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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-05 · Heft 34 (5.9.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 34 (5.9.1890)
Date
1890-09-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 wachsen beider Städte eine Trennung der Kultnsgemeinden nicht leicht möglich erschien, traten im Jahre 1808 eine Anzahl Familienväter zusammen, uni einen „Religionsverein" zn gründen, welcher sich die Einrichtung eines regelmäßigen Gottesdienstes, Ertheilung des Religionsunterrichts an die schulpflichtigen Kinder und Beschaffung von Koscher- Fleisch zur Ailfgabe stellte. Zu diesen Zwecken wurde von der! Mnttergemeinde Berlin zuerst eine geringere Subvention bewilligt.! welche mit den wachsenden Bedürfnissen des immer stärker werdenden! Zuzugs erhöht wurde. Wiederholte Mißgriffe hinderten zeitweise die! weitere Ausgestaltung der Religionsschule und der Mangel eines ge-! eigneten Betlokals die Einführung eines geläuterten zeitgemäßen Gottes-; dienstes. Es faßten nun einige energische Mitglieder den Entschluß,! eine eigene Synagoge zu erbauen und burd) Einführung zeitgemäßer; Institutionen der Gemeinde einen festen Stützpunkt zu schaffen. Obwohl ' die Gemeindebehörden Berlins kein rechtes Vertrauen in die Sache; setzten, stellten sie dennoch nach Fertigstellung des Synagogenbaues eine! weitere Erhöhung der jährlichen Subvention in Aussicht. Am 80. Sep- I tember 1888 wurde durch ein Vorstandsmitglied ein kleines Grundstück! von 220 Quadratmeter Flüchenraum angekauft, und die nach vielen! Schwierigkeiten erreichte Bewilligung eines Hypothekendarlehns von j 75,000 Mk. seitens der Hamburger Hypotheken Bank ermöglichte die j Ausführung eines lange gehegten Wunsches. Herr Baumeister Weile, i Berlin, übernahm die Allsführung des Baues, der durch mannigfache! Hindernisse baupolizeilicher Natur erst Ende Juli 1889 in Allgriff j genommen werden konnte; doch hatten wir die hohe Freude, schon am! 2»0. März d. I. das schöne, durchaus von Steil! und Eisen erbaute; Gotteshaus durch Herrn Tr. Maybaum einweihell zu sehen. Der er- : hebenden Feier wohnten bei 18 Herren des Vorstandes und der Rej Präsentanten aus Berlin, an deren Spitze der verehrte Vorsitzende Herr j Justizrath Meyer, ferner in eoi-porc der Magistrat und die Stadt- : verordneten Charlottenbnrgs. Durch Heranziehung der Frauen zur Be-! thätigllllg ihres Gemeinsilliles ist es uils gelungen, die innere Aus-! stattung des Gotteshauses doch schön lind würdig zu gestalten. Am! 14. Oktober v. I. konstitnirte sich, in Folge Aufrufes eines Damen- > tomitees, ein „Israelitischer Frauenunb Jungfraueu-Vereiu", welcher i eine Lotterie veranstaltete, ans deren Ertrag die innere Ausstattung, als: Vorhänge, Orgel, Belenchtllngsgegenställde, Chuppa k. re. beschafft werden sollten. Die freudige Arbeit wurde gekrönt durch die Einnahme voll über 8500 Mk. Tie Anfertiguilg der Vorhänge wurde der be-! wührtell Kullststickerin Frl. Jenny Bleichrode übertragen, welche die! kunstvollsten Stickereiell in kostbareil Stoffen für Vorhang und Trauzelt! ansführte. Opferfreudige Mitglieder der Gemeillde stifteten werthvolle! Gegenstände, unter Anderem eine Thorarolle mit vollem Silberschmuck,! diverse Thoramäiltelchen, einen Vorhang zlir Todtenfeier, ein Ner lomid, Teppiche n h. Nunmehr wurde das Amt des Vorbeters und Religionslehrers einem würdigen und bewährten Schulmanlle, Herrn Hamburger,! vormals in Liegnitz, übertragell, welcher seit bem IG. Viai mit voller j Hingebung und Pflichteifer feinen Funktionen obliegt, es besonders ver-! steht, beu Gottesdienst lvürdig und allziehend zu gestalten uub im j Religionsunterricht die Kinder mit großer Liebe zu sich heranzieht. Mit j froher Zuversicht sieht die Gemeinde den hohen Festtagen entgegen, in j welchen zum ersten Male ein geregelter Zeitgemäßer Gottesdienst aus I de ul Gebetbuch der Neueli Synagoge Berlin abgehalten werdell wird.; Möchten sich doch nun alle, speziell die mit Glücksgütern gesegneten,! im Kollllllllnalbezirk Eharlvttenbürg wohnenden Glaubellsgeuossen unserer z engeren religiösen Vereiiligung anschließen, durch Miethe von Sitzplätzen! lind Gewährung freiwilliger Beitrüge die Einnahmen der Gemeindekasse j erhöhen und dadurch unsere schweren Sorgen um Bestreitung der Kultus-! bedürfnisse verringern Helten. Haben wir doch noch große Lasten zu! tragen, hohe Zinsen und auch noch Baugeldreste zu begleichen. Ist auch! die Subvention der Gemeindebehörden Berlins, 4500 Mk. pro 1890, I eine dankenswerth hohe, so wird sie aber kalim die Hülste unseres wirk-! liehen Etats decken, und es wird bedeutender Opfer der Mitglieder bej dürfen, um den Etat zll balanciren. Daß die Zahl der Letzteren sich bedeut nd vergrößere, die Einlrabmeu reichlich zufließeil, das walte Gott! k Insterburg, 1. September. Am letzten Montag fand im Saale des hiesigen Gesellschaftshauses die neunte ordentliche Generalversammlung des Verbandes der Synagogengemeinden Ostpreußens statt. Von den 46 Gemeinden des Verbandes waren 12, und zwar Allenstein, Bartenstein, Darkehmeu, Gerdauen, Insterburg, Johannisburg, Königsberg, Lötzen, Nordenburg, Oletzko, Rastenburg und Tilsit durch Bevollmächtigte vertreten; außerdem wohnte eine größere Anzahl persönlicher Mitglieder voll hier und allswärts beu voll 10 Uhr Vormittags bis 4 Uhr Nachmittags andauernden Verhandlungen bei. Nachdenl das Bureau durch Wahl des Herrn A. Elösser-Jnsterburg zum Vorsitzenden, der Herren D. M. Jacoby-Bartenstein und Isaak Sirnonson- Allellstein zu Beisitzern unb Sekretär Klein-Königsberg und Scheinemann- Johannisburg gebildet worden, begrüßte der Gemeindevorsteher Herr Eichelbaum die Versammlung: ebenso war ein Begrüßungsschreiben des deutsch-israelitischen Gemeindebundes durch dessen Vorsitzenden Herrn Geheimen Sanitütsrath Dr. Kristeller in Berlin eingegangen. — Die Tagesordnung wurde in der Weise erledigt, daß der Verbandsvorsteher Elösser den Bericht über die Geschäftsjahre 1888—90 unb die Kassenberichte für dieselbe Zeit vortrug. — Aus demselben heben wir insbesondere hervor, daß es nur durch die Beihilfe des Verbandes drei Gemeinden in der Provinz ermöglicht worden ist, die uilabweisbarsten Bedürfnisse zu ihrer ferneren Existenz zu befriedigen; ebenso wurde die Ausbildung von zwei Lehramtskandidaten durch die Mittel des Verbandes ernlöglicht. — Der Prüfung der Nechnlingen für die' Jahre 1888 89 und 1889 90 linterzogen sich die Herren Holtz-Jnsterburg und Scheinemann-Johallnisbnrg, auf deren Alltrag die Entlastung erfolgte. Der Bericht des Vorsitzenden der Schulinspektion, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, gleichzeitig verbunden mit dem Berichte über die IV. Lehrerkonferenz am 20. Mai d. I., ein Vortrag des Herrn Prediger Weinberg „über Seelsorge im Zuchthause" und ein Bericht über die am 30. Juni d. I. in Danzig stattgefllndene Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Gemeindebeamte in den Provinzen Pommern, Ost- und Westpreußen, erstattet voll Herrn Sekretär Klein- Königsberg, wllrden auf das Beifälligste ausgenommen. Es fand sodann eine tangere Diskussion über den Antrag des Herrn N. Lublinski- Johannisburg auf Gründung einer Prüparandenanstalt statt, der jedoch iil voller Anerkellnung der Motive des Antragstellers zur Zeit abgelehnt wurde. — Nach Festsetzung des Etats für 189091 fand die Neuwahl des Ausschusses statt. Derselbe besteht für das nächste Verwaltungsjahr aus nachfolgenden zwölf Herren: A. Elösser-Jnsterburg, Verbands Vorsteher, Rechsanwalt Cohn Tilsit, Davidsohn-Lötzen, Isaak Eichelbäum und Otto Eichelbaum-Jllsterburg, Julius Fürst-Königsberg, Rechtsanwalt Gutfeld- Ortelsburg, Hertz - Gerdauen, Kaminski-Rastenburg. Lublinski - Johannisburg, Joseph Simonson - Königsberg nub Isaak Simonson - Allenstein. Die Mitglieder des Schiedsgerichts: Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, A. Elösser-Jnsterburg und Rechtsanwalt Gutfeld-Ortelsburg wurdell wieder-, als Stellvertreter D. M. Jaeobh- Bartenstein neugewählt. Mit einem Danke, welchen Herr Samuel Magnus-Königsberg für die llmsichtige Leitung der Verhandlungen dem Herrn Vorsitzendell Namens der Versammlung aussprach, schlossen die Verhandlungen. — Den erufteu Verhandlungen folgte ein von der Gemeinde Insterburg veranstaltetes Festmahl, das mit ernsten und launigen Trinksprüchen gewürzt war; die Reihe derselben wurde vom Ortsrabbiner Weinberg mit einem solchen auf beu Kaiser eröffnet, der begeisterte Aufnahme fand. * Gottrrb, 2. September. Vor einigen Monaten stellte der hiesige Magistrat bei der Regierung zu Marienwerder den Antrag auf Einziehung der zweiten Lehrerstelle der hiesigen jüdischen Stadtschule, da sich die Kinderzahl derartig verringert hat, daß eine Lehrkraft ausreicht. Die Negierung befragte hierüber den jüdischen Schulvorstand. Dieser sprach sich gegen die Einziehung aus, weil der Gemeinde das Recht, eine zweikl affige öffentliche Volksschule zu unterhalten, durc! Kabinetsordre aus dem Jahre 1854 zugestaudeu worden, lind weil eiiu Zunahme der Kinderzahl nicht unmöglich ist. Der Magistrat erneuerte jedoch seinen Antrag. Diese Angelegenheit liegt jetzt dem Kaiser zur Entscheidung vor. * Trier, 1. September. Seit längerer Zeit wird in unserer Stadt die Umwandlung der israelitischen Elem ent arschule, die den Charakter einer Privatschule trügt, in eine öffentliche Schule erwogen. Die Sache hat mehr als eine lokale Bedeutung, schon aus dem Grunde, weil die gleiche Frage auch in anderen rheinischen Städten auf der Tagesordnung steht. Die jüdischen Elementarlehrer der Rheinprovinz haben sich gemeinsam an den Kultusminister gewandt und mit Rücksicht auf den Umstand, daß sie als Lehrer von Privatschulen keinen Ruhegehalt beziehen, die Umwandlung der privaten, jüdischen Elementarschulen in öffentliche Schulen augeregt. Der Kultusminister hat zu dieser Anregung freundlich Stellung genommen und die Regierungen augetniefen sie möchten dort bei den städtischen Behörden dahin wirken, daß die gewünschte Umwandlung stattfinde. Die hiesige Stadtverordneten-Ver-

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