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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-05 · Heft 34 (5.9.1890) · p. Seite 445

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 34 (5.9.1890)
Date
1890-09-05
Page
Seite 445 (sequence 5)
Language
German
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445 :rkes, das; »ei nähere,!s voll zr lngriffe z» üchlich aus >on einmal i sind, sie erhabener, ithan und t und Hau vielseitigen itte er zn en Lebenrv x Wirkend, in Engels iches! Da rauer und; lächelnd N'lüßt un er und die Kampfe!-. ch in der eses Jahr»! c Verfasser )f. Werder. habe, der Deutlichke» :e der mir beiden Stempel der was -uns .ß Lessina, Hans Rn!>e mit ihrem wieder ,n chtnng der >t doch bei i einander, affen, mit einem t) an den en sie aber Sie haben mnß: ne larunr dies )t unfähig, ner Huma- >rthodoxic'. sich, es ,» er es schein! und Bischer lter Landst, und als acht, duräi Lessing selbst nennt den Nathan ein „dramatisches Gedicht". Ist also der Nathan ein Drama (gleichgültig ob Komödie oder Tragödie), io muß es die Entfaltung oder Steigerung eines Charakters durch eine aus diesem Charakter folgende Thal vorsühren, indem entweder das Ungereimte desselben in lächerlicher Weise auf die Spitze getrieben wird Komödie, oder der wahre Kern desselben rein ausgeschält wird Tragödie, die nicht gerade traurig zu enden braucht. Wenn nun der Held einer Schule nicht der Lehrer, sondern der Tchiiler ist, so ist nicht Nathan der Held des von ihm benannten idramas, sondern der Tempelherr. Er lernt (wie auch Saladin). Was lernt er? Sind ihm in Jerusalem, schon bevor er Nathan l imen lernt, „die Schuppen nicht vom Auge gefallen"? Gewiß, gerade n>, wie es bei Schiller und Bischer in Folge ihrer Studien geschehen mar. Aber die drei Schwaben hielten sich für auserwählt, für beionders begnadigt. Zumal die Juden, wie er sie bisher kennen ge- : crnt hatte, oder in Wahrheit: wie er sie verkennen, nicht kennen ge- ' int hatte — was kümmert sich der Tempelherr um Juden? — tiefe haßt er zwar nicht, aber verachtet er. Sehr richtig bemerkt üarl Werder vom Tempelherrn, was ein wenig abgeändert auch aus sie beiden andern Schwaben paßt: „Er verachtet den Juden, will nichts mit ihm zu schaffen haben, aber nicht aus christlicher iicberhebung, sondern aus Ritterstolz, nicht geistlichem, sondern Rittcr- -mlz als solchem; aus der Art oder Unart, nach der das Wesen des 'iidcn ihn anwidert — diosynkratisch ihn anwidert: in Folge des rationalen Typus desselben, oder durch den Makel der Reflexe, die "ruck und Erniedrigung dem ganzen Habitus und der geistigen s-hysiognomie desselben weltlich ausgeprägt; — daraus, aus dieser uitipathie, die nicht religiöser, sondern nationaler oder politischer ud sozialer Art ist; ans dieser Gewohnheit der Sitte oder Unsitte, u' der Muselmann (Saladin) mit ihm theilt, darum mit dem -hristen theilt, weil Beide die Herren sind tn der Welt, Beiden der ade zur Folie ihres Machtgefühls dient — verachtet er ihn." Das m aber noch nicht der Kern, und Werder fügt hinzu: „Er persönlich, i,! höchsten Kontrast gegen die soziale Sitte oder Unsitte, er gerade rächtet den Juden aus Verachtung des religiösen Vorurtheils, miS Zorn über den geistlichen Stolz, den er ihm gerade zuschreibt, f n er von ihm ursprünglich her datirt, als dessen primitiven Reasentanten er ihn ansieht — aus tiefster Empörung dagegen!" Also das lernt er und Saladin durch Nathan, daß es auch unter u Juden Menschen giebt, und noch mehr: daß es unter den Juden ^keuschen geben kann, wie er unter den Christen und Saladin unter e u Muselmännern ein Mensch ist, und daß man also, um ein Mensch zu sein, nicht nöthig hat, ein Nicht-Christ, Nicht-Muselmann, -icht-Jnde zu sein. Nathan der Weise vertheidigt die Religion überhaupt und eben unnit jede Religion; denn daß sie der Humanität entspreche, ist lache des Religiösen. Es ist freilich die Macht des Ringes, welche - m Träger desselben vor Gott und Menschen angenehm macht; aber!- hängt vom Träger ab, ob der Ring seine Macht ivirken läßt, üir haben uns den Ring nicht auserlesen; wir haben den Ring, u uns unser Vater gegeben — wir haben die Religion unseres Volkes. Indessen unser Vater war vor Allem Mensch: daß er dies!ear, müssen wir, seine Söhne, beweisen und müssen damit die Echt- ■ieit unseres Ringes erweisen. Und nun auch rückwärts: wenn wir un fern Ring als echt, als wirksam erweisen, so ist damit der Ring unseres Vaters, unseres Volkes als echt bewiesen. Das hat auch Kuno Fischer nicht gelernt. Er sagt: „Man bringe doch Nathan vor eine rechtgläubige Synagoge und lasse sich nugen, ob der ein Repräsentant des Judenthums ist! . . . Nicht 'veil das Judenthum die Religion der Duldung, sondern weil es das Gegeuthcil ist: darum ist Nathan ein Jude." Sonderbare Logik! Darum glaubt aber eben K. Fischer nicht an Nathans Duldung, und dieser logische Widerspruch hindert ihn, Lessings Drama zu genießen, zu verstehen. Er kann es nicht überwinden, daß Lessing den Nathan, der „seinen Glauben immer als den seines Volkes und seiner Väter fühlt, mit dem er durch tausend unlösbare Bande verknüpft i ist", daß Lessing den Mann, der nie in seinem Leben Schweinefleisch! gegessen hat, zum Lehrer der Duldung gemacht hat, ihn, „der ein Jude j ist und bleibt", wenn er auch „das Judcnthum nicht repräsentirt".! Wir könnten ja K. Fischer den Gefallen thuu und Nathan vor j eine rechtgläubige Synagoge bringen. Wird sie ihn als Inden gelten j lassen? War denn aber etwa das Rabbinat von Berlin, welches! Moses Mendelssohn als Juden ansah, nicht rechtgläubig? War die Judenschaft von Jerusalem, welche Nathan „den Weisen" nannte, nicht rechtgläubig? Indessen, wir wollen etwas Anderes, und mehr thun. ' Wir wollen Schiller, F. Th. Bischer und Kuno Fischer vor das rccht- - gläubige Rabbinat stellen: was wird dieses sagen? Wir wissen das s ganz genau. Tenn der Talmud sagt klar und deutlich, kurz und I bündig: „Die Frommen aller Völker haben Theil am ewigen Leben."! Nun aber will ich sagen, was ich meine. Nicht zu Schiller und i Bischer und Fischer rede ich, zu Dir sprech ich, Leser und Leserin j dieser Zeilen. Lerne von Nathan, von Lessing! Lerne, daß der Werth! Deines Nächsten nicht davon abhängt, ob er Schweinefleisch ißt oder! nicht; daß sein und Tein Ring durch unbeschränkte Güte der Gcj sinnung und durch wohlwollende That sich erproben muß. Und beachte wohl, daß es nicht genügt, die schönen Sprüche des Talmud . und die schönen Verse der Propheten unsern Gegnern gegeniibcr zu i eitiren, „im Munde" zu führen, sondern habe sie auch „im Herzen, ' sie zu bethütiqen". U 8er Sagenkreis de« König« Salomo.'» Von Dr. Adolph Ko Hut. : Die jüdische Ueberlieferung Hot den König Salomo zum Helden; einer reichen Legendendichtung gemacht. Uebermenschliche Erkenntnis; : und absolute Gewalt hat sie ihm zugetheilt unb seine Gestalt mit i den glänzendsten Zeichen der fürstlichen Würde geziert; sie sah in ihm den Typus der mächtigen und weisen Könige des Orients; nach! ihr war die Macht, der Glanz und der Ruhm der verschiedenen; Völker einfach salomonisch. Der königliche Legendenkreis zeigt ein | doppeltes Gepräge: ein individuelles und ein nationales. Mit dem ' Namen Salomo war das Bild innerer Größe und ällßeren Ruhmes! verknüpft, aber zugleich auch eine ganze Reihe moralischer Gedanken; und Ideen, welche Jahrhunderte das geistige Eigenthum des jüdischen! Volkes ausgemacht haben. Den wesentlichen Bestandtheil der geschichtj lichen Hagada bilden jene religiösen Sagen, welche die Ahnen Israels,! ihre Glaubensstreiter, ihre Fürsten, ihre Geschichte überhaupt und j insbesondere die hervorragenden Gestalten der heiligen Schrift verj herrlichen. Aber die Ursache der außerordentlichen Verherrlichung 1 Salomos rührt hauptsächlich von der Empfindung des nationalen >) Die obige Arbeit ist einem gleichnamigen gelehrten Werte in ungarischer Sprache von Dr. E. Hoffmann entnommen, der zn den namhaftesten unter den jüngeren Orientalisten in Ungarn gehört. Er ist ein Zögling des Budapester Rabbiner-Seminars, und schon diese Erstlingsschrift, aus der wir hier in freier Uebersetznng Einiges auszugsweise mittheilen, zeugt von seinem Scharfsinn und seiner großen Belesenheit. Das Werk ist im Verlag der königlichen Akademie der Wissenschaften zu Budapest erschienen. Demnächst erscheint in demselben Verlage ein großes umfassendes Werk desselben Autors, auf das wir schon jetzt unsere Leser aufmerksam machen. I I s 1

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