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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-26 · Heft 37 (26.9.1890) · p. Seite 480

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 37 (26.9.1890)
Date
1890-09-26
Page
Seite 480 (sequence 4)
Language
German
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480 2ctt]e hewufdäliimern, die das Auge des Propheten erschaut, die I Tage, da alle Völker sich einen in Erkenntnis; Gottes, im Erkennen j und Schaffen des Guten, weil ihre Zelte sich aneinanderzureihen! beginnen, hatten wir unsere alte, einende Hütte abzubrechen? Der Streit nnb das Gezanke von Parteien könnte sie bald zum Wanten bringen! Darum ruft das Test zu harmonisch freudiger! Eintracht! Jede Eiuzelbestrebung sinke, jede Meinung, welche den j freudigen Einklang stört, trete, dem Ganzen sich beugend, Hohes! erhoffend zurück!! Von jeder der Schattirungen in seinem Glaubensleben nehme j das Judenthum das Beste! Es fasse Alles, wie in einem duftigen; Straus; zusammen zum Ruhme und Preise des Göttlichen! Da sind j die Frommen, welchen die Weihe der alten Gebrauche das Gemiith; freudig bewegt. Preise sie lobend! Sie achten das Erbe der Vater.! Sie wollen hinüber in die neue Zeit den Zauber retten, der so lange j die Zelte Jakobe beglückend umschwebte! — Andern ist der alte! Brauch abhanden gekommen lind sie suchen nach neuen Formen.! Tritt ihnen! nicht streitend entgegen. Sie sind treue Brüder im i Glauben. Auch sie suchen priesterlich im Hause Jakobs zu walten.! Fasse ihre Hand freundlich. Das bürgerliche Leben, wie es nun j kreist, stellt Anforderungen, die sich von denen der Vorzeit vielfach j unterscheiden. Gönne ihnen die neuen Formen. Laß sie suchen und finden die rcinsten, schönsten Gestaltungen. Was das Herz adelt, was den Geschmack lautert, was Herz und Haus verklärt, das werden! sie gern herübernehmen aus der großen Vorzeit ihres Glaubens-! Volkes! . . . Jene, welchen die Forschung neue Wege wies in der Ergriindung des altheiligen Schristthunis, begrüße sie als treue Freunde in deinen; Glaubenszelte! Der Glaube Israels will Wahrheit. Die religiöse Belehrung ist eine hellstrahlende Leuchte, die göttliche Unterweisung ein klares Licht.') Wie weit ihr Forscherauge innner reicht, die Grundsätze deiner Lehre werden sie immer als heiligstes Gut der j Menschheit erkennen und achten, deine Geschichte, Israel, werden sie! iuuner als die That allweisester Wallung zun! Heile der Völker, j groß und göttlich nennen. Wie einst die großen Schulen Palästinas, j in Eiuzelsätzen einander widerstreitend, doch im gemeinsainen Werke! die Grundpfeiler des in! Völkersturm wankenden Judenthums festigten,; also erkenne, Israel der Jetztzeit, in den! Manne des forschenden I Geistes einen Freund und Bundesgenossen, der fördern hilft den Sieg der Menschenveredelung, der herzerfreuenden Wahrheit. Ihr erhabener Priester bist du, der du die große Vorverkündigung, dein Schrfftthnm trägst und bewahrst! Auch den Geistverklürten weise nicht zurück. In jenem Dsten, den oft das Unglück so schwer be-; droht, da findet sich Innigkeit, Verzückung in heiligen Gottgedanken.; Beweisende Erkenntnis; liegt den Glaubensbrüdern jener Länder ferne, i die Pforten der Kultur sind ihnen lang verrammelt. Aber auf den i Schwingen der Gedanken erheben sie sich zu dem ewigen Vater Aller! Ihr Geist strebt und rankt empor zu den! Allgeiste! Lies deine! Psalmen und du begreifst ihre Glaubensinnigkeit! Höre deine alten; Propheten und du verstehst die Gluth ihrer Andacht! Weise sie nicht zurück! Sie sind dir Bruder! Ter Bildung zugeführt mögen sie; einst die Lehre Israels ruhmreich verkünden, sich als Stützen der alten j Wahrheit, als muthige edle Kämpfer aus den! Gefilde des Geistes! erweisen! Kein Parteistreit! Alle in einer Reihe für Gott, für das Gute und Reine, für Wohlwollen und Gesittung der Menschen. Mögen sie zusammenstehen alle die Gemeinden, die Familien, I die Häuser in Israel. Hütte reihe sich an Hütte, Zelt schließe sich! dem Zelte an. Ein erhebend Bild! ein herrliches Fest der Sueeot! Als einst das nördliche Reich der Zehnstamme, welches lange in Palästina blühte, nun den edlen Tugenden sich entfremdend sank, da wendete der Prophet seinen Blick nach Juda. Dort stand es noch aufrecht das Alle einende Zelt. „Hütte Davids" nennt es der Seher. Aber auch dieser drohet Fall und Sturz in dein Streit der trüben Zeiten. „Ich will," spricht der Gottesbote im Namen des Herrn, „ich will das Zelt Davids, daß es Alle umfasse und eine, aufrichten und halten, es soll nimmer brechen und sinken."') Möge auch in unseren Tagen erstehen ein heilig Zelt der Eintracht und der Verbrüderung! Und wer Israel in seinem Glaubensleben erschauet, o könnte er doch wie jener fremde Seher von den Lagerzelten und den die Geschlechter des Volkes umschließenden Hütten sprechen: Wie Bächlein erstrahlen sie mild und klar, duftige Gärten au! Saume segentragenden Stromes!') U Die Neligion der Versöhnung. (Nachtläiigc vom Jomkippur.) Aon Georg Minden. Als vor beinahe 1!» Jahrhunderten das Christeuthnm als eine Sekte der jüdischen Religion entstand und die Lösung seiner weltgeschichtlichen Aufgabe, die heidnischen Völker in die Bahnen monotheistischer Weltanschauung hineinzuziehen, begann, nahm es die jüdische Siktenlehre, die mosaische Ethik, deren Ansgangspnnkt der Sah ist: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst", in sich ans und nannte sich gerade nach diesem Sähe: die Religion der Liebe. Ein unbefangener Beurtheiler wird gern zngestehen, daß die christliche Religion sich bemüht hat, Liebe zu verbreiten, und daß sie im Laufe der Zeiten vielfachen Erfolg aufznwcisen hat. Wenn die entferntesten Völker des Erdballs sich henke freundlicher gegenüberstehcn als im Alterthum stammverwandte Nachbarvölker, wenn die Sklaverei ans einem großen Theil der Menschheit verschwunden ist, wenn eine vernünftige Strafrechts- und Armenpflege ermöglicht ist und die Lösung der schwierigsten sozialen Fragen unternommen werden kann, so hat gewiß das Christenthum seinen erheblichen Antheil an diesen Fortschritten. Aber die Liebe ist nicht ausschließlich mächtig über die mensch liehe Natur. Daher sind auch die Bekenner des Christcnthums den Lehren der Liebe durchaus nicht immer treu geblieben, ja sie haben selbst die Verbreitung ihrer Religion mit ganz anderen Mitteln betrieben. Braucht man an Cortez und Pizarro zu denken, wenn egenügt, »ns unsere eigenen Erlebnisse ins Gedächtniß zu rufen Muß man die Scheiterhaufen der Inquisition erwähnen,' wenn s> viele aus ihren Wohnstätten vertriebene Unglückliche an unser- Pforten klopfen, ohne daß wir ihnen helfen können? Tie Welt erhält ihr Getriebe eben nicht durch Liebe allein sondern, wie der Dichter sagt: „durch Hunger und Liebe", linder Hunger entfesselt die Bestie in der menschlichen Brust; er erweck- Neid und Mißgunst, mit Gewalt und List sucht er seine Befriedigung Sechs Jahrhunderte nach dem Ehristcnthum entstand, ans jüdi scheu und christlichen Elementen gemischt, eine dritte monotheistisch Religion. Während die blonden Germanen dem Dienste des Gotte-, der Himmel und Erde gemacht hat, durch das Christenthum zuge führt wurden, gewann der Islam die schweifenden Söhne des Jsmael für dasselbe weltumspannende Ideal. Die Religion des Mohammed verkannte von vornherein nicht, daß die Menschheit des immer tvährendcn Kampfes bedarf: wo Leben, da ist Streit, wo Streit ist, ') Spr, S. < ') Amvs 9. 11. -) I. A. M. 24. <i.

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