangt man allerdings sehr bequem und ineist auf Stufen, bei der Besteigung so weit, hier sogar die Stelle zu zeigen, wo Abraham den Isaak zruu Opfertode führte, obgleich ja die Schrift dies in bestimmtester Weise weit ab von der Sinaihalbinsel geschehen läßt. Wenn der Bibelforscher hier auch eine feste Tradition findet, so wird ihn dies doch der Wahrheit wenig näher bringe»; denn sobald man der Dschebel Musa-Gruppc in der Zeit des Justinian die Ehre zugeschrieben hatte, der Berg der Gesetzgebung zu sein, wurde natürlich auch jeder Szene derselben ein Schauplatz angewiesen. Auf die Dschebel Musa-Spitze soll Mose sich zurückgezogen und die Tafeln des Gesetzes empfangen haben, doch widerspricht dem der biblische Bericht in vielen Stücken, während derselbe recht wohl zu der Ras ec-CatFmt' (Weidenspitze) genannten Höhe Passen würde. Dies veranlaßte viele Forscher, und wie gesagt, zuletzt auch Palmer, sie für de» wahren Schauplatz der Gesetzgebung zu erklären, und könnte ich mich entschließen den Sinai der Mönche für den Berg des Herrn zu halten, würde arich ich mich am liebsten zu dieser Annahme bekennen. Jedenfalls darf behauptet werden, daß, bevor Robinson die Eachack- Spitze für den rechten Berg der Gesetzgebung erklärte, Niemand daran dachte, sie dafür anzrrsehen. Auf ihrem Gipfel, den ich erklomm und genau untersuchte, fand ich keinen Stein, keine Inschrift, kurz gar nichts, was auf die Vermuthung führen könnte, sic sei zu irgend einer Zeit von Wallfahrern besucht lind heilig gehalten worden. Der rüstige preußische Hauptmann von Falten -Plachetzki, der mich begleitete und großes Interesse für die mich beschäftigende Frage gewonnen hatte, durchsuchte hier oben Alles und konnte ebenso wellig wie ich auch nur die geringste Spur von Menschen entdecken, die diese Bergspitze vor uns erklommen. Außer dem Jäger, der dem Steinbock folgte, hat in alter Zeit schwerlich ein Sterblicher das Ras ee-Caf<;af erstiegen, und heilig gehalten ward es noch weniger von wem es auch sei. Fassen Sie nun, werthester Freund, die außerbiblischen Traditionen mit mir ins Auge, so wird sich Ihnen wie mir die Ueberzeugung aufdrängen, daß sie viele Jahrhunderte lang verloren waren, daß auf der Sinaihalbinsel selbst zwar ein Berg für heilig angesehen wurde — und das war der Serbal — daß aber die eingeborenen Beduinen durchaus vergessen hatten, wo die auswandernden Hebräer gelagert, wo der brennende Busch gestanden, wo Mose beit Quell aus dem Felsen geschlagen u. s. w. Auch die Israeliten in

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