Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 38 (2.10.1890)
- Date
- 1890-10-02
- Page
- Seite 497 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227864--47395-3268914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
497 eisterschaft unter dem Couvreur, che über- -Englandeten, ihre itnahmen, rkige und :chgehends berührten, nent vor-!unde und en. Herr rscheinung achte, lind bel, ihren füllt war. (keit durch Verdienst knngseifer titanischen e belgische Werk für nche Vorchen: die >en Urzeit i heute in ifmerksam issen: die Die Ideen ud nnverrines und lrnng des itspringen mg dieser en Geister von Frau stvendigeii ender Art Gründung >en. „Ich Vorrede, irden, wie noch Verls Ghetto he, solche geeignet, n zurücklht. tient dans par Mail. -»--E Feuilleton, Der unbekannte Gast. Eine Geschichte von Eduard Kulte, i. Der Schnorrer. „Dell Wahnsinn kann inan kriegen, was die Trunkenbolde draußen für ein Gelärm machen. Ich könnt' das nicht anshalten," — sagte Reb Joichene zu seinem Bruder, dem Randar, worauf dieser erwiederte: „Ihr Khille-Lent' seid große Herrschaften, wir hier auf! dein Dorf sind nicht so nobel; gemeine Leut' müssen mit Wasser kochen!" Rachele, des Randars Tochter, aber fügte hinzu: „Auf einer .Rande" kann es nicht anders sein, da muß es ein Gelärm geben; mb je mehr Gelärm sie machen, desto besser für uns, desto größer ist auch die „Parnoße" (das Einkommen). Wenn Dll nur einmal vier Wochen möchtest bei uns bleiben, dann möcht' es Dich gar nicht mehr geniren, das Gelärm; wir spüren es gar nicht, mögen sie lchreien, wie sie wollen!" „Meinst Du das in Wahrheit?" fragte Reb Joichene lächelnd und faßte seine Nichte beim Kinn, — „kann sein, ich glaub' aber nicht; ich will übrigens sehen, wie weit ich es in einer Woche bringe» . tann; denn über „Channkeh" (Tempelweihe) bleib' ich bei Euch." „Gewiß? über ganz Channkeh?" — fragte das Mädchen und .latschte vor Freude in die Hände. „Heda! was giebt's denn da herinnen? Habt Ihr Jüdelein denn ent' Euren Kir'tag?" fragte der Bauer Pawel, der, durch das! Händeklatschen angelockt, die Thür geöffnet und den Kops neugierig j ui die zweite Stube gesteckt hatte. i „Man wird doch in seiner eigenen Stub' lustig sein dürfen?"! mgte Reb Joichene, den diese Zudringlichkeit verdroß. „Pst!" wehrte der 'Randar den Bruder ab, und zu dem Zauer gewendet sagte er: „Wir freuen uns hier herinnen, weil Ihr : vranßen so lustig seid," — mit welcher Auskunft der Bauer zufrieden-! gestellt sich wieder in die Schänkstube zu seinen Genossen zurückzog. I „Ich könnte mir das Astes nicht gefallen lassen!" sagte Reb! .wichene, nachdem sich die Thür wieder geschlossen hatte, — „daß ei»; köcr Bauer mein Oberherr sein soll." „Meinst Du, Joichene, wie bin ich da in einem Schrecken gestanden," i iagte der Randar; „ich Hab' Furcht gehabt, Du wirst noch mehr; nben und wirst den Bauer beleidigen. Du magst meinen, der Bauer; nt der Bösewicht Amalet, indessen ist er, wie Du ihm ansiehst, ein! 'einer Mensch und giebt mir das Jahr hindurch ein schöne paar Groschen zu verdienen; nur „Eßew", ein großer Fresser und Sauser! nt er, und wenn er ein bissel zu viel Branntwein im Kopf hat, . nacht er gern seine Spaßeleien, meint's aber nicht schlecht, und daran; und wir schon gewöhnt."! „Du magst sagen, was Du wistst," warf Reb Joichene dagegen ein, „das Dorf bleibt immer Dorf, und die „Khille" bleibt; doch immer „Khille". Als einzelner Jude da unter lauter Bauern! i erumzngehn und jedem extra Komplimenter zu machen, da gehört! cm eigener Gusto dazu; unser Rachele da darf mir keine Randarin! werden, der muß ich in der Khille einen Bräutigam heraussuchen."! Bei diesen Worten hatte das Mädchen die Thürklinke bereits in! c or Hand, und ans die Frage des Reb Joichene: wohin sie gehe?! - sagte sie kurz: „hinaus in die Schänkstub'", und schloß die Thür hinter sich. i Das „Bestandhaus" lag in der Mitte des Dorfes. Es war ein j wrrschaftliches Gebäude und zeichnete sich durch seine Bauart sowohl,! als auch durch den Umfang von asten umliegenden Häusern ans.! Hätte der Dorfpfarrer nicht in der letzten Zeit eine neue Wohnung I bekommen, die einen Stock hoch gebaut war, so wäre das „Bestandhaus" das einzige einstöckige Haus im ganzen Dorfe gewesen, denn alle andern Häuser hatten nur Wohnungen zu ebener Erde. Jetzt nannte man die Pfarrei auch das neue „Stockhaus" zum Unterschiede von der „Rande", die man das alte „Stockhans" nannte. Dies war in der That auch der äußere Unterschied, der zuerst Jedem in die Augen fiel. Die Pfarrei machte schon von fern einen freundlichen Eindruck; das „Bestandhaus" hingegen >var von außen düster und hatte das Ansehen einer alterthümlichen Ritterburg. Desto lebhafter und freundlicher war es aber im Innern dieses Gebäudes. Hatte man einmal die Schwelle des kleinen Pförtchens überschritten, welches neben dem größlentheils geschlossenen Thore in der Regel offen stand, so befand man sich im Innern eines weit ausgedehnten Hofraumes, welcher ein großes Rechteck bildend, von allerlei Baulichkeiten, wie Stallungen, Wagenschnppen, Schellern u. s. tu., auf der rechten Seite und im Hintergründe begrenzt war; links dehnte'sieh der ganzen Länge nach die Branntweinbrennerei ans, und die vordere Front bildete die Wohnung und das Schanklotal. Letzteres war eine mächtig große Stube zu ebener Erde, in deren Bütte eine hölzerne Säule vom Fußboden bis an die hölzerne Zimmerdecke ragend emporstrebte und bestimmt war, letztere zu stützen. Von der Schankstube aus gelangte man in die anderen Zimmer, ivelche als eigentliche Wohnung benutzt wurden. Die Zimmer im ersten Stock waren wohl nur der Parade wegen da; man öffnete dieselben nur in außerordentlichen Fällen, wie wenn Gäste kamen oder sonst dergleichen. Der Randar blieb mit seiner Familie, obwohl diese nicht eben klein war, denn er hatte nebst Rachele, seiner einzigen Tochter, noch drei Söhne, am liebsten unten, in der Rühe des Geschäfts, nni in nöthigen Fällen gleich bei der Hand zu sein.» Heute war zwar ein lieber Gast anwesend. Tetz Randars Bruder, Reb Joichene, den wir bereits flüchtig kennen gelernt haben, war aus der „Khille" heransgekommen, um den „Chanuteh" auf dem Torfe zu verleben. Die oberen Zimmer wurden aufgesperrt, Reb Joichene aber wollte durchaus nicht oben bleiben, sondern bestand darauf, daß mau ihn z» ebener Erde einquarliere. „Bin ich wahnsinnig", sagte er, „daß ich mich allein da hinaufsetzen soll, wenn Ihr Alle hier unten bleibt. Ja, wenn Ihr nichts zu thun hättet und bei mir oben bleiben könntet, dann ja; aber so thu' ich'S wirklich nickst. Wie, ich werd' mich da hinaufsetzen? einmal zum „Jowel" (Jubeljahr) komme ich heraus, will ich die paar Tage mit Euch zusammen zubringen. Du kannst Dich nicht zu mir hinanfsetzen, Deine Kinder auch nicht, Rachele kann sich von der Schänkstube, scheint mir, gar nicht trennen, ist gescheiter, ich bleib' auch unten, kann mau doch wenigstens hin und wieder ein Wort rede» miteinander. Wenn ich wist allein sitzen, hält' ich können drin bleiben in der „Khille" und hätt' nicht gebraucht zu Euch heransznkommen." Reb Joichene wurde demgemäß zu ebener Erde in einem der Zimmer einquartiert, sodaß er mit seinen lieben Verwandten beisammen sein konnte. Allerdings fühlte er sich hier, wie wir gesehen haben, ein wenig unbehaglich; den» an das Schreie», Toben und Lärmen einer Schankstube muß man gewöhnt sein, um davon nicht unangenehm berührt z» werden. Und woher hätte Reb Joichene, der in der „Khille" geboren und erzogen war, an eine Schänkstube gewöhnt sein sollen? Indessen wählte er, wenn er trotzdem unten blieb, nur unter zwei Uebeln das kleinere. „Entweder ich geh' hinauf — sagte er sich —, dann langweil' ich mich und seh' nicht ei», zu was ich überhaupt herausgefahren bin, oder ich bleibe unten und dulde das Gelärm. Astes noch gescheiter, wie droben allein zu sitzen." So blieb er denn unten und unterhielt sich mit seinem Bruder über die Annehmlichkeiten und Vorzüge des Khistelebens vor dem Dorfleben.