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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-22 · Heft 32 (22.8.1890) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 32 (22.8.1890)
Date
1890-08-22
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 Amerika. § New-K)ork, 1. August. Zivei öffentliche Anstalten sind in New-?)ork, eine von und die andere für die in den Letzten Jahren eingewanderten Glaubensgenossen aus den slavischen Ländern errichtet. Viele derselben sind durch betrügerische Bankangestellte von ihren engeren Landsleuten sehr bedeutend betrogen und beschwindelt worden, viele der Armen haben ihre Sparpfennige eingebüßt, nach der alten Heimath abgesandte kleine Summen für Zurückgelassene Familien wurden unterschlagen, größere Depositen wurden einfach nicht zurückbezahlt u. s. w. Unter Leitung des bekannten Herrn Jacob H. Schiff, in Verbindung mit einigen hervorragenden Philautropen und Kapitalisten, wurde jüngstens 296 Grand Straße die States bank (O. L. Richard, Präsident) eröffnet, die allerdings den Leuten Sicherheit und reelle Behandlung sichert und sie gegen ferner« Verlust beschützt. Eine andere und viel wichtigere Anstalt ist die unter diesen Einwanderern gegründete Spitalgesellschaft. Das Projekt, ein Spital zu errichten, worin Alles streng koscher hergehen soll, ist in ein neues Stadium getreten. Die katholischen Philantropen von dem Kloster an der 150. Straße, zwischen 2. und 6. Avenue, haben auf 62 Bauplätzen, in der Mitte eines Parks ein Spitalgebäude errichtet, das hinlänglichen Raum für 720 Betten und Galerierüume für 1000 Personen bietet. Dieses Gebäude soll zu dem Zwecke errichtet worden sein, um es einer jüdischen Gesellschaft zu überlassen und ist jetzt dieser Spitalgesellschaft für den Spottpreis von achtzigtausend Dollars, mit nur zwanzigtausend Dollars Anzahlung, angeboten und wahrscheinlich jetzt schon angekauft worden. Das wäre das erste Denkmal, das die genannte Bevölkerung sich gesetzt hat. Die erwähnte Bank zum Schutze der Gesunden und das Spital zum Heile der Kranken sind allerdings hochwichtige Aeußernngen des bessern in dieser Bevölkerung erwachenden Geistes. U Von Nah und Fern. — Eine Erhebung des Kultusministeriums betreffend die in den höheren Schulen in Preußen mit Genehmigung der Unterrichtsbehörden eingeführten Lehrbücher ergiebt für den Religions-Unterricht folgendes Resultat: für den evangelischen Religionsunterricht 182, für den katholischen 78 und für den jüdischen Religionsunterricht 26 Hilfsbücher. — Seit 1867 geht in Norddeutschland, seit 1871 im ganzen deutschen Reiche innerhalb der einzelnen Landestheile langsam aber stetig eine Ausgleichung in der Vertheilung der Bevölkerung nach dem Religionsb ekenntniß vor sich. Die verhältnißmästig geringere Zunahme der Juden als der evangelischen bezw. katholischen Bevölkerung erklärt sich für das Reichsgebiet theils aus deren in jüngster Zeit immer häufig vorkommenden Uebertritten 31t einer christlichen Kirche oder zu freien Gemeinden bezw. Dissidenten, theils als Ueberschuß der Auswanderung über die Einwanderung. Nur im Königreich Sachsen hat sich die Zahl der Inden seit 1871 mehr als verdoppelt, wahrend dieselbe im Reichslande um fast 102 zurückgegangen ist. — In Potsdam hat ein Arzt beim Vorstande der Synagogen-Gemeinde dagegen remonstrirt, daß sein Sohn seine Grabstätte neben einem in der Reihe begrabenen Selbstmörder erhalten. Der Vorstand erklärte mit Recht, eine derartige Remonstration unberücksichtigt lassen zu müssen. — Einer der bedeutendsten Mediziner Königsbergs, der Stadtphysikus Geheime Medizinalrath Professor Dr. Pincus, ist im Alter von 71 Jahren gestorben. Dr. Pincus war früher Arzt in Insterburg und wurde 1868 Stadtphysikus und Medizinalassessor in Königsberg; an der Universität las er als außerordentlicher Professor über Gesundheitslehre und gerichtliche Medizin. — In Posen soll am 2. Oktober eine Versammlung jüdischer Elementarlehrer aus den Provinzen Posen und Westpreußen behufs Bildung eines Lehrervereins stattfinden. Man rechnet auf 60 bis 70 Theilnehmer. — Um die vakante Rabbinerstelle in Trier sind 66 Bewerbungen einflelftufen. Die Probepredigten werden nächstens beginnen. — Am 6. August fand an der israelitischen Bürgerschule in Fürth unter Vorsitz des NUnisterialkommissärs, des königlichen Professor am Realgymnasium zu Augsburg, Herrn L. König, die diesjährige Absolutorialprüfung — die 10. dieser Anstalt — statt. Die 4 Abiturienten bestanden dieselbe sämmtlich mit glänzendem Erfolg. —■ Der städtische Kapellmeister in Freiburg (Baden), Herr Wilhelm Bruch, veranstaltete kürzlich zu Ehren Rubinstein's, welcher sich in Badenweiler zur Kur anfhült, ein Konzert, in welchem nur Kompositionen Rnbinstein's zur Aufführung gelangten, u. A. die „Ozean-Symphonie' und die Balletmusik aus „Nero". Das Publikum empfing den ctnwesenden Komponisten enthusiastisch, das Orchester mit dreifachem Tusch.— Der Cvlmarer Oberrabbiner Weil hat ein Buch unter dem Titel „La Cliaraderistique tTIsrad“ herausgegebeu. Dasselbe behandelt die Hauptzüge des heutigen Charakters des jüdischen Volkes und sucht die unfreiwilligeil Jrrthümer, so wie die absichtlichen Entstellungen, welche heute über den Charakter des jüdischen Volkes im Umlauf sind, gründlich zu widerlegen. — In ganz Oesterreich wurde am 18. August der Geburtstag des Kaisers Franz Josef von den jüdischen Gemeinden feierlich begangen. In Wien fand um 9 Uhr Vormittags in beiden Gemeindetempeln ein feierlicher Gottesdienst statt. Herr Dr. Jellinek hielt die Festrede. — Die israelitische Gemeinde Nachod (Böhmen) hat Herrn Dr. H. Goiteill aus Högyesz (Ungarn), der seine Ausbildung am Seminar zu Berlin genossen hat, zum Rabbiner gewählt. — In Pöstyön langte dieser Tage der Wunderrabbi von Sadagora mit einem aus 60 Personen bestehenden Gefolge zum Kur gebrallche an. Er erregt daselbst allgemeines Aufsehen und dürfte, wenn er dort bleibt, ein Seitenstück zum Galgöczer Wunderbrunnen bieten, indem die Wallfahrten seiner Bewunderer jetzt dorthin ihre Richtrmg nehmen werden. In der letzten Station, wo er sich vor der Ankunft in Pöstyün aufhielt, waren über taufenb Menschen zu seiner Begrüßung und Konsultirung erschienen. — Die Universität Amsterdam hat einen Preis für die Beantwortulig der Frage: „Erklärung der Urini! llnd Thum im bei den Hebräern" ltnb die Universität in Leyden > einen solchen „lieber den Werth der Prophezeiungen bco j Jeremias in Israel" ausgesetzt. - Am 26. August findet in Amsterdam die öffentliche Versteigerung der nachgelassenen Bibliothek des verstorbenen Oberrabbiners der portugiesischen Gemeinde Dr. L. Cardozo, statt. Die Sammlung enthält auch eine Anzahl spanischer und portugiesischer Manuskripte. — Der gefeierte jüdische Dichter und Senator, Signor Tullo Massarini, wurde zum Ehrenmitglied der Akademie von St. Lucia in Rom ernannt. ist der erste Jude, der in diese vornehme Körperschaft ausgenommen wird, da es bislang nothwendig war, um unter deren Mitglieder eingereiht zu werden, der katholischen Kirche anzugehören. Unser Glaubensgenosse, der Advokat Samuele Levi in Turin wurde daselbst mit Akklamation zum Kandidaten des Stadtrathes vor geschlagen, hat jedoch die Annahme des Mandates aus politischen, Gründen abgelehnt. — Zu Alexandrien ist das von Baron Bechor Menasche neuerbante jüdische Spital feierlichst eröffnet | worden. Dasselbe befindet sich in der großen Allee, die zu Moharrem Bey-Pforte führt, und ist nach allen Anforderungen der modernen Hygiene erbaut. Als Aerzte sollen in demselben Israeliten fungiren so daß die Kranken in der Erfüllung ihrer religiösen Pflichten gain ungehindert sein werden. — Die alexaudrinisch e jüdische Ge! mein de wird nachgerade berühmt durch den Glanz ihrer Hochzeiten, i wie auch durch die Auszeichnungen, welche sie bei diesen Gelegenheiteil - erfährt. Vor Kurzem wurde mit großem Pomp die Vermählung des! Signor Cesare Aghion mit Fräulein Alice Heller gefeiert. Der Khedive! war durch seinen Oberhofmeister vertreten. Unter den Brautgeschenken! befand sich auch ein prachtvolles Brillantencollier von der Gemahlin de->! Khedive. — Vor einigen Wochen sind die Kolonien Rischon l'zion und! Ekron von dem Delegirten des rtlssischen Vereins „Zur Unterstützung j jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina", Herrn Dr. Chasn-! nowitz aus Bialystock, den Herren Davidsohn und Broida aus Warschau j u. n. A. besichtigt worden. Hoffentlich wird sich den armen russischen! Auswanderern an diesen Stätten ein freundliches Asyl öffnen. 54. Diese Abon Post, unter verhältr Lehrer < und L Salomo ,Jeuille Bon A Mitthe Dei Leipzig, Fern. - Mth H heraus Hilden würtig kirchlick und h wünsch Unter der Ir Schrift Monar B gearbei vreußis setzentn die ©t - uni Berichtigung. I» de» Artikel „Zur Synagogen-Mnsik" (Lewandvwsky's Festpräludien) in Nr. 29 dieser Zeitschrift hat sich ein sinnentstellender Fehler eiugeschlichen, den wir zu berichtigen bitte» Es wird daselbst gesagt, die Einführung des modernen Chorgesanger in nnsere gottesdienstliche Musik habe vor etwa zwei Jahrzehnten stattgefnnden; es hatte heißen sollen: vor „zwei Menschenaltern" Umfaßt doch die synagogale Wirksamkeit Lewandvwsky's bereits einer Zeitraum von ungefähr 50 Jahren. einer , ivickelu: welche doch fr thatsää diese § zu erre Art d, Schrift Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: Max Banchwitz in Berlin. Bl gestellte

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