Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 35 (12.9.1890)
- Date
- 1890-09-12
- Page
- Seite 461 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227861--47344-3268860- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
461 iou einem , ja sogar ieher" sich roza als ffsen seine Kuriosum ne Philo men von! i, so muß des selbstyhen an fr inem mo darf, fid. c zwischen Las nemr en Augei: ns in den §quipage> 4, fröhncn der zwar -reichthmr itischer iß. )em Gott ivn „Tal oie tranrir, mußte er ackern sch cmanischcnnter bei. Münncr hen Vater Hst wissen, s idealste^ „Schuft" , genamn Icit hat c - ten Wohl Verfasser ehört, de lieh selbst anoiiyii! Rober jcn. Tie r beweise >. eine blaßc eine niclck en Nlld ,y! 11, sowolt littet, uuo i deutsche > rchmutz zu chlern mw run Ruhm ,en litteru ichst unbeauch kein Das Buch strotzt auch an zahlreichen andern Stellen von Gift und Galle gegen die Juden. Man hat das Gefühl, als ob man einen antisemitischen Hetzapostel in einer Volksversammlung hört, wie er gegen Juden, Judengenossen und Judenknechte losdonnert. Eine Verbitterung gegen unsere Glaubensgenossen macht sich hier in so seltsamer Weise breit, daß man die Schrift nur mit moralischem Widerwillen aus der Hand legen kann. Der Verfasser begnügt sich nicht allein damit, die modernen Juden in Deutschland sowohl wie in aller Herren Ländern mit einem gelben Fleckchen der moralischen Aechtung zu versehen, als lebten die Juden noch immer in den Ghettos, und als hätte die Sonne der Judenemanzipation überhaupt nicht geleuchtet; er schüttet die Schale seines Ingrimms auch über die Juden der altn Zeit aus. So sagt er z. B. S. -126: „Es ist bezeichnend und vielleicht nicht genügend bekannt, daß das altjüdische Pharisäerthum einen durch und durch demokratischen Stand darstellte; er war Jedermann aus dem Volke zugänglich; er war ein Stand von hochmüthigen Parvenüs. Sie handelten also ganz konsequent, wenn sie die Hoheit des Geistes in Christus bekämpften; und dieser handelte ganz konsequent, wenn er die Gemeinheit des Geistes in ihnen bekämpfte. Auch sie machten ans der Religion einen „äußeren Mechanismus, den Jeder handhaben kann, der die Konstruktion desselben kennt;" sie entzogen ihr das innere Leben; sie machten sie zur mongolischen Gebetmühle. Dazu darf die deutsche Wissenschaft, die deutsche Kunst, das deutsche Geistesleben nicht hcrabgewürdigt werden; das wäre eine plebejische Weltauffassung; einer solchen hat der geistige, der sittliche, der politische und der körperliche Ädel entgegenzutreten. Echtes und Unechtes, Adel und Pöbel, Wahrheit und Lüge stehen sich versöhnlich gegenüber." Die alten Pharisäer als einen Stand von hochmüthigen Parvenüs hinzustcllen, dieser Einfall des Anonymus hat uns amüsirt. Diese Unwissenheit spricht dafür, daß er auch in der Retigionsgcschichte absolut keinen Bescheid weiß. Ter Pharisäismus, welcher dem Sadduzäismus gegenüber stand, war eine Religionsanschauung, welche mit dem Parvenüthum nichts zu schaffen hatte. Diese Richtung als Gemeinheit des Geistes hinzustellen, ist lächerlich. Was wiirdc der Verfasser sagen, wenn man z.B. die Evangelisch-Orthodoxen oder die Katholisch-Ultramontanen als Parvenüs des Geistes hinstcllen und die Liberalen als die Edlen und Aristokraten zu proklamircn versuchte! Ein Schrei der Entrüstung würde sich über eine solche Definition und eine solche Herabwürdigung erheben! Freilich, was scheert sich heute die sogenannte gebildete, d. h. halbgebildete Gesellschaft darum, wenn dem Pharisäismus, deni alten und dem modernen Judenthum Fußtritte applizirt werden und dabei eine Unwissenheit bethütigt wird, die in der That an die babylonische Sprach- und Gcdankenverwirrung erinnert. Ein Stück Junkerthum, welches der ganzen modernen Welt, dem sich frei entfaltenden Bürgerthum und infolgedessen auch dem Judenthum feindlich gegenüber steht, steckt auch in dem Verfasser dieses Werkes, welcher nicht müde wird, den Aristokraten Weihrauch zu streuen und auf das Bürgerthum nnt Hohn herabznblicken. Für ihn beginnt der Mensch erst beim Baron; alles Uebrige gehört zur Fabrikwaare der Natur, zu den „ordentlichen Mitgliedern des Packs des Menschengeschlechts", um mit Schopenhauer zu reden. Ja, selbst bei Spinoza — dem er, wie wir wissen, fortwährend etwas am Zeuge zu flicken sucht — hebt er nur den einen rühmlichen Umstand hervor, nicht etwa seine Philosophie, seinen selbstlosen Charakter, seinen lauteren Lebenswandel, sondern daß er etwas auf schöne Kleider gegeben hat, denn Seite 50 schreibt er wörtlich: „Das Hauptstück seiner gestimmten Verlassenschaft war ein Mantel zu dem damals thenren Preise von 10 Gulden". Ferner hebt er als rühmenswerth hervor, das; sich Spinoza auch mit der Malerei beschäftigt habe, denn in seinem nachgelassenen, jetzt aber verloren gegangenen Skizzeninch habe er sich selbst als einen Fischer mit einem Netz auf dem Rücken gemalt. Dieser künstlerische Hang sei immerhin bemerkenSwerth; sei doch Dante so gut wie Kopernikus ausübender Maler gewesen; aber selbst die halben Lobsprüche, welche er Spinoza ertheilt, sind mit hämischen Bemerkungen gepfeffert, denn indem er diesen Philosophen Rembrandt gegenüber stellt, kann er nicht umhin zu bemerken: „Der Jude giebt die Weisheit des Uebcrweltlichen, der Deutsche die Weisheit des Alltäglichen und darum die bessere, die nähere, genießbarere Weisheit," also auch hier zeigt sich das Bestreben, zwischen dem Judenthum und der deutschen Weltanschauung eine unüberbrückbare Kluft, einen Abgrund herzustellcn und nicht die Gegensätze zu versöhnen, sondern sie noch mehr ans die Spitze zu treiben. Mit dem Worte „plebejisch" und „Plebejerthum" treibt der Verfasser einen wirklich groben llnfng. Alles, was in seinen Kram nicht paßt, ist plebejisch, und Alles, was er nicht begreifen kann, ist gleichfalls plebejisch. Er schreibt in einem so jungdentschen Tone, er wirft mit seinen Kraftansdrücken so sehr um sich, daß er eigentlich eine vorzügliche Operetten-Figur abgcben müßte, und so rathcn wir ihm. den Text seines Buches zu einem Operetten-Libretto umzugestalten und sich die Musik von einem antisemitischen Komponisten dazu schreiben zu lassen. Es gäbe dann sehr wirksame Szenen, und der Verfasser wäre des Beifalls der Galerien gewiß. Man denke sich in der Mitte Rembrandt als Erzieher, umgeben von Amsterdamer Juden, die natürlich ihren christlichen Nebcnmenschcn die Haut über die Ohren ziehen; Spinoza als charakterlosen Schächer, welcher dabei ertappt wird, wie er eine neue Philosophie zu denken wagt. Rahel Lewin, verheirathete Varnhagen von Ense, in einem heftigen Wortwechsel mit ihrem Bruder Ludwig Robert, dem sie die größten Grobheiten an den Kopf wirft, während dieser — die Allongeperrücke seiner Schwester zerzaust; Ludwig Börne im Handgemenge mit Heinrich Heine, die sich die stärksten nach 8 186 des Strafgesetzbuches zu ahndenden Real- und Verbal-Injurien an den Kopf werfen; ringsum Plebejer, d. h. alle Diejenigen, welche zur „bürgerlichen Kanaille" gehören und nicht einmal ein „von" aufweisen; und plötzlich bei bengalischer Beleuchtung, umgeben von einer elektrischen Sonne erscheint der Verfasser von „Rembrandt als Erzieher" auf einer Feuerwehrspritze, Spinoza, Heine, Ludwig Robert u. s. w. mit seinen kalten Wasserstrahlen attaquirend und dabei ein Couplet über die bösen Juden und Pharisäer und sonstiges gefährliches Volk singend. Wir empfehlen diese Idee dem Verfasser und verzichten von vornherein auf jedes Honorar, indem wir meinen, daß zu dem antisemitischen Charakter des Buches ein solches Spektakelstück ein sehr passendes Pendant sein müßte. Doch Spaß bei Seite! Denn die Sache hat ihren sehr ernsten Hintergrund. Wohin soll es führen, wenn derartige oberflächliche Tiraden, solche giftgeschwollene Behauptungen ohne jeglichen Grund und ohne tiefe Motivirung in die Welt geschleudert werden? Wohin soll es führen, wenn man über eine ganze Religionsgcnossenschaft straflos hcrzufallen wagt und noch dazu in einem Buche, welches mit der Prätension anftritt, Staat und Gesellschaft zu reformircn, der Freiheit und dem Frieden neue Wege zu ebnend Aus diesem Grunde hielt ich es für eine Pflicht, dem anonymen Verfasser ein wenig die Maske zu lüften, damit wenigstens die Inden erkennen, weß Geistes Kind derselbe ist, und sich davon überzeugen, daß die Eisenmengers auch heutzutage noch nicht ansgestorben sind und ihr Geschäft ebenso flott und frisch betreiben, wie vor Jahrhunderten. Ja, cs soll mich gar nicht wundern, wenn nächstens in