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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-22 · Heft 32 (22.8.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 32 (22.8.1890)
Date
1890-08-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Mal versucht worden, durch Wort itub Schrift diese Angriffe zu widerlegen aber es ist meist vergebens gewesen. So bleibt uns nur das eine Mittel, um zu unserm stecht zu gelangen. Hub cö giebt Gott fei Sauf, noch dichter in Deiltschland. * Berlin, 15. August. Nene Tatarennachrichten! Ein Warschauer Telegramm der „Kreuzzeitung" meldete: Sämmtliche hier lebende fremde Inden wurden auf Befehl des Oberpolizeiministers gestern ansgewiesen. Schon am anderen Tage muhte dasselbe Blatt zu seiner großen Betrübniß mittheilen, daß seine Meldung über die Ausweisung oer fremden Inden ans Warschau unbegründet gewesen sei. * Berlin, 19. August. Angesichts der wachsenden AuswaLiderung v o n Gl au bensge n osse n aus RilßLand, welche, anjetzt noch freilvillig, vielleicht sehr bald eine gezwungene werden wird, ist es von Wichtigkeit, daß sachverständige liub humane Männer sich bemühen, Plätze zu finden, wo den Unglücklichen Wohn statt und Arbeitsgelegenheit geboten wird. Als ein solcher Erdstrich, zur Kolonisation vorzüglich geeignet, wird neuerdings die Eyrenaica am Mittelländischen Meere gerühmt. Unser geehrter Mitarbeiter, der Generalkonsul Gerhar d Roh l fs, schreibt hierüber in einem Briefe an einen Freund unseres Blattes unter Anderem: „Ich weiß bestimmt, daß man in maßgebenden Kreisen der Sache sympathisch gegenübersteht .... und gerne werde ich meinen Flamen hergeben zu einem Unternehmen, von dem dieses schöne Land nur profitiren kann." Berlin, 17. August. In dem Beleidignngsprozesse des Pfarrers! Witte gegen den bekannten Hosprediger war jüngst vor dem hiesigen! Schöffengericht Termin zur Hauptversammlung anberaumt. Es handelt! sich ilm einen im „Volk" abgedruckten Artikel, welcher das Vorgehen! des Pfarrers Witte geißelte und von dem Hofprediger verfaßt sein soll.! Pfarrer Witte hatte den Letzteren zu einem Sühnetermin vor den! Schiedsmann laden lassen, dieser Tennin war aber ergebnißlos verlaufen, weil der Schiedsmann jüdischer Religion war und der Hofprediger j es ablehnte, vor einem Juden in dieser Angelegeilheit zu verhandeln. j Tie Klage nahm demgemäß ihren Fortgang. Zum Termin hatte der j Hofprediger angezeigt, daß er Krankheit halber nicht persönlich erscheinen! tonne. Tas Schöffengericht setzte einen neuen Termin zur Hauptverhandlnng ans Ende September fest. — Aus Westprerrßerr, im August. Die Berichte über die gedeihliche Entwicklung lind das segensreiche Wirken der jüdischen Lehrerver eine in allen Theilen unseres Vaterlandes erfüllt jeden Lehrer itub Schulfreund mit herzlicher Freude. Ueberall tritt ein lebhaftes Interesse für Verbesserung der Lehrer- und Schulverhältnisse deutlich 31t Tage, und mancher nennenswerthe Fortschritt ist bereits zu verzeichnen. Nur in Westprenßeu hat der Geist der Zusammengehörigkeit bisher seinen Einzug nicht gehalten. Freilich besteht hier seit einigen Jahren eine sogenannte „Hilfstasse" für jüdische Beamte, deren ausschließlicher Zweck die Unterstützung der Mitglieder oder deren Angehörigen ist. Eine Förderung des jüdischen Schulwesens gehört jedoch meines Wissens nicht zur Aufgabe des Vereins, was sich schon daraus erklärt, daß viele Mitglieder dem Schulwesen vollständig fern stehen. Mehr als in vielen anderen Provinzen aber scheinen mir gerade in Westprenßeu die jüdischen Schulen verbesserungsbedürftig. Ich erinnere nur an die Verschiedenheit der Pläne itub Methoden des Religionsunterrichtes, die schon in deni verschiedenartigen Eharakter der Schulen und in der Ung'eichartigkeit der Lehrpersonen ihren Grilnd hat. Ein anderer Krebsschaden ist der Mangel an Beanssichtignng des Religionsunterrichts durch qualifi^irte Personen. Es ist ferner bekannt, daß' gerade in Westprenßeu völlig ungeeignete Personen, z. B. Synagogendiener u. s. w., privatim „unterrichten", wodurch sie nicht feiten die Unterrichtserfolge der öffentlichen Schulen beeinträchtigen das Ansehen der Lehrer herabsetzen und sie in ihrem Einkommen schädigen. Ta endlich einige jüdische Schulen den Eharakter einer Privatschule haben, sind die Lehrer Widerwärtigkeiten i aller Art ansgesetzt. Sollten die angeführten itub andere Uebelstünde j nicht Grund genug sein, alle jüdischen Lehrpersonen Westpreußens znsammenznführen, um durch ein gemeinsames zielbewußtes Borgehen, von welchem allein Erfolg zu erwartcm, eine Besserung der Verhältnisse herbeizuführen? E. F lauter. Insterburg, 15. August. Die 9. ordentliche General-Versammlung des Verbandes der S yn a g 0 ge n - G eme i nd e n Ost - Preußens findet im Gesellschaftshanse am Montag den 25. Augustd.J., Vormittags 10 Uhr statt. Tie Tages-Ordnung lautet: 1. Eröffnung. Präsenzliste. Bildung des Büreaus. 2. Bericht des Vorstehers über die Geschäftsjahre 1888—90. 3. Kassenbericht für 1889 90. Wahl der Revisoren. 4. Bericht des Vorsitzenden der Schuliilspektion, Herrn Dr. Bamberg er. 5. Bericht über die IV. Lehrer-Konferenz von, 20. Mai d. I. in Königsberg, erstattet durch Herrn Dr. Wolfberu. 0. Vortrag des Herrn Prediger Weinberg: Seelsorge im Zuchthause. 7. Antrag des Verbands-Vorstehers auf weitere Dotirung des „Schrufonds". 8. Antrag des Herrn N. Lublinski auf Gründung einer Präparanden - Anstalt. 9. Bericht über die General-Versammlung der Hilfskaffe zu Danzig, erstattet durch Herrn Sekretär Klein. 10. Mittheilungen ans Verbands-Gemeinden. 11. Ausschluß von Mitgliedern. 12. Entlastung der revidirten Rechnungen. 13. Festsetzung des Etaw für 189091. 14. Wahlen des Allsschusses und des Schiedsgerichts * Dresden, 18. August. Im letzten Hefte der „Annalen be-ö königlichen Oberlandesgerichtes zu Dresden" ist das Urtheil algedruckt, in welchen! der oberste sächsische Gerichtshof ben Buchhändler Th. Fritsch wegen Verbreitung antisemitischer Flugblätter wegen groben Unfugs bestrafte. Ende 1887 und Ostern 1888 wurde!, Schandschriften verbreitet, welche vor Waareneinkäufen in jüdische., Geschäften warnten und die bekannten Verleumdungen über die Juden enthielten. Mehrere jüdische Kaufteilte strengten Klage an und Fritsch, der Verfasser jener Machwerke wurde am 19. November 1888 vom Land gericht iu Leipzig wegen groben Unfugs zu einer Geldstrafe verurtheil,. Er appellirte au das Oberlalldesgericht, das aber der vorinstanzliche!, Entscheidung beitrat, indem es, wie in dem nunmehr gedruckt vor liegenden Urtheil ausgeführt wird, in jenen Flugblättern vielfach grob? Beschimpfungen der Juden erblickte, welche den Boden der Thatsachee verlassen. Die Verbreitung dieser Flugblätter, an sich ungehörig, wider strebe der öffentlichen Ordnung und sei geeignet, das natürliche Rechte gefühl des Publikums außergewöhnlich zu verletzen, namentlich das Vertrauen in den Bestand der Rechtsordnung, den Glauben an den Schub welche diese den unter ihr Vereinten angedeihen lasse, und das Gefnb! der Rechtssicherheit and) bei Richtjudeu aufzuheben. „Die Rechts- Widrigkeit der Beschimpfungen ergiebt sich namentlich auch im Hinblick.? auf das Reichsgesetz vom 8. Juli 1869, betreffend die Gleichberechtigung der Konfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung, wonach Juden denselben Schutz wie Angehörige anderer Konfessionen genießen. Derartige Hetzartikel, wie die in den fraglichen Flugblättern enthaltenen, können leicht den öffentlichen Frieden gefährden." — Da^ Urtheil ist bemertenswerth und dürfte denjenigen Staatsanwälten welche der Verhetzung der Konfessionen entgegenzutreten gewillt sind, eine geeignete Handhabe bieten. * Darmstadt, 15. August. Die in Butzbach zur zweiten hessischen Kammer vollzogene Wahl des Antisemiten Köhler soll, wie mii getheilt wird, angefochten werden, da einer der für die Wahl Köhlereiugetretenen Wahlmänner die hessische Staatsangehörigkeit nicht besitz!. Ist das zutreffend, so muß die Wahl für ungiltig erklärt werden, ba sie bekanntlich bei Stimmengleichheit durch das Loos entschieden wurdc. * Wnrzburg, 12. August. Vor Kurzem hatte sich unsere Stad, eines hohen Besuches zu erfreuen. Sr. Excellenz, der neue Kultusminister Dr. v. Müller traf am 23. Juli unter Begleitung des Referenten Regierungsrathes Dr. Bumm zur Besichtigung der höhere,! Bi'dnngsanstalten hier ein. Trotz der kurzen Zeit, die für diese Aus gäbe festgesetzt worden, warmes unserem Distrikts-Rabbiner Bambergcc doch vergönnt, in längerer Audienz empfangen zu werden, lind hat fiai der Kultusminister sehr huldvoll und eingehend über die hiesigen Gemeinde-Verhältnisse erkundigt. Er bedauerte es sehr, wegen zu vieler Inanspruchnahme für diesmal die Synagoge nicht besichtigen zu können, habe aber die bestimmte Absicht, bei seinem nächsten Hierherkommen er zu thnn. Nach diesem Vorkommniß, das von der wohlwollenden Ge sinnung des ^iultuömintfterg zeugt, haben wir die berechtigte Hoffnunn daß die jüdischen Verhältnisse Bayerns auch unter diesem Ministerium wie bisher sich des staatlichen Schutzes und der landesherrlichen Gnade zu erfreuen haben werden. * Stuttgart, 11. August. Die „Münchner Allg. Ztg." will wissen, daß hier eine antisemitische bezw. „deutschsoziale" Partei gegründet worden sei, die bereits über 400 Mitglieder zähle. Die Nachricht bedarf der Berichtigung; in den verschiedensten politischen Kreisen ist hier von einer derartigen Parieigründung nichts bekannt. Es fehlt natürlich auch hier nicht all dunklen Biedermännern, denen eine Juden hetze recht lvillkommen wäre, doch möchten wir zur Ehre der hiesigen Bevölkerung annehmen, daß es ihnen nicht gelingen wird, sich einen größeren Anhang zu schaffen und sich als antisemitische Partei öffentlich allfzllspieteu. Es wäre sehr bedauerlich, wenn das befriedigende Ein

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