Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 32 (22.8.1890)
- Date
- 1890-08-22
- Page
- Seite 419 (sequence 3)
- Language
- German
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419 irfsiun z» jigteu am alt, wmn ich Nutzen awenduug geändert, Konkrete, >igt eine-:' ie Sünde a§ Sünde um sagen traut aber e, da ihr» ahm, das :de tonnte e Predigt üluauilos. zegebeuei» :» gehört, i, was er ich diesem t werden, hren, den ^cistunge» : u. s. w, len Hörer rn, seinen childeruug Predig! .cdig er-: tiern, aber weder ein r Dienst, retheiligen Predigten ird, über üfen, wie : nur alb vie er sieb en würde, eiuprügen daß jeder ndrnck bi-:- wird bc . tritt vor »tritt. In indern im war, desto d Treiben geschehen, en Erfolg r in einer vöhnlichen ürlich sich zutreffend, das Leben Gebiete», Mächtiger wirkt die Rede über den Abraham »nd Josna der Gegenwart als über den vor 4000 Jahren. Es ist zweifellos, das; die Moral nicht das ausschließliche Gebiet der Predigt ist, aber nirgends kann das Sittengesetz so gut wie auf der Kanzel gelehrt werden, und nirgends kann es so wirkungsvoll geschehen. Es giebt freilich noch sehr viel Anderes, das einen geeigneten Inhalt der Predigten ausmacht, aber im Allgemeinen wäre doch noch etwas zu bemerken. Es ist Stil, einen Text — möglichst aus dem Wvchcnabschnitt — zu Grunde zu legen. Weshalb gerade der zufällige Wochenabschnitt bevorzugt wird, wenn anderswo ein besserer zu finden ist, weis; ich nicht. Aber die Wahl einer bestimmten Textstellc überhaupt scheint mir von zweifelhaftem Werthe. Sie zwingt dem Redner eine Disposition auf, welche sonst vielleicht nicht gewählt worden wäre; sie nöthigt ihn, den konkreten Text zu verallgemeinern, vielleicht ihn ganz zu verwischen, Ganz gewiß nms; eine Predigt einen oder einige wenige leitende Gedanken haben. Ist cs aber uothwcndig, um diesen oder diese Gedanken auszudrücke», sich an den Ausdruck der Bibel, der Propheten oder der Erklärer anzuklammern? Ten alterthümlichen Hauch kann man den Predigten durch Citate lassen, aber weshalb sollen die Gedanken nicht in ihrem neuen Gewände erscheine», wenn wirklich eine Frage neue Seiten erhalten hat? Gesetzt den Fall, ein Prediger wollte die schwierige Frage des Verhaltens der Juden zu ihren Mitbürgern, nachdem die ersteren die Gleichberechtigung erhalten haben, erörtern, ist es wirklich zweckmäßig, aus der Bibel oder aus den Schriften des Mittelalters Stellen als Text zu entlehnen? Ist der Auszug aus Aegypten eine geringere Befreiung als die Judenemanzipatiou unserer Tage? Sind wir in tausenden von Jahre» gar nicht fortgeschritten? Die gewöhnliche Kürze der Textstcllcn nöthigt den Redner, am Worte zu modeln, hinein zu interpretiren und — man verzeihe den Allsdruck — hier und da ivohl auch den Sinn zu verdrehen. Statt dieses Stabes, auf welchen sich so viele Prediger stützen, könnten die kraftvollen Bibelstellen weit besser benutzt werden, um gelegentlich den Gedanken durch deren Anrufung einen lapidaren, darf ich so sagen: geweihten Ausdruck zu geben. Häufig dachte ich mir, weshalb liest der Prediger nicht die ganze rmübertreffliche Schilderung aus der Bibel vor, statt eines abgerissenen Satzes aus derselben, den er durch eigene Zuthaten ausfüllt? In den Predigten könnte weit mehr, als cs geschieht, der ganzen Bibel oder ganzer Theile oder Episoden oder Idyllen aus der Bibel gedacht iverden. Es tritt dann leichter ihre Schönheit hervor, als durch nüchterne Erklärung eines Satzes, der bis zur Ermüdung immer wiederholt wird und gerade dadurch die beabsichtigte Wirkung verfehlt, dem Hörer sich einzuprügcn. Möchten die angehenden Prediger doch den Versuch machen, ihre Freunde viernndzlvanzig Stunden nach der Predigt zu fragen, was deren Inhalt war. Ergiebt sich, das; diese den leitenden Gedanken nicht angebcn können, dann ist der Beweis geliefert, daß die Predigt in den Wind gesprochen war. Weshalb wird nicht hier und da einer von den ergreifenden, unübertrefflichen Psalmen statt der kautologischen Gebete vorgetragen? Unsere Zeit ist recht wenig geeignet, tief empfundene Kirchengebete hervorzubringen. Eindrucksvoll zu sprechen, ist eine schwere Kunst, die ihre bestimmten Regeln hat, welche nicht ausschließlich der Kanzelberedtsainkeit eigenthümlich sind, wenngleich für diese noch Besonderheiten vorhanden sind. Manche Prediger mögen der Ansicht sein, das; sie nur aus ihrem Wissensschatz und nach den Impulsen ihrer Begeisterung z» reden haben. Dies ist ein Jrrthum. Es hat bereits bedeutende Redner gegeben, von denen man lernen kann, und es braucht nicht Jeder von vorn anzufangen. Welche ausgezeichneten Muster bietet z. B. die Kanzelberedtsainkeit zur Zeit Ludwigs XIV. von Frankreich! I i I Nebenbei berührt sei endlich etwas Aeußerliches, aber keineswegs Nebensächliches. Es ist klar, daß auch die gediegenste Predigt ohne Wirkung vgrhallt, wenn mau sie nicht genügend deutlich hört. Aber damit allein ist es nicht gethan; die Schulung der Stimme ist erforderlich, um die Alifmerksamkeit z>i fesseln. Die rechtzeitige Anwendung des Pathos ist sehr schwierig. Wer Alles betont, von Anfang an sich überbictet, ermüdet den Hörer ebenso sehr wie der, welcher zu Anfang so leise spricht, daß die Aufmerksamkeit erlahmt. Der salbungsvolle und der weinerliche Ton sind aus die Dauer schwer zu ertragen. Alle Künste der Rhetorik sind, wenn behutsam und an rechter Stelle benutzt, sehr wohl angebracht, denn sie dienen dem Zwecke, Eindruck auf die Gemüther zu machen; sobald sic aber im Ucbermaß angewcndet iverden, sind sie störend. Sehr wichtig ist der richtige Gebrauch der Gesten, insbesondere der Bewegungen der Arme. Dein deutschen Geschmacke entspricht eine ruhige Körperhaltung auf der Kanzel; schon durch beit gemessenen Gang zur Kanzel und die gefestigte Haltung auf derselben kehrt Ruhe und Sammlung in die Gemeinde ein. Da die Blicke Aller sich auf den Redner heften, so wird, wenn er unruhig sich hin und herbewegt, auch die Zuhörerschaft unruhig. Diese Erscheinung beobachtet man in den Schulen, je nachdem der Lehrer geschäftig hin und hergeht oder stillsteht. Die Beweglnigen des Kanzelredners, ivenn er seinen Körper der Gemeind: zuncigt oder sich gerade aufrichtet, können den Eindruck seiner Worte verstärken. Die Bewegungen des einen Armes oder gelegentlich beider Arme geben dem ausgesprochenen Gedanken einen drastischen Ausdruck. Wer in der Anwendung dieser Mittel sehr geschickt ist, kann die Bewegung dem Ausdrucke der Gedanken dann vorhergehen lassen, wenn die (beste den Hörer zwingt, auf dasjenige aufmerksam zu werden, was die Worte sogleich erläutern sollen. Ter Gebrauch der Arme will gelernt sein; weder sollen sie unterschlagen auf dem Betpult zur Stütze des Predigers dienen, da man in solcher Stellung nicht zu spreche» pflegt, noch sollen sie krampfhaft das Pult festhalten, als wäre der Prediger mit demselben verwachsen, noch sollen sie dauernd schlaff herabhüngen, als wären sie nicht auzuwenden. Andererseits dürfen sie nicht zu häufig bald rechts bald links emporgestreckt werden, und — von Ausnahme» abgesehen, wo ein mächtiger Eindruck erzielt iverden soll — nicht plötzliche und schnelle Betveguugen zeige», vielmehr langsam sich heben und senken. Was unter allen Ilmständen räthlich erscheint, ist, das; der Redner vermeide, die Gemeinde zu uöthigen, alle die kleinen menschlichen Schtvächcn wahrzuuehmen, welche der Redner mit allen oder vielen Menschen theilt. Das Ordnen und Aubequemen der Kleidung, das Putzen der Brillen, das Ordnen der Notizen oder der Handschrift der Predigt u. dgl. m. wird besser vor dem Besteigen der Rednertribüne besorgt. Der entscheidende Grund gegen alle diese Kleinigkeiten ist, daß sie die Gemeinde zur Beachtung der Person des Redners zwingen, während diese allein zur Aufmerksamkeit auf die Rede selbst gefesselt werden soll. O Da? Leben der orientalischen Juden im 8., 9 und 10. Jahrhundert. Von Dr. Joöt Müller. (Schluß.) Das Verbot, Gegenstände zu kaufen, von denen inan vermuthen könnte, daß sie gestohlen wären, ist streng aufrecht gehalten, und derjenige, der es Übertritt, wird von dem Volke selbst als Dieb betrachtet.') Das Rechtsbewußtsein kommt in den Anfragen ebenso wie in den Responsen vielfach zum Ausdruck. R hat von S Geld ') Seite 18 der „Einleitung in die Responsen der babylonischen Geonen" von Dr. I. Müller.