Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 35 (12.9.1890)
- Date
- 1890-09-12
- Page
- Seite 455 (sequence 3)
- Language
- German
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455 rmehrung, neu auch c Einrichbesonderes damaligen :n bestand, Mitbürger n an de» ich ein der Kosten a» elches zum ten unter kranken md. $i» Ehre galt 2 weiblich» (eit waren ie Pflicht tte, täglich wurde, so os gezogen ) zu seinei rken. Dir hlthätigkeii chkeit. Es sollte, den hielten sich jaupt ein» sellschafi!. 5. Dir fausvätern >olz unter n wurden leigroschen z erhielten Auf dies» 1, und dir (en Haufeii aus einein iitte Gesell . 7. Ein ttiefe gab, )hne dan öie sich mn 10. Ein elfte verlier tattete von n jede 20^ fast, au' 'ochter ver Es durften Hausvater nicht über ig armer glinge um stet wurde, zum Theu irunterrich'- wurde Buchhalteu, die hebräische, dentsche, sranzösischc Sprache und mathematische Geographie gelehrt. Der Fonds der Anstalt war trotzdem unbedeutend und hing beinahe gänzlich davon ab, was bemittelte Eltern an Schulgeld für ihre Kinder bezahlen wollten. Die Direktoren legten indessen auf Rechnung und zunt Nutzen der ivreischule eine Buchdruckerei und Buchhandlung an, welche der König an Jahre 1783 bestätigte. 14. Die Freischule bei der Manufaktur >on brabanter Spitzen des Schutzjuden Benjamin Beitel Ephraim, ln dieser Schule wurden die bei der genannten Manufaktur arbeitenden Kinder, Juden sowohl als Christen, im Lesen und Schreiben unterrichtet."; In den ersten Jahrzehnten dieses Säculums mehren sich die! vohlthätigen Vereine und Stiftungen innerhalb der Berliner jüdischen j Gemeinde in so außerordentlicher Zahl, daß die Armenkommission j uer Gemeinde in ihrem Bericht vom Jahre 1841 schreiben muß: «Kern hätte die Armenkontmission auch noch eine übersichtliche j Zusammenstellung der Leistungen aller andern wohlthütigen Anstalten ln unserer Gemeinde folgen lassen, um so einen Ileberblick über! uas Gesammtwtrken in dieser Beziehung zu erreichen, j jtr wahrhaft erhebend sein würde; allein die desfallsigen : Bemühungen sind theilweise ohne Erfolg geblieben u. s. w." j Im Jahre 184(3 gab Dr. Friedrich August Liseo unter dem! uitel: „Das wohlthätige Berlin" ein Buch heraus, in welchem er j ine Uebersicht der gesammten Armeitpflege Berlins versuchte. Hier i ,-.igt sich schon recht deutlich, welche hervorragende Stellung die Berliner! ünden als korporative Genossenschaft auf diesem Gebiete einnehmen, ,mz abgesehen von den sicherlich nicht nnbetrüchtlichen Leistungen der jüdischen Bürger Berlins zur allgemeinen WohlthätigkeitSpflege. Das Gesammtvermögen aller wohlthätigen Stiftungen und Vereine betrug damals (3,913,485 Thaler, hiervon bilden die Anstalten der livischen Gemeinde mit 1,152,415 Thalern ungefähr ein Sechstel. Die jährliche Ausgabe der letzteren belief sich auf 110,480 Thaler, das j beißt auf 4(3,096 Thaler mehr, als obiges Kapital Zinsertrag ergebt, hi daß diese Summe den Durchschnitt der jährlichen Beiträge für jüdische Humanitätszwecke angiebt; bei einer Zahl von wenig mehr! als 8000 Inden eine enorme Leistung. Das Lisco'sche Buch führt j ’>0 Kassen und Vereine, sowie 29 Familien-Stiftungen auf. Als! ältester der Vereine wird die Beerdigungs - (Gesellschaft Oemilatli j Oliassadim (Gründungsjahr 1673) angegeben. Unter den Familien- Stiftungen ragte die Liepmann'sche Stiftung (1838) ntit einem j Grundstock von 124,370 Thalern, die Tina Zaduk Rauen'sche (1779) | ntit einem solchen von 79,600Thalern und die Beitel Heyne Ephraim'sche i tit einem Kapital von 73,000 Thalern besonders hervor.! Seit jener Zeit sind über 40 Jahre verflossen, von betten fast ein; ' Des neue Vereine und Stiftungen hat entstehen sehen. Zudem hat j De stets wachsende Ausdehnung der Stadt eine Menge von wohl-! tätigen Institutionen hervorgerufen, welche zum Theil lokalen! wecken dienen; religiöse Verbände sind innerhalb und neben der -emcindc entstanden und jeder von diesen übt aufs Neue Wohltätigkeit. Die Anzahl der genannten Institutionen ist zur Zeit nullt noch zu übersehen. Dennoch ist, wenn irgendwo, dann hier j ebersicht und Organisation geboten. Ein Zusammenschließen der! immtlichen Vereine, eine Gruppirnng um ein oder auch nur um j mehrere Cent reu würde die Leistungsfähigkeit sümmtlicher Institute! rhöhen. Wie die Verhältnisse heute liegen, wo — abgesehen von der | vohlorganisirten Thätigkeit der der Gemeinde unterstehenden Kassen! H»d Stiftungen — jeder einzelne Verein auf seine eigene Kraft an-! gewiesen ist, wo die guten und die trüben Erfahrungen, welche jeder j dieser vielen Hunderte von Vorständen im Laufe der Jahre auf dem (Rbiete der Verwaltung wie der Personalkenntniß gemacht hat, der Armenpflege selbst nicht ztt Gute kommen, ist eine bedauerliche Zersplitterung so kostbarer Kräfte zu beklagen. Möge hier bald, recht bald eine Vereinigung erfolgen; erst dann wird die Armeitpflege der Juden Berlins in ihrem wahren Lichte und ihrer vollen Leistungsfähigkeit hervortreten können. U 3itr Geschichte des Neujahrsfestes. Von Rabbiner Dr. G. Deutsch. Das Neujahrsfest ist für unser modernes Judenthum typisch, denn dieser Tag führt uns unsere religiöse Eigenart schärfer zum Bewußtsein. Er wird wie der Versöhnungstag als einziger Feiertag noch allgemein gefeiert, und die gesellschaftliche Sitte der gegenseitigen Beglückwünschung führt uns diesen Tag lebhafter ins Bewußtsein, als irgend etwas Anderes im religiösen Leben auf uns zu wirken vermag. Dieses Fest ist auch ein lebendiger Beweis für die Regenerationskraft, die unserm Judenthum innewohnt. Unsere ältesten Gesetzesquellen, das zweite und fünfte Buch Moses, ignoriren es völlig. Das Jahr war damals nur durch drei Momente für das fromme Gemüth bezeichnet, durch das Frühst ngsfest, wo man dankbar das Erwachen der Natur feierte, durch das Erntefest, wo inan die ersten Weizenbrode als Zeichen des Dankes auf dem Altäre Gottes niederlegte, und durch das Fest der Beendigung aller Arbeit auf dem Felde, wo man „recht froh sein sollte vor seinem Gotte", und an welchem man anfangs das bevorzugte Heiligthum in Siloh besuchte, später pflichtgemäß zu dem einzigen rechtmäßigen Gotteshanse in Jerusalem wallte und den Worten der Seher lauschte, welche verkündeten, daß einst die Zeit nahen werde, „wo alles Fleisch koinmen wird, anzubcten den Herrn, zu feiern das Fest der Hütten". Die Arbeit des Jahres war nun gethan, und das Jahr wurde mit einem Dankesfeste geschlossen, nachdem man an seinen drei wichtigsten Abschnitten, bei seinem Beginn, in seinem Kulminationspunkte und an seinem Schlüsse seine Seele zu dem Spender alles Guten erhoben hatte. Ter Winter, die lange Regenzeit, wurde dabei ebenso wenig berücksichtigt, als die Nacht in der Rechnung der Tage, welche ebenfalls beim Tagesanbruch, in der Mittagszeit und bei Sonnenuntergang durch ein Gebet ihre Weihe erhielten (Ps. 55, 18). Ueberhaupt war das Theilen in drei Theile die selbstverständlichste Sache von der Welt für die alten Hebräer. Nach ihrer Anschauung zerfiel der Kosmos in den Himmel oben, die Erde unten und das Wasser unter der Erde; die irdischen Geschöpfe wurden eingetheilt in die Thiere der Erde, die Fische im Wasser und die Vögel des Himmels; auch die Landthiere unterschied man in Hausthiere, in das Wild des Feldes und das Kriechende, das kriecht auf der Erde. Wie man Jahre und Tage eintheilte, haben wir schon gesagt. So wurde auch ein Heer itt drei Abtheilungen aufgestellt und ein Oberst wurde der Hanptmann eines Heeresdrittels (Schulisch, Talta) genannt; selbst die Nacht wurde nach den drei Ablösungen der Wache eingetheilt. Zu diesen drei Festen kam später die Feier des siebenten Neumonds als desjenigen, welcher das große Fest des Jahresschlusses ankündigte und nach und nach, obwohl er immer noch der siebente Neumond hieß, zum Jahresanfang erhoben wurde. Ezra hatte damit begonnen, an diesem Tage vor dem versammelten Volke das Wort Gottes zti predigen. Zu der Versammlung wurde die Gemeinde durch die Töne des Schofar gerufen, der wohl feierlicher als an andern Nettmondstagen ertönte, weshalb das Fest den Namen des Posaunentages erhielt. Die Posaune war ein durch das Alterthum geheiligtes Instrument. Sie war die Signaltrompete im Felde, die Sturmglocke