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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-05 · Heft 34 (5.9.1890) · p. Seite 447

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 34 (5.9.1890)
Date
1890-09-05
Page
Seite 447 (sequence 7)
Language
German
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Die guten und schlechten Geister arbeiteten gleichfalls mit. Als die jüdischen Stämme von dem Bauplan Salomos erfuhren, versammelten sie sich mrd fingen zu streiten an, indem Jeder sein eigenes Grundstück anbot, damit dort die heiligen Mauern sich erheben sollten. Aber der Herr wies ihre Bitte zurück und erhörte! nur das Flehen des Stammes Benjamin, weil Benjamin am Ver- I kaufe Josephs nicht Theil genominen hatte. > Salomo entwickelte einen großen Eifer bei dem Bau des Tempels; j denn während er denselben in sieben Jahren vollendet hatte, brauchte . er zur Errichtung seines eigenen Palastes 13 Jahre, deshalb rühmen auch die Quellen die rasche Ausführung des Königs. Außer dem heiligen Tempel und dem königlichen Palaste hat Salomo noch ein drittes Monument errichtet, nämlich den Thron. Dieser ist das Symbol des Königthums, das Zeichen seiner Macht und Würde. Je reicher und gewaltiger die Könige des Orients ivaren, desto glänzender und prachtvoller waren ihre Throne. Schon nach der biblischen Quelle war dieser Thron ein Wunderwerk. Die Legende aber weiß schon davon zu erzählen, daß der leblose Gegenstand gleichsam eins mit seinem Herrn war, welcher, dessen Mechanismus wohl kennend, sich bequem auf ihn setzen konnte, um seine Weisheit zu bethätigen und den zauberhaften Glanz seines Hofes zu '.eigen. Nach dem Midrasch war der Thron Salomos nach der Form ves Wagens des Herrn der Welt gemacht; seine Stufen entsprachen den sechs Firmamenten, oder wie Rabbi Abun meint, den sechsfachen Bezeichnungen der Erde, oder den sechs Schöpfungstagen, oder den sechs Urmüttern, oder wie Rabbi Hunna meint, den sechs göttlichen (Geboten, welche die Könige befolgen müßten, nämlich 1. nicht zu viel Frauen zu haben, 2. nicht zu viel Pferde, 3. nicht zu viel Gold zusammenznscharren, 4. nicht das Gesetz zu beugen, 5. keine Bestechung allzunehmen und 0. keine Rücksichten mif persönliche Portheile zil nehmen. Bei allen Stufen rief man die auf die Perbote und Anordnlingen bezüglichen Sprüche aus; wenn sich der König setzte, riefen ihm die Herolde zu: „Wisse, vor wem Du sitzt, vor dem Antlitz des Schöpfers der Welt." „Als König Salomo starb," fährt der Midrasch fort, „nahm Sisak, der ägyptische König, den Thron Salomos ein." Nach Samuel, öenl Sohne Nachmanns, ist Sisak identisch mit Pharao. Er führte dann Krieg mit dem ägyptischen König Fcrach, der ihin den Thron raubte; hieralif fiel er in die Gewalt Assa's; dieser sowohl, wie alle ckönige Judas, saßen darauf. Als Nebukadnezar Jerusalem verwüstete, nahm er den Thron mit sich nach Babylon, welcher von da »ach Medien, Griechenland und schließlich nach Edom wanderte. Rabbi Eleasar, der Sohn Joses, sagt, er habe in Roin dessen Trümmer gesehen. Nebukadnezar und Pyrrhus erfreuten sich der Gunst, daß sie sich auf den Thron setzen konnten, aber Ahasverus Wunsch ging nicht in Erfüllung. Als er darauf Platz nehmen ivvllte, gestattete man es ihm nicht, indem man ihm zll wissen gab, daß ein König, welcher nicht über die ganze Welt regiere, da nicht Platz habe; hierauf ließ er sich für sein eigenes Geld einen Thron erbauen. Der Salomonische Thron war auf beiden Seiten mit Erkern versehen; auf der ersten Stufe empfing den König ein Löwe, auf der zweiten ei» Adler und auf demselben stand eine goldene Taube, in ihrem Schnabel eine goldene Krone haltend, welche über dem Haupte des Königs schwebte; nach dem Jalkut war jede Stufe des Thrones mit Perlen und Edelsteinen geschmückt; dieselben waren theils weiß, theils grün, theils röthlich, einige ganz aus Krystall; denselben beschatteten Feigenblätter; zwei leere goldene Löwen waren mit den verschiedensten Wohlgcrüchen gefüllt, welche ausströmteu, sobald der König den Thron bestieg. Die Schilderung des Thrones weist entschieden auf persische Ursprünge zurück. Persien war die uralte Heimath der Thronausschmückungen und überhaupt der orientalischen Pracht, und selbst das Mittelalter kannte keinen glänzenderen als den Hof von Persien. Aber ebenso finden wir in der Beschreibung des Thrones eine starke nationale Empfindung, und ethische Momente machen sich hier gleichfalls geltend. Dieser Luxus soll nicht dazu da sein, um die fremden Mächte und Gesandten zu blenden, sondern einen moralischen Gedanken zu verkörpern. Die Anordnung der Thiere und deren Beschreibung versinnlicht den Frieden, welcher in dem messianischcn Reich sich auch auf die Thiere erstrecken soll. Die Geschichte und Legende erzählt uns ja noch von herrlicheren Throne» als wie der Salomos. Aber dieselben entbehren ganz des sittlichen Halts; nur bei der Beschreibung des Thrones Alexanders des Großen schweben ethische Momente allenfalls vor. Tie jüdische Legende weiß auch von einem salomonischen Hippodrom zu erzählen. Der Berichterstatter des Midrasch meldet uns! nachstehende Einzelheiten: Rabbi Jochanan fragte den Rabbi Sera,! wie viel Wettrennen der König jährlich veranstaltet habe: zwölf antwortete dieser. Diese Zahl entspricht den Staatsbeamten, welche im 1. Buch der Könige, Kap. 4, 19, erwähnt werden, sie präsidirtcn bei den Wettrennen und wurden monatlich gewühlt. Die Zahl der koukurrirenden Jünglinge soll sich auf 10,000 belaufen haben. Das Rennen fiel auf den Monat Teveß. Diese Beschreibung des Wettrennens zeigt auf byzantinische Ursprünge hin, wie schon Perles behauptet hat. Salomo ist der weise König xur von dem der Talmud behauptet, daß schon Derjenige, welcher von ihm träumt, weise wird. Ter Midrasch erblickt selbst in dem Verlangen Salomos, als er in feinem Traum zu Gibcon Weisheit begehrte, einen Ausfluß dieser Weisheit. Rabbi Simon hat nämlich folgendes Gleichnis; hinterlassen: Einer hat vom Könige einen hohen Rang erhalten; dieser sprach einst zu seinem Günstlinge: „Verlange von mir, was Du willst!" worauf derselbe dachte: „Verlange ich Gold oder Silber, so wird er gewiß meine Bitte erfüllen; ich werde um die Hand seiner Tochter freien und so wird Alles mir gehören." In seinem Traum erschien ihm der Ewige zu Gibeon und sagte: „Verlange von mir l was Tn willst!" Ei. dachte der König, ich werde von ihm Weisheit j verlangen, welches mehr werth ist als Silber, Gold oder Geschmeide,"! und so erfüllte denn Gott sein Verlangen, j Nach der Uebcrlieferung sitzt der weise Salomo auf dem Scheidcj Wege: der eine Weg ist im Anfang glatt aber schließlich holprig und i gefahrvoll, der andere ist anfänglich unpassirbar, aber er wird schließlich | glatt. Die Vorübergehenden redet er au, klärt er auf und macht sic j auf die Verschiedenheit der Pfade aufmerksam. Verdient er nicht den! Dank der Passanten? j So sitzt Salomo an den Thoren der Weisheit und belehrt das j jüdische Volk. Dieses Gleichnis; ist ganz analog der Parabel von > Herkules. Der Midrasch vergleicht Salomo auch mit einem Astro-! nomen; ebenso behauptet er von ihm, daß er die Feigenbohnc versüßen könnte. Dieses letztere Lob erscheint etwas wunderlich, aber nach der Erklärung Jellineks ist das blos ein Sprichwort, welches! so viel bedeuten so», daß Salomo ein so großer Geist war, daß er die unvollkommenen Gegenstände vollkommen und die unbrauchbaren brauchbar machen könne. s f i i i

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