Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-19 · Heft 36 (19.9.1890) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 36 (19.9.1890)
Date
1890-09-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227825-3227862--47367-3268884
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

die in bem iit erfordert : das finstere tt ich Ihnen, e, daß jener hwendig ge kodsonschule. Professuren, i Leistungen and schlichte teb mit den hoher Stelle nst glänzen )ude sei ein wurde hier rlsf euer nicht mehr »m und Ge )rtsgeistliche aeliten, an enzahl nach (Aehnliche-) m badischen Jlonat, ani ervativen a besonderen gers, dessen -erselbe vor lnd er kein > begnügeli. er gemacht teiblatt, die mster Sorte so daß die ichtete, deni ls dem kow ufforderunit Organ der Prediger in r Handvol! : wird aber eur! Nac!' ht, daß sie!; rresponden'. rd, daß der ertreter der , dem For zu seinen u erklären, ig und, mn Elephanten garten, r k. der sich Tagesgröße!M Militär, die höchste osfizier sein 29. v. M-. lorneuburg rteroffizier? achtjährige Hers Herrn genzersdori »-Geschäfts;re auf den enbub" sei. und als der Gefragte dies bejahte, zog der Herr Unteroffizier em spanisches Rohr aus seinem Stiefelschaft hervor und befahl ihm, den „Judenbuben" durchzuhauen, was aber das christliche Kind entschieden zu thun sich weigerte und daher von dem Unteroffizier die gröbsten Schimpfnamen zn hören bekam. Wenn nicht eine Tochter des Herrn Morberger, welche der ganzen Szene vom Fenster aus znsah, ihr Brüderchen schnell geholt hätte, würde sicher der Unteroffizier selbst die Exekution an dem Kinde vollzogen haben. Es scheint, daß. die Hetz, schriften in den Kasernen kursiren, und es ist die höchste Zeit, die Militärverwaltung darauf aufmerksam zu machen. * Wien, 14. September. Der Kaufmann Simon Hosbauer hatte den Bürgermeister Gaßner wegen Ehrenbeleidigung, sowie wegen eines Vergehens gegen die körperliche Sicherheit, begangen während einer Amtshandlung, verklagt. Bei der am 30. August vor dem Bezirksgerichte in Hamburg durchgeführten Schlußverhandlung fungirte als Vertreter des Kaufmanns Simon Hofbauer, welcher die Anzeige gegen den Bürgermeister erstattet hatte, Dr. Elbogen aus Wien; als Vertheidiger des angeklagten Bürgermeisters fungierte Dr. Pattai. Durch das Zeugenverhör wurde bestätigt, daß Bürgermeister Gaßner Herrn Hofbauer in der Amtskanzlei auf die in der Anzeige geschilderte Weise mißhandelte. Der Bürgermeister gab wohl zu, daß er gesagt habe: „der Jude habe keinen Eid", allein damit habe er nur gemeint, daß der Jude nicht gern einen Eid schwöre. (!) Demgegenüber wird von den Zeugen bestätigt, daß der Bürgermeister wiederholt ausgerufen habe: „Ein Fude darf hier nicht beeidet werden!" Der staatsanwaltschaftliche Funktionär erklärte, daß er die vom Bürgermeister gegen Hofbauer erhobene Anklage (wegen Beleidigung des Bürgermeisters) nicht aufrecht erhalten könne, daß er dagegen die Bestrafung des Bürgermeisters beantrage. Dr. Pattai beschränkte sich nun auf die Privatllage gegen Hosbauer. Dr. Elbogen plaidirte auf Schuldigsprechung!)es Bürgermeisters, dessen Vorgehen er ein skandalöses nennt, wohl geeignet, jeden Freund verfassungsmäßiger Zustände mit ungeheuchelter Entrüstung zu erfüllen; in einem Rechtsstaate könne eine solches Vergehen nicht ungestraft bleiben. Rückfichtlich der vom Bürgermeister gegen Hofbauer erhobenen Klage beantragt Dr. Elbogen die Freisprechung des Letzteren, da Herr Hofbauer sehr wohl zu dem Ausspruche berechtigt gewesen sei, daß er sich unter Räubern und nicht in einem Amte zu beenden glaube; unter den vorgelegenen Umständen könne das keine Beleidigung sein. Der Richter verurtheilte ben Bürgermeister wegen lleberschreitung der Amtsbefugnisse und wegen Ehrenbeleidigung zu dreißig Gulden Geldstrafe, eventuell 6 Tagen Arrests. Der voll ihm oerklagte Hofbauer wurde freigesprochen. In der Begründung wurde gervorgehoben, daß deshalb dem Hofbauer die inkriminirte Aellßerung nicht übel genommen werden könne. * Budapest, 12. September. Vom 20. bis 24. August tagte hier oer allgemeine ungarische Lehrertag, auf welchem der Liberalismus der nngarischen Lehrerschaft sich wieder in erfreulicher Weise kundthat. — Gleichzeitig mit dem allgemeinen ungarischen Lehrertage wurde auch eine Hauptversammlung des ungarisch-israelitischen Lehrervereins abgehalten, >a der bisherige Präses, Herr Eleazar Szüntö, der 20 Jahre an oer Spitze dieses Verbandes stand, abbanfte. Zum Nachfolger des zum großen Bedauern der Mitglieder von der Leitung des Vereins zurückretenden Schulmannes wurde Uebungsschullehrer Sigmund Oser gewählt. — An Stelle des zum Rabbiner der Kecskemöter Gemeinde rwählten Dr. I o s e f B ü r a n y, der zwei Jahre hindurch das Amt eines Lchulinspektors der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde bekleidete, beschloß die Schulkommission, den Linguisten Prof. Bernhard M u n k ü c s i oer Repräsentanz vorzuschlagen. Prof. Munkücsi ist trotz seiner Jugend ein Gelehrter von bedelltendem Rufe. Er wurde vor Kurzem zum Mitglied der ingarischen gelehrten Akademie ernannt und kehrte erst vor wenigenWochen non einer Studienreise ins asiatische Rußland und in die Türkei zurück. * Großwardein, 13. Septenlber. An dem Empfange Sr. Majestät des K aisers, welcher am 10. September anläßlich der hier stattfindenden Manöver unsere Stadt besuchte, betheiligte sich auch eine Abordnung oer israelitischen Kultusgemeinde unter Führung ihres Vorstehers. Auf die Ansprache des Letzteren, welche in ebenso aufrichtiger als loyaler Weise die Gefühle des Dankes, der Treue und Ergebenheit der Großwardeiner Juden zum Ausdrucke brachte, antwortete der erhabene Monarch: „Gnädig empfange Ich Ihre Huldigung und wünsche aufrichtig, daß ihre Glaubensgenossen und Ihre religiösen Einrichtungen in Frieden 'ich all' des Wohlergehens und der Zufriedenheit erfreuen mögen, welche der Schutz des Gesetzes und Meine unwandelbare Gnade Ihnen zusichern". | g> Prag, 17. September. Von der furchtbaren Neberschwem-! m u n g, welche unsere Stadt betroffen hat, ist das alte Judenviertel ganz bei sonders hart mitgenommen worden. Das jüdische Rathhalls und die I Altneuschul standen ganz unter Wasser, einige kleinere Synagogen sind! durch die Ftuthen, wenn auch in geringerem Maße beschädigt worden.! Ganz besonders rühmenswerth und auch in den politischeil Zeitullgen aller! Schattirungen ausnahmslos anerkannt ist das Verhalten unserer Kultns- , repräsentanz gewesen, deren Vorsteher persönlich sich auf Kühnen an die j gefährdeten Stellen zur Hilfeleistung begeben haben. Daß auch seitens! der hiesigen Judenschaft reichlich Geldopfer für die Unglücklichen aller i Konfessionen gespendet worden sind, ist selbstverständlich. Frankreich. , O Litte, 10. September. Um dem Antisemitismus, welcher am! hiesigen Platze in jüngster Zeit bedenkliche Erscheinungell gezeitigt hat, j einen Damm zu setzen, hat sich der Oberrabbiller Cahen in einem! Schreiben an den Erzbischof voll Cambray gewandt und ihn an- \ gefragt, ob es wahr und möglich ist, daß man seitens der katholischen j Kirche die Hetze gegen die Israeliten mit günstigen Blicken betrachte.! Er bitte im Namen des sozialen Friedens und der beiden Religiollen ' gemeinsamell Prinzipien seinen mächtigell Einfluß einzusetzen, um diesell z Angriffen ein Ende zu machen, welche, weit entfernt, irgendwem zu nützen, den Gegnern jeder Religion mn Waffen in die Hand gäbe. Die Antwort des Erzbischofs lautete, wie nicht anders p erwarten war, daß er von der journalistischen Hetze gegen die Israeliten feine Kenntuiß gehabt habe, daß er Zeitungsaufsätze, welche die Verunglimpflrng der jüdischen Religion und die Erregung von Haß gegell eine Bürgerklasse, in der sich so viele angesehene Mitbürger fänden, durchaus mißbillige. Er versprach ferner, seinen ganzen Einfluß aufzubieten, um bem Kampfe ein Ende zu machen. Großbritannien. ' Cg} London, 12. Septenlber. Unter Vorsitz des Lord Majors Sir j Isaks hat sich hier ein Comite gebildet, welches Gaben für die Abge-! brannten in Salonichi sammelt. Dem Comitü gehören nnter Andereil! noch an: der türkische und der griechische Gesandte in London, der! türkische und der griechische Generalkonsul, Lord Rothschild, Sir Juliall j Goldschmidt. An die Spitze der Zeichnungen hat sich die ottomanische! Bank mit 250 Pfund (5000 Mk.) gestellt. Die Sammlung der Anglo- > Jewish-Association betrug am ersten Tage über 350 Pfund Sterling. Amerika. * Philadelphia, 30. August. Die Herren Bernard Harris, A. B. Cohen und Dr. C. D. Spivak beriefen kürzlich eine Versammlung hervorragender Glaubensgenossen aus dem südlichen Stadttheile, welche in der Wohnung des Letzteren zusammentrat, um zu berathschlagen, wie man die hart bedrängten Glaubensgenossen im Zarenreiche, die, wie man annehmen konnte, zahlreich nach den Vereinigten Staaten herüberkommen würden, am besten unterstützen könllte. Es wurde beschlossen, an sämmtliche israelitischen Gemeinden, Vereille,! Chevras und Logen der Stadt Einladungen zu einer allgemeinen j Versammlung zur gründlichen Berathung uild eudlichell Beschluß-; fassung ergehen zn lassen. Diese letztere Versammlung war von j Delegirten der Gemeinden und Vertretern voll 15 Vereillen und Logen aus dem untern Stadttheil besucht. Herr Moses Klein, welcher bereits in der ersten Versammlung zum provisorischen Schatzmeister gewühlt worden war, eröffttete die Versammlung, worauf Herr Charles Hoffmann zum Vorsitzenden itnb Dr. C. D. Spivak und A. B. Cohen zu Sekretären gewählt wurden. Nachdem Herr Hoffmalin in einer mit Beifall aufgenommenen Rede ben Zweck der ins Leben gerufenen Bewegung auseinandergesetzt, erstattete das in der früheren Versammlung zum Zwecke der Ausarbeitllng eines Organisatiolls-! planes ernannte Komitee durch Herrn Dr. Spivak den Bericht, der in > folgender Fassung angenommerl wurde: „Um zu verhindern, daß die j zahlreichen jüdischen Emigranten sich in den großen Städten niederlassen, wo sie ein schweres Fortkommen haben und an Leib und Seele zu Grullde j gehen, soll eine aus Delegaten von Vereinen, Logen, Gemeinden unb | einzelnen Personen bestehende Vereinigullg gebildet werden, welche dafür Sorge trägt, daß die Emigranten auf das Land kommen, wo sie Luft und Sonnenschein haben und sich auf anständige Weise ihren Lebensunterhalt verdienen könnell. Beschlüsse: 1. Der Name der Organisation soll sein: „Jüdische Alliance voll Amerika". 2. Zweck derselben

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.