Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 32 (22.8.1890)
- Date
- 1890-08-22
- Page
- Seite 425 (sequence 9)
- Language
- German
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425 itc laßt, vas; das üch zuin auf das ß dieser in er cs tcnthum Gobbo's a genug, f.hristenerst alle bewegen, as Geld ne reiche Jasvn'S, isser wodaß er vcr nicht ser zwei lierdings it Küm- Rädchcn, auf die;tbet, der dig aufirf, den ieße sich ylock mit n mußte (cn fein. Daß sic ble Geasgenosse Schande er hätte, Dukaten in Noth Christen igen und achher in ülerdings für sein leich und nildcrnde r Dichter e Tochter :den, a»s i". Nur i vielleicht me eigen; verleiht, lsten vor. nenzo zu und den ir können tzroselytin nicht allzu streng beurthcilt, und wenn er diese Milde ans der Wirk-! lichkcit auch auf die Litteratur übertrügt. - Jessica sei keine „ruchlose Kreatur", behauptet er gegen Bnlthaupt;! es war eben zu langweilig in dem ehrbaren Hause Shylocks, und! vas Gold und die Juwelen, die sie mitnahm, betrachtete sie als das; mütterliche Erbe. In einem Punkte freilich mag Schwalb Recht j haben. Tubal, der von Genua kommt, erzählt: Einer zeigte mir! einen Ring, den ihm Eure Tochter für einen Affen gab, und Shylock j sagt: „Du marterst mich, Tubal; es war mein Türkis; ich bekam ihn von Lea, als ich noch Junggeselle war; ich hätte ihn nicht für einen Wald von Affen weggegeben." Hier steht nirgendswo, daß Jessica Viesen Brautring verkauft habe. Nur die rege Phantasie des Shylock, dem dies Andenken an seine Frau besonders thener war, läßt ihn befürchten, daß sic gerade diesen Ring verkauft hat. Besonders sucht Schwalb den Shylock in ein besseres Licht zu rücken. Es besteht kein Zweifel, daß Shylock, als er den Schuldschein 'orderte und Antonio ihn unterschrieb, nicht im Entferntesten daran vcnkcn konnte, daß jemals wirklich Antonio in feine Hand fallen werde. ES war dem Shylock damals schon genug, daß Antonio eine doch immerhin nicht ganz ehrenvolle Bedingung unterschrieben hatte. Dann aber kam die Entführung seiner Tochter, seine Beraubung, kür die, wie Heine meint, Lorcnzo, nach dem preußischen Landrecht,;n fünfzehn Jahren Zuchthaus verurthcilt worden wäre, der Hohn, mit Dem die Freunde des Antonio den der Tochter und des Geldes Beraubten überschütten, er hat Rache geschworen, er ruft der Porzia;n, die ihm das Dreifache der Schuldsumme anbietct: ein Eid, ein Eid, ich habe einen Eid im Himmel, soll ich auf meine Seele Meingid laden; erst die Komplikation vieler Verhältnisse schafft in ihm jene verbrecherische Absicht, die ursprünglich nicht vorbandcn war. Wir möchten noch dies hinzufügen: Shylock ist ein Wucherer, aber er ist sich der Unwürdigkeit seines geschäftlichen Gebahrens nicht bewußt: er beruft sich auf Jakob, der den Laban überlistet hat aus Rothwchr, denn Jakob sagt dem Laban ins Gesicht, daß er ihm seinen Lohn zehn Mal geändert hat. Freilich hat die Schrift später dem Jakob einen andern Weg gewiesen, als er ans Geheiß vcr Gottheit den Namen Jakob der Listige aufgab und den Namen Israel annahm. Indes; in einem solchen Zustand der Nothwehr befand sich Shylock, befand sich die ganze Judenheit im Mittelalter, und Antonio widerlegt ihn nicht, wenn er ihm vorwirft: Der Teufel kann sich auf die Schrift berufen. Kann sich Antonio, der den Juden schmäht, ihm ins Gesicht speit, ihn mit Füßen tritt, auf das Wort der Schrift berufen: „Bon deinem Bruder darfst du keinen Zins nehmen," benimmt sich Antonio nicht fremd und feindlich gegen ihn? Es ist nicht wahrscheinlich, das; Shylock von Tubal Zinsen genommen hätte; also nicht die Habgier ist die Triebfeder, sondern die Rechtlosigkeit, die Fremdheit, unter der der Jude leidet, laßt ihm den Wucher als einen erlaubte» Erwerb erscheinen. Seine Rache ist die Empfindung des Wurmes, der sich, aufbäumt, wenn er getreten wird. Er nennt auch die Christen seine Lehrmeister in der Rache, „die Bosheit, die Ihr mich lehrt, will ich nusübcn". Einzig und allein durch die Charakteristik des Shylock ist der Kaufmann von Venedig noch auf der modernen Bühne lebensfähig; wenn auch Shakespeare den Vorurtheilen des Volkes einen Köder hingeworfen hat, so hat es doch der Dichter so eingerichtet, daß das ganze Weh des jüdischen Stammes in Shylock zum Ausdruck kommt. U Eine LUnderbibel). Den geschichtlichen Inhalt der heiligen Schrift der Jugend zu erzählen und den sittlichen Gehalt dieser Erzählungen dem Geist und Gemüth des Kindes näher zu bringen, ist eine Aufgabe, deren Lösung in diesem Jahrhundert in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen unendlich oft versucht worden ist. Aber gerade die Häufigkeit dieser Versuche beweist, daß Mustergültiges auf diesem Gebiete noch nicht geleistet ist; freilich wird auch dadurch bewiesen, daß es nicht gut angeht, die deutsche Bibel selbst als Schulbuch zu benutzen, wenigstens wird dies erst für die hohem Stufen des Unterrichts möglich sein. Weil die heilige Schrift das Grundbuch auch für die Reifsten und Weisesten ist, muß sie naturgemäß Vieles enthalten, was für Kinder ungeeignet ist. Nahezu jedes Jahr bescheert uns einige neue Bearbeitungen der biblischen Geschichte für jüdische Schulen. So schwer es ist, etwas wirklich Gutes auf diesem Gebiete zu leisten, so leicht ist cs, etwas Mittelmäßiges zu Staude zu bringen. Da mit Recht für eine biblische Geschichte die Forderung erhoben wird, das; auch der biblische Ton beibehalten wird, so glauben sich die Herren der Mühe überhobcn, an der Darstellung der Heiligen Schrift Wesentliches zu ändern; sic streichen hier und da ein Paar Verse weg, lassen im klebrigen das Meiste unberührt, und was sie dann als ihre eigene Arbeit heransgcben, kann zuguterletzt noch nicht einmal ganz schlecht sein, da sie ja das biblische Wort meist bcibehalten haben. Es ist ungefähr ein ähnliches Verhältnis;, wie bei den zahlreichen Authologieen deutscher Dichtung, die schlechtesten und völlig systemlosen werden wegen des Stoffes, ans welchem die Auswahl getroffen ist, immerhin noch einen Werth haben. Aber für einen erfahrenen und taktvollen Pädagogen ist cs eine bedeutende und dankbare Aufgabe, eine Kinderbibel zu schreiben, und viele jüdische Religionslehrer in Deutschland werden Herrn Dr. Badt's unter diesem Titel erschienenes Büchlein mit Freude begrüßen. Es gehört ein auSgcbildctcr pädagogischer Takt dazu, um von der biblischen Erzählung das für die Jugend Minderwichtige auszuscheiden, um die Geschichten, welche für die Bildung des sittlichen Gefühls besonders werthvoll sind, hcrvorznhcben, um den Kopf der Jugend nicht mit leeren Namen zu füllen. Nicht Geschichtskunde, sondern sittlich-religiöse Erziehung ist der Zweck des Unterrichts in der biblischen Geschichte, und geschichtliche Daten ohne moralische Tendenz diirfcn keinen Platz haben in der Kinderbibel. Nur wenige Bücher dieser Gattung werden bestehen, wenn wir sie nach diesem Maßstabe prüfen; die meisten Autoren haben gedankenlos nachgeschricben, was in der Bibel steht, und wenn sie hin und wieder einmal ein Stück wcglassen, so geschah es wahrscheinlich nur in der Absicht, damit ihr Buch nicht zu — dick werde. Auch die Erzählungswcise ist in vielen dieser Bücher miserabel und darauf eingerichtet, das natürliche Sprachgefühl junger deutscher Kinder zu ruinircn. Gewiß soll die unübertroffene biblische Ausdrucksweise möglichst beibehalten werden, aber dieses Postulat hat seine Grenze, der Stil darf nicht undeutsch werden. Es ist natürlich nicht Jedermanns Sache, zwei ziemlich heterogene Dinge mit einander zu verbinden und, ohne den deutschen Sprachgenius zu verletzen, den biblischen Ton beizubehalten. — Die „biblischen Geschichten" enthalten ferner als Anhang oder als Anmerkungen zu den einzelnen Stücken noch moralisch-religiöse Betrachtungen, Auch diese sind gewöhnlich mehr wohlgemeint als wohldurchdacht; sic haben den h Kinderbibel, biblische Erzählungen für die israelitische Jugend in Schule und Haus von Dr. B. Badt, Oberlehrer am Johannesgymnasium, Breslau, Köbner, und: Erläuterungen, Anhang zur Kinderbibel.