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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-26 · Heft 37 (26.9.1890) · p. Seite 486

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 37 (26.9.1890)
Date
1890-09-26
Page
Seite 486 (sequence 10)
Language
German
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486 steh auf! befiehlt er sich. Er befiehlt, kann aber seinem Befehl nicht Folge leisten. Er kann sich nicht von der Stelle rühren, obwohl er glaubt, daß er geht, immer schneller geht. — Er sieht schon die Torfhiitten — da — hier wohnt Anton, dort Michel — er kennt sie Alle. Zum Inden ist noch weit — ja, es wird besser sein, gleich zu ihm zu gehen. Und er glaubt, daß er schon an der Hütte des Juden sei,. die sich aber immer mehr von ihm entfernte. Gewiß nmß es so sein. Aus beut Herde brennt ein lustiges Feuer, die dicke Mirel kocht einen großen Tops Kartoffeln, sie giebt ihm gewöhnlich einige davon — o Wonne! — heiße Kartoffeln. Und in Gedanken geht er immer weiter, obwohl er sich nicht von der Stelle rührt. Endlich glaubt er in der Hütte des Juden zu sein, er sieht, wie Mirel das Wasser von den Kartoffeln abgießt, und ihr Mann Mendel geht im Zimmer auf mtb ab. Er muß wohl Hunger haben, denn voll Ungeduld ruft er, man solle ihm 311 essen geben; aber Mirel scheint sich nicht zu beeilen, langsam geht es ihr viel besser von statten. Träume ich! ruft er plötzlich voll Freude. Er glaubt, daß sich die Thür öffnet und sein ältester Sohn David hereinkommt; David, 0 er erkennt if)ii! Was führt ihn hierher? Aber David erkennt ihn nicht, thut, als ob er ihn nicht sehen wollte. Ha, ha, ha, er erzählt Meudeh daß er 31t seinem Bater fahre, daß er seinen Vater nicht vergessen habe. Und Mendel, der Schelm, sagte ihm nicht, daß seit! Vater atu Ofen sitze, und Mirel, die mit ihren Kartoffeln beschäftigt ist, will ihre Arbeit nicht unterbrechen, sie lacht nur, und schweigt. O, David tnuß reich sein, Alles, was er trägt, ist neu, und eine Uhrkette, ob sie wohl von echtem Golde ist? Aber wie kann er ihm so was zumuthen! David wird doch keine unechte Uhrkette kragen. — Ha, ha, ha, seht, Jekel, Berek, Gedalja, alle drei! Sie haben sich unter den Ofen versteckt, diese Schelme. Ha, ha, ha, Schade, daß Rebekka nicht da ist; wenn sie auch diese Freude hätte! — David! David! erkennst Dll mich nicht? Ich bin es ja. Er glaubt^von seinem ältesten Sohn geküßt zu sein. Hörst Du, Tavidcheu; schade um die Mutter! Wenn sie Dich sehen könnte! Jekel, Berek, Gedalja, kommt doch aus eurem Versteck heraus; ich habe^Euch^ja gleichZerkaimt;^kommt hervor! Ich wußte, daß ihr kommen werdet. Sehet Kinder, hier ist gutes Kommißbrot). Nicht wahr? O wie schade um die Mutter! Und er glaubt, daß alle vier Kinder um ihn herum stehen, ihn küssen und liebkosen. — Sachte, Kitlderchen, sachte; drückt mich nicht so, ich bin nicht mehr jung, ich bin achtzig Jahre alt! Sachte, Ihr drückt mir ja meine alten Knochen zusanunen. Sachte, ich habe Geld in der Tasche! Gott sei Dank, man vertraut mir Geld an! Genug, Kinderchen, genug!. Und es war genug. Am andern Morgen fand man den alten Boten erstarrt, die steife Hand fest an seine Tasche gedrückt, im Schnee liegen. d West-östliche Poesien. Bon Dr. S a m u c l K r i st e U e r. Das sieben ist eine Brücke. — (Ls inüht sich seit ewigen Zeiten (Lin Heerzng ohne Lücke, Bon User zu User zu schreiten. Sanfbhebt sich die Brücke im Bogen, Jäh' senkt sie,311m Strande sich nieder, Wo branden urewige Wogen, Wo klingen uralte Lieder. Es wechselt der Zug mit den Stunden, Die Waller kommen und gehen; Den Strand, wohin sie entschwunden, Kein Sterblicher hat ihn gesehen. Ein wechselnd Kümpfen und Lieben Erschwert, erleichtert das Wandern; Die Einen helfen und schieben, Es drangen feindlich die Andern. ES wandert, von hüben nach drüben Der Heerzug ohne Lücke; Noch Keiner ist hüben geblieben, Noch Keiner kam je zurücke. Aus den Makamen „Prinz und Derwisch des Abraham beu Samuel ibu-Chisdm (lebte um 1230). $ Z-ür's Diesseits ordne so dein Streben, AIS war' gegönnt dir ew'ges Leben. — J-ür'S Jenseits aber wolle sorgen, Als käme dir der Tod schon morgen. Salomo ibu Gäbirvl: Mibeliar li;i[ieiiiiiiin (1050 . Säume nicht, in guten Tagen Himmelsschatz zu speichern, Denn es kommen Leid und Plagen Aermern wie auch Reichern. Was du Gutes dann erwiesen Schwachen und Betrübten, Wird als Trost zurück dir fließen, Dir, dem Gottgeliebten.? Wie Iercmiah über Helgoland denkt. Eine kuriose Gesehichte. Um denjenigen Lesern eine Enttäuschung zu ersparen, die keine langen Umschweife lieben und schon zu Anfang eines Aufsatzes wisse» wollen, worauf derselbe eigentlich ausgeht, möchte ich ich ihnen vorweg den freundlichen Rath ertheilen, diese Lektüre bei dem Punkt am Ende des laufenden und sehr zusammengesetzten Satzes aufzugebem denn nm zu vernehmen, wie Jeremiah über das Bischen Helgoland denkt, müßten sie mich auf einer Tour nach dem Morgenlande, einige Tausend Meilen über Land und Meer begleiten. Die aber den Mm h haben, sich mit mir ans das wenn auch gefahrlose, so doch etwa; langwierige Unternehmen einzulassen, heiße ich willkommen. Nu», wohlan! Es war etwa 1790 Jahre nach der Zerstörung Jerusalems linder Expatriirung der Israeliten aus Palästina, da ich eines Tag»; im Schweiße meines Angesichts mit „feurigem Wagen" auf ehernem Geleise mitten durch's Land der Lotusesser dnhinjagte. Ohne Haschnrb oder Opium genossen zu haben, pendelte mein Geist vom Orient zum Oreident und zurück, zwischen Alexander — ich meine nicht dm mazedonischen, sondern den von Bulgarien, der damals eben entführt worden war — und dem Raja von Benares hin und her, und meine Phantasie versetzte mich bald in das Getümmel eines europäisch;» Krieges, bald in das wildreiche Dschungel-Paradies an den Ufer» des heiligen Ganges, als ein von Bhopal des Weges daherkommendcr graubärtiger Mann sich zu mir gesellte. Es war mir ziemlich gleich-

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