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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-12 · Heft 35 (12.9.1890) · p. Seite 457

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 35 (12.9.1890)
Date
1890-09-12
Page
Seite 457 (sequence 5)
Language
German
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T 457 die Rechte Jochanau für bei! s Opfers. ■ begnügt Sabbath. agogen zu Jerusalem einigkeiten der brc. Gedanken c blos ob :ktiv dum n machte, göttlichen zu Goti irch deren )enn Gvl! s Schofan z über die cn Worten ein himin wie er sien s Bunden, eil Vätern ues Pietismus, iu welcher die Kabbala regierte, »och einen dritten Termin, den siebenten Tag des Hüttenfestes, das große Hosanna, als ilrtheilsverkündigung hiuzufügte. Schon eines der ältesten talmudischen Zeitalter hatte in dem eigentlichen Festgebete, in dem Musaf, all den symbolischen Gedanken;cs Schofar einen herrlichen Ausdruck gegeben, der ausklingt in der großartigen Darstellung der Erlösungszeit, „wo Gott regieren wird aber die ganze Welt in seiner Herrlichkeit, und erkennen wird Alles. ioas geschaffen ist, daß du es geschaffen hast, und einsehen wird jedes Gebilde, daß du es gebildet hast, und Alles, was Odem in sich hat, aird sprechen: „Der Herr der Gott Israels ist König und sein Reich chreckt sich über das All." Noch deutlicher wurde dieser Gedanke . nsgeprügt in der herrlichen Keduscha unseres Festes, die im Mittel- * iter verfaßt, einen Märtyrer zum Autor haben soll, iu welcher Gott (schildert wird, auf seinem Throne sitzend, wie er die Bewohner der H'be und das Heer des Himmels an sich vorüberziehen läßt und 'cstimmt, wer leben und wer sterben soll, wer durch das Schwert and wer durch Hunger, wer durch Wasser, durch Feuer umkommen, per erhöht und wer erniedrigt werden soll, und tröstend schließt die yabcne Schilderung mit den Worten des Talmud: Buße, Gebet and fromme Werke sichern dem Menschen die göttliche Gnade. Das Neujahrsfest ist also das rechte Symbol für die Lebenstraft des religiösen Gedankens im Judenthum; es ist, mit dem Talmud i reden, „alter Wein in neuen Krügen".? hat. Ter BotteS auf igt wurde, je seit der :, bald atr terkünderiu Ulf Gottes htliche Erauch midi ms Opfer, jatte, God i Gestrüpi' llichkeit ba Opfer ihm ottergebei e i Midras > ckiche Erve e er es ln un sie dm »tos. 2». geworde >. n der Tez mgs-Taa). Haffen, d.e neu erhör! phetenwvrl >5. 6.) nuv Bericht u»e Viderspruch prechen, an iirstige Zeü Au?! Griefen Gerthold Auerbachs. Mitgetheilt von Karl Emil Franzos.') Vielleicht sind die nachstehenden Stellen aus Briefen Berthold duerbach's an mich von einigem Interesse für den Leserkreis dieser deitschrift; ich beschränke mich auf jene, in welchen er über Juden and Judenthum spricht. Einzelnes habe ich in einem kurz nach riuerbach's Tode in einem Wiener Blatte erschienenen Aufsatze mitectheilt; die Wiederholung ließ sich nicht vermeiden, was aber, da > > sich um einen verschollenen Aufsatz in einem Tagesblatte handelt, ellcicht nicht allzu belangvoll ist. Mein Vater, Dr. Heinrich Franzos, welcher als Arzt zu > zortkow in Ostgnlizien wirkte (er starb 1858), hatte seine Studienil zum größten Theil auf deutschen Hochschulen verbracht; im! dinier 1833 wurde er in Erlangen Mitglied der Burschenschaft,! lier der ersten Inden, die beitraten. Ich glaube wenigstens, daß l in Erlangen war; gewiß ist, daß er dadurch kurz darauf bei «nein Burschentage mit Berthold Auerbach zusammengeführt wurde. ic beiden jungen Männer wurden in den wenigen Tagen! res Beisammenseins sehr vertraut, vielleicht mit deshalb, weil sie die - iizigen Juden in dem Kreise waren. Ein Briefwechsel, obwohl er bei! r Trennung verabredet war, faud nicht statt, doch bewahrten sich! ide Männer freundliche Erinnerung ihr Leben lang; mein Vater l niste jedes Buch Auerbach's nach dem Erscheinen und erzählte uns ' indem oft von ihm. Aber auch der berühmte Mann hatte des lustigen Genossen nicht vergessen; als ich ihn bei dem Eröffnnngs- ' sie der Straßburger Universität — am 2. Mai 1872 auf dem dusflng nach der Odilicnhöhe — kennen lernte und meinen Nanieu uiuntc, rief er, — meine Aehnlichkeit mit Jeinand, „den er einst gut •) Wir entnehmen diesen interessanten Aufsatz dem eben erschienenen ' ierten Hefte des vierten Bandes der „Zeitschrift für Geschichte der luden in Deutschland", das wiederum eine Fülle von werthvollen »nd interessanten Mittheiluuge» enthält. Die Lied. gekannt," war ihm schon früher ausgefallen, — sofort: „O, der Sohn des Heinrich Franzos, des Mediziners!" Ich erwähne dies, weil es I eine Erklärung dafür ist, daß er schon damals mir jungem Kandi-; daten der Rechte sein Vertrauen schenkte und mit mir über die beiden i großen Pläne seines Lebens sprach: einen Judeuroman und seine j Sclbstbiographie. In welcher Weise werde ich später andeuten. Unsere Korrespondenz begann erst 1877 und hat bis kurz j vor seinem Tode gewährt. Anfangs sprachen wir uns in ' unseren Briefen fast ausschließlich über Persönliches und Littera-! risches aus; je mächtiger die antisemitische Bewegung anwnchs, desto eifriger handelte er auch in seinen Briefen darüber, bis j er endlich kaum mehr für Anderes Interesse zu haben schien. Das ' war so natürlich, denn man weiß ja, wie weh jene Bewegung! seinem Herzen that. Es sind viele Stellen darunter, die wohl gedruckt! zu werden verdienten; gleichwohl möchte ich sie, soweit sie Anklagen ) sind, jetzt und an dieser Stelle nicht Vorbringen. Nur von den! Klagen seien einige wiedergegeben: .Das bricht mir das Herz! Ich, dem einst Jakob Grimm gesagt: „Ihre Schriften sind so durch und durch deutsch, als ob Sie direkt von Hermann dem Cherusker abstammten" — ich, der ich mein Lebenlang für Deutschland gefühlt, gelitten und gestritten, soll nun plötzlich ein „Fremder" sein? Aber es geht mir ja nicht um mich allein, welches Ende soll diese grenzenlose Verrohung der Gemüther nehmen, welches Ende?!" Die Worte stammen aus dem Jahre 1879. Im Frühling 1880 schrieb er mir: „Mit dem Arbeiten geht's schlecht. Ich kann nicht. Diese Judenhetze hat mich in's tiefste Herz getroffen. . . . Aber nicht nur die Feinde überraschen durch ihre Infamien, noch bitterer ist's, daß so wenig human gesinnte Christgeboreuc hervortretc», vielmehr uns die Abwehr überlassen. Als ob es sich da allein um eine jüdische Sache handelte!" Im Herbst 1880: ... „In welchen Zeiten leben wir! Und da sollte der Einzelne frohgemuth arbeiten, in solcher Korruption ein kleines Gute zu schassen trachten?! Vielleicht ist's Pflicht, aber ich bin zu schwach, sie zu erfüllen!" Endlich im Herbst 1881: „Was ich leide, sagt kein Wort" (folgen Anführungen bitterer persönlicher Erfahrungen, die er gemacht hatte, vielleicht auch nur gemacht zu haben glaubte). „Das war der Sturz von meinem Jdealthurm, ich bin zerschmettert." Damit sei es auch dieser Klagen genug. Hat doch er selbst, der müde, kranke Greis, die Kraft gefunden, sein letztes Büchlein („Die Genesis des Nathan") mit den Worten zu schließen: „Aus allen Erschütterungen des Gemüths, aus allen Versuchungen der Verzweiflung heraus rufet mit mir: Und doch wird der Geist der Humanität siegen!" Ich weis; nicht, ob es in weiteren Kreisen bekannt ist, wie sich Auerbach zur Frage des Staatssozialismus stellte. Was ihn zunächst dagegen i einnahm, war die von Bismarck augeheftete Etikette: „Praktisches Christen- I thum". Als dies Schlagwort zum ersten Mal nusgegeben wurde, schrieb j mir Auerbach erregt, das sei lediglich ein Wahlmanöver; „Bismarck weiß j ja selber, daß sein Sozialismus nichts mit irgend einer Religion! zu thun hat". Aber kurz darauf, im Mai 1881, schrieb er mir: „Ich habe gestern mit X. (einem der hervorragendsten liberalen Abgeordneten des Reichstags) viel über die neuesten auf die Arbeiter bezüglichen Pläne Bismarck's gesprochen, bin aber, wie ich fürchte, gänzlich von ihm mißverstanden worden. Derlei erfahre ich überhaupt iu letzter Zeit oft und kann cs mir nur daraus erklären, daß ich! bei übermäßiger Auflagerung einsamen Denkens, wenn ich zu einer

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