Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 38 (2.10.1890)
- Date
- 1890-10-02
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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3 Flecken Grundstücke zu arrendiren. Ohne Rübenackerland ist aber der! Unterhalt der Fabriken undenkbar. Trotzdem ist ein Gesetzentwurf,! -.oelcher Ausländern und Juden noch weitere Beschränkungen nach dieser! Dichtung hin auferlegt, baldigst zu erwarten. - Die vielfach zur Ent- Huldigung der unmenschlichen Maßnahmen des Zaren vorgebrachte Behauptung, daß die Ursache des Borgehens gegen die Juden lediglich i;it religiösem Fanatismus gegen die „Ketzer" liege, erleidet durch folgende ans Petersburg stammende Nachricht eine bedenkliche Erschütterung. Die vorjährige Gesetzesbestimmung, daß Juden, welche als Anwälte!-ei Geschworenen fungiren wollen, dazu einer besonderen Genehmigung; Atens des Jnstizministers bedürfen, wird nunmehr dahin ergänzt, daß Aes auch für die getauften Inden gelte." O Breslan, 26. September. Atls hiesigen U n iv ers i täts kr eisen > nd einige Ihre Leser interessirende Thatsachen mitzutheilen. Voll der Ernennung des Herr Dr. Nosanes zum Dekan der philosophischen Fakultät haben Sie schon Kenntniß genommen. Nicht minder erwähnensnerth ist aber die Wahl des Professor D r. Brie, eines Gelehrten, üi dessen Lldern ebenfalls jüdisches Blut fließt, wenngleich er selber nicht . ehr unser Glaubensgenosse ist, zum Nektar der hiesigen Universität. Tiefe Wahl trügt einen geradezu demonstrativen Charakter, insofern durch die Stimmen der theologischen Fakultät der Allsschlag für Brie , egen einen andern Professor, der anerkanntermaßen der antisemitischen Achtung huldigt, erfolgt ist. Unser Dozentenkollegium ist durch zwei! ingere Glaubensgenossen vermehrt worden. Herr Tr. Peiser, ein eborener Berliner, hat sich als Dozent für Assyriologie habilitirt, und >?err Dr. Skutsch wird in beu erstell Tagen nach beu Ferien seine : Antrittsvorlesung als Dozent für klassische Philologie halten. Oesterreich-Ungarn.! Wien, 28. September. Am Donnerstag fanden die Landtags- I ' a h l e ll in NA e d e r ö st e r r e i ch statt. Die brutale Agitation der mit : ,ii Klerikalen verbündeten Antisemiten ist auch au dieser Stelle scholl : - lederholt gekennzeichnet worden. Sie enbeteit damit, daß zehn klerikalz atisemitische und drei liberale Abgeordnete gewählt wurden. Dabei! ug die Taktik der Antisemitell dahin, die Wahlversammlungen der i \ iberaten zu stören und zu Hintertreiben. lieber die Hernalser Wähleri wsammlung z. B., .in welcher die Alitisemiteil jeden Liberalen hinans- arfen lind den Döblinger Bürgermeister direkt mißhandelten, berichtet as „Vaterland" zart mit folgenden Worten: „Die in der Majorität tefindlicheu Antisemiten bemächtigten sich des Präsidiums itnb schoben;ui weiteren Verlaufe so ziemlich alle liberalen Wähler zur Thür hinaus, speziell der Vice-Bürgermeister voll Döbling, Dr. Reisch, wurde buch- ^Üblich hinausgetragen." * Wien, 26. September. Soeben erhielt ich beu „Verwaltnngs-! ericht des Vorstandes der Syllagogeugemeillde zu Magdeburg." In demselben heißt es Seite 8: „Hier interessirt Ulis ganz besonders die hatsache, daß es Philippsohn's Bemühungen gelang, die erste wohlrganisirte jüdische Religionsschnle ins Leben gerufen zu haben. Durch eftript der Königl. Negieruilg vom 16. Januar 1884 wurde die Ge- > ehmigung zur Errichtung einer Religionsschule ertheilt und am 2. Feruar 1834 wurde sie feierlich eröffnet." Dazu heißt es in der An-! erkilng: „Die e r st e N o l d d e u t s ch taub s m i t A ll s n a h m e Hamburgs." In Folge dieser Anmerkung, die mir unbekallnt war, ' nd meine Bemerkungen in Nr. 35 dieser Zeitung gegenstandslos, was 4) zu konstatiren bitte. G. Wolf. w. Wien, 26. September. Dieser Tage fand hier ein Prozeß statt, - er nach gewisser Richtung Hill von großem Interesse ist. Hier besteht : ämlich ein Journal „Das Vaterland", welches klerikal-feudalutisemitisch ist. Es nennt sich eine „Zeitung für die österreichischmgarische Monarchie", und der Ehefredaktelir ist ein Ausländer. Die - gentlichen Leiter desselben, die im Hintergründe stehen, gehören dem oochadel an. Jahraus jahrein wird über die Korruptioll und besonders uber die der Presse geklagt. Jahraus jahrein wird über die „Judennesse" — und zil dieser Presse gehören alle Journale, die nicht in das vorn des „Vaterland" stoßen — geklagt und wird ihr der Name „Schandl resse" beigelegt. Um diesem liebet abznhelfen, wurde wiederholt voraeschlagen, voll Journalisten einen Befähigungsnachweis zu verlangen. Tiefes Journal stand dieser Tage vor den Schranken des Gerichts wegeil iuer Ehrenbeleidigung, begangen an dem Feldzeugmeister v. Scndier. Ta wurde konstatirt, daß dieser Artikel geradezu ein Muster virtuoser Ehrabschneiderei sei. Es fam ferner aus Tageslicht, daß der Redakteur durchaus nicht die Fähigkeit zu dieser Stellung besitzt, da ihm die nöthige Vorbildung fehlt. Hub derartige Leute sitzen zll Gericht über Andere und sprechen, als wäreil sie Muster lind Vorbilder voll Tugend. Der Autor wurde zu 8 Monaten Kerker verurtheilt, feine Hintermänner aber, die Grafen nitb Fürsten, gingen selbstverständlich straflos ans. Mall sollte meilien, daß diese Gerichtsverhandlung reinigend wie ein Gewitter wirken werde; ich kann mich jedoch leider dieser Hoffnung nicht hingebeu. Die Verwirrung der Geister ist eine zu große, und tarnt, wie ich meine, nur eine Katastrophe diesenl Wirrsal ein Ende machen. Vor Jahrell schrieb ich in der „Münchener Allg. Ztg.", daß es ulls nach den Worten Hamlets ergehen könnte: „Eill König geht durch die Eingeweide eilles Bettlers." Ich werde glücklich sein, menn mich die Thal fachen Lügen strafen werden. So wie die Verhältllisse jedoch jetzt liegen, schreiten wir an fin du siede einem derartigeil Zustande immer näher. - - Es sei mir llvch gestattet, folgender Stilbtütheu zu gedenken. Dr. Wiesinger, Dechant zll St. Peter hier (man nennt ihn den ewigen Doktoraudell, weil er jahrelang dazu brauchte, bevor er die Rigorosität ablegte), nannte in einem Gassenhauer die Jliden „Aas", und der Pater Emanuel (limis a imu Juceudu. es mag wohl der Teufel in ihm stecken) erklärte, er wolle nach dem Vorbilde Christi, der die Juden ans beut Tempel vertrieben hat, die jelugen Juden, und zwar mit der Hll ll d epeits ch e vertreiben. Nebenher geht daraus hervor, daß der Pater gar nicht das Evaligelium kennt, oder er hat vorsätzlich falsch citirt. Teull Jesus hat nicht die Juden, fonbern die Krämer aus dem Tempel vertrieben. Jll dieser Beziehung töunten allerdings auch heute die katholischen Geistlichen im Interesse der Religion wirken, da es jetzt zahlreiche Kirchen giebt, tu welchen sich Krämer befinden, die auch mit Gesinnungen und Ueberzeugullgeu Handel treiben. Außerdem giebt auch beispielsweise Maria-Zell, der bekannte Wallfahrtsort, Gelegenheit, die wirklichen Krämer von der Kirche wegzntreiben. * Lemberg, 20. September. Wie wir null aus kompetenter Onelle erfahren, ist Baroll Hirsch nicht mehr gesonnen, bei einem berartigen Entgegenkommen der Regierung seine Stiftung in dem bisher geplanten Sinne als juristische Persölltichkeit bestehen zu lassen, souderil ist entschlossen, die 12,000,000 Francs in der englischen Bank anzulegeu und die Zinsen davon der Wiener Allializ zur Erreichung derselben Zwecke zuznwenden. Rußland. Odessa, 28. September. Die Emigration von Inden nach Palästina hat der „Odessaer Zeitung" zufolge in letzterer Zeit sehr überhand genommen. Fast mit jedem Dampfer reisen Familien nach dort ab. Wie man dieser Zeitung mittheilt, gehen auch mit dem heutigen Dampfer wiederum einige jüdische Familien nach Palästina. Die Ursache der großen Auswanderung ist darin zu suchen, daß die Juden sehr vielen Einschränkungen in ihren Rechten ausgesetzt sind. Türkei. * (forrstarrtirropel, 20. September. Zwei türkische Staatsbeamte, welche sich z u tu jüdi s ch e u G l a n b e n bekennen, haben jüngst vom Sultan den Medfchidje Orden erhalten. Der eine ist Salomon Essen di di Toledo, NUtglied des Obersten Gerichtshofes in Adrianopel/ und der andere Moses Essend i bet M edigo , Sekretär im Marine-Ministerium in Eonstantinopel. — Nissitn Behar Salomon voll Demotica, in der europäischen Türkei, wurde neulich von Briganten gefangen genommen, welche seiner Familie sagen ließen, sie würden ihn tobten, wenn diese nicht das für ihn verlangte Lösegeld sende. Als die Behörden von dieser Gefangennahme hörten, beordneten sie eine Abtheilung Soldaten in den Wald, wo Nissan Behar Salomon festgehalten wurde, und diesen gelang es. den Entführten aus der Gewalt der Räuber, von denen drei getödtet wurden, zu befreien. * Jaffa, 10. September, lieber die hiesige A ck erb n u s ch u l e ist aus der Feder des Herrn Niego, Lehrer an dieser Anstalt, nachfolgender Bericht erschienen: „An den Baumschulen wurden verschiedene Arbeiten vollbracht; ebettfo am Garten, den Weingärten, Gemüsegärten und anderen Anpflanzungen. Unsere neuen Gärten versorgt die Baumschule auf das Beste. Alle neuen Pfropfversnche sind auf das Beste gelungen; auch sind die Alleen der Aepfet, Eukalipten und Granatbäume gelichtet worden. In dem Rebekkathale hat man mit der Urbarmachung be-