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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-05 · Heft 34 (5.9.1890) · p. Seite 446

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 34 (5.9.1890)
Date
1890-09-05
Page
Seite 446 (sequence 6)
Language
German
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Schmerzes >»id der nationalen Eitelkeit her: das staatliche Leben des jüdischen Volkes wurde allmalig vernichtet, seine Tempel stürzten in Trümmer; es mußte die Fesseln der Verbannung mit sich schleppen; je mehr also das Unglück die Nation heimsuchtc und je mehr fremde Könige es unterjochte», desto eifriger und freudiger zitirte inan den Geist des weisen Königs. Man stellte seine Größe der Gewalt der damals regierenden Fürsten entgegen. Den üppigen Luxus seines Hofes, des blendenden Glanz seines Thrones malte man mit solchen berückenden Farben, daß selbst die Despoten von Byzanz und Persien in den Schatten gestellt wurden. Auf solche Weise hat das Bild der alten Herrlichkeit das jüdische Volk mit Stolz erfüllt, seine Hoffnungen neu belebt, sein Selbstbewußtsein gehoben und ihm für die unzähligen Leiden einen gewissen Ersatz geboten. Tie Sage pflegt um das Haupt ihres Lieblingsheldcn das jahrhundertelange Wissen und die jahrhundertelange Erfahrung der Völker zu vereinen. Diese Beobachtung machen wir auch bei dem salomonischen Sagenkreis; deshalb müssen wir auch den Ursprung der Entstehung dieser Sagen und Legenden erforschen. Hieraus folgt, daß uns die Frage gleichfalls beschäftigen muß, wie viel freinde Elemente Einfluß auf die Entstehung der Legenden gehabt haben? Es waren meistens ägyptische, indische, griechische und persische Einflüsse, welche sich hier geltend machten. Viele Sagen, welche sich auf den berühmten indischen Fürsten Vikramaditja beziehen, wurden auf König Salomo angewendet. Ebenso hat die Legende so manche Züge aus der griechischen Mythologie entnommen; sie bringt seine Wirksamkeit mit dem Scheidewege des Herakles zusammen nnd giebt den Faden der Ariadne in seine Hände, durch welchen die späteren Nationen in dem Labyrinth der heiligen Gesetze sich orientiren können, nnd Beschreibungen des salomonischen Zirkus und der salomonischen Rennbahn stammen aus byzantinischen Kreisen. Den meisten Einfluß übt hier der Parsismus, was ja nicht zu verwundern ist. Ter Talmud und Midrasch entstand auf dem Boden Persiens und Mesopotamiens. Die Herrschaft Salomos über Asmodai und die übrigen Dämonen iveist auf persische Einwirkung zurück und ebenso die übermäßige Ausschmückung des Thrones. Wenn also auch verschiedene Züge aus fremden Völkern übernommen wurden, so haben doch dieselben eine große Umgestaltung erfahren. Religion tinb Moral bilden den hauptsächlichen, beinahe ausschließlichen Inhalt der jüdischen 'Legenden, welche in denen der heidnischen Völker bisweilen fehlen. ES ist bezeichnend für die jüdische Legendendichtung, daß, während dieselbe sich auf alle glänzenden Gestalten der jüdischen Geschichte erstreckt und die biblische Erzählung nach jeder Richtung Hill erweitert hat, die Geschichte des Helden Simsoir z. B. vollständig ignorirt wird, und zwar deshalb, weil in der heiligen Schrift und in der ganzen jüdischen Litteratur kein einziges religiöses Element an seine Gestalt geknüpft ist. Der geschichtlich entivickelte salamonisch-jüdische Legendenkrcis hat im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Wandlungen erlebt; der Islam wurde von ihm mächtig beeinflußt; die Erzählungen des Korans betreffs der Personen des alten Testaments find beinahe ohne Ausnahme jüdischen Ursprungs. Muhamined hat nicht aus der Bibel, dem Talmud und dem Midrasch, also aus unmittelbaren Quellen geschöpft, sonderir nach der mündlichen Ueberlieferung seiner Umgebung. Er stand nämlich in eifriger Vcrbindling mit dem Oheim seiner Gattin Ehadischa, mit Waraka, dann mit dem Juden Abdallah Jbn Salam, dem Perser Salm an und dem zum Christenthum übergetretenen Basira, welche sammt und sonders der hebräischen Sprache nnd Litteratur mächtig waren. Im Koran findet sich wenig von Salomo, nur wird seine Weisheit gepriesen. Dieser wunderliche llmstand läßt sich dadurch erklären, daß Muhamed nur Moses und Jesus als wichtige Personen betrachtet hat und deshalb auch Salomo nur oberflächlich erwähnt. Während von dem muhamedanisch-snlomonischen Legendenkreis im Koran nur einige Keime sich befinden, haben die Traditions- und Koranerklärer die Keime zu einem mächtigen Baume emporblühen lassen. Die phantasiereichen Schriftsteller des Orients haben die Gestalt des Salomon Jbn D'aud zum Mittelpunkt einer reichen Legendendichtung gemacht. Die fabelhafte Erzählung seiner Wunderthaten und seines tragischen Endes füllen viele Bünde. Nach Hammer - Purgstall befanden sich schon allein in der Bibliothek des Sultan Bajjed unter dem Namen Suleimanahme volle .WO Bände, deren großer Theil jedoch vernichtet wurde. Viele persische Bücher verherrlichen Salomo in Versen und Prosa; eines derselben besteht aus 5171 Distichen. Der persische Dichter Fird usi hat die Geschichte Salomos im Liede verherrlicht. Ebenso hat man auch in türkischer Sprache Hymnen zu Ehren Salomos gedichtet. Die christliche Anschauung hat den salomonischen Legendcnkreis ganz umgestaltet. Namentlich haben die Kreuzzüge seine Verbreitung in Europa sehr gefördert. Die umgeünderten salomonischen Legenden wurden mit den übrigen orientalischen Geschichten in lateinischen Sammlungen verarbeitet; die wichtigsten sind vier: gesta Ronianormn oder mit dem anderen Namen historiae moralisatae. Das Werl entstand wahrscheinlich am Ende des 13. Jahrhunderts, aber einzelne Stellen sind späteren Ursprungs. — 2. über facetiarum, welches Gervasius de Tilburi zum Verfasser hat. 3. disciplina clericalis. 4. dialogus niiraculorum, dessen Verfasser der im 13. Jahrhundert lebende Heisterbacher Mönch Cäsarius war. Aus diesen Quelle» schöpften hauptsächlich die Schriftsteller der europäischen Litteraturen. Seit der Mitte des 12. Jahrhunderts war die Gestalt Salomos iit der Litteratur der Völker sehr volksthümlich; u. A. war er beiden Deutschen der Held von Salmon lind Morolf, welches wir jedock blos aus einer Umarbeitung aus dem 15. Jahrhundert kennen. Dir Minnesänger in Deutschland stellten Salomo mit Morolf in Parallele, den weisen nnd gelehrten König einerseits und den ungebildeten und rohen Bauern andererseits. Ihre Zwiegespräche und Diskussionen vermehrten sich von Jahrhundert zu Jahrhundert. Diese Streitgespräche bilden den Hauptgegenstand der späteren Volksbücher. In den Zwiegesprächen zieht Salomo ungeachtet seiner Weisheit immer den Kürzeren. Es zeigt sich hier der natürliche Gedankengang des gcwöhn'ichen Volkes, welcher der erkünstelten und eingelcrnten Weishci! der höheren Klassen entgegengestellt wird. Die jüdische Ueberlieferung bildet die Quelle, woraus wir dir alomonische« Legenden schöpfen. Das Alter derselben können wir nicht immer bestimmen, und dann ist die Zeit der Sammlung jene, Ueberlieferung maßgebend. Eine sehr wichtige Quelle ist die aramäisch, Uebersetzung des Buches Esther, der sogenannte Targuin scheni; nach der Ansicht von Sachs entstand der letztere im römischen Reick und sein Stil zeigt auch römische Umgebung. Nach diesen nothwendig gewesenen Vorbemerkungen wollen wir auf die Einzelheiten der Salomonischen Legenden eingehen: Der hebräische Name: diente dem Midrasch zum Anlaß, um ihu den Friedenskönig zu nennen. Ueberdies hat die jüdische Traditio» ihm noch sieben andere Namen verliehen: der Liebling Gottes, Kohelet, Agur, Jaka, Bemuel, Jtsiel und Ben. In seinem 17. Jahre hat er den Thron seines Vaters bestiegen. In diesem Punkte stinnncn die orientalischen Schriftsteller mit der jüdischen Ueberlieferung übereilt. Nach Tarikh Mantekh war Salomo der Zeitgenosse des persischen Königs Kaikaus. Nach Josephus hat Salomo schon in frühester Jugend die Herrschaft übernommen, doch kann dieser Geschichtsforscher nicht genau das Jahr angeben. Dies stimmt mi> der Bibel überein.

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