Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 36 (19.9.1890)
- Date
- 1890-09-19
- Page
- Seite 476 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Christen oftmals gegen Juden erlauben. Wir sehen in den Juden auch die Menschheit in ihrem ungeschminkten Zustande. Sie sind eben ihren Völkersitten treu geblieben — ltnb es ist ein trauriger Gedanke um das Bewußtsein, daß wir Christen diesen Zustand verachten und sie zu uns hinüberziehen wollen. Bon der grauen Morgendämmerung des Mittelalters bis jetzt war das Judenthum eine Kette mit Gesetzen umsäumt. Tie ganze heitere Welt, worin wir uns bewegen und vergnügen, machen wir für ihn zu einem Ort voller Fallstricke und Gefahren. „Herr- Minister, verhärten Sie das Herz meines künftigen Gemahles nicht!" rc. $ * Ueber eine Judenhetze in Berlin schreibt Adolf Streckfuß in seinen „Erinnerungen aus dem Jahre 1848 im „Zeitgeist": „An einem der ersten Apriltage, ich erinnere mich nicht mehr genau des Datums, zog gegen Abend ein Hanfe wüsten Gesindels lärmend und tobend die Große Friedrichstraße entlang. Ein Fahnenträger ging voran, ihm folgten einige hundert Menschen, meist junge, halbwüchsige Burschen oder ältere, verkommene Subjekte, denen man es beim ersten Blick ansah, daß sie zur Hefe des großstädtischen Proletariats gehörten. Der Haufe zog auf dem Straßendamm entlang, auf dem Bürgersteige nebenher gingen, der alten Berliner Sitte folgend, viele Neugierige aus allen Klassen der Berliner Bevölkerung, auch anständig gekleidete Frauen waren dabei, sie wollten Alle sehen, was denn eigentlich Vorgehen sollte. Der sonderbare Zug begegnete mir in der Friedrichstraße, ich blieb erstaunt stehen und fragte einen anständig gekleideten Begleiter, was denn eigentlich vorgehe. Er wußte es nicht, und Niemand konnte mir Antwort geben; aus dem wüsten Geschrei des Haufens konnte man nicht klug werden. Ich schloß mich den übrigen Neugierigen an, als guter Berliner mußte ich nothwendig wissen, was denn eigentlich los sei. Schon nach kurzer Zeit sollte ich es erfahren. Bor einer Kleiderhandlung machte der Zug Halt. Ein wüstes Geschrei „Nieder mit den Kleiderjuden!" erhob sich, der Haufe stellte sich vor dem Laden auf, ein paar Burscheil lösten sich voll demselben und traten in das Geschäftslokal, sie überschütteten den zitterndeil Ladenbesitzer mit Schimpfworten und Drohungen, „die Juden müßten ihre Läden schließen, sonst würden sie aufgehängt. Sie dürften den Schneidern nicht ferner das Brod fortnehmen!" Etwas Weiteres geschah nicht; als der eingeschüchterte Kleiderhändler bereitwillig seinen Laden schloß, zog das Gesindel, unter welchem sich wohl nur wenige arbeitslose Schneidergesellen befanden, unter dem johlellden Rufe: „Schlagt die Juden todt!" weiter, um bald vor einem zweiten Ladeil dasselbe Spiel mit demselben Erfolge zu wiederholen. Ein weiterer Unfug wurde nicht angerichtet, das Gesindel beschränkte sich auf Schimpfell und auf Drohungen gegen die Jllden, es war befriedigt, wenn die Läden geschlossen wurden. Aehnliche Skandalzüge wiederholten sich an den nächsten Abenden in verschiedenen Skadkgegeilden, sie richteten sich gegen die Kleiderhaudlungen und die Möbelmagazine, immer bestanden die Theilnehmer ails jenem Gesindel, welches in keiner Großstadt fehlt, meist aus halberwachsenen rohen Burschen von 16 bis 18 Jahren; einige verkommene arbeitslose Tischler- und Schneidergesellen mochten wohl auch darunter sein, alle ordentlichen Gesellen und Arbeiter hielten sich indeß von der traurigen Gesellschaft fern. Die Bürgerwehr schritt an verschiedenen Stellen gegen das Gesindel ein, immer mit bestem Erfolg, denn die feigen Skandalmacher dachten nicht daran, sich zur Wehre zu setzen, sie flohell, wenn sie fürchteten, ernstlich angegriffen zu werden, nach allen Seiten auseinander llnd ließerl es widerstandslos zu, daß ein paar von den Ihrigen verhaftet wurden; gewöhnlich allerdings gerade solche, welche den geringsten Antheil an dem Lärm gehabt hatten. Bon. den Verhafteten sind später viele unter Anklage gestellt worden; mehrere derselben haben ausgesagt, sie feien zu dem Geschrei „Nieder mit den Juden" veranlaßt worden durch Geldgeschenke, welche sie von fein gekleideten Herren erhalten hätten. Irgend ein Beweis für die Richtigkeit dieser Aussagen ist nicht geführt worden, sie rührten eben nur von den durchaus nicht glaubwürdigen Angeklagten her, haben aber trotzdem in vielen Kreisen Berlins den Glauben erzeugt, daß diese judenfeindl'chen Demonstrationen künstlich durch Bestechung des wüsten Gesindels hervorgerufen worden seien von einer Partei, der Alles daran gelegen gewesen sei, die Freiheitsbewegung durch traurige Straßenskandale und Exzesse bei der ruheliebenden Bürgerschaft mißliebig zu machen. Ich habe diese Ansicht damals vielfach in der Zeitungshatte gehört, irre ich nicht, so war es Jung, der sie am lebhaftesten vertheidigte. Höchst merkwürdig war es allerdings, daß plötzlich ohne irgend welche äußere Veranlassung in Berlin eine judenfeindliche Bewegung auftauchte, die keine Begründung in der Volksstimmung fand. Von Judenhaß war bei den Berliner Arbeitern bisher nie etwas zu spüren gewesen, manche der beliebtesten Volksredner, wie Oltenhofer, Löwinson, Reich und Andere, waren Juden und als solche durch ihr Aeußeres erkennbar; aber dies schadete ihrem Einflliß nichts, denn das Berliner Volk war damals noch vollkommen frei von antisemitischen Strömlingen. War doch in den Mürztagen eine der am meisten bejubelten revolutionären Volksforderungell die nach vollständiger Gleichberechtigung aller Religionen, nach Aufhebung der gesetzlichen Bedrückungen gewesell, unter denen bisher die Juden in Preußen gelitten hatten." 54. 3 K, * Herr Mayer Wilhelm Levy in Scherman (Texas) wird wohl der erste Israelit sein, der als Festredner bei einer Massenversammlung von Negern fungirke. Der gebildetere Theil der Negerbevölkerung in, lvestlichen Texas — cs giebt jetzt schon gebildete Neger auch im Südell - hat es zu Stallde gebracht, eine höhere Lehranstalt, ein College, für ihre Jugend in jenem Landestheile zu gründen. Zu diesem Zwecke wird nun ein entsprechendes Gebäude errichtet, wozu am 14. August der Grundstein gelegt wurde. Taufende von Negern, die vor einem Viertel jahrhundert noch Sklaven waren, oder die Kinder von Sklaven sind versammelten sich bei dieser Gelegenheit zu eillem Volksfeste, dem sich auch viele Weiße anschlossen. Die Wahl eines Festredners fiel be: dieser Gelegenheit auf den in Texas sehr beliebten Kaufmann Maye. Wilhelm Levy in Scherman, der sich auch seiner Aufgabe in eine' meisterhaften Weise erledigte, die Massen nicht mir befriedigte, sondern begeisterte für höhere Erziehung. Die Rede erschien vollständig im „Scherman Curier" vom 15. August und nimmt in dem Blatte drei achtundzwanzig Zoll lange Spalten ein. Im „Sunday Herald" vom 17. wurde dem geehrten Redner ein öffentlicher Dank der Bürgerschan ausgesprochen. Dieser Herr Levy, ein Deutscher von Geburt, der sei: Dielen Jahren amerikanischer Bürger ist, ist ein wohlbelesener Karrt mann, der unter feinen Mitbürgern in hoher Achtung steht. Er ist ein ausgesprochener, glaubenstreuer, freisinniger Israelit, ein ideal angelegte, nnd begeisterter Anhänger des Judenthums. * Ale xander v. Humboldt verweilte in seinem 16. und 17. Lebensjahre oft im Hause des jüdischerr Arztes Hofrath Dr. 'Markus Her; in Berlin. Von seinem väterlichen Schlosse Tegel aus, wo durch bic kränkliche Mutter eine trübe Stimmung herrschte, schrieb er oft an die Frau Henriette Herz Briefe, und zwar — in jüdisch-deutscher Schrift, die er bei der schönen Frau erlernt hatte. * A.: „Warum reisen nur so viele Mütter mit ihren Töchtern tno Bad?" — B.: „Das stammt noch aus der Zeit von Abraham her; Rebekka fand auch die erste Gelegenheit zur Heirath an einem Brunnen! ' * Das Magazin. Ein stattlicher Mann fragt in einem Bahnhm einen polnischen Jungen: „Wo ist das Maggezyn?" — Der Junge antwortet: „Das bin ich." — „Wo das Maggezyn is, frag' ich!" „Nu ja, der Magget (Prediger) is mei Vater, und san Syhn bin ick. ' * Die in der kurzen Zeit ihres Bestehells, namentlich durch die Herstellung von Berliner Baum- und Kaiser Wilhelm-Torten berühmt gewordene Konditorei von Paul Kampe, Spittelmarkt 5, hat ihre Leistungsfähigkeit durch Neuanschaffung mehrerer Maschinen bebentcnb erweitert, so daß sie in der Lage ist, selbst den größten Anforderung m zu genügen. Die zur Herstellung erforderlichen Rohmaterialien sind sämmtlich erster Qualität und hat der Inhaber Herr Paul Kampe am' lange Jahre hinaus Lieferungsverkräge abgeschlossen, wodurch es demselben möglich ist. stets gleichmäßig gute Waare liefern zu Tom n. Ein Beweis für die Güte der Torten wird täglich durch die aus allen Theilen des Deutschen Reiches einlaufenden Bestellungen für du Theaterlieferungen erbracht. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. des $ folgen! und b( für dü erneue endlich Wie ü war, d dem L Freudk ersten Bevölk Wettei der uu \n erh mit qi Wirku manchi gaben, den V gegeb u o n a B ü r g o e m 3t aa ) e it b e legen auf de ganzen Kirche, die Kr das W .nals l und Q einen! läßt, t gerichb Majest uns \\) whren Brust uimen nicht f 44 Hierbei Posen eins preus gleiche des L lamme und dl den jü nähme dürfte Verein L der ui kannte Demi