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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-09-05 · Heft 34 (5.9.1890) · p. Seite 442

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 34 (5.9.1890)
Date
1890-09-05
Page
Seite 442 (sequence 2)
Language
German
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442 fiuiicf" ,'Mibc für feilte Person Chris! wird, als daß er, während er selbst Jude bleibt, seine Kinder dem Christcnthnm zuftihrt. Religionen sind doch keine Kleider mit verschiedenem Schnitt für Erwachsene mid Kinder. Religionen sind und sollen sein: Ideale, Lebensrichtschnuren. Wie ist es möglich, sich selbst, aus freien Stücken, im eigenen Hanse, einen Dualismus aufzubauen, selbst im Judenthum verharrend, die Kinder dem Christenthum znzusühren. Wissen die Eltern cs nicht, das; — selbst meint der tausende Geistliche deit Akt so schonnngsvokl und mild einrichlet, als seine Persönlichkeit es zuläßt - dennoch Staatsgcsetz und Kirchenlehre die Kinder zu Gegnern der elterlichen Anschauungen machen, das; sie im Religions- und Konfirinandennnterricht angewiesen werden, geringschätzig aus das Judenthum herabzublicken, das durch das Christenthum, als durch ein Edleres, Besseres, Höheres, weitaus überholt sei? Sie thuti den Schritt, um den Kindern eine freiere Lebensstellung zu sichern — fürwahr ein Hohn aus unsere Zeit der gesetzlichen Gleichberechtigung, wenn auch leider diese Absicht keine unbegründete ist. Wie sehr unterscheidet sie sich freilich von dem Heldenmnthe, den unsere Ahnen durch Jahrtausende bewahrten! Sie blieben Juden, trotz des Druckes, und — man nannte sie feig. Jene Hoffnung auf bessere Lebensstellung der Kinder in Folge der Taufe erweist sich aber in jedem Falle als trügerisch, denn entweder — und das wünschen wir zuversichtlich — erlischt die gesellschaftliche Aechtung der Juden, die erbärmliche Heuchelei in der Nichtbcfolgung der gesetzlichen Gleichberechtigung bald — dann war die Taufe gegenstandlos; oder die traurigen Zustände, wie sic sich seit zwölf Jahren hcrausgebildet, dauern fort, dann war die Taufe nutzlos, denn die Antisemiten achten die Rasse, ob sie getauft sei oder nicht; denn die Taufe wascht die als semitisch gemiedenen Züge tticht ab, hindert deren Wiederkehr selbst im drittelt und vierten Geschlecht nicht. Und die Rechtspflege? Haben Eltern ein Recht ans derartigen Eingriff in das Seelenheil ihrer Kinder? Rein und abermals nein. Wohl mag hier und da der Staat, weil er vermeint, ein christlicher zu sein, so unchristlich — das Wort im idealen Sinne genommen — sein, mit nngleichem Maße zu meffen und dem Pater die Glaubensänderung seiner Kinder dann zu verbieten, wenn sic Juden, dann zu erlauben, wenn sie Christen werden sollen. Aber in Wahrheit entscheidet allein die Geburt über die Glaubenszugehörigkeit mindestens bis zu dem Zeitpunkt der Verstandesreise, der Selbstwahl. Und was können solche Eltern, die eingreifen in das Glaubensleben ihrer Kinder, die sich vermaßen, Vorsehung spielen zu wollen, diesen ihren Kindern erwidern, wenn sie, erwachsen, ihnen Vorhallen: Ihr habt uns losgetrennt voit dem seelischen Verbände, dem Ihr angehört, dem unsere Vorfahren und Verwandten eigneten. Warum habt Ihr uns das gethan? Leicht möglich, daß der andere Fall eintritt und die getauften Kinder unter dem Eindruck der im Religionsunterricht und sonst erhaltenen Lehren von dett bösen Inden, die den Heiland der Welt gekreuzigt, von den Segnungen, die einzig und allein Jesus in die bis dahin verfinsterte und verstockte Welt gebracht, wohl auch unter dem Truck der höhnenden Bemerkungen über ihre Abstammung, Gesichtszüge, mitunter auch Manieren (rmtnrinn expellas furca, tarnen usque reeurvet) ihre Juden gebliebenen Eltern verhöhnen oder anklagen. 'Wohl fallen diese ein: „Unsere Kinder wissen noch gar nicht, daß sie Inden sind, sie kommen in die Schule, müssen doch an irgend eittem Religionsunterricht Theil nehmen, eS ist ja sittlich gleich, an welchem; das aufgeklärte Christenthum ist dem aufgeklärten Judenthum verwandt, es ist der Träger der Weltknltur, die Pforte zum Eintritt in die Gesellschaft." Schlimm genug, daß die Kinder in so vielen jüdischen Häusern nichts davon merken, daß sie Juden sind, daß oft erst die Hep-Hcp- Rufe ihrer christlichen Mitschüler sie daraus aufmerksam machen. Schlimm genug, das; so viele jüdische Familien ein Mangel an sitt lichem Stolz und Selbstgefühl in Bezug auf ihr Jndenthum kenn zeichnet, der sich sehr gut verbindet, ja die eigentliche Ursache ist de widrigen Anmaßung und Ueberhebung im gesellschaftlichen und staat lichen Leben. Und der Grund und Zweck von dem Allen? Bodenlose Un wissenheit, ein Am-Haarezthum in jüdischen Dingen — das sich mit dem Nachbeten und Mitfasten oft gar herrlich verträgt. Es fehl; unserm Geschlecht, was frühere hatten: Wärme, Begeisterung. Ich will nicht sagen, daß in alten Zeiten der Gesammtüberblick übe: das Herrliche und Schöne des Judenthiuns volksthümlich und ver breitet war, aber für einen Theil des Ganzen gab es doch Ver ständniß. Man überlas allwöchentlich den Bibelabschnitt, man „lernte einen hebräischen Moralphilosophen. Man schöpfte — wie homöopathisch immer — daraus Bildung und Wissen mit dem Bewußtsein, es dem Jndenthum zu danken. „Denn das ist Eure Weisheit." — Heul zutage schöpfen wir Bildung und Wissen gemeinsam mit unseren christlichen Mitbürgern, Gott sei Dank, aus dem reichen Quell der Jude» wir höre» diese Bildung rings als die vom Christenthum ausgegangene Preisen — und wie Viele beten das gutgläubig nach! Was nuif, man nicht in allen Wissensbranchen lesen vom alleinseligmachenden, alleinbildungsfördernden Christenthum! Ich kenne einen christlichen Geistlichen, der bei den verschiedensten Gelegenheiten seinen Gläubige! beredt aüseinandcrgesetzt hat, daß die Wohlthütigkeit, die Fürsorg für Kranke, die für Schulen, ja daß der Humor lediglich nur christlichen Ursprungs sei! Ich kenne Glaubensgenossen, die sich keines weg« jüdischen Dingen abhold erweisen, die soweit wohlgebildet sind, und denen es dennoch ein ganz Unbekanntes war, als man ihnen einen Einblick in die Schriftschätze des Jndenthums durch Mittheilung mittelalterlicher Aussprüche und Gedichte gewährte. Und da komme ich auf das, was uns noth thnt. Was uns noth thut, das ist gut zu machen, was Jahrzehnte hindurch versäumt wurde: das jetzige und künftige Geschlecht geschmnttvoll und taktvoll mit der sittlichen Hoheit, der wissenschaftlichen Reife des jüdischen Wesens zu erfüllen, nicht auf die veralteten, unseren Anschauungen sernliegenden und niedrigerscheinenden Bräuche, nicht auf die zwar schöne, aber schwierige und nur dem Gelehrte» nicht fremdartige hebräische Sprache, sondern auf den Gehalt de» Werth zu legen. Aehnlich wie sich in der Gymnasialfrage jetzt die Reform vollzieht, daß man cs für wünschenswerther erklärt, Taeitus und Sophokles vollständig in guten deutschen Uebersetzungen, als bruchstückweise Latein und Griechisch zu lesen. Aehnliches ergiebt sied für den jüdischen Religionsunterricht und Gottesdienst. Die herrliche» Psalmen, Prophetenreden, Bibelerzählungen, Weisheitssprüche der Väter, ausgewählte Stellen aus der Moralphilosophie des Maimonides, de» Sittenbüchern Mendelssohns u. v. a., ans den Gedichten Jehuda Halevis u. a. m. deutsch: so im Unterricht, so im Gebet, so in handlichen Ehrest» mathien — und unsere Jugend lernt Verehrung vor dem alten Judenthum, Liebe und Begeisterung für eine Religion, die die herrlichste Legende des Alterthums, das Gruudsittengesetz der Menschheit mit dem Herrlichsten aller Zeiten, wie ein immer neuverjüngender Gesundbrunnen so trefflich vereint. Da werden sie auch seltener werden, die Jndentaufen, seltener die blasirten jungen Leute, die sich schämen und geniren, wenn sie als Juden erkannt, wenn sie mit Glaubensgenosse» gesehen, wenn jüdische Angelegenheiten besprochen werden. Schnitt Wissen, weckt Begeisterung für da« Jndenthum, das thut uns noth1 Ni den s bcdin Wisse ilrthe iichen hat se gescha -ich n c litten wohl der (ä Vibel christl noch gegen vis z richtic hbn i werth veilen -er ttritik viblis ttößlic Meinet hat, 5 Widei :edes wirkst »leibt letzten gleicht -der < ttutor wmm Rüths Teutr -esser oerfet stitisck 'wenn aas;! zebrai inenu velche Buchs auszu zu stc s ja tömnt völlig chrij

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