Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 32 (22.8.1890)
- Date
- 1890-08-22
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Kerlin. 22. August 1890. er Brise Pfeifend >s bisher lärmend, e Lippen ewaffnet, ie Bahre hatte ein ltc fort: er Tnigipfe nocli nn blan .eöffiieteu bsterbene- Schnmh ot eine» ibinawie; iculcnbeii den ent ii darmn il drang ine kurze Zn dieser hten und ien. Da l ertönen, lausenden t. lk cm ihm ittelt, die gerissen, ie Nächst ie Ferner ssenbuben abinawie, ging er .nid rück npt trug i hielt er :lchen mit )ühte be» ächte man igcii un rt wurde, s und die chenmenge es Selbsn e Anderen schreiend, nn Rücken iez sichern, nter beiü :r Stund'. lin. 'Weikccge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten.! Deutschland. * Berlin, 18. August. Man wird sich erinnern, daß am 20. März d. I. bei der Berathung des Etats des Unterrichts-Ministeriums im preußischen Abgeordnetenhause erzählt wurde, daß auf einzelnen Gymnasien die Zahl der Schüler jüdischen Glaubens einen sehr beträchtlichen Bruchtheil ausmache. Der Kultusminister von Goßler ergänzte damals die Ausführungen durch statistische Daten. Herr von Goßler hat, wie seinerzeit gemeldet'worden, nun Anlaß genommen, von den Provinzial-Schulbehörden Berichte über die Zahl der Schüler jüdischen Glaubens auf den Gymnasien und Progymnasien einzufordern. Das Ergebniß dieser Berichte ist jetzt im „Reichsanzeiger" veröffentlicht worden. Nach dieser Statistik wurden im vorigen Sommerhalbjahr die 267 Gymnasien ltnb 40 Progymnasien des preußischen Staats von i>4,089 Schülern besucht, darunter 68.0 Prozent evangelisch, 22.4 Prozent iatholisch, 0.2 Prozent sonst christlich und 9.4 Prozent jüdisch, während an der männlichen Bevölkerung die Evangelischen mit 64.2, die Katholiken mit 34.2, die sonstigen Christen mit 0.3 uub bk Inden mit 1.3 in Prozenten antheilig sind. Unter den Schülern der Gymnasien sind demnach die Evangelischen etwas über dem ihnen zustehenden Prozentsatz, die Katholiken bemerkenswert!) unter dem ihrigen und die Juden unverhältnißmäßig stark vertreten. — Auf je 10,000 männliche Mitglieder der einzelnen Glaubensbekenntnisse bezw. Religionsgemeinschaften kommen im Staatsdurchschnitt: bei den Evangelischen 71.7, bei den Katholiken 14.3, bei den sonstigen Christen 47.9; bei den Christen überhaupt 62.2 and bei den Juden 489.3 Gymnasialschüler. An dem Besuch der Gymnasien sind im Staatsdurchschnitt die Evangelischeil mit drei Fünftel mehr als die Katholiken und die Juden beinahe acht Mal so stark als die Christen überhaupt betheiligt. Diese Slatistik ist ganz interessant, aber sie führt, weil sie lückenhaft ist, nothwendig zu falschen Schlüssen. Die Statistik ist eine große Helferin, doch rnuß mau sich ihrer Hilfsmittel vollständig bedienen. Wenn man b!os einzelne Zahlen herausgreift, so führt die Statistik auf Irrwege. Daß man dies im vorliegenden Falle nicht beachtet hat, nimmt uns in hohem Maße Wunder, weil Herr von Goßler selbst in jener Abgeordnetenhaus-Sitzung vom 20. Mürz d. I. darauf hingewiesen hat, wie groß der Einfluß des Wohnorts auf die Wahl der Bildungsmittel der Bevölkerung sei. Herr von Goßler fügte hinzu, daß er durch diese Angaben überrascht worden sei. Das erklärt sich leicht daraus, daß Herr von Goßler sich mit statistischen Fragen, die ja auch nicht auf seinem eigentlichen Gebiete liegen, wenig beschäftigt hat. Hätte er das früher gethan, so würde er gewußt haben, daß gegenüber dem Moment des Wohnorts alle anderen Erklärungsversuche für die Zahl jüdischer Studirender und Gymnasial-Zöglinge, wenn sie überhaupt zutreffend sind, fast gar nicht ins Gewicht fallen. Gymnasien sind nur in den Städten, und demgemäß besuchen hauptsächlich Kinder der Stadtbewohner die Gymnasien Wohnten die Juden auf dem flachen Lande so überwiegend, wie sie gegenwärtig in den Städten wohnen, so würde die Zahl der jüdischen Gymnasiasten bei der erschwerten Bildungsgelegenheit sehr zusammenschrumpfen. In der oben mitgetheilten Statistik ist nun hierauf gar keine Rücksicht genommen. Wollte man in objektiver Weise den Antheil der Bevölkerung jüdischen Glaubens an dem Besuch der Gymnasien und Progymnasien sestüellen, so mußte man nicht, wie geschehen, die Bevölkerungsziffer der Juden und Christen im ganzen Staate miteinander in Vergleich bringen, sondern lediglich die städtische Bevölkerungsziffer der verschiedenen Konfessionen. Uns stehen die einschlägigen Zahlen nicht mit der nöthigen Sicherheit zu Gebote, aber Herrn von Goßler sind sie leicht zugänglich, und er wird deshalb unschwer die Korrektur jener Statistik eintreten lassen können. Da wir einmal die Aeußerung des Herrn von Goßler vom 20. März d. I. eitirt haben, wonach „ein großer Theil der jüdischen Mitbürger auf dem flachen Lande sich nicht ansiedeln will, sondern die größeren Städte aufsucht", so wollen wir nicht verfehlen, abermals darauf aufmerksam zu machen, daß unseres Wissens die jüdische Bevölkerung durchaus keine Abneigung hat, sich auf dem flachen Lande anzusiedeln, daß sie nur deshalb dort nicht angesiedelt ist, weil sie sich in früheren Zeiten dort nicht ansiedeln durfte. Daß jetzt bereits achtzehn Prozent sämmtlicher Juden auf dem flachen Lande wohnen, ist ein starker Beweis von einer sehr entschiedenen Neigung der Juden zur landwirthjchaftlichen Beschäftigung. Wenn Herr von Goßler sich um eine Unterstützung dieser Neigung verdient machen will, so ist er dazu in der Lage, indem er seine Kollegen im Ministerium veranlaßt, auf die Ansiedluugs-Kommission für Posen und Westpreußen dahin zu wirken, daß sie die Bewerbungen jüdischer Kolonisten nicht wie bisher zurückweist. * Berlin, 18. August. Herr Domänenpächter Siegm u nd M e y er, Sohn des verstorbenen Geheimen Kommerzienraths Jacob Abraham Meyer aus Berlin, wohnhaft auf Neuendvrf bei Oderberg in der Mark, ist zum königlichen Ober-Amtmann ernannt worden. Es dürste dies wohl der erste Fall sein, daß einem Juden dieser Titel in Preußen verliehen ist; jedenfalls liefert dies den Beweis nicht allein von beu hervorragenden landwirtschaftlichen Leistungen des Herrn Ober-Amtmann Meyer, sondern auch von der unparteiischen Würdigung desselben seitens der königlichen Staatsregierung. * Berlin, 17. August. Der Polizeipräsident von Berlin, Herr von Richthofen soll, wie die „Saale-Ztg." meldet, wegen der Veröffentlichungen des Dr. de Jonge gegen diesen und den Redakteur der „Kreuz-Ztg." Freiherrn von Hammerstein einen Strafantrag wegen Beleidigung gestellt haben, de Jonge sei bereits verantwortlich vernommen, während die Vernehmung Hammerstein's nach seiner Rückkehr von Kissingen erfolgen werde. Dr. de Jonge hat seinerseits gegen beu Geheimrath Baer und die Aerzte Dr. Auerbach uub Dr. Jastrowitz Strafantrag gestellt. * Berlin, 17. August. Zu Roßla am Kyffhüuser tagten vom 4. bis 7. August, wie alljährlich, die Vertreter der fünfzehn im Kysshäuser- Verband vereinigten Vereine deutscher Studenten. Die Kreuzzeitung läßt sich darüber Einiges berichten. Es wurde beschlossen, die zehnjährige Stiftungsfeier des Verbandes, mit der die Enthüllung eines Gedenksteines des Kyffhänserverbandes zur Erinnerung an die kaiserliche Botschaft vom 17. November 1881 verknüpft sein soll, „im großartigsten Stile" am 6. August 1891 auf dem Kyffhüuser selbst zu begehen. „Mit lebhaftem Unmuth wurde es", so heißt es in dem Bericht der Kreuzzeitung weiter, „von den Vertretern konstatirt, daß die Sache der freiwilligen Krankenpflege, welche namentlich durch die Vereine deutscher Studenten in der akademischen Jugend von Anbeginn au so gefördert worden ist, unter dem Druck des Judenthums steht (!) und daß jetzt, nachdem die Angelegenheit unter geflissentlichem Ausschluß der Juden in Fluß gebracht worden ist, „sogar" (!) Juden in die Comitös der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege geschickt werden." Das ist ja eine Prachtleistung antisemitischer Gesinnungstüchtigkeit! Wenn sie nur nicht gar zu beschämend wäre! Merkwürdig, daß sich die edlen Jünglinge, die hier zur höheren Ehre des Deutschthums zusammengekommen, in Konsequenz ihrer humanen Gesinnung noch nicht zu der Forderung anfgeschwungen haben, daß es den jüdischen Soldaten verwehrt sein solle, wie ihre christlich-teutonischen Kameraden den Tod auf dem Schlachtfelde zu sterben. Doch das wollen ihnen die Vereine deutscher Studenten großmüthigst gestatten. Wahrlich, ist es auch Antisemitismus, hat es doch Methode! * Berlin, 19. August. Eine wichtige Nachricht wird uns aus Schivelbein (Pommern) gemeldet. Dort hat die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme des im Verlage von Th. Fritsch in Leipzig erschienenen antisemitischen Flugblattes Nr. 39: Was kosten uns die Juden?" angeordnet. Es ist dies für unser Verhalten gegenüber der antisemitischen Hetze ein werthvoller Fingerzeig. Oft und oft wurden wir von Vorständen wie von Einzelnen gefragt, was sie gegenüber der Verhetzung und Verleumdung der antisemitischen Agitation thun sollen. Wir wissen nur eine wirklich Erfolg versprechende Maßregel: Die Hülfe der Gerichte anzurufen, um jene nichtswürdigen Angriffe zurückzuweisen. Alles klebrige hat nur problematischen Werth. Es ist hundert I "ij-