Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 36 (19.9.1890)
- Date
- 1890-09-19
- Page
- Seite 471 (sequence 7)
- Language
- German
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471 t treuem is Wien e er der >ter, beien, hatte Autoripprobire, tsassessor Jacob's der Pest lon dem persischen Mischna- Intschluß rt. Hier, nicht nur deutschen 1 des im riedland, Mischna, in korrekt Mäcene die ganze ien. Ans li. Jsserl, A wurde, astpredigt rd seinen Mannes sind als lnt, Bär, nger eine! und als llente im de seines wrt, wie ß bei der im Jahre einde ge- Recht zu )r. Wolfs angestellt. >ben, das; mütterals Arzt des Ged unentjflicht 'getrole der :berschrifl: n^npn kantet: 1"a 2 nenn imn»?a 'Ilpothekertaxen ob. Die Verhältniffe der Gemeinde waren in den letzten fahren durch die Belagerungen und die steigende Schuldenlast so schlecht geworden, daß ein fixes Gehalt an Dr. Wolff nicht gezahlt werden konnte; dafür wurde ihm bis auf die Haus- und Kehrichtsteuer ein vollkommener Erlaß aller Abgaben und Laste:' gewährt, llebrigens behielt sich die Gemeinde das Recht vor, den Vertrag nach einem Jahre bereits zu revidiren. Gleich seinen Vätern durch rabbinisches und weltliches Wissen, durch- Frömmigkeit und Menschenfreundlichkeit ausgezeichnet, war R. Wolff ein Vierteljahrhundert lang der gesuchte und beliebte Arzt der Gemeinde Posen, als 1736 die Katastrophe der Blntbeschuldigung über seine unglücklichen Glaubensbrüder hereinbrach. Ende 1732 erfahren wir von seinem Schwager, dem Rabbiner von Last und Petrikali, R. Mei'r, daß er behufs Herstellung seiner kranken Augen sich an ihn wie schon zu öfteren Malen früher gewendet hatte'). Dr. Wolff wies aber seinen Schwager au die Augenärzte von Breslau, wo er jedoch ebenso wenig die gewünschte Heilung gefunden u> haben scheint. Vielleicht wäre Dr. Wolff als eines der geachtetsten Mitglieder der Gemeinde demselben Schicksale anheimgefallen wie der Prediger Arje Löb ben Josef unb der Syndikus der Gemeinde ,1akob ben Pinchas, als Geißeln gefangen genommen, durch namenlose Torturen gefoltert zu werden und des Märtyrertodes zu sterben. Aber Dr. Wolff erfuhr noch rechtzeitig, daß es auch auf ihn abj gesehen sei'), und wußte durch die Flucht sich dieser Gefahr zu! ntziehen"). i 9 venezianische Ghetto-Geschichten. Vcn Wilhelm Goldbalim.; Mit genauer Roth widerstand ich der Versuchung, dem bene- , maischen Ghetto meine touristische Pflichtvisite abzustatten. Um mich;» derselben zu bewegen, rückte mir mein Führer mit unaufhaltsamer Üeredtsamkeit und einer Fluth historisch-ästhetischer Notizen, deren Duelle zu entdecken ich vergebens bemüht war, insbesondere das Magazin Shylocks, des „blutdürstigen Inden, au welchem die Re-! uublik von San Marco ihre Gerechtigkeit bewährt habe", vor die j Augen, und mein schüchterner Versuch, die Existenz des „königlichen"! owohl wie des jüdischen Merchant of Venice in Frage zu stellen, j 'erfing nichts gegenüber dem lokalpatriotischen Fanatismus meines! neerone, welcher schließlich den Dialog mit der lapidaren Wendung j ubbrach: „Und hätte er nicht existirt, so könnte er doch existirt haben!"! Ja wohl ... und hätte er nicht existirt, so könnte er doch existirt j uaben. Einen schmeichelhafteren Kommentar zu dem Drama des j Dtratforder Heiligen hätte selbst Gervinrls nicht leisten können. Man! ann füglich einem Dichter kein rühmlicheres Zugeständnis; machen, ' 'ls daß seine Gestalten alle Bedingungen realer Existenz in sich tragen, i illch wenn diese Existenz selbst ein Mythus ist. Und lver hätte alif liefen Ruhm einen gerechteren Anspruch als Shakespeare? Nur ist ') In der Vorrede zu vNVN p» heißt es: F]«1 aPtrn aann annP nnaia «ann Sit« pna p"pa ttti *nniö D'li n"n naam nun 'rann maai mbraa DPanan nnaia »ann aa-naan nann nuana r\bxv a»i ■nirr nann n»ia-i 'b trwvb V'an nia nn*6 b"i apr Hai naa man fpaa p» iara -) Perles a. a. 100. Wie Mose Laudsberg 'J2 “ixm p. 55 berichtet, wäre Dr. Jakob Winkler mit dem Vater des Poseuer Märtyrers Arje Löb, Josef Darschan, verwandt gewesen. 3) Die Quellen dieser Arbeit s. Revue des etudes juives XX, 281—86, Ae durch unermüdlich fortgesetzte Mittheilnngen des Herrn Rabbiners Ar. Bloch in Pose» seither noch bereichert wurden. gerade die Figur Shylocks aus mancherlei Gründen gleich wert bott historischer wie von poetischer Realität entfernt. Von allen Ghetti der gesammten Judenheit war keiner schlechter als der venezianische geeignet, die Geburtsstätte Shylocks zu sein. Die Judenviertel von Rom, Livorno und Prag mögen manch' eine Figur vom Schlage Shylocks beherbergt haben; in der Szenerie des venezianischen Ghetto aber ist Shylock ein Fremdling, ein von dem Dichter willkürlich lokalisirtes Phantasiegebilde. Shakespeare nahm es freilich mit solchen Erwägungen nicht genau; den Handel um das Pfund Fleisch, welchen er in der Gesta Romanorum gefunden, verlegte er kurzweg nach Venedig, weil dieses durch seinen maritimen Ruhm dem Volke Altenglands von allen italienischen Städten die sympathischste war, und während seine Quelle nur von einem Ritter und einem Kaufmann spricht, zwischen welchen jene Wette stattgefundeu, substituirte er mit gewandtem Griffe einen Juden, welchen er seinem Publikum am ergötzlichsten als Geprellten vorführen konnte. Daß die Jsraelitengemeinde der Lagunenstadt, nach der römischen die zahlreichste in Italien, sich immerdar auf der Höhe der zeitgenössischen Bildung befand, und daß sie nicht nur durch merkantile, sondern auch durch litterarische Fäden mit der jenseits der Ghettomauern sich dehnenden Welt zusammerhing, brauchte man an den Gestaden des Avon nnd der Themse nicht zu wissen. Es ist bezeichnend, daß schon gleich in den nächsten Jahrzehnten nach Shakespeares Tode, wie um die Gestalt Shylocks mit der sie umgebenden Szenerie in einen natiirlicheren Einklang zu bringen, die Sage anftauchte, der Original-Shylock habe in Stambul zur Regiernngszeit Solimans I. gelebt. Die Blüthezeit der venezianischen Judengcmeinde fallt in die Wende des sechzehnten Jahrhunderts. Damals beherbergte der Ghetto eine Bevölkerung von sechstausend Köpfen, und ans der Piazzetta luden viertausend christliche Lastträger zahlreiches Schiffsgut ein und aus, welches mit der Stampiglie weithin gekannter jüdischer Firmen versehen war. Der Glanz der Dogcnstadt war freilich im Verbleichen, nnd der Fall trat nicht selten ein, das; der Säckel der Republik eine trostlose Leere zeigte. In solcher Bedrängnis; sprangen zu wiederholten Malen die Kapitalisten des Ghetto freiwillig dem Staate bei und leiteten ihre Ersparnisse zinslos in die öffentlichen Kassen. Die christliche Bevölkerung lohnte ihnen diesen Opfermuth, indem sie sich ihrer Vorurtheile entledigte und von der Aufrechthaltung der finsteren Scheidewand, welche die Ghettomauern darstellten, bereitwillig absah. Kaum irgendwo ist in jenen Tagen die gesellschaftliche Wechselseitigkeit zwischen Christen und Inden so lvcnig getrübt gewesen, wie in Venedig. Rabbiner führten in den christlichen Salons das große Wort und handhabten mit hoher Eleganz die italienische Sprache; jüdische Aspasien versammelten um ihre Person die Schöngeister der Marensstadt und führten mit den Musen im reinsten Italienisch poetische Zwiegespräche. In dem Hause des jüdischen Kaufherrn Giuseppe Ascarelli vereinigte sich ein Konflux litterarischer Männer; stolze Patrizier saßen leutselig neben gesprächseifrigen Talmudistcn, und würdevolle Priester debattirten anstandslos mit beweglichen Merkursjüngern von orientalischem Gesichtsschnitte; dazwischen glitt liebreizend die Tochter des Wirthes, Deborah Ascarelli, umher und empfing mit schämiger Bescheidenheit die Huldigungen, welche ihrem poetischen Talente dargebracht wurden. Als ein Charakterkopf originellster Art ragt aus jenen Tagen Leon Modena, der Rabbi, über die Mauern des venezianischen Ghetto empor. Wer das Wesen des jüdischen Familienlebens auch nur nebenhin beobachtet hat, der weis; es. das; demselben vornehmlich zwei Eigenschaften ihr Gepräge aufdrücken: die Pietät für die Familientradition nnd der Kultus der Wunderkinder. Jene hat die Jsolirung