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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-22 · Heft 32 (22.8.1890) · p. Seite 426

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 32 (22.8.1890)
Date
1890-08-22
Page
Seite 426 (sequence 10)
Language
German
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426 Fehler, viel zu hoch, dem jugendlichen Geiste unzugänglich zu sein; was der Autor über Religion und Moral gedacht oder auch nnr gelesen hat, soll in die Anmerkungen hineinkommen, mit denen der Verfasser nicht das Kind belehren, sondern, wie es manchmal den Anschein hat, selbst glänzen will. Mari hat hohe oder oft sogar nur hohle Worte, mit denen das Kind nichts anzufangen weist. Die Kinder haben nicht einen so engen Gesichtskreis, als viele Erwachsene glauben. Aber lnan darf den jungen Köpfen auch nicht zu viel zumuthen. Ruri hat sich Oberlehrer Tr. Badt dieser wichtigen Angelegenheit angenommen. Seit mehreren Jahrzehnten ist er als Religionslehrer thätig; jede Erzählung seines Buches hat er vielfach mit der Jugend durchgenommen, jede einzelne der Erläuterungen mit ihr besprochen mib hat sonach aus der Praxis des Lehrers ein vollgiltiges Urtheil über das, was er denn Fassungsvermögen der Jugend zumuthen kann. > Der Referent hat mit einigen Lehrern jüdischer Religionsschulen! über das Badtstche Buch Rücksprache genonnnen, alle bestätigten, da st z es für seinen Zweck sich vorzüglich eigne. Hier wird in gutem! Deutsch und doch in Anlehnung an die biblische Sprache biblische! Geschichte vorgetragen; hier wird kein todter Gedächtnistkram, sondern - lebendige anregende Erzählung geboten, besonders in dem, was Badt j fortlästt, bewundert man den glänzenden pädagogischen Takt; lnan , sieht es dem Buche an, dast es nicht nur von einem erfahrenen Schulmanne, sondern von einem vielseitigen Gelehrten, der in der Welt Bescheid weist, abgefastt ist. Als Schulbuch wird es zweifellos viele seiner Rivalen bald ver- . drängen. Sowohl die Kinderbibel wie die Erläuterungen werden! Lieblingsbücher der jüdischen Jugend Werdern j Das Badt'sche Buch ist auch fähig, einen Uebelstaud zürn Theil zu heben, über den in diesen Blättern oft geklagt worden ist.; Erst jüngst hat Dr. Sil der sie irr beredt und rührend einen Roth- > stand geschildert, der in derr kleinen verarmten jüdischer! Gemeinden des einstigen Herzogthums Nassau herrscht, wie da die Jugend ohne Religionsunterricht heranwachse, weil die Gemeinden keinen Lehrer besolden können. Auch der Deutsch-israelitische Gerneirr de-! b und wird trotz seines regen Eifers, 'trotz sein.er Fürsorge mit Rath! und That, nicht allerwegen diese Roth beseitigen können.! Aber jüdische Eltern sollten doch nicht vergessen, dast der Reli-! gionsuuterricht in erster Reihe eine Obliegenheit der Eltern ist, und j wenn eine Mutter die Badt'schen Bücher zur Hand bekommt und i einigen guten Willen besitzt, so wird sie eine graste Fülle erbaulicher (beschichten und sittlicher wie religiöser Anregungen denr Geiste und , Gemüthe ihrer Kinder spenden. 1 Wir denken nicht gering von denr Wirken pädagogisch geschulter Männer und glauben gern, dast ein tüchtiger Lehrer die Kinder ganz anders vorwärts bringt als Jeurand, der wohl Kenntnisse aber keine Methode hat. Aber wo es nun einmal keine Lehrer giebt, da sollten Eltern an ihre Pflicht gemahnt werden, dast sie die von Gott gesetzten Lehrer ihrer Kinder sind. Ten Eltern besonders sei i die Kinderbibel empfohlen; di'ese Kinderbibel ist mehr noch ein : Lesebuch als ein Lehrbuch, und sie wird in jüdischen Häusern, wo sich die Eltern dieses Büchleins annehmen, manche müßige Stunde! in der nützlichsten Weise verwerthen und die religiöse Erziehung fördern; in Schule mib Haus darf Badt, der stets die wärinste; Theilnahme und ein klares Berständnist für den jüdischen Religions-; unterricht gezeigt hat, des wärmsten Dankes für seine Kinderbibel und die daran gefügten Erläuterungen gewist sein. II. j * Feuilleton. *#*«»*-•- Zokton. Von M arte Konopnicka. Aus denr Polnischen übertragen von S. Horowitz. Nicht immer wurde er so genannt. Im Städtchen denkt Klein und Groß, dast man ihn früher Leib Rabinowicz rief. Aber diesen seinen ehemaligen Namen hat er nicht mit solch hoch erhobenem Haupte getragen, wie heute seinen Spottnamen. Ist sein Glaskasten, den er tagsüber auf seinem gebeugten Rücken trägt, leichter geworden? Oder hat er an Kraft gewonnen? Das ist unbekannt, aber er hält sich jetzt mehr aufrecht, als wäre er gewachsen, der Kaftan liegt ihm knapper an, selbst die Mühe trägt er mehr nach rückwärts geschoben, dast die schmale und hohe Stirn und das dünne, glatte, schwarze hier und da in Silberfäden übergehende Haar zürn Vorschein kommen. Selbst seine hohen Stiefel, welche unter seinenr in der Taille geschlossenen Kaftan hervorlugen, scheinen ein anderes Aussehen zu haben. Jnr Städtchen ist manchmal solch ein Schmutz, dast sich Gott erbarme, und dennoch ist Leib so sauber und rein, als möchte er nicht in diesem waten, sondern über ausgewählte Steinchen schreiten, dast jich die Leute einfach wundern. Früher pflegte sein dunkler, schütterer, spitz auslaufender Bart sich kaunr am „Schabbes" so hoch zu heben und zu erbeben wie infolge leise geflüsterter Worte; seine halbgeschlossenen, ins Goldfarbige spielenden Augen pflegten kaum am Sabbath so hartnäckig vor sich in die Ferne zu starren. Aber jetzt ist er immer so, er geht täglich int Städtchen umher, als hänge ihm der Himmel voller Geigen, trotzdenr er kein leichtes Brod istt, sondern ein stacheliges, schwarzes und bitteres. Und nranchmal duckt er sich zusaurmen, dast der Bart in sich zusaurmenfüllt und der Blick sich in die schmutzige Gasse senkt; wenn aber irgend ein halbwüchsiger Brrrsch in einem Winkel oder dunklen Hausflur versteckt, ihur „Jokton" nachruft, so richtet er sich unter seinem Kaftan empor, sein Gesicht wird wie von einem innerer! Licht überströmt, und der Blick seiner halbgeschlossenen gelblichen Augen streift weit in die Ferne über die Häuserdücher, ja sogar über das Synagogendach. Und doch ist diese Benennung ganz und gar kein ehrende, weist doch Jung und Alt, dast „Jokton" ganz einfach Hanswurst bedeutet. Er ist so eirrfältig stolz und sein ganzes Thun und Lassen ist unsinnig. Nicht selten trifft es sich, dast gleichzeitig mit obigem Worte eine Hand voll Sand, Schmutz oder ein scharfer Stein ihm an den Kopf slregt, ja sogar die Cliewra kadisdia, welche die Verstorbenen wäscht rrnd beerdigt, speit vor ihur aus, den Gemeindevorsteher gar nicht zu erwähnen. Und ihm zuckt und bebt nur der spitze Bart, und über sein Antlitz fährt es wie ein Blitz, im Uebrigen aber schreitet er unbekümurert seines Weges, mit feinem knorrigen Stecken aufschlagend, als wäre nicht er gemeint. Man sagt, dast er ehemals selbst der Cliewra kadisclui angehört und die Todten beerdigt haben soll. Aber dieser Verein hat ihn aus seiner Mitte ausgestosten. So erging es ihur auch bei der Cliewra sdiomre sdiabos, die Freitag Abends ihre Ausrufer aussendet, damit sie an die Pforten pochend, erinnern, die Sabbathlichter anzuzünden; bei der Cliewra talmndthora, welche arme Kinder ins „Cheder" schickt, und bei der Cliewra ner toniid, die Tag und Nacht die ewige Lampe in der Synagoge brennen läßt. Und all dies hat der Efraim Porter durch sein dummes Sterben veranlaßt. Ja, durch seinen dumnren, völlig gottlosen und sogar verfluchten Tod. Ter Schneider Efraim Porter war im Städtchen lange ansässig, und sein erworbenes Geld hinterlegte er bei Schleifmann. Anfangs waren es nur wenige polnische Gulden, bis es nach jahrelanger Entbehrung und Arbeit die Höhe von tausend und einigen hundert erreichte. Schleifmann verwendete dieses Kapital, kaufte

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