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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-12 · Heft 35 (12.9.1890) · p. Seite 459

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 35 (12.9.1890)
Date
1890-09-12
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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Sagen Sie mir Ihre Meinung, was ich daraus in die Memoiren aufnehmen soll" (1879). — „Es wird mir schwer sein, gegen $ (einen bekannten Kritiker) gerecht zu sein, aber ich werde mich um so eifriger danach mühen, je ungerechter er gegen mich war" (1880). — „Das Dasein bietet Ergebnisse, die so folgerichtig sind und doch sehr überraschend erscheinen! Das ist mir beute wieder einmal lebhaft aufgegangen, als ich für das Lebensbuch weine Studienzeit zu fixiren begann" (1879). — „Wieder habe ich eine Erzählung begonnen, und doch fühle ich, es sollte nieine nächste Aufgabe sein, meine Lebensgeschichte zu schreiben. Ich stehe an der Schwelle «er Siebzig, ich fühle mich noch frischauf, aber wer weiß, wann seine stunde kommt! Ich habe etwas zu sagen und darzustellen, vor Allem die Entwicklungsgeschichte eines Judenknaben im Schwarzwaldnorfe, wodurch vielleicht eine Spezialität allgemein menschlichen und deutschen Lebens ausgeklärt wird. Ich habe namentlich unter Beibilfc einer vier Jahre älteren Schwester bei meinem Besuche in der öeimath viele Einzelheiten ausgezeichnet, die zu ordnen sind" (Mürz!880). — „Wenn Sie mich so recht, recht verstehen wollen, müssen Tie mein Heimathsdorf Nordstetten besuchen. Vielleicht, wenn wir inmal zusammen in den Schwarzwald gehen; es hat keine Beschwerde, ree Ort liegt jetzt an der Eisenbahn. Da wurzle ich und werde arum in meinen „Erinnerungen" das größte Gewicht auf die Schilerungen des Dorfes legen" (Mai 1880). — „Wenn Sie doch auf inige Tage hierherkümen! Wir haben so viele gemeinsame Quellen nid gemeinsame Ziele, daß ein längeres Zusammensein und ruhiges üisklüren in jedem Betracht gut wäre, und insbesondere wünsche ich s wegen der „Erinnerungen". „Jawohl, ich bedarf eines Drängers nid Mahners; denn manchmal fühle ich doch, daß ich schon alt bin mb den gegebenen Tag festzuhalten habe" (Januar 1881). — Jetzt wird es ernst, und zunächst wird mein Kindesleben im Dorfe fixirt! och bring's doch noch fertig, hoff' ich!" (Sommer 1881). Er hat's nicht mehr gekonnt. — Leider! welch ein Buch wäre ras geworden, trotz alle- und alledem, was sich gegen die Manier es alternden Schriftstellers, wie sie sich in seinen letzten Werken ausrügt, sagen läßt. Das ist Alles, was ich derzeit mittheilen möchte. Gehört einmal ie antisemitische Bewegung zu Ausgang der Siebziger Jahre völlig er Geschichte an, dann wird die Zeit zu weiteren Veröffentlichungen us Auerbach's Briefen au mich gekommen sein. U Rembrandt alp — Antisemit. Von Reinhold Berger. Unsere Zeit ist die der Mode; urplötzlich werde» gewisse Werke icht so sehr durch ihren inneren Werth, ihren Gehalt und durch die bedanken, welche in denselben niedergelcgt sind, als vielmehr durch -gend einen äußeren Umstand, durch einen Zufall oder ein anderes rum zu berechnendes Moment Mode, und dann gehört es zum guten!on, dieses Buch, wenn auch nicht zu kaufen, so doch zu lesen. Alle breit strömt dann in die Leihbibliotheken, um sich das neueste Erzeugniß des Schriftstellers zu verschaffen, damit man in der Gesellschaft mitreden kann, wenn auf das sensationelle Ereignis; das Gespräch kommt, und um in den ästhetischen Zirkeln sein Licht leuchten i» lassen. Das alte Wort: „Imlmnt .siui fatu lilielli“ gilt ganz beionders in unserer Zeit, wo in den meisten Füllen nicht innere vimbe, nicht der dauernde, in sich selbst beruhende Werth, sondern das Erfassen irgend einer Geschmacksrichtung oder einer Tages- Strömung das Glück des betreffenden schriftstellerischen Opus ausmacht. Zu diesen mehr oder weniger emsig besprochenen und fleißig gelesenen Modewundern gehört auch ein Werk, betitelt: „Membrandt als Erzieher", welches in den letzten Monaten erschienen ist, in kurzer Zeit 15 Auflagen erlebt und die öffentliche Meinung in außerordentlicher Weise auf sich zu lenken gewußt hat. Unleugbar enthält dasselbe eine Fülle, wenn auch nicht neuer und tiefer, so doch geistreich vorgebrachter Ideen und Anschauungen über zahlreiche Lebens- und Tagesfragen, welche die Oesfentlichkeit beschäftigen. Der anonyme Verfasser plaudert über Hinz und Kunz und geräth vom Hundertsten ins Tausendste, vom Nachtwächter bis zum türkischen Kaiser; und wenn auch seine Ideen und Anschauungen nicht systematisch geordnet, ja auch vielfach unreif und paradox sind, so gefällt gerade der Ton, welcher in seinem Buche angeschlagen, und die Allerweltsweisheit, die hier ausgekramt wird, unserer Zeit, welche den Grundsatz hat: „Laß dich nicht verblüffen". Ich hätte nun auch keine Veranlassung, auf das merkwürdige und von der Reklame zu einem Ereignis; ersten Ranges aufgebauschte Buch hier zurückzukommen, wenn ich nicht die traurige Wahrnehmung konstatiren wollte, daß der anonyme Verfasser keineswegs ans dem Standpunkt der modernen Humanität, der Ideen der Duldung und des konfessionellen Friedens des 19. Jahrhunderts steht, vielmehr durchaus ein unverfälschter Antisemit ist, der es mit anderen glorreichen Antisemiten alter und neuer Zeit in Bezug auf Judenhaß wohl aufnehmen kann. Ob die zahlreichen antisemitischen Ausfälle in diesem Buche dazu dienen sollen, demselben einen pikanten Reiz zu geben, oder ob der Verfasser zur Klasse jener Schriftsteller gehört, welche den litterarischen Judenhaß gewerbsmäßig betreiben, will ich dahingestellt sein lassen. So viel aber steht fest, daß der Autor, welcher es sich herausnimmt, unsere Zeit zu schulmeistern und sich als Weltverbesserer aufzuspielen, der — komischer Weise — den Maler Rembrandt als das erstrebenswerthc Ideal der modernen Pädagogik und sozialen Reform hinstellt, keineswegs den Beruf haben kann, Andere zu schulmeistern, so lange er selbst in den krassesten Vorurtheilen befangen ist, und so lange er seinen jüdischen Mitbürgern gegenüber eine Sprache der Verhetzung führt, wie wir sie heut zu Tage nur von den Demagogen hören, welche den Antisemitismus als ihre eigentliche Domäne betrachten. Selbst ans die Gefahr hin, durch diese meine Mahnung zu einer neuen Auflage des Reklamewerkes beizutragen und die 15. Auflage zu einer 10. nmzugcstalten, erachte ich es doch für meine Pflicht, meine Stimme gegen jene Schmähungen zu erheben, welche um so beklagenswerther sind, als durch die Massenverbreitung die Pest des! Hasses in die weitesten Kreise geschleppt wird, und als durch den 1 Mantel der Anonymität, in welchen der Verfasser sich hüllt, dem- : selben auf direkte Weise nicht beizukommen ist. Während der große Maler Rembrandt, getreu seiner vornehmen (Besinnung, welche ihn! im Leben sowohl wie in der Kunst kennzeichncte, ein warmer Freund des Jndenthums war und stets große Vorliebe für die Juden bekundete, während er die ehrwürdigen Gestalten, denen er in der Amsterdamer Judengasse begegnete, mit den Augen des Malers und mit dem Herzen eines wahren Menschenfreundes betrachtete und! allezeit bestrebt war, mit seinen jüdischen Nebenmenschen in Eintracht; und Freundschaft zu leben, ruft sein moderner Jünger in der zweiten j Hälfte des 19. Jahrhunderts, welcher die Fahne Rembrandts entj faltet, fortwährend sein „Kreuzige"! Wie groß der Haß ist, den der Autor von „Rembrandt als Erzieher" gegen die Juden hegt, das mögen schon die nachstehenden Beispiele beweisen. Auf Seite 42 seines Buches sagt er u. A.:

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