Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 33 (29.8.1890)
- Date
- 1890-08-29
- Page
- Seite 431 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3227825-3227859--47304-3268818- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
431 Väter abunter der Goßt er. vereinzelc erst nach iten über lle, wem: aufgehört, iraustalten otogen die liigeu noch ffming zu lg ist, sich vermeide: solcher is! befürchten, eginm die getroffene!ehrerstelle, rbesoldetcr cht umhin die Stelle. Anstalten, m Lehrcrc- Jacobson von dieser t, sondern;en unter r an die )as höhere e Neigung ldiuin der turwisseni da auch Gelehrten nschlägige isinns in en. t. n Gönner mner von tteise von zesellschafl :ige Vertpersonen Coccejus, :to; diese tigten in schlossen er Grieche anchte zu der Fahrt, die heute nur wenige Stunden erfordert, ganze zwölf j Tage und hatte unterwegs mancherlei lustige Erlebniffe. Horaz hat! dieselben in einer launigen Plauderei geschildert, und diese ist es, worin von einem „Juden Apella" die Rede ist. In Egnatia nämlich, dem letzten namhaften Städtchen vor j Vrundisium, wurde die Gesestschaft, anscheinend durch einen heftigen A'egenguß, zu einigem Aufenthalt genöthigt, lmd so entspann sich aber die Merkwürdigkeiten des Ortes eiue Unterhaltung mit den Einheimischen. Diese erzählten von einer Art Wunder. Wenn man nämlich auf die Schwelle ihres Tempels Weihrauchkörner streue, so schmölzen dieselben, ohne daß man eine Flamme gewahr werde. Das glaubten die Römer natürlich nicht und lachten die Leute aus. Und . Horaz, der das Geschichtchen in seinem poetischen Reiseberichte nicht vergißt, schließt es mit dem Ausruf: (wedat Jmlaens Apella! : „Das glaube der Jude Apella!" - eine Wendung, die förmlich zu; jnent geflügelten Worte geworden ist. Wer die Worte zum ersten Male in diesem Zusammenhänge liest, wird jedenfalls denken, daß der „Jude Apella" zu seiner Zeit eine allerweltsbekannte Persönlichkeit gewesen sein müsse, von deren übergroßer Leichtgläubigkeit die verschiedensten Geschichten umgelaufen, io daß Jeder gleich ohne Weiteres gewußt, >ver mit dem Namen gemeint war.. Sonderbarer Weise aber wird dieser allerweltsbekannte .Jude Apella" nirgends sonst erwähnt, und selbst die geschäftsmäßigen Trklärer des Dichters aus alter Zeit, die freilich wohl erst vier bis sitnf Jahrhunderte nach seinem Tode ihre Anmerkungen niedergeschrieben, tvissen über den vermeintlich so bekannten Mann kein Sterbenswörtchen zu melden. In neuerer Zeit hat mau sich deshalb eine andere Meinung gcoildet. Apella, sagt man, kam als Name von Freigelassenen öfter vor. Und da nun die in Rom jenseits des Tibers, in dem heutigen Trastevere, wohnenden Juden meist Freigelassene und als abergläubisch und leichtgläubig verschrieen waren, so steht der Name hier nicht als der einer besonderen Person, sondern bedeutet nichts weiter als irgend einen abergläubischen oder leichtgläubigen Juden von jenseit des Tibers. Wenn man's so hört, möcht's leidlich scheinen. Wie steht es aber mit den Beweisen dafür, daß die Juden im Alterthum als abergläubisch und leichtgläubig verschrieen gewesen? Aus den Dichtungen des Horaz ist, wenn wir von eben dieser Stelle abschen, sie ja doch erst erklärt werden soll, ein Beweis dafür nicht zu erbringen, und wenn man Stellen in den Satiren des Persius und guvenal dafür anruft, so übersieht man, daß cs sich darin theils »m altüberlieferte Gebräuche, theils um rituelle Vorschriften handelt, deren Beobachtung mit der hier gemeinten Leichtgläubigkeit schlechterdings nichts zu thun hat. Denn leichtgläubig und abergläubisch sind doch;wei sehr verschiedene Begriffe. Will man die Juden des Alterthmns deshalb abergläubisch nennen, weil sie au ihren religiösen Gebräuchen sesthielten — immerhin! Dann sind aber die heidnischen Griechen und Römer, die ihrerseits ihren religiösen Bräuchen mit ebenso eifriger Gewissenhaftigkeit nachkamen, nicht um einen Deut weniger abergläubisch zu nennen, als die Juden es getvesen sein sollen. Genug, die besondere Leichtgläubigkeit der Juden ist nicht zu erweisen, und damit wird der jetzt allgemein giltigen Auslegung dieser Stelle ihr festester, ja ihr einziger Stützpunkt genommen. Man wird also nach einer anderweiten Erklärung dafür suchen müssen, warum Horaz gerade in diesem Zusammenhänge einen Juden erwähnt haben sollte. Nun ist bisher noch nicht beachtet worden, daß Horaz alle in seinen Dichtungen vorkommcnden Namen, sofern sie nicht bekannte historische Personen betreffen, nicht von irgend mehr oder minder unbekannten Zeitgenossen hergenommen, sondern in der Art gebildet hat, daß die Bedeutung jedes Namens genau dem Eharakter der Person entspricht, die damit bezeichnet wird. Und zwar sind alle diese Namen mit verschwindend wenigen Ausnahmen dem Griechischen entlehnt.') Diesem Brauche gemäß nennt der Dichter auch hier den Mann, der das angebliche Wunder des Tempels zu Egnatia prahlerisch herausstreicht, den „Verherrlichte Prahlhans", Cydaeims Apeila oder Apila von eydaeno (xi-tium-i) verherrlichen, rühmen, preisen, und apeila oder apila J-n,die Prahlerei. Die ursprünglichen Worte haben demnach gelautet: Credat Cydaenus Apila! „Das glaub' Ruhmrediger Prahlhans!" Daß und warum diese Worte in die überlieferte Lesart geändert worden, kann hier nur kurz angedeutet werden. Die Horazischcn Gedichte nämlich wurden alsbald nach des Dichters Tode, vielleicht sogar schon in seinen letzten Lebensjahren, von den sogenannten Grammatikern in besonderen Privatstunden mit röinischen Schulknaben gelesen und ihnen erläutert. Weil aber die Mehrzahl dieser Knaben kein Griechisch verstand, so scheint sich bei ihren Lehrern schon früh- : zeitig dgs Bcdürsniß und damit das Bestreben geltend gemacht zu! haben, die fremdartig klingenden Namen aus dem Griechischen durch! ähnlich klingende römische Namen zu ersetzen, beziehungsweise in den j Handschriften der Schüler durch die letzter» selbst ersetzen zu lassen, j Und verschiedene Umstünde, auf die wir hier nicht näher eingeheu können, machen cs wahrscheinlich, daß sich aus diesen so veränderten Handschriften mit der Zeit eine förmliche Schulausgabe entwickelt habe, die neben der ächten Urschrift, weil leichter verständlich, mehr und mehr Verbreitung fand und sic allmälig im Laufe der Jahrhunderte ganz verdrängte, so daß schließlich sie allein auf die Nachwelt gekommen ist, während die ursprüngliche, durch die Buch-! Handlung der Sosier vervielfältigte Handschrift völlig verloren gegangen zu sein scheint.') lind sonnt spricht alle Wahrscheinlichkeit dafür, daß Horaz den „Juden Apella" überhaupt nicht genannt hat, daß diese Bezeichnung vielmehr an Stelle der Namen Cydaenus Apeila oder Apila von Spätem in die überlieferten Handschriften eingeschmuggelt worden. In dieser antiken Schulausgabe — Jnveual nennt sie in einer mißverstandenen Stelle seiner siebenten Satire den Flaceus totas decolor, „den gänzlich entstellten Horaz" — mit welcher der überlieferte Text in allem Wesentlichen identisch sein dürfte, wird der Juden noch zwei Mal Erwähnung gethan, und komischer Weise ist auch in diesen beiden Stellen der ursprüngliche Text gefälscht, wie sich leicht erweisen läßt. .Judaei — Idaei. Am Ende seiner vierten Plauderei erzählt uns der Dichter, er liebe es, gewisse Gedanken, die ihm so durch den Kopf gingen, Spaßes halber zu Papier zu bringen. Er nennt das scherzhaft „eine von seinen kleinen Schwächen" und fährt fort: „Wollt ihr mir das verwehren, so wird ein gewaltiger Schwarm von Poeten — denn wir bilden ja weitaus die Mehrzahl — mir auf der Stelle zu Hilfe kommen, und dann bringen mit* euch noch dahin, daß ihr selber unter die Dichter geht." Ein Spaß natürlich, aber doch dem Sinne nach ') Der Verfasser führt den Nachweis für diese Behauptung in einer Schrift, die demnächst die Presse verlassen wird. Bis zu ihrem Erscheinen und bis die Ansichten darüber sich kritisch gesichtet haben, mag die Frage, um die es sich hier handelt, immerhin als eine offene gelten. Die Red. -) Dies Alles wird in der vorerwähnten Schrift ausführlich erörtert und dergestalt wahrscheinlich gemacht, wie solche Dinge nur irgend wahrscheinlich zu machen sind. Doch ivird der Kritik auch hier das letzte Wort gewahrt bleiben müssen. Die Red. |