Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 38 (2.10.1890)
- Date
- 1890-10-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Stellvertreter, beide Kategorien nach der Mehrzahl der besonders für sie abgegebenen Stimmen, dann kommt der Wille der Wähler zn einem richtigeren Ausdruck. Hierbei tonnte man, um den erhobenen Beschwerden möglichst abznhelfen, bestimmen, dass die gestempelten Wahlzettel, deren Unterschrift entbehrlich ist, an 5 bis 7 von dem Vorstände bekannt zn machenden Stellen abgegeben werden können. Tie Wahlstellen können auf dem Wahlzettel gedruckt angegeben iverden. An jeder dieser Stellen würden 4 von dem Abgeordneten des Polizei-Präsidiums (8 42 G.) verpflichtete Personen die Abgabe der Zettel zu koutroliren haben. Die Einladungen zur Wahl haben bisher durch die in ca. 12.000 Exemplaren zu gebenden nutzlosen Beilagen unnütze kosten und Porti verursacht. Diese Beilagen sollen deshalb fvrtfallen. mindestens das Verzeichnih der Genieindemitglieder. Anderweitige Vorschläge, die Repräsentanten ltub die Stellvertreter etwa so ivie die Abgeordneten zu dem Landtag oder Reichstag wählen \n lassen, das; jeder Bezirk seinen vtepräsentanten wählt, scheinen weder durchführbar uveh zweckmäßig. Die Eiutheilung der Bezirke Ivürde sich statutarisch nicht festnageln lassen, weil die Wohnungsveränderungen und der Zufluß neuer Mitglieder immer neue Ungleichheiten erzeugen würden; sie noäre amt) nicht rathsam, weil Spaltungen in der Gemeinde je nach dem Wohnorte innerhalb Berlins sich ergeben würden linb weil der Gewählte nicht der Vertreter der Gemeinde, sondern seines engeren Bezirks sein würde. Ueberlässt man aber, wie es dann nothwendig wäre, dem Vorstände die jedesmalige Bestimmung der Wahlbezirke, dann würde er dem Vorwürfe, Wahlgevmetrie getrieben zu haben, sich in jedem Falle aussetzen, und das muß vermieden werden. Der vorgeschlagene Modus sucht die vorhandenen Uebelstände zu mindern, verbleibt aber im Prinzip auf dein bisherigen Wege." Es wäre deshalb der Grundsatz als maßgebend anznerkennen: „daß die Repräsentanten zusammen unb bk Stellvertreter zusammen je durch besonderen Stimmzettel zu wählen sind und diejenigen als gewühlt gelten, welche in der betreffenden Kategorie die Mehrzahl der Stimmen erhalten haben; daß alle drei Jahre nur 4 Stellvertreter zu wählen sind; daß die Stimmzettel persönlich abzugeben sind und eine Unterschrift nicht erforderlich ist; daß die Einladung zur Wahl mir durch Ueberseudnng der zwei gedruckten, abgestempelten Stimmzettel erfolgt, welche Dag und Stunde des Wahltermins und die zur Auswahl vom Vorstande bestimmten fünf bis sieben Wahllokale erhalten, daß außerdem die öffentliche Bekanntmachung im Sinne des Abs. 4 des 8 20 des Statuts im „Deutschen Reichsanzeiger" erfolgen muß." Hinsichtlich der Publikationen des Gemeindevorstandes wird ausgeführt: „Der d 78 des Statuts ist bisher nicht ausgeführt und durch Mittheilung d r e i j ä h ri g e r U eb e r s i ch t e n d es H a u s h a L t s und Angabe einiger Gemeindebeschlüsse an die Gemeindemitglieder erseht. Es wird gut sein, höchstens die dreijährigen Mittheilungen von Uebersichten im Statute vorzuschreiben, weil der Etat auf drei Jahre veranschlagt wird, und dann erst eine genügende Uebersicht möglich ist; vielleicht genügt schon die bloße Auslegung auf der Gemeindestube und Bekanntmachung, daß Jeder binnen vier Wochen sie einsehen kann. Alle Genleindebeschlüfse regelmäßig mitzutheilen. ist fast unmöglich und auch bisher nie geschehen. Blau könnte höchstens die wichtigeren, welche von prinzipieller Bedeutung sind, und nur nach Auswahl des Vorstandes mittheilen. Sieht mau eine Tagesordnung der Repräfentanten- Verfammtung an, so überzeugt man sich, daß höchstens ein Gegenstand derselben oder zwei sich einer weiteren Bekanntmachung lohnen. Die Menge der Berathungen und Beschlußfassungen betrifft Etatsfeststellungen, Rechnungslegungen, Anstellung von Beamten, Gewährung von Gehalt und Pensionen, Annahme von Legaten, Aenderungen von Reglements u. dgl. mehr. Mir ist keine Korporation oder auch nur größere Gesellschaft von 12,000 und mehr Mitgliedern bekannt, in welcher alle Beschlüsse der Behörden allen BMitgliedern gedruckt zugesandt werden. Wer sich für eine Frage interessirt, mag sich erkundigen; man braucht nicht, um diesen seltenen Fällen gerecht zu werden, Allen Alles aufzndriugen und ins Haus zu schicken. Schließlich sei bemerkt, daß ein baldiger Abschluß der Nevisionsarbeiten des Statuts auch aus dem Grundewünscheuswerth ist, um die bau- 1 i ch e n E i n ri ch t u u g e n der Büreaus für die verschiedenen und zu z e n t r ali sir eud eu Verw a ltuu geu und Ras s eu herbeizuführen." L Berlin, 26. September. Die Zahl der Festgottesdienste au den diesjährigen hohen Feiertagen war wiederum eine sehr j bedeutende, und nach den uns vorliegenden Berichten waren die sämml-; tichen Tempel und die zn gottesdienstlichen Zwecken umgewandelten Säle bis auf den letzten Platz gefüllt. Die jüdische Gemeinde hatte außer in; den drei Synagogen noch in der Philharmonie, in den Sälen des Ver; eins junger Kauften.te, der Gesellschaft der Freunde und des Hote; Imperial würdige Veranstaltungen getroffen; als Prediger fungirter | neben den Gemeinderabbinern noch die älteren Hörer der Hochschule. ' Die Reformgemeinde und die Synagogen-Gemeinde Adaß-Iißroel hatten neben ihrem Hauptgottesdienste noch besondere Ki n der go ttesdi enstc-; eingerichtet. Die ständigen Tempel der zahlreichen Religionsgesellschaften ' sowie die Betsäle mancher Wohlthätigkeitsinstitnte, wie der Waisenhäusc und des Krankenhauses, waren mit Andächtigen dicht gefüllt. Von . sonstige!i Gottesdiensten heben wir noch hervor: diejenigen in der Sing atädemie, im Konzerthause, im Architektenhanse, im Lips'scheu Konzerl : saal, im Eity-Hotel, im Schützenhause, im Handwerkerverein, im Gesell schastshanse, in der Alhambra, im Altstädter Hof, im Wintergarten de Grand Hotel am Alexanderplatz, bei Buggenhagen, im Ro senk Haler Garten. In den Sälen von Cassels Hotel fanden sogar zwei verschieden Gottesdienste statt, darunter einer von den Zöglingen des Rabbiner seminars. — Die jüdischen Soldaten waren, soweit es angängig war beurlaubt und waren in stattlicher Zahl in den Gotteshäusern z-i erblicken. * Berlin, 28. September. Zu den. jüngsten skandalösen Vorkommnissen in Adelskreisen bringt das „Kons. Wochenbl." ein „Wort zur Abwehr", worin gegen die „Verallgemeinerung der Hnndtungsweii i Einzelner in der Richtung einer Belastung des Standes, dem sie ange! hören", protestirt wird, es heißt da: „Wohin sollte es überhaupt - be: j gleichem Maß für Alle — führen, wenn jede Ausschreitung junger, j unüberlegter Hitzköpfe oder verkommener Lumpe stets dem Stande, der! i sie angehören, zur Last gelegt werden dürfte. Glaubt man etwa, ban im Bürgerstande unter „Kaufleuten, Aerzten, Juristen, Handwerkern. Künstlern" :c. und deren Söhnen etwa nicht Drohnen vorhanden sind: daß bei ihnen der Becher der Lust nicht auch gelegentlich überschäumt' | Fallen nur christlichen Männern Vergehen gegen die Moral und da! Sittengesetz zur Last - haben nicht auch Juden das Elend gefallener I Mädchen ans dem Gewissen? - Und um einzelner Auswüchse, einzelner! Ausschreitungen willen, die zn allen Zeiten vorgekommen sind und zu? künftig stets wieder Vorkommen werden, darum Alles Räuber und Mörder, j Sehr richtig! Worauf beruht denn aber der Antisemitismus'! Warum besitzen jene Herren nicht den Muth und die Ehrlichkeit, den! Grundsatz, welchen sie hier aufstellen, auch auf die Juden anzuwendeu ’ | Damit würde der Judenhetze der Boden entzogen, allerdings aber airn i einer ganzen Anzahl konservativer Blätter und Blättchen ihr Pikantester! Stoff genommen sein.! * Berlin, 28. September. Die Nachrichten über die Lage unserer I russischen Glaubensgenvssen lauten andauernd ungünstig. Wie! die „Nowoje Wremja" erfährt, tritt im Ministerium des Innern den:! nächst eine Spezialkonferenz zur Lösung der Judenfrage zusammen, i Die Konferenz werde zusammengesetzt sein aus Vertretern drr höhere.!; Verwaltuugsbehörden und den Gouverneuren der Provinzen, in denen! die Juden ein Heimathsrecht besitzen. Tie Konferenz soll das von der früheren Kommission unter dem Vorsitz Pnhlens ausgearbeitete Projeu prüfen, theils annehmen und theils verwerfen. Endlich werde die Kon ferenz über den Handel mit Spiritus beschließen, soweit derselbe von Inden in den südwestlichen Provinzen unter angenommenen Firme: namen ausgeübt werde. Da der Pahleu'sche Entwurf ein für die Jude: vcrhältnißmäßig günstiger war, so wird die Aufgabe der neuen Kon! ferenz wohl darin bestehen, das Gute, welches jenes Projekt enthiel:; aus demselben heransznstreichen. — Da übrigens Rußland nichts hau thuu will, so bereitet das Ministerium, wie berichtet wird, bereits Schrill : vor, um die Unglücklichen zu bestrafen, welche nach erfolgte: : Ausweisung etwa in anderen Ländern nicht geduldet und nad:; Rußland zurücktransportirt werden sollen. Wie die „Akoskanee j Zeitung" berichtet, sollen solche Personen ans administrativer! Wege zur Ansiedelung nach den Provinzen Tomsk und Tobolsk ver schickt werden, abgesehen von einer über dieselben zu verhängende': Gefängnißstrafe von einem bis zu drei Monaten. — Im Kiew scheu General - Gouvernement ist von Neuem die prinzipielle Frag: aufgeworfen worden, ob Ausländer und Juden das Recht hätte!., i Aktionäre von Attienzuckerfabriken zu sein. Es sollen nämlich titcu; solcher Aktien in Händen jüdischer Kapitalisten sein. Indessen besitze:!! Juden und Ausländer nicht das Recht, außerhalb von Städten und Flecken llnterlx .welcher Aichtui ühnldic Pehau) m relil aiiö P Die r! ci Ge uitens Oes ai O >:iid ei! e rnem Fakult' nerth w bessi . ehr r Liese l l mrch! .egen < oichtui inger, oborei gerr 7 Ulitrit a h (i mit Kl ■ :ebcii atiseu n a k rnbern : miaut ' nrfen i as „8 iefindl un wei 2pezie! ü üblich : ericht L'msell? hatsa . cgani citri); ' 4)iuio! mar eriiu oaml ' nd 11 uh ZU w er n rnmlic ntiser n gar - gentl oocha! der i .resse" vorn! v-rcffe" ueichla Lieses -iner < La w: