Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 34 (5.9.1890)
- Date
- 1890-09-05
- Page
- Seite 451 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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451 UM me von ren Accepte in, erholte schiedenheit oierhundert lz bestinnnt »ann werde llsweg, als l Vater ein. und seine „Wodurch glicht eines begegnet!" ollen unter loben, und lcherer Sir l Zu jagen, n, nub als von dieser t gelingen, Hilfe, denn I ongehört, m, wie, ich ich ihn Zn sich gewiß ihre Elter» sah, blieb truppe um hr trmiviifluten und 's ja bald lat ja midi Traurigkei! jei» ist ei» >!" ichooß »lib nd zu bei Mein Vater hielt Wort und reiste Tags darauf mit unserm Nachbar in die nur einige Meilen entfernte Hauptstadt. Der Mann, den sie suchten, wohnte in einem kleinen Häuschen in einer schnralen, entlegenen Eckgasse. Als sie bei ihm eintraten, fanden sie ihn eifrig mit dem Zählen von verschiedenen Banknoten beschäftigt. Er deutete ihnen, als er ihrer ansichtig lvurde, mittelst einer stummen Handbewegung an, auf dem Sopha Platz zu nehmen, und machte sich, ohne sic weiter zn beachten, weiter mit seinen Banknoten zu schaffen, von welchen er jede einzelne wiederholt beim Fenster besah und sie den andern anreihte, die er in Schleifen brachte und in die offenstehende Kasse hineinschob. „Also," begann er, nachdem er endlich fertig war, indem er das borstige Kinn auf die Handfläche stützte und ihnen sein Gesicht init den kleinen, stechenden Luchsaugen zuwendete, „Sie sind wohl gctommen, Ihre Schuld bezahlen. Das ist mir recht. Ich bekomme meine vierhundert Gulden und Sie Ihren Wechsel. Hauptsache bei jedem Geschäfte Conlanz. Ich behandle meine Kunden solid, fordere aber Conlanz — und dieser Herr?" unterbrach er sich, auf den Vater deutend, „ist der mit Ihnen gekommen, oder in einer Privatsache?" „Dieser Herr ist mein Freund," crwiederte der Nachbar. „Aha!" stieß der Wucherer hervor, indem er seine langen, krallenartigen Finger vor sich hinstreckte, „das ändert ja die Sache. Das ist wohl Ihr Gewährsmann, und Sie wollen, daß er mitschreibe, aamit der Wechsel prolongirt werde. Auch das läßt sich machen. Um einige fette Prozentchen mehr läßt sich Alles machen, aber Hauptiache ist, daß der Mann mir gut sei. Wie gesagt, ich behandle solid, aber die Wechselchen müssen gut sein. Zeit haben wir noch bis zum vermin acht Tage," wendete ec sich zum Vater, „geben Sie mir inzwischen Ihre Referenzen auf!" „Ich bin nicht gekommen mitzuschreiben," crwiederte der Vater, .sondern für diesen Herrn mit Ihnen zu ordnen!" „Ordnen!" rief er in verwundertem Tone aus, „was gicbts da viel zu ordnen? Es ist die einfachste Prozedur der Welt: er giebt »>ir die vierhundert Gulden, ich ihm den Wechsel, und dann Punkt und Streusand darüber!" „Sie ihm den Wechsel!" betonte der Vater, „darum handelt es sich eben. Dieser Herr hat einmal vergeßlicher Weise einen bezahlten Wechsel über hundertfünfzig Gulden bei Ihnen zurückgelaffen, den Sie wieder, wahrscheinlich ebenfalls vergeßlicher Weise, nochmals eingeiordert haben, und um diese Differenz von hundertfünfzig Gulden ist cs uns eben zu thun!" „Bezahlten Wechsel!" kreischte er, wie wenn man ihn mit siegendem Wasser überschüttet hätte. „Das erzählen Sie jedem Andern nur nicht mir. Alle Welt weiß es, daß bezahlte Wechsel eingclöst »'erden, und übrigens ist diese Summe später mit einem neuaufgenommenen Betrag verschmolzen worden, und daher von ihm ielbst als erledigt angesehen. — Weiter haben wir darüber nicht zu prechen!" „Aber dieser Herr ist ein armer Familienvater," bemerkte der Vater eindringlich, „und es wäre geradezu unmenschlich, von ihm eine und dieselbe Schuld sich zweimal bezahlen zu lassen!" „Unmenschlich her, unmenschlich hin! Wenn der Mann etwas gegen mich hat, steht es ihin frei, sich gegen mich beim Gericht zu beschweren. — Man kennt mich als einen Ehrenmann!" „Dort aber, wo Belege für das Gericht fehlen," entgegnete der Vater, „da muß man an eine andere Instanz appelliren!" „Und wer ist diese?" „Das Gewissen, das wohl auch in Ihrer Brust Sitz und Stimme hat. — Diese hundertfünfzig Gulden ruiniren einen armen Familienvater!" „Ich fordere, was mir zukommt!" beharrte der steinherzige Alaun. „Ich habe meinen Wechsel, und weiter haben wir darüber nicht zu sprechen!" „Und der Chilul Haschern')!" rückte der Vater endlich heraus. „Gilt denn das bei Ihnen gar nichts? Wissen Sic, daß Sie durch diese Grausamkeit den schmählichsten Chilul Husclioin begehen?" „Chi... Chi... Chil...," machte er die äußerste Anstrengung, das Wort nachzusagen. „Was ist denn dieses Wort, Chinesisch, Türkisch oder Tatarisch? In meinem Wörterbuche steht es nicht!" „Aber stellen Sie sich nur nicht so, jeder Jude weiß, was Chilul Huschern ist! „Jeder Jude, und was folgt daraus?" . „Daß auch Sie es verstehen, denn auch Sie sind Jude!"! Da platzte er auf einmal in ein wahnsinniges Gelächter aus: i „Ha, ha, ha! Das ist aber köstlich!" | Er hielt sich mit beiden Hände» die Seiten und fuhr fort in ‘ so heftigen Lachstößen, daß ihm das Wasser ans den Augen lief. „Aber lachen Sie nicht so!" rief ihm der Vater ärgerlich zu. „Ich werde den Rabbiner veranlassen, das; er Sie nach Gebühr in! der Gemeinde behandle!" „Das ist ja die höchste Komik!" stieß er unter Lachen hervor; j „der Mann meint allen Ernstes, daß ich ein Jude bin . .. Pa, j danke für die Ehre! Zum Glück gehörte» meine Ur- und Ururahnen j nicht jenem Volke von Gaunern, von Banditen und Blutsaugern an, j die unsern Heiland gekreuzigt. — So schauen Sic doch einmal hin!"! Und dabei zeigte er auf einige Heiligenbilder, womit die Wände! geschmückt waren. — „Wie kommen Sie nur auf die tolle Idee, mich! zum Juden zu machen?"! Die Enttäuschung der beiden Männer mag sich Jeder wohl leicht vorstellen — der Nachbar sperrte vor Ueberraschung weit den Mund auf, ohne nur ein Wort hervorbringen zu tonnen. „Also gegen einen Christen handeln Sie so?" fragte ihn endlich mein Vater, der sich bald von seiner Ueberraschung erholte. „Und wo bleibt da die Nächstenliebe?" „Nächstenliebe?" wiederholte er mit wegwerfendem Tone. „Geschäft kennt keine Nächstenliebe!" „Und was wird geschehn," fragte ihn der Vater, „wenn Sic! Ihre Forderung werden beeiden müssen?" „Nun," lächelte er, „ich bin jeden Augenblick dazu bereit!" „Bei dein Manne ist cs Schade um jedes Wort," sagte der j Vater, „der scheut auch vor keinem falschen Eide zurück." Und gleichzeitig die vierhundert Gulden aus seiner Brusttasche hervorholend fügte er hinzu, indem er diese ihm übergab, „hier haben Sic das Geld,! bitte um den Wechsel!" Die Augen des habgierigen Wucherers leuchteten beim Anblick des Geldes freudig auf. „Mit diesen! Herrn ließe sich ja weiter arbeiten!" rief er mit! froher Stimme, indem er hastig nach dem Gelde griff und darauf j den Wechsel hervorkramte, den er dem Vater ausfolgtc; „da habe ich! ja," fuhr er währendem in munterem Tone fort, „da habe ich ganz j brave Leute vor mir!" „Aber von Ihnen läßt sich so was nicht behaupten!" warf ihm j der Vater mit verächtlichem Tone zn, indem er den Nachbar, der noch ganz verblüfft dasaß, bei der Hand faßte und mit ihm das j Haus des Wucherers verließ. j ') Die Entweihung des göttlichen Namens.