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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-19 · Heft 36 (19.9.1890) · p. Seite 470

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 36 (19.9.1890)
Date
1890-09-19
Page
Seite 470 (sequence 6)
Language
German
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470 ordentlicher Frömmigkeit und Gelehrsamkeit in Talmud und Kabbala stehenden Rabbiners trug nicht wenig dazu bei, das Ansehen des Hauses Winkler zu heben. R. Eljakim Götz war wohl, wenn ich recht vermuthe, seit dem Jahre 1662, wo er im Hause des gefeierten Mose Mirels, seines Verwandten wohnte, als er in Wien eine Gastprcdigt hielt'), mit Dr. Leo Winkler, dem Großvater seines Schwiegeri ,'ohnes Wolf, befreundet. In dem Posen benachbarten Schwersenz-) war er bis 1680 Rabbinatsassessor, bevor er das Rabbinat von Hildesheim übernommen hatte. Vielleicht ist ihm selbst ein Einfluß auf den Entschluß Winklers, sich in Posen niederzulassen, zuzuschreiben. Die Familie R. Eljakims zählte zu den angesehensten der damaligen Judenheit, die Sterne ersten Ranges, wie Mose Jsserls, R. Liepman Heller und R. Sabbatai Cohen mit ihrem Scheine beglänzten:;). Sein eigenes Ansehen war so hoch gestiegen, daß die Gemeinde Posen,! als er 17oo in der Absicht, nach dem heiligen Lande zu ziehen, dort! von seinen Kindern und Verwandten Abschied zu nehmen km '),! ihn festzuhalten wußte und durch das Amt des Predigers in ihrer j Mitte auszeichnete. Drei talmudisch hervorragende Söhne trugen noch dazu bei, den Ruhm der Familie zu heben. R. Samuel, der 1712 ein agadisches Werk") des Vaters in Berlin herausgab, war wie der Vater Rabbinatsassessor in Schwersenz bei Pose». Jsserl, ausgezeichnet durch seine Kenntnis; der Mischna, die er auswendig konnte, war, nachdem er eine Zeit lang das Rabbinat von Straßbnrg bekleidet hatte, nach dem heiligen Laude ansgclvandert, >vo wir ihn in Safed und Aleppo finden und von wo er nur zurückkehrte, um Samson Wcrtheimer den Titel eines Fürsten von Palästina z» j überbringen") und die Mischna mit Vokalen versehen in Venedig I drucken zu lassen. Me'ir, der jüngste Sohn, der nach dem 1658 zu Mühlbock in der Mart auf der Flucht aus Pole» verstorbenen und erst 3 Jahre nach seinem Tode dauernd in Bieseritz in Polen beigejetzten Vater') R. Eljakims hieß, war bei dem wohl 1707 erfolgten Tode des Paters etwa 17 jährig') und fungirte, als er 1738, von den angesehensten Rabbinern seiner Zeit unterstützt, die Response» seines Vaters in Dhhernfurth herausgab, als Rabbiner von Last und Petritau in Polen. In diese Rabbinerfamilie heirathete also der Enkel Dr. Leo Winklers, Wolf, der Sohn des ersten Vorstehers von Posen, Dr. Jacob Winklers. Wie der Großvater und dessen Söhne, so pilgerte auch der Enkel nach Padua, um das ärztliche Wissen in der Familie fortzuerben. Auch er war längst verheirathet und daheim ein angesehener Mann, als er Dienstag am 25. Juli 17<>1 aus den Fächern der Physik und Medizin an der Universität Padua das Doktordiplom errang. Dieser Zusammenhang zwischen Wien und Pose» wäre aber zweifelhaft und eine bloße Bermuthung geblieben, wenn nicht eine ausdrückliche Bezeugung die auseinandergefallenen Glieder verketten würde. Wir haben von Jakob Winkler ein littcrarisches Dokument, in dem er am 8. Nisan 1704 zu Posen als Sohn Juda Loebs, des :) Kaufmann a. a. O. 80 n. 4. 2) Perles a. n. O. 87. ■■) Siche die Vorrede zu de» Response» ünUTl pR. 4) Dieses Jahr fließt sein Sohn a. a. O. an. Perlcs a a. O. läßt ihn Tebeih 1»»» aus Hildeshciiu »ach Posen kommen. T arnarc anan c) Kaufmann, Samson Wertheimer 10 ,i. 4, wo es statt Jsserl b. iUcir heißen muß: Jsserl b. Eljakim Götz >733 war R. Jsserl bereits verstorben und, wie es icheint, ermordet tvordeu, da sein Bruder Met'r im Vorwort zn 2N3'N pR, UU1 cv 6)» ■'jTIfia'T nRD nennt, mit der Jormel Y'Yl anführt. ') anan pR Ztesp. 13. s) Jb. Vorrede: n"p6? l'P R"R “133 '2R1 verstorbenen Arztes, und 34 Jahre nach der Vertreibung in treuem Gedenken an die unvergeßliche Heimath als Exulanten aus Wien sich unterzeichnet. Es ist dies nämlich die Approbation'), die er der Mischnaedition R. Jsserls, des Bruders seiner Schwiegertochter, beigefügt hat. Um den Schwiegervater seiner Schwester zu ehren, hatte R. Jsserl ihn aufgefordert, was sonst nur von rabbinischen Autoritäten verlangt zu werden pflegte, daß er seine Edition approbire, was er auch von dessen Schwiegersohn, dem Posener Rabbinatsassessor R. Met'r b. Schalom erbat. Beide Approbationen, die R. Jacob's an der Spitze, eröffnen die Ausgabe R. Jsserl's, der wegen der Pest von Jerusalem nach Aleppo gegangen war und dort von dem Rabbinatsbeisitzer Samuel Pinto erfahren hatte, daß die persischen und babylonischen Gemeinden den Wunsch nach vokalisirten Mischnaexemplaren ihm ausgesprochen hatten, weshalb R. Jsserl den Entschluß faßte, in Venedig eine solche Ausgabe veranstalten zu lassen. Hier, wo das Studium der Mischna so ausgebreitet war, daß er nicht nur die Söhne R. Samuel Aboab's und den Rabbiner der deutschen Gemeinde Menachcm b. Jakob Aschkenasi, den Schwestersohn des im Adar I1170«! verstorbenen Vorstehers von Prag,'-') Chajjim Jriedland, sondern auch zahlreiche andere Gelehrte antraf, welche die Mischna, wie er selbst, auslvendig wußten, hier in Venedig sollte ein korrekt vokalisirter Text der Mischna das Licht erblicken, zumal die Mäcene sich rasch finde» ließen, welche nicht nur die Druckkosten für die ganze Auflage, sondern auch für den vornehmen Einband aufbrachten. Auf dieser Reise war es wohl auch, im Frühjahr 1704, daß R. Jsserl, von der Gloriole des Palüstinapilgers umgeben, aufgefordert wurde, in Posen, wo sein greiser Vater als Prediger wirkte, eine Gastpredigt zu halten 4. Um so ehrender war für Dr. Jakob Winkler und seinen Schwiegersohn die Aufforderung, dem Werke eines solchen Mannes die Approbation zu erthcilen. Neben Wolf und der an R. Bte'i'r verheiratheten Tochter sind als Kinder Dr. Jakob Winklcr's in Posen noch 3 Söhne bekannt, Bär, Michael und Rafael, die alle in der Gemeinde mehr oder weniger eine Rolle gespielt haben. Jakob war nicht nur Arzt der Gemeinde und als Vorsteher angesehen, sondern als Arzt der polnischen Edelleute im Besitze einer großen einträglichen Praxis. Erst gegen Ende seines Lebens hatten seine materiellen Verhältnisse sich verschlimmert, wie er dies öffentlich darlegte, als er um einen Steuernachlaß bei der Gemeinde einzukommen gezwungen war. Sein Tod dürfte im Jahre 1711 eingetrcten sein, da im Adar dieses Jahres die Gemeinde gewisse Vorkehrungen trifft, um bei seinem Nachlasse sich ihr Recht zu sichern. Auch sehen wir 1712 bereits seinen Sohn, Dr. Wolff Winkler, vom Vorstande auf zwei Jahre als Gemeindearzt angestellt. Ausdrücklich wird in seinem Anstellnngsdekrete hervorgehoben, daß er an die Stelle seiner Väter, d. i. also seines Großvaters mütterlicherseits Dr. Mose und seines Vaters Dr. Jakob Winkler als Arzt berufen werde. Als Armenarzt wird er mit der Leitung des Gemeindehospitals betraut, wie ihm auch der regelmäßige und unentgeltliche Besuch aller jüdischen armen Ortskranken zur Pflicht'gemacht wird. Ihm liegt auch die Festsetzung und Kontrole der ') Mischna ed. Venedig 1705. Die Approbation trägt die Ueberschrifl: 'ana amb ptswi itr-i j^aiam R^aian nasan pna vnp bnp mr“D na-i ar van nSvipn IS1 Ran 3piT -nma3 n'n Die Unterschrift Jakobs lautet:! i"arr^3 Ran 3pv' dr: maPi mmrr “N33v -anan “I"3 "ttnuaa nnav pnsnat Ran aP rrnrr -n"ma3 norm Rm R. Jsserl nennt er: -nmaa av“iiaan “rann pRjrr amnaB p appR 2) Nach S. Hok's Notizen. 3) arnana anaa f- 4a.

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