Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 32 (22.8.1890)
- Date
- 1890-08-22
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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ton, Herrn ereilz Dom Bolfberii, Zuchthause. )es „Schuldüng einer rmlung der l. 10. Mi! Mitgliedern. des Etaw rrichts malen de-ö lrtheil am Buchhändler igblätter 88 wurde:i i jüdischen die Juden, lud Fritsiü. vom Land Derurtheiln ustanzlichen druckt vor lfach grob? Thatsachen »rig, wider iche Rechte das Berden Schub das Gefüb! Die Rechtrn n Hinblick >erechtigunz Beziehuurn Konfessionen lugblättern i." — Dan isanwültern ewillt sind. vernehmen, das seither zwischen Christen und Juden hier herrschte, durch Anige gewissenlose Hetzer gestört werden sollte. Die große Masse der Bürgerschaft will sicher davon nichts wissen, sie wünscht den ans gegen' seitige Achtung und Duldung gegründeten Frieden zu erhalten. Mesterreich - Ungarn. + Wien, 17. August. In der jüngsten Nummer Ihrer geschützten Zeitschrift Zollen Sie dem Afrika-Reisenden Eduard Glaser berechtigtes Lob, und heben dessen Bedeutung mit Grund hervor. Daß dem so sein konnte, ist jedoch mit ein Verdienst des hiesigen llniversitütsprofessors David Heinrich Müller und des früheren Vertreters der israelitischen Knltusgemeinde Emanuel Baumgarten, welche Beide dem erwähnten Forscher die Mittel Zn seinen ersten Reisen beschafften. Cfb Lemberg, 10. Augnst. Die galizische Judenheit hat einen fast unersetzlichen Verlust erlitten. Am 7. d. M. ist der Gerichts- und Laudesudvokat Dr. jur. Philipp Mansch nach langen qualvollen Leiden Zn oinent besseren Leben abgegangen. Mit unserer Stadt, die einen trefflichen Bürger verliert, betrauert unsere Gemeinde ihren Vorsteher, betrauert die galizische Jndenschaft den Mitbegründer und langjährigen Irenen Leiter des Vereins „Schoiner Jisroel“. Mansch war es, der durch seine Rechtskenntniß und durch seine Erfahrung auf dem Gebiete des Verwaltungswesens sowohl unserer Gemeinde als auch dem Landesverein ein festes Gefüge gab und ihnen den Stempel moderner Kultur und zielbewußten Fortschrittes allfdrückte. — Die Bestattung der irdischen lleberreste des Verstorbenen fand schon am 8. d. M. statt. Am Grabe Hielten Rabbiner Dr. Kobak und der Präses des Kultusraths Samuel Horowitz bewegte Trauerreden. Frankreich. * Paris, 11. August. Am 3. d. M. starb unser Glaubensgenosse, der bekannte Maler Emil Lövy, im Alter von 64 Jahren. Er uatte im Salon sehr oft historische und andere Gemälde ausgestellt, dm Jahre 1854 erhielt er den großen römischen Preis. Von seinen Hauptwerken waren Zu nennen: „Die Furt", „Der erste Schritt", .Ruth und Noemi", „Die heilige Musil", „Die weltliche Musik", „Die vier Jahreszeiten" und „Der Tanz". Seit einigen Jahren widmete er 'ich ausschließlich der Pastellmalerei. Herr Lüvy, der Ritter der Ehrenlegion war, hinterlüßt eine Wittwe, die in der litterarischen Welt unter dem Pseudonym Paria-Karigau bekannt ist. n hessischen wie milcht Köhlerricht besitz!, werden, du den wurde, lsere Stadi e Kult um eitung dev »er höhereu diese Aus B amberge i nd hat sieu iesigen Gei zu vieler Zu können, -kommen er lenden Ge Hoffnung Ministerium chen Gnade will wissen, e" Partei Die Nach )en Kreisen . Es fehlt ine Juden )er hiesigen sich einen ü öffentlich gende Ein Rußland. * Kiew, 8. August. Soeben ist an die hiesige städtische Verwaltung die nachstehend ihrem Wortlaute nach wiedergegebene Verordnung des Ministeriums des Innern gerichtet worden: „Im Ministerium des .Innern ist die Wahrnehmung gemacht worden, daß die Kiewer städtische Verwaltung während der letzten Jahre Juden, die nicht Zum Kaufmannsstande erster Gilde gehörten, Patente erster Gilde ertheilt hat. Ein solches Verfahren der Kiewer städtischen Verwaltung als den begehenden Gesetzesbestimmungen zuwiderlanfend erachtend, macht das Ministerium des Innern im Einverständniß mit dem Finanzministerium ganz ausdrücklich geltend, daß in den Kanfmannsstand erster Gilde der Madt Kiew nur solche jüdische Personen ausgenommen werden dürfen, me schon früher diesem Stande an irgend einem im Bereiche der Domizil- Eeiheit. der Inden gelegenen Orte angehört haben. Etwaige Aufnahme von jüdischen Kleinbürgern in den Kanfmannsstand erster Gilde der Madt Kiew ist in den. bestehenden Gesetzbestimmuugen nicht vorgesehen, oa die Frage etwaiger Begünstigungen jüdischen Kleinbürgern gegenüber bei ihrer Ueberstedelung an Orte, die gleich Kiew, nicht im Bereiche der Domizilfreiheit der Juden gelegen sind, überhaupt niemals ui Anregung gebracht worden ist. Indem somit das Ministerium des dauern es für angängig erachtet, denjenigen Juden, die im Lause des wahres 1889 von der Kiewer städtischen Verwaltung Handelspatente erster Gilde erhalten haben, das fernere Verbleiben in der Stadt unter der Bedingung der weiteren Entnähme von solchen Handelspatenten zu gestatten, untersagt dasselbe jede fernere Ertheilung von solchen an Juden, die nicht bereits vordem zum Kaufmannsstande erster Gilde gehört haben." 14. Riga, 8. August. Auch in der guten Stadt Riga ist die Polizei in letzter Zeit sehr schneidig geworden. Es hatten sich nämlich in besseren Seiten viele unserer Glaubensgenossen aus dem unseligen Ansässigkeitsrayon hier angesiedelt und in Ehren ihr Brod verdient, da aber viele 3 - | von ihnen hier kein Anfenthaltsrecht haben, so hat die heilige Hermandad! alle Hände voll zu thun. Tag und Nacht hat sie keine Ruhe, denn es! gilt, Hunderte von Juden mit Weib und Kind, Sack und Pack auszuweisen und die Säumigen per Etappe zu eskortiren. Bei dieser Gelegenheit zeigt es sich klar und deutlich, daß Alles purer Unsinn ist, was in den antisemitischen Blättern von jüdischer Solidarität n. erzählt wird. Sobald A auf seinem Passe den verhängnißvollen Vermerk: „Zur Abreise", sieht, so hat er nichts Eiligeres zu thun, als hinzugehen und den B und E zu denunzireu, daß auch diese keine Berechtigung zürn j Dasein haben, und schließlich werden jener und dieser und viele Andere ausgewiesen. Selbst den Handwerkern, die sich mit ihrem Fache auch wirklich befassen und somit das Recht haben, im ganzen Reiche frei zu wohnen, ergeht es hier in letzter Zeit nicht allzu gut. Trotzdem sie alle nöthigen Dokumente haben, müssen sie sich einer neuen Prüfung unterwerfen. Zu diesem Behufe werden sie an deutsche Meister abgefertigt, deren Urtheil über ihre Kenntnisse in dem betreffenden Fache für ihr ferneres Schicksal entscheidend ist. Erwägt man nun, daß es im Interesse der Examinatoren liegt, die unliebsamen jüdischen Konkurrenten los zu werden, so wird man es erklärlich finden, daß es hierbei nicht immer so ganz unparteiisch hergehen kann. Wenn man z. B. einem alten Flickschuster, der für den Trödelmarkt arbeitet, zum Examen ein Paar weiße Ballschuhe zu machen giebt, so darf man sich darüber nicht wundern, daß er das Urtheil „ungenügend" erhält und die Stadt, wo er 20 oder mehr Jahre gelebt, verlassen muß. In dieser traurigen Zeit und bei solch kritischer Lage dürfte man doch erwarten, daß kleinlicher Hader und Unfrieden unter den Gemeindegliedern aufhören müßte. Aber leider ist das hier keineswegs der Fall. Sollte es denn wirklich j so schwer sein, eine angethane Kränkung, eine Beleidigung zu verzeihen.! besonders wenn manch gutes Werk darunter leidet?! - Wie überall, so j ist auch in der hiesigen jüdischen Gemeinde der Sinn für Mild- und! Wohlthätigkeit sehr ausgebreitet. Jedermann giebt gern, so oft und so j viel er nur immer kann, aber es fehlt bei uns an Initiative. Geld? geben kann Jedermann, aber die Initiative zu einem guten Werke er-! greifen, es organisiren und leiten können nur Leute, die das Verständi uiß. aber auch die Zeit dazu haben, kann nur die Intelligenz. Leider ' verhält sich diese hier im Allgemeinen recht indifferent gegen dergleichen - Tinge, wie überhaupt der Gemeiusinn hier sehr wenig ausgebildet ist.; Das Wenige, was noch ab und zu geschieht, geht immer von einigen ' Personen aus, die schließlich doch nicht überall sein und Alles vollbringen! können. So wird man es z. B. kaum glauben, daß in einer Stadt wie z Riga die armen Schüler und Schülerinnen der Gern ein de sch ule fast! vollständig ohne jegliche Unterstützung von Seiten der Gesellschaft belassen werden. Wie schon früher an dieser Stelle berichtet worden, hat die jüdische Gemeinde für ihre Schule ein prachtvolles dreistöckiges Steingebäude errichten lassen, in welchem gegenwärtig mehr denn 500 arme Kinder unentgeltlich unterrichtet werden. Unter diesen Kindern giebt es viele, die tagelang buchstäblich hungern müssen, denen es au : Allem fehlt. Und kein Mensch nimmt sich ihrer au, Niemand sorgt da-! für, daß diese Aermsten, wie es überall geübt wird, mit Nahrung, Kleidung und Büchern versehen werden. Der Einzige in der Stadt,! der noch ab und zu der armen Kinder gedenkt, ist Herr Dr. S chwarz-; boot. Alljährlich spendet er der Schule einige hundert Hefte, wie auch I mehrere Paare Schuhe, was mit Anerkennung hervorgehoben zu werden; verdient. Einen Beweis dafür, daß es in Riga nicht schwer ist, Geld zu i einem guten Zwecke zu sammeln, liefert folgender Fall. Anfangs; Oktober v. I. wurde in einer Lehrerkouferenz der Gemeindeschute die I Nothwendigkeit einer Schülerbibliothek für diese Schule hervorgehoben und! der Vorschlag gemacht, eine solche zur Erinnerung an den ersten Jahres-! tag der wunderbaren Errettung unserer erhabenen Kaiserfamilie bei der! Station Borki -- zu gründen. Der hierbei anwesende Oekonom der! Schule Herr W. Luntz spendete sofort 50 Rubel zu diesem Zwecke und! erbot sich auch, noch Gaben von anderen Personen zu sammeln. Und wirklich brachte er in kurzer Zeit gegen 350 Rubel zusammen. Für seine Mühewaltung wurde ihm der Dank des Herrn Kurators des Dorpatschen Lehrbezirks wie auch derjenige des Herrn Direktors der : Volksschulen eröffnet. Und nun hat unsere Gemeindeschnle eine Bibliothek! von mehr als 300 Bauden hebräischer und russischer Lesebücher. Die! braven Männer aber, die dieses schone Werk vollbracht, werden den! schönsten Lohn hierfür in dem Bewußtsein finden, vielen armen Kindern die Möglichkeit geboten Zu haben, durch gute Lektüre ihre Kenntnisse Zu erweitern, ihr Gemüth zu verfeinern, ihr Herz zu veredeln, auf daß aus ihnen dereinst gute Menschen und brave Bürger werden. \; i I