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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-19 · Heft 36 (19.9.1890) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 36 (19.9.1890)
Date
1890-09-19
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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September hatte folgenden Wortlaut: „Noch einmal wiederhole ich den Dank der Kaiserin und den Meinigen für den freundlichen Empfallg in der Provinz und für die treuen Gesinnungen, die Uns entgegengeschlagen sind. Zugleich erneuere ich nochmals den Ausdruck meiner Freude darüber, daß es Mir endlich vergönnt ist, einmal mit Meinen Schlesiern zusammen zu sein. Wie in früherer Zeit, in der Zeit der Erhebung, die Provinz die erste um, die dem Rufe meines hochseligen Herrn Urgroßvaters folgte, um dem Lande seine Unabhängigkeit wiederzugeben, so ist zu meiner größten Freude auf dem inneren Gebiete die Provinz diejenige gewesen, die die ersten Schritte gethan hat, um meinen auf das Wohl der arbeitenden Bevölkerung gerichteten Gedanken Folge zu geben. In lobenswerthem Wetteifer gehen hier Kirche und Laien zusammen, um das Wohlergehen der unteren Klassen zu heben, um dem Leben der Provinz die Ordnung nt erhalten. Männer wie der Fürst Pleß und wie der Fürstbischof sind mit gutem Beispiel vorangegangen, und das Beispiel ist nicht ohlle Wirkung geblieben. Ich verfehle hierbei nicht, diesen Herren sowie manchen anderen in der Provinz, die diesem Beispiel sich angeschlossen daben, Meinen königlichen Dank auszusprechen. Ich knüpfe hieran den Wunsch, daß dieses gute Beispiel, welches die Provinz gegeben hat, ohne Unterschied der Part eien und Konfessionen von allen T hei len Meines Staates befolgt werde, daß unsere Bürger endlich ans dem Schlummer erwachen mögen, in oent sie sich so lange gewiegt haben, und nicht blos dem ^taatund seinen Organen die Bekämpfung der umwälzenden Elemente üb erlassen, sondern s elbst mit Hand anleg en. Ich habe die Ueberzeugung, daß, wenn die Provinz beharrt auf dem jetzigen Wege, es nicht nur der Provinz, sondern auch Meinem ganzen Lande gelingen wird, wiederherzitstellen die Achtung vor der Kirche, den Respekt vor dem Gesetz und den unbedingten Gehorsam gegen die Krone mit) deren Träger. Ich erhebe das Glas und trinke auf das Wohl und Gedeihen der Provinz Schlesien: sie lebe hoch! und nochmals hoch! und zum dritten Mal hoch!" Wir empfinden es mit Dank und Genugthnnng, daß unser erhabener Monarch seiner Aufforderung einen Wortlaut gegeben hat, welcher keinen Zweifel daran aufkommen -aßt, daß er dieselbe auch an seine getreuen israelitischen Unterthanen gerichtet wissen will. Diese Anerkennung und dieses Vertrauen Seiner Majestät in die Loyalität unserer Glaubensgenossen sind wohl geignet, uns über so Manches zu trösten, was uns in der letzten Zeit widerfahren ist. Freudigen Widerhall werden die Kaiserworte in der Brust jedes wahren Israeliten wecken, und es soll bei dieser gemeinsamen vaterländischen Arbeit an unserer eifrigen Mitarbeit sicherlich nicht fehlen. # Berlin, 17. September. Seitens eines unserer Mitarbeiter werden wir darauf aufmerksam gemacht, daß die zum 2. September nach Posen einberufene Versammlung zur Begründung eines Vereins jüdischer Elementarlehrer für Posen und Westpreußen mit einer anderen Versammlung zeitlich kollidirt. Um die gleiche Zeit wollen sich die Mitglieder des Vereins ehemaliger Zöglinge des Lehrerseminars der Berliner jüdischen Gemeinde hierorts versammeln, um eine Gedächtnißfeier für den verstorbenen Rektor Horwitz und den Seminarlehrer Piek abzuhalten. Da die Elementarlehrer an den jüdischen Schulen der oben genannten Provinzen mit wenigen Ausnahmen aus ehemaligen Berliner Seminarzöglingen sich rekrutiren, so dürste eine Verlegung einer der beiden Versammlungen, oder aber eine Bereinigung beider sich wohl empfehlen. 5f Berlin, 10. September. Am Dienstag den 9. d. M. fand in der neuen Synagoge in der Oranienburgerstraße die Trauung des bekannten Theaterkritikers und Redakteurs des „Berliner Börsen-Courier", Herrn Dr. Isidor Landau, mit Frl. Louise Löwenthal, Tochter des Herrn I. Löwenthal hier, statt. Aus der ergreifenden Trauungsrede des Herrn Rabb. Dr. Maybaum erfuhr man, daß der Bräutigam aus der altberühmten Familie des R. Ezechiel Landau stamme. In der Synagoge hatte sich ein aus den besten Kreisen der Gesellschaft, der Litteratur, Presse und Kunst bestehendes Publikum versammelt. * Berlin, 18. September. Die Frage, ob ein Angestellter jüdischen Glaubens an seinen hohen Festtagen im Geschäft thätig sein muß, ist kürzlich in einem Spezialfalle durch zwei Instanzen bejahend entschieden worden. Es handelte sich darum, daß ein jüdischer Kommis feinen Prinzipal um Urlaub für seine beiden hohen Feiertage ersuchte, aus bestimmten Gründen aber abschlägig beschieden war. Der junge Mann blieb trotzdem aus dem Geschäft fort, und als er in Folge dessen Knall und Fall entlassen wurde, klagte er das Gehalt bis zum Ouartalsschluß ein. Er hat in beiden Instanzen Unrecht bekommen. * Berlin, 18. September. Ein Vergleich zwischen Berlin und Wien mit Bezug auf die Anstellung jüdischer Leh rer an öffentlichen Volksschulen dürfte gegenwärtig von besonderem Interesse sein. Wien ist so überwiegend katholisch, wie Berlin evangelisch; Juden finden sich in Wien verhültnißmäßig mehr als in Berlin. Der Bevölkerung ähnlich ist natürlich die konfessionelle Zusammensetzung der Volksschulbevölkerung, und es sollten die gleichen Verhältnisse auch im Lehrkörper entsprechend vertreten sein. In Berlin ist dies auch der Fall; Lehrkörper und Volksschulbevölkerunng zeigen hier fast genau die gleiche konfessionelle Mischung; es waren nämlich in Berlin evangelisch katholisch jüdisch von 100 Volksschullehrern. 92.0 5.6 2.1 von 100 Volksschülern. 91.8 5.7 2.2 was ein Beweis für die religiöse oder konfessionelle Unparteilichkeit der Berliner Schulverwaltung ist. Anders in Wien: daselbst scheint der katholische Einfluß bei Besetzung der Volksschullehrerstellen vorzuwalten, namentlich zu Ungunsten der Juden; denn es waren evangelisch katholisch jüdisch von 100 Volksschullehrern. 2.8 91.0 6.0 von 100 Volksschülern. 2.2 83.9 13.6 * Lübeck, 17. September. Unserer Bürgerschaft lag am vorigetl Montag ein interessanter Senatsantrag vor; derselbe will durch Gesetz alle hiesigen Juden verpflichten, Mitglieder der israelitischen Gemeinde zu werden, ohne Rücksicht darauf, ob sie religiöse Bedenken gegen diese Mitgliedschaft haben oder nicht. Die Gemeinde hat die Einführung solchen Zwanges vom Senat erbeten, und der Senat will diesem Wunsche entsprechen, obwohl der Bürgerausschuß sich einstimmig dagegen erklärt hatte. Die Bürgerschaft hat den Senatsantrag fast einstimmig abgelehnt. Bemerkenswerth bleibt es immerhin, daß die hiesige, unter hochorthodoxer Leitung stehende Gemeinde einen solchen Antrag stellen konnte, während in Preußen gerade die Hochorthodoxen es waren, welche seinerzeit die obligatorische Zugehörigkeit zur Synagogen-Gemeinde bekämpft und für das Austrittsgesetz petitionirt haben. X Breslau, 14. September. Anläßlich der Anwesenheit Sr. Maj. des Kaisers in Schlesien und Posen haben auch einige unserer Glaubensgenossen Auszeichnungen erfahren. Der Vorsteher der Synagogen- Gemeinde Pleß, Herr Stadtverordnetenvorsteher F. Muhr ist mit dem Kronen-Orden dritter Klasse dekorirt, der Fabrikbesitzer Herr Fränkel in Neustadt O.-Schl. zum Kommerzienrath ernannt worden. Außerdem erhielt Herr Sanitätsrath und Kreisphysikus Dr. Litthauer in Schrimm den Rothen Adlerorden vierter Klasse, Herr Stadt- und Kommerzienrath Pollak in Rawitsch den Kronenorden vierter Klasse. Der Kaufmann Boas zu Bromberg erhielt den Titel Kommissionsrath, der Stadtrath Zerkowski in Beuthen O.-S. den Charakter als Kommerzienrath. * Schlettstadt i. Elf., 8. September. Anläßlich der Einweihung der Synagoge fand ein Bankett statt, bei welchem der Bezirkspräsident, Herr v. Frehberg folgende Ansprache hielt: „Während Geist und Gemüth noch erfüllt sind von den Eindrücken der frommen Feier, der wir heute beigewohnt haben, so erachten wir es doch nicht für nus-! i I i

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