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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-29 · Heft 33 (29.8.1890) · p. Seite 439

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 33 (29.8.1890)
Date
1890-08-29
Page
Seite 439 (sequence 11)
Language
German
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439 sie in das t sich im'ö gewährte» adurch zn n, anstatt so problclftm aust Können S'voiic der ende, bce rechnen, t, fick) für essirt und stellt, soll schen und er Söhne ebenbürtig schivester» öi Chonjo Ebern und Sott voll tur offenturgesetzeu nnen ihm nd lächerung blieb Schauspiel er ganzeii d gebückt Zohannisaren jene osfnnnge» ja unter das öou einer geidinannee i)ich zu sr >n so vorbrodbauu een tragen rlüngcrn e >ls ich gedie schon c mich ge „Für seine Kinder!" so murmelte fast ärgerlich Chonja bei sich selbst, indem er sich von dem Greise entfernte: „für seine Kinder!" O blinde Sterbliche! wir leben eine kurze Stunde auf dieser Erde und maßen uns an, in dieser kurzen Stunde die Zukunft derer, die nach uns kommen werden, zu sichern. Die Kinder! die Kinder! Tie Kinder werden auch sterben, wie wir. Ist denn unser Leben für diese Erde? Sorge Jeder für sein himmlisches Leben, statt für sich und für Andere, um die wenigen Tage, die man hienieden veriveilt, würdig auszufüllen. Was kümmert uns unser Loos auf der Erde und das Loos Anderer in der Welt? Unsere Bestimmung ist für den Himmel! Nicht sehr weit von jenem Greise setzte sich Chonja in das Gras, immer in seine Gedanken versunken. Der Tag war schon etwas vorgerückt, und der Gelehrte hatte noch keine Speise genosten. Bon Hunger gequält, zog er ein Stück Brod aus der Tasche und fing an, es zu essen; inzwischen ließ er aber sein Nachdenken nicht. Nachdem das frugale Mahl beendet war, streckte er sich auf dem Grase ans, schloß die Augenlider und entschlief sanft. Die Nacht vollbringt ihren ganzen Lauf, und der Tag kehrt zurück; die Nacht fängt wieder an, und es vergehen noch hundert Nächte so, — aber Chonja erwacht nicht. Ein hoher Kreis von Lteinen erhebt sich durch ein Wunder rings um ihn her, verdeckt ihn den Augen Anderer und beschützt seinen eisernen Schlaf. Und die Jahre vergehen, und die Generationen folgen aufeinander, und tausend verschiedene Wechselfälle drängen sich in der Welt, und die Dinge verändern sich und nehmen ein verschiedenes Aussehen an, aber Chonja schläft. Und der Kreis von Steinen schien, als wäre er zu seinem Grabe bestimmt, und er, als wenn er den ewigen Tchlaf schliefe. Es waren schon siebzig Jahre verflossen, als wunderbarerweise jenes Grab von Steinen, das den Schlafenden verborgen, plötzlich verschwand. Chonja führt auf, reibt sich die Augen, wirft den Blick umher, erhebt sich und ruft aus: „Was für einen langen Lchlaf habe ich gehalten? Es war noch nicht Nacht, als ich einschlief, und jetzt ist die Sonne schon nahe am Mittag." Mit etwas verwirrten Gedanken geht er wieder vorwärts und bleibt an der Stelle stehen, wo der Greis den Johannisdrodbaum gepflanzt hatte. Dieser Anblick erhellt ihm einigermaßen den Geist und ruft ihm das Vergangene in die Erinnerung zurück. Aber jenem Lichtschimmer folgt bald ein Gefühl der Ueberraschung,- das ihn verwirrt und betäubt. Er bemerkt den in voller Blüthe stehenden, üppig emporgewachsenen Baum und neben demselben einen Knaben, der die Früchte davon aß. Er nähert sich dem Knaben und sagt: „Mein Freund! Wer hat diesen Johannisdrodbaum gepflanzt?" „Ich sicherlich nicht," antwortete der Knabe; „Ihr wißt doch, wie viele Jahre erforderlich sind, um davon genießen zu können. Mein Vater versicherte mich, daß er von meinem Großvater gepflanzt wurde." „Seinem Großvater!" wiederholte erschrocken Chonja bei sich selbst; „seinem Großvater? Und doch kann ich mich nicht täuschen; dieses ist jener Acker, jener Ort.... o mein Gott! So Hütte ich siebzig Jahre geschlafen? Dieser furchtbare Gedanke versetzte ihn in eine unerklärliche Unruhe, nachdenklich und betäubt lenkt er die Schritte der Geburtsstadt zn. Aber als er eine kurze Strecke Weges zurückgelegt hatte, verwirrten sich seine Sinne, und er wußte nicht mehr, wohin den Fuß wenden. Der alte Pfad ist verschwunden, verschwunden sind die Bäume; die Häuser, die neben dem Wege standen, Alles hat eine veränderte Gestalt angenommen. Vergebens sucht der arme Chonja einen bekannten Baum, einen bekannten Acker, einen bekannten Gegenstand, worauf der irrende Blick, und mit dem Blick der abgemühte Gedanke ausruhen konnte; Alles,! was sich ihm darstellt, war nie von ihm gesehen worden; Alles > war neu. Mit der Traurigkeit, die sich tiefer in seine Seele einsenkt, sucht j er nach dem Zufalle, die Straße, die nach der Stadt führt; und! nach vielem Hin- und Hergehen entdeckt er sie endlich und geht auf! ihr weiter. j Da wimmelte es von Leuten, die aus allen Straßen, ans allen j Güßchen hecauskamen und eilig ihren Geschäften nachgingen. Chonja! schreitet rasch in der Menge vorwärts und flicht begierig einen Bej kannten, ein bekanntes Gesicht unter ihneil. Aber unter der gailzeil! Masse erkennt er keinen der alten Freunde, der alten Gönner. Nicht j eine freundschaftliche Hand, die ihm gereicht wurde, nicht einen Blick, I der auf dem seinigen haftete, nicht ein Wort, das an ihn gerichtet - wurde. Er ist allein in der Mitte der großen Menge, als tvenn er in der Einsamkeit einer Wüste wäre. Diese Vereinsamung füllt auf das Herz des armen Chonja wie ein großes Unglück und vermehrt die Verwirrung seiner Gedanken. Dann beruhigt er sich etwas und denkt bei sich: Ich habe weder; Bekannte, noch Freunde mehr; aber wenigstens meine Familie bleibt! mir. Im Schooße der Meinigen werde ich Stärkung und Frieden : finden. | So getröstet, erkundigt er sich bei den Vorübergehenden nach j der Familie des Chonja, und es wird ihm eine Straße gezeigt, wo! dieselbe wohnte. Mit klopfendem Herzen beschleunigt er den Schritt und geht dem Hause zu, das ihm bezeichnet worden war. Aber je mehr er sich näherte, desto mehr schwand der Trost, den er schon in der Seele gefaßt hatte. Er kennt seine Mauern, sein Dach, sein Haus nicht mehr; Alles hatte ein anderes Aussehen. Ilnd statt sich i mit der Eile der Freude dem Hause zu nähern, geht er langsameil! Schrittes vorwärts, wie einer, der gegen seinen Willen an einen Ort des Schmerzes und der Trauer gehen soll. Endlich tritt er in das Haus und erblickt ein liebliches Schauspiel häuslicher Freuden.! Knübchen, die scherzten, eine Frau, die liebevoll Antheil an ihren Spielen nahm, und einen Mann, in noch kräftigem Alter, mit einer Arbeit beschäftigt. Bei seinem Eintreten hören die Scherze und das i Lachen auf, und die Blicke Aller richten sich «lif ihn mit einem gewissen Ausdrucke des Mißtrauens, hervorgerufen durch die seltsamen Geberden, mit denen er durch das Haus schritt. Zu dem Manne gewendet, fragte Chonja also: „Möchtet Ihr mir den Sohn des Chonja rufen?" „Den Sohn des Chonja?" antwortet der Andere überrascht. „Er ist schon längere Zeit todt." „Aber bitte, wer seid Ihr?" „Ich bin der Enkel des Chonja." Der Arme wirft sich, überwältigt von einem Gefühl der Freude, - dem Enkel cntgegcil und sucht ihn au die Brllst zu drücken, rufend: - „Ich bin Tein Großvater."; Aber der Enkel entzieht sich seinen llmariuungen, betrachtet ihn - erstaunt, und ruft: „Ihr? Ihr mein Großvater? ich habe Euch nie - gesehen, ich kenne Euch nicht." Nun fing der Unglückliche an, seine ganze Geschichte zu erzählen, und mit lvarmen Bitten flehte er um die Liebe des Enkels; aber dieser schüttelte den Kopf und wiederholte immer: „Bleibt nur hier, I thut, wie es Euch beliebt; aber ich habe Euch nie gesehen, ich kenne Euch nicht." Es war wahrlich ein elendes Leben, das der arme Chouja im Schooße seiner neuen, durch keine gemeinschaftliche Erinnerung mit ihm verbundenen Familie führte. Ter Ring, der jene zwei Generationen verband, war zerbrochen, und der Unglückliche fand sich von! Neuem in der Einsamkeit inmitten von Personen, die ihn nie gesehen

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