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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-19 · Heft 36 (19.9.1890) · p. Seite 475

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 36 (19.9.1890)
Date
1890-09-19
Page
Seite 475 (sequence 11)
Language
German
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475 Lobsing', die als Klare den Körper erhellt, Dem Namen des Mächt'gen, der Leuchte der Welt. Zur Pforte des Heils hat er uns gestellt: „Dies sei dir die Pforte zum Herrn." Lobsinge, Lebendige in Sterblicher Haft, Dem Namen des Ew'gen, umgürtet mit Kraft, Der seinen Getreuen die Ehre verschafft. Denn Würden sind Güter vom Herrn. Lobsing', die du rein, wie der Himmlischen Kreis, Den: Güt'gen, der Alles erschuf sich zum Preis Und ehe sie's wußten, berief sein Geheiß. Nun schauet, wie gütig der Herr. Lobsing' Ihm, der dir seinen Willen enthüllt, Der auch deine Wünsche rechtzeitig erfüllt, Er warnet die Sünder und harret ihrer mild, Daß sie sich bekehren zum Herrn. Lobsiug', Himmelstochter, du herrlich Gebild, Dem Mächtigen, deß Wort nicht in Fernen dir quillt — Er will nur, daß Liebe und Recht werd' erfüllt. Nur das ist^der Wille des Herrn. Lobsing,' die als Leben den Körper erst weiht, Dem Heil'gen, dem alle zu dienen bereit, Dem Loblieder tönen zu jeglicher Zeit. Stets diene man freudig dem Herrn. Lobsing', die du rühmest mit inn'gem Bedacht Die über die Worte erhabene Macht; Voil jeglichem Hauch sei Preis Ihm gebracht Beim Eingang zum Hause des Herrn. Lobsing', die bereit du im Dienste zu steh'n, Dem Herrn, der da schauet aus himmlischen Höh'n. Deß Voten stets üben, was er sich erseh'n, Und tragen die Zeichen des Herrn. Lobsing', die den Bau durch den Geist nur erhält, Dem Herrn, der nach Weisheitldie Schöpfung bestellt Uild die Schaar der Gerechten zu Säulen der Welt. Und diese stützet der Herr. Lobsing', die du wandelst im Strahlengewand, Dem Herrn, der vollbrillgt, was für Recht Er befand; Ihn fürchtet der Starke, der Schwache hält Stand, Denn Hilfe erscheint ihm vom Herrn. Lobsinge,^du^Kleinod, das aufwärts uns führt, DemlMeister, dem Lob^und Preis nur'gebührt, Und den auch wahrhaftes Flehen stets rührt, So oft es gelangt vor den Herrn. Lobsing', du Abbid vom ewigell Geist, Dem Weltenhort, den keine Grenze umkreist, Den Wahrheit und Liebe allüberall preist. Gerecht ist allein nur der Herr. Lobsing' Ihm, Gottheil'ge, der^Herr ist dir kund, Ihn heiliget jeder geweihte Mund, Und Heilige rufen vereinet im Bund Das dreimal'ge Heilig dem Herrn. Lobsing' Ihm, die stets nach dem Höchsten verlangt, Der Thronende stützet, so nach Ihm man bangt, Daß Stolze selbst preisen, Ihm huldigt,, was prangt: Es thront über Völker der Herr. Lobsinge, du Pilg'rin aus göttlichem Reich, Dem^göttlichen Namen mit Frommen zugleich, Die ferne sich halten der Sünde Bereich, Und preisen die Gnade des Herrn. Lobsiilg'. die beschirmt wie des Augapfels Bild, Gott preist jeder Mund, jedes Herz Er erfüllt; Im Urlicht erschuf er des Geistes Gebild Als Erstling der Worte des Herrn. U Litterarische Mittheilungen. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, worauf wir schon neulid) hingewiesen haben, daß, wie der Prophet nach einem bekannten Sprich- Worte nichts in seinem Vaterlande gilt, so auch der Jude heut zu Tage, mag er noch so Tüchtiges leisten, oft nicht einmal bei seinen Glaubensgenossen zur Geltung gelangt. Die äußere Veranlassung, deretwegen wir diese charakteristische Thatsache heute besonders betonen, ist folgende: Vor uns liegt in zweiter, vermehrter mit) verbesserter Auflage, im Verlage von S. Gerstman n erschienen, die „Deutsche Schreib-Lese- Fibel" und das „Erste Lesebuch" von Raphael Cohn. Dieses zuerst 1885 erschienene, auf der heut zu Tage allgemein anerkannten! Normalwörtermethode beruhende Buch, worin der Verfasser, ein Meister! im Verkehr mit den Kleinen, die reichen Erfahrungen verwerthete, die j er während einer 35 jährigen gesegneten Thätigkeit an der hiesigen ' Knabenschule der jüdischen Gemeinde sich erworben hatte, entspricht allen! Anforderungen der modernen Pädagogik und ist darum für jüdische! Schulen besonders werthvoll, weil es alles Konfessionelle ausschließt und j gleichwohl geeignet ist, den frommen Sinn des Kindes zu wecken und ■ sein Gemüth zu veredeln. Das haben auch hervorragende Schulmänner, ' wie Holzmann, Steinschneider, Baerwald anerkannt; desgleichen haben; sich nicht blos jüdische Blätter, wie der „Israelit", „Jeschurun", „Jüd.! Presse" u. s. w., sondern auch andere pädagogische Schulblätter, wie die „Freie Deutsche Schulzeitung", „Deutsche Schulpraxis", „Allgemeine! deutsche Schulzeitung" u. a. in jeder Hinsicht lobend über das Werk geäußert. Aber mit derartigen theoretischen Liebenswürdigkeiten ist weder dem Verfasser, einem sehr tüchtigen Pädagogen, noch dem Verleger, am allerwenigsten aber der guten Sache des Judenthums gedient. Denn in den fünf Jahren seit seinem ersten Erscheinen ist das Buch an — sage und schreibe — acht Lehranstalten eingeführt worden. Welch klägliches Resultat, wenn man die große Masse jüdischer Elementarschulen in Betracht zieht. Es verhält sich damit gerade so, wie mit der Anstellung jüdischer Lehrer an höheren Lehranstalten. Einzelne von Glaubensgenossen gegründete Anstalten haben das Recht, jüdische Lehrer anzustellen, machen aber davon neuerdings nur wenig Gebrauch, weil es für vornehm gilt, christliche Lehrer zu beschäftigen. Ebenso ist durch Ministerial-Verfügung direkt ausgesprochen worden, daß, „wenn von zuständiger Seite die Einführung der Cohn'schen Bücher in den jüdischen Schulen beabsichtigt wird", die Negierung keine Schwierigkeiten machen werde. Also warum — fragen wir nochmals — soll nicht lieber ein anerkannt gutes Schulbuch eines jüdischen Lehrers an einer jüdischen Schule benutzt werden, als ein von einem christlichen Autor herrührendes, welches in offener oder versteckter Weise für das Christenthum Propaganda macht? Dr. Carl Pinn. — Lesebuch für israelitische Volksschulen. I. Theil. Von B. Straßburger. Stuttgart, 1890. Deutsche Verlagsanstalt. Das „Lesebuch für Mittelschulen" bietet methodisch geordnete Lesestücke in ansprechender Form für Pflege des laut- und sinnrichtigen Lesens, Stoff für den Anschauungsunterricht, sprachliche und Aufsatzübungen, wie auch für gemüthliche Anregung und ethische Zwecke zur Weckung wahrhaft religi-! ösen Denkens und Fühlens. Um dem konfessionellen Bedürfniß für i israelitische Schulen Rechnung zu tragen, fanden poetische Lesestücke von; Kompert, Leopold Stein, Alexander Elsäßer, Steinheim, Max Grüne-! bäum, Löwenstein und Erzählungen aus dem Talmud in formvollendeter! Weise Aufnahme. Dieses praktische Schulbuch, das mit Genehmigung - der königlich württembergifchen Oberschulbehörde zunächst für die württem-! bergischen israelitischen Schulen bearbeitet wurde, wird gewiß in israeli-! tischen Schulen gern und mit gutem Erfolge Einführung finden. I. K Misrellen. j * Die Königin L ui se hat folgende denkwürdige, Worte an ihren j königlichen Bräutigam geschrieben, die ausgezeichnet sind im Buche der „preußischen Fürsten und ihre Frauen", Band 2, S. 139, von Conrad Rahn Da heißt es: „Des Königs Minister sind hart, sobald es sich um die Juden handelt. Mein Gott, nichts als Witzeleien! O, es ist unnöthig, die armen Leute noch weiter zu kränken. Es liegt sehr, sehr viel Demüthigendes für den menschlichen Stolz in dem Leben eines Juden. Es schneidet ins Herz, wenn man an den Ton denkt, den sich

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