Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 34 (5.9.1890)
- Date
- 1890-09-05
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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hebräisch- Kenntniß 5)riftarteit 1. 54. Jahrgang. Nr. 34. ««Mn, 5' September 1890. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthums^. > teinitz. ühmlichst en lassen, tlich aller Denn die lerne und " u. s. w. so beliebt mre, den Theil der Posen er tabbiners Lebens- Erziehung ienstes in ehen und Mündung jeder Bee übrigen und eng- Banquier ine Frau, n in der Wahl des ernstein's m andern u. A. sich : Wärme Verställdis, dessen inbet, die : Schildeittere das riedigung ffsittliches n. Möge ahn, dem letretenen Schöpfung i für echt C. P. ahr 5651 zu Pleß. nunmehr l Jahren lesten der innt mit 191. An 'to-Tarife gefallen, . Dieser :s Herrn llapoport. rauf wir gezeichnete iographie §s folgen and u. A. . — Die wir ihm G. Gl. in. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 55 Berlin, 1. September. Wenn wir heute noch einmal auf die Schulstatistik des „ Reichs anz e i gers " zurückkommen, so geschieht dies nicht, weil wir etwa in den dortselbst veröffentlichten Zahlen einen Vorwurf erblicken. Wir haben, Gott sei Dank, die Verderbniß der heutigen Zeit noch nicht so weit ans uns einwirken lassen, daß wir den Nachweis eines höheren Bildungsbedürfnisses als eine Anschuldigung betrachten sollten, gegen die man sich vertheidigen müßte. Im Gegentheil! Wir und stolz darauf, daß unsere Glaubensgenossen, welche die Volksmeinung seit Jahrhunderten als nur von der auri sacra fames beherrscht hinstellt, nun, da man sie näherer Betrachtung unterzieht, ganz anderen Sck-ätzen nachjagend erscheinen. Trotzdem haben wir es uns nicht versagen können, jene Zahlen einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, und da ergiebt sich denn Folgendes: Jene Zahlen, welche ein so auffälliges Verhältnis der jüdischen Gymnasiasten ergeben, verdanken dem Umstande ihren Ursvrung, daß man als Grundlage die Bevölkerungsziffern für den gelammten Staat bezw. die gesammte Provinz angenommen yat. Dies ändert sich mit einem Schlage, wenn man die Bevölkerungsstatistik derjenigen Orte zu Grunde legt, auf welche es allein ankommen kann, nämlich der 297 Städte, in welchen Gymnasien und Progymnasien sich befinden. Die Rechnung, welche wir — unter Benutzung des jüngst vom Reichskanzleramt veröffentlichten Verzeichnisses und der Bosse'schen Statistik der Juden — angestellt haben, ergiebt gegenüber der Statistik des „Reichsanzeigers" nachstehendes Resultat: Ostpreußen: Juden überhaupt 0,8 Proz., Juden in Gymnasialstädten 2,92 Proz. (jüdische Gymnasiasten 7.5 Proz.) We stpreu ßen: Juden überhanpt 1,7 Proz., m Gymnasialstädten 6,77 Proz. (Gymn. 11,3 Proz.) Pommern: finden überhaupt 0,9 Proz., in Gymnasialstädten 2.6 Proz. (Gymn. 7,5 Proz.) Posen: Juden überhaupt 2,9 Proz., in Gymnasialstädten!6,9 Proz. (Gymn. 21,4 Proz.) Brandenburg: Juden überhaupt 45 Proz., in Gymnasialstädten 1,45 Proz. (Gymn. 5,6 Proz.) Für Berlin bleiben die Zahlen 5,3 (20,8) Proz. bestehen. Schlesien: 3»den überhaupt 1,3 Proz., in Gymnasialstädten 4,03 Proz. (Gymn. 14,8 Proz.) Sachsen: Juden überhaupt 0,3 Proz., in Gymnasialstädten <>,8 Proz. (Gymn. 2,1 Proz.) Schleswig-Holstein: Juden überhanpt 0,3 Proz., in Gymnasialstädten 0,6 Proz. (Gymn. 1,9 Proz.) Hannover: Juden überhaupt 0,7 Proz., in Gymnasialstädten 1,8 Proz. Gymn. 3,9 Proz.) Hessen-Nassau: Juden überhaupt 2,7 Proz., in Gymnasialstädten 3,5 Proz. (Gymn. 7,6 Proz.) Westfalen: Juden überhaupt 0,8 Proz., in Gymnasialstädten 2,24 Proz. (Gymn. 4,1 Proz.) Rheinprovinz: Juden überhaupt 1 Proz., in Gymnasialstädten 2 Proz. (Gymn. 4,6 Proz.) Im ganzen Staat Juden überhaupt 1,3 Proz., in Gymnasialstädten 3,65 Proz. lGymn. 9,4 Proz.) — Wenn 'NUN antisemitische Blätter versucht haben, die Zahlen des „Reichs- Anzeigers" als Material für Hetzartikel zu verwerthen, so mögen sie nun ersehen, daß sie im Durchschnitt um 60 Proz. zu stark gehetzt haben, und andererseits ist das „Problem" des Herrn Kultusministers 'einer Lösung um ebenso viele Prozente näher gerückt. * Berlin, 1. September. Die 31 Berliner höheren Lehranstalten zählen, nach den bisher veröffentlichten Zusammenstellungen iür die verschiedenartigen Schulen insgesammt 20,440 Schüler. Darunter find 78,9 pCt. evangelisch, 3,2 pCt. katholisch, 0,2 pCt. sonst christlich und 17,7 pCt. jüdisch. Sie vertheilen sich mit 57,3 pCt. auf die 16 Gymnasien, mit 29,2 pCt. auf die 8 Realgymnasien, mit 5,9 pCt. auf die beiden Ober-Realschulen und mit 7,6 pCt. auf die 5 höheren Bürgerschulen. Auf je 10,000 männliche Mitglieder der einzelnen Glaubensbekenntnisse, bez. Religionsgemeinschafteil kommen: bei den Evangelischen 298,4, bei den Katholiken 118,0, bei den sonstigen Christen 142,8, bei den Christen überhaupt 280,9, bei den Juden 1090,5 Schüler höherer Lehranstalten. * Berlin, 2. September. Am Sonntag wurde in der Chausseestraße 42 die neue Synagoge der israelitischen Gemeinde in der! Oranienburger Vorstadt, „Ohel Jizehak", eingeweiht. — Am nächsten j Sonntag, 7. d. M.. wird auch die Synagoge der ältesten Privatgemeinde! Berlins, „Schochare hat tob", hx der Holzmarktstraße 5 ihrer Be-; stimmung übergeben. | * Berlin, 2. September. Aus dem antisemitischen Lager weiß der „Reichsbote" Folgendes mitzutheilen: „In der „Antis. Korresp." befindet sich ein energischer Artikel Liebermanns v. Sonnenberg gegen Dr. Böckel. Axls demselben ergiebt sich, daß die Partei Böckels in der letzten Reichstagswahl 21,991, die deutsch-soziale Richtung Liebermanns v. Sonnenberg dagegen 25,545 Stimmen erhielt. Von besonderem Jnter- - esse ist, daß in Rinteln Herr Werner aus Kassel als deutsch-sozialer - Kandidat ausgetreten und gewählt ist. Im Reichstag dagegen hat dieser > Herr die Front geändert und sich Böckel angeschlossen. Gegenwärtig! greift er die deutsch-soziale Richtung, als deren Vertreter er sich wühlen! ließ, auf das Heftigste an. Wie uns mitgetheilt wird, sind die Kon- - servativen des Rintelnschen Wahlkreises deswegen sehr verstimmt, und! hat Herr Werner keine Aussicht, dort später wiedergewählt zu werden.! Unter solchen Umständen sollte Herr Werner sein Mandat niederlegen,; daran ist aber — so wie wir ihn kennen — gar nicht zu denken."! * Berlin, 2. September. Von einem Freunde unseres Blattes er-! halten wir eine recht lehrreiche Mittheilung über die Art und Weise,! wie unter der Flagge der reichstreuen Wählerschaft allerhand! antisemitische Contrebande in die Häuser geschmuggelt wird. Unter dem ■ 26. d. M. erhielt ein in der Möckernstraße wohnender Wühler durch i die Packekfahrtgesellschafk einen Brief, der, dem Kuvert zufolge, aus dem i „Centralbureau für alle reichstreuen Wähler des H. Reichstagswahli kreises, SW. Belle-Alliancestraße 26," stammen muß. Der Empfänger! öffnet das Kuvert, mtb was ist der Inhalt dieser Sendung? Eine aus - der famosen Leipziger Painphletfabrik von Th. Fritsch herrührende! Schmähschrift in der durch sieben Druckseiten in der gehässigsten Weise; auf die liberale Presse geschimpft und der allergrößte Unsinn über die; „verjudete deutsche Litteratur" vorgebracht wird. Schließlich werden; zur Lektüre und Unterstützung als reichstreue Blätter lediglich empfohlen! „Das Volk", die „Staatsbürger-Ztg.", die „Kreuz-Ztg." und der! „Reichsbote". Also nicht einmal die reichstreue „Post" hat in beu j Augen des Absenders jenes Briefes Gnade gefunden, und ebensowenig! die „Nordd. Allg. Ztg." und bie „Nat.-Ztg." Was sagen dazu die! letztgenannten drei „reichstreuen" Blätter? Und ist es wirklich das! „Centralbüreau reichstrener Wähler", das unter dieser Firma antii semitischen Unfug treibt? * Berlin, 1. September. Cs ist intereffant nnb lehrreich, wie sich die brave „Kreuzzeitung" zu den r u s s i s ch en I u d en vers ol g u n ge n stellt. Das fromme Blatt schreibt: „Ob in Rußland wirklich Maßregeln gegen die Juden geplant werden, oder ob es sich nur um einem ■ „Schreckschuß" handelt, ist noch nicht recht klar. Die offiziöse Ableugnung, . die vor Kurzem durch die Presse ging, kommt ohne Zweifel von bem Finanzminister her, dem mit derartigem gerade jetzt, wo der Rubelkurs im Steigen ist, am wenigstell gedient sein kann. Selbst wenn die Nachricht aber begründet wäre und, wie die „Daily News" behaupten, im Herbst die Veröffentlichung der in Aussicht gestellten Anordnungen erfolgte — so würde das all der thatsächlichen Lage weniger ändern, als man in Westellropa annimmt. Schon die übermäßige Menge des Angedrohken läßt vermuthen, daß es an Hinkerthüren nicht fehlen kann und wird. In der Praxis dürfte es sich, beit schlimmsten Fall angenommen, denn auch diesmal nichts anderes Herausstellen, als daß; die Juden zu neuell „Abgaben" an das überwachende Beamtenthum herangezogen werden, das aus allen „Blumen" Honig zu saugen versteht." li. Charlottenburg, 1. September. Gestattell Sie mir, Ihnen einen Bericht über die neuere Cntwickel ung unserer Gemeinde zu geben. Die in den 50 er unb 60 er Jahren noch sehr geringe Anzahl jüdischer Bewohner Charlottellburgs bedingte die zwangsweise Einverleibung derselben in den Synagogenbezirk Berlin. Je mehr aber der Zuzug von Glaubensgenossen wuchs, desto mehr trat das Bedürfniß der religiösen! Befriedigung derselben hervor. Da durch das allmülige Zusammen-