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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-19 · Heft 36 (19.9.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 36 (19.9.1890)
Date
1890-09-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 soll fein Förderung des Ackerbaues und verwandter Gewerbszweige unter den Einwanderern nach diesem Lande. 3. Die Mitgliederschaft in dieser Organisation soll aus Delegaten der verschiedenen jüdischen Gesellschaften in diesem Lande und einzelnen Personen bestehen. Jede Gesellschaft, welche Delegaten schickt, soll für jeden Delegaten 25 % einzahlen; der Jahresbeitrag einzelner Mitglieder soll 3 S, der von Gönnern 10 $ betragen. 4. Beamte sollen in der Jahresversammlung im Oktober gewählt werden. Wähler sind nur die Delegaten, jedoch sind alte Mitglieder stimmberechtigt. 5. Das Beamtenpersonal soll bestehen aus einem Präsidenten, Nice-Präsidenten unb Schatzmeister." Nachdem Herr Dr. Morais einer Sluffoxbening des Borsitzenden zufolge eine Anrede an die Versammlung gehalten, in der er seiner Befriedigung über die Bewegung und der Hoffnung Ausdruck gab, daß der Zar mit der Zeit sich gezwungen sehen würde, dem Druck der öffentlichen Meinung in der Behandlung seiner jüdischen Unterthaueu Nechnung zu tragen (?) — wurde der vom Komitee vorgelegte Plan angenommen. Als zeitweise Beamten, bis Oktober d. I., wurden gewählt: Dr. Spivak, Präsident- Moses Klein, Vice-Prüsident; Rev. Dr. S. Morais, Schatzmeister, und Bernard Harris, Sekretär. Ein zu ernennendes Komitee von fünfzehn ist dazu bestimmt, das Interesse anderer Städte für die Bewegung anzuregen und den Fortschritt der Organisation zu fordern. Es wurde beschlossen, in Kürze eine Massenversammlung abzuhalten. Ter Gesammteindruck, den die Versammlung machte, war ein günstiger. U Non Nah und Fern. Bei der königlichen Universitäts-Bibliothek ist der bisherige Volontär Dr. Heinr ich Simon zum Assistenten befördert worden. — Herrn Stadtrath Borchardt in Berlin ist das Osfizierkreuz des japanischen Ordens des Spiegels verliehen worden. — Eines der würdigsten und populärsten Mitglieder der Berliner jüdischen Gemeinde, Herr S. N. Speyer, beging am 10. September in voller Rüstigkeit seinen achtzigsten Geburtstag. — Die Zeitschrift „Hamaggid" deren Aufhören wir in voriger Nummer meldeten, wird vom 1. Oktober d. I. an aufs Neue erscheinen, jedoch nicht mehr in Lyck, sondern in Berlin. Ursachen der Unterbrechung waren Differenzen zwischen dem Herausgeber und dem Drucker des Blattes. — Frühere Zöglinge des R e i ch e n h eimsch cn Waisenhauses haben in Gemeinschaft mit früheren Erziehern und Erzieherinnen am 15. November 1889, dem Tage der Silberhochzeit des Direktors Jutrosinski diesem den Betrag von Al. 1022.50 zu einer Stiftung übergeben, welche dessen Namen tragen soll. Diese Stiftung hat sich durch Beiträge der Familie des Direktors und durch ansehnliche Geschenke von persönlichen Freunden und Gönnern des Waisenhauses bereits auf Mark 8000 erhöht. Die Jutrosinski- Stiftung bezweckt die Unterstützung früherer Zöglinge des Waiseu>>- hauses durch Gewährung von Darlehen. - Der Redakteur der antisemitischen „Moabiter Nachrichten", Schriftsteller O. Knorr, ist wegen Beleidigung des Buchhändlers A. Löwenthal zn 200 Akk. Geldstrafe verurtheilt worden. — Die medizinische Fakultät der Bonner Universität hat unseren Glaubensgenossen Herrn Sanitätsrath Dr. Benjamin Eassel zum Ehrendoktor ernannt. —- In der Kirche zu Frieda bei Eschwege wurde anläßlich des Gedenktages der Schlacht bei Sedan eine Gedenktafel enthüllt, welche die Namen jener Fridaer trägt, die den Feldzug 1870/71 mitgekämpst. Zufällig befindet sich unter diesen Kriegern einer mosaischer Konfession, dessen Name jedoch auf Veranlassung des Herrn Pfarrer Schaumberg keinen Platz auf der Tafel fand. Ein gerechter und frommer Mann, dieser Pfarrer Schaumberg! — Der bisherige Nabbinatsverweser Herr Dr. Bernhard Einstein ans Ulm ist neben dem an der Ausübung seiner Amtsfunktionen verhinderten Herrn Dr. Engelbert zum stellvertretenden Rabbiner von Heilbronn ernannt worden. — In Hamburg fand zur Gedenkfeier des S edantages ein Festgottesdienst statt. Oberrabbiner Hirsch hielt die Festrede. — Der in London erscheinende ...Tewisli Chronicle“, welcher sonst gut informirt zu sein pflegt, läßt sich in seiner letzten Nummer aus Oesterreich berichten : „Ein Rabbiner in T r i est wurde das Opfer der antisemitischen Bewegung. Kürzlich hörte dessen Familie in der Nacht, daß die Fenster des Hauses eingeworfen werden, und als der Rabbiner auf die Straße trat, um die Ursache dieses merkwürdigen Vorfalles zu erfahren, wurde er von einigen Individuen angefallen, die ihn mit Stöcken so grausam bearbeiteten, daß er fast leblos zu Boden sank. Sein Zustand ist noch immer sehr bedenklich. Der Polizei ist es bis jetztmoch nicht gelungen, die Schuldigen zu eruiren." — Sonntag, den 7. d., wurde in Wien das Regniem für die im ruhmvollen Gefechte bei Doboj in Bosnien gefallenen jüdischen Krieger von Herrn Prediger Dr. Jellinek und Herrn Oberkantor Singer in Gegenwart des Obersten und des Kriegerverbandes des 8. Infanterie-Regiments abgehalten. — Baron Albert Rothschild hat dem Ministerpräsidenten Grafeil Taaffe den Betrag von 30,000 Gulden zur Unterstützung der durch die jüngsten Ueberschwemmungs-Katastrophen Geschädigten zugehen lassen. — Der Religionslehrer der Wiener Kultusgemeiude Herr Jonas Jellinek starb plötzlich während der Prüfung in Anwesenheit seiner Schüler. Herr Jellinek war, wie regelmäßig, um 9 Uhr Vormittags in der Schule, Seitenstettengasse, erschienen, mn Prüfungen vorzunehmen. — Dem antisemitischen Abgeordneten Vergany ist seitens seiner Wähler ein AUßtrauensvotum ertheitt worden, welches an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt. — Die Edelporges-Synagoge in Prag ist in der Nacht vom 6. zum 7. September von Dieben geplündert wordeii. — Die Budapester orthodoxe Gemeinde feierte jüngst das Fest der Installation ihres ueuerwählten Rabbiners Koppel Reich, früher Rabbiner in Varbv. — In Kölomea erscheint seit dem 1. September ein jüdisch-deutsches Wochenblatt unter dem Titel „Jüdische Volkszeitung". Als Redakteur dieses Blattes zeichnet Herr L. Gottlieb, ein sehr tüchtiger Hebräist, der sich durch die Herausgabe der hebräischen Blätter „Haschemesch" und „Hacharsa" bereits einen Namen erworben hat. - Der König von Belgien hat die dem französischen Deputirten Dreysus wegen des Duells mit dem berüchtigten Antisemiten Marquis Moros vom Gerichtshöfe zu I)pern zuerkannte fünfzehntägige Gefängnißstrafe in 300 Francs Geldbuße umgewandelt. Der Grund des Duells war eine freche antisemitische Aeußerung des Moros. — Der evangelische Pastor in Winschoten (Holland) hat bei Gelegenheit seines Amtsjubiläums auch die israelitische Schule des Ortes mü einem Geschenk bedacht. — Nach der letzten Zählung beläuft sich die Zahl der Israeliten in Frankreich auf 76,850, in Algier auf 44,000 bis 45,000. Es entfallen hiervon auf den Sprenge! des Pariser Konsistoriums 50,000, somit die weitaus überwiegende Zahl, während sich der Nest ans mehrere Provinzialstädte vertheilt. Die betreffenden Zahleri schwanken zwischen 5300 (Marseille) und 2200 (Lyon). In Algier vertheilen sich die Israeliten folgendermaßen: Orau 20—25,000, Algier 15,000 und Constantine 9000. — Am 3. d. fand in Northampton die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt, welche die kleine Gemeinde zu erwerben Gelegenheit fand, als die eiserne Kapelle der New-Jerusalem-Church zum Verkaufe gelangte. Die Kosten belaufen sich aut 700 Pfd. St., wovon bereits 547 Pfd. St. durch Sammlung aufgebracht wurden. Lord Rothschild steuerte 200 Pfd. Sterling bei. Die nothwendige Adaptirung erfolgte unter Leitung der Architekten Deyer und Lewis Salomon und präsentirt sich der Jnneuraum jetzt sehr hübsch; das Almemor ist ein Meisterwerk der Holzschreiukunst. Die Einweihungs-Predigt hielt Rev. Dr. Adler von London. — Die Frau Fischer, welche sich jüngst auf dem campo santo in Mailand das Leben genommen hat, stammt nicht aus Halle, sondern aus Gleiwitz und ist eine Verwandte voil Ferdinand Lassalle. — Am 14. September ist in Bukarest die neue Synagoge der span io tischen Jndengemeinde mit großem Pomp eingeweiht worden. — Der Fürst Ferdinand vonBulgarien hat Herrn Raph. Abtaljou mit dem Alexander-Orden ausgezeichnet. — Aziz Pascha, der General- Gouverneur des Vilayet, besuchte am 8. Juli die Allianceschule von Beirut. Er war vom Unterrichts-Direktor, von seinem Sekretär und seinen Adjntanteu begleitet und schien von den ihm bereiteten Empfang befriedigt. Einige Tage später fanden daselbst die Jahresprüfungen in Gegenwart des Unterrichts-Direktors, Herrn Rais, Dragomau-Schüler des französischen Konsulats, des Generalarztes des Militär-Hospitale Henry Bey, des Herrn Ober-Rabbiners und mehrerer Notablen der Gemeinde statt. — Die beiden Synagogen (die der russischen und dir der gerusiuischen Juden) in Batum sind auf Anordnung des General- Gouverneurs geschlossen worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauckrwih in Berlin.

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