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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-15 · Heft 31 (15.8.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 31 (15.8.1890)
Date
1890-08-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Schüssel darauf hin, daß der Bestattete ein Levi war. Zum Theil von den hoch ragenden Giebeln dicht angrenzender Häuser umschlossen, athmet der Kirchhof, trotzdem er mitten in der geräuschvollen Stadt liegt, weltabgeschiedenen Frieden. Selten, daß ein Wanderer diesen Frieden stört " Berlin, 13. August. Die „Vlks.-Ztg." hat Einsicht in die ärztlichen Zeugnisse über den Geisteszustand des Herrn Dr.Morris de Jon ge genommen und referirt darüber wie folgt: „Es sind ihrer drei, alle von berufenen Irrenärzten ausgefertigt. Das erste ist ausgestellt vom Prof. Mendel, der auf Grund der ihm vorgelegten, von Herrn Morris de Jonge eigenhändig verfaßten Schriftstücke, soweit ein Urtheil ohne persönliche Untersuchung des Patienten, der nicht vor ihm hat erscheinen wollen, zulässig ist, Irrsinn, und zwar gemeingefährlichen > Irrsinn als vorhanden feststellt. Das zweite rührt von Dr. Auerbach! in Kölii a. Nh. her, früher langjährigem Assistenzärzte an der märkischen ' Provinzial Irrenanstalt zu Eberswalde, der nach genauer Beobachtung! des Patienten in einem ausführlichen Gutachten Größen- und Verfolgungswahn bezeugt. Das dritte endlich besteht in brieflichen Aeußerungen des Dr. Jastrowitz, dirigirendeu Arztes der Maison de sante in Schöneberg, der nach achtmonatigem Aufenthalte des Herrn Morris de Jonge in dieser Anstalt denselben noch nicht für geheilt erj klärt. Neben diesen ärztlichen Zeugnissen sind uns Briefe des mehr- - genannten Herrn vorgelegt worden, welche and) für Laien die geistige! Erkrankung desselben außer Frage stellen. Selbst wenn alles das wahr wäre, was Herr Morris de Jonge seiner Familie vorwirft, so würden diese Briese dennoch moralische Scheußlichkeiten der unglaublichsten Art enthalten, moralische Scheußlichkeiten so unglaublicher Art, daß sie die Annahme einer geistigen Erkrankung zu einer Wohlthat für ihren Verfasser machen, freilich diese Annahme auch zu einer unanfechtbaren Gewißheit erheben. Aus diesen Schriftstücken bricht unverkennbar namentlich auch ein hochgradiger religiöser Wahn hervor." Hierauf entgegnet Herr Morris de Jonge in einer Zuschrift an die „Frankfllrter Zeitung", welche Obiges abgedruckt hatte: „1. Es ist unwahr, daß ich vor Herrn Professor Mendel oder überhaupt irgend einer anderen psychiatrischen Autorität nicht habe erscheinen wollen — vielmehr habe ich wiederholt den Wunsch geäußert, von einer oder mehreren psychiatrischen Autoritäten unterricht zu werden, doch ist dieser Wunsch nicht erfüllt worden. 2. Es ist unwahr, daß mich der Dr. Benjamin Auerbach ,,genau beobachtet" habe, vielmehr habe ich diesen Herrn überhaupt im April 1889 zum letzten Male gesehen. 3. Es ist unwahr, daß Dr. Jastrowitz mich in brieflichen Aeußerungen für geisteskrank oder gar irrsinnig erklärt hat. Hat derselbe bei meiner Entlassung die Erklärung abgegeben, ich sei „noch nicht geheilt", so kann sich dieselbe nur auf eine gewisse nervöse Angegriffenheit beziehen, die mich im Mai befiel, die allerdings Ende Juni noch nicht völlig geschwunden war." Diese s „Berichtigung" scheint uns geeignet, die obige Erklärung der „Vlks.-Ztg." I zu bestätigen.! s. Magdeburg, 11. August. Ein erfreuliches Bild regen Gemeindelebens bietet uns der soeben veröffentlichte Verw altun gsb ericht des V o r st a n d e s der hiesigen S y n a g o g e n - G e m e i n d e. Es ist das erste Mal, daß der genannte Vorstand es unternimmt, den Mitgliedern der Gemeinde durch einen gedruckten Bericht Kenntniß von Verhältnissen und den einzelnen Institutionen des Gemeindewesens zu geben, und diesem Umstande verdanken wir als erfreuliche Beigabe eine von dem verdienstvollen Sekretär der Synagogen - Gemeinde, Herrn M. Spanier, verfaßte Skizze über die Entstehung und Entwicklung der Gemeinde. Wir wollen an dieser Stelle den Lesern die pietätvollen Worte mittheilen, mit welchen der Bericht des Begründers dieses Blattes gedenkt, welcher bekanntlich fast drei Jahrzehnte als Rabbiner unserer Gemeinde fungirte. lieber ihn heißt es: „Da nach dem Dekret vom 15. Mürz 1809 für vorgeschriebene gottesdienstliche Reden und Vorträge nicht genügend gesorgt war, beschlossen die Aeltesten unter fast einstimmiger Zustimmung der Gemeinde und unter Bestätigung der königlichen Negierung vom 10. Januar 1834 den Dr. Ludwig Philippson (geboren zu Dessau 1811) zum Abhalten der gottesdienstlichen Vorträge und zur Einrichtung einer regelmäßig organisirten Religionsschule anzustellen. Nachdem Dezember 1839 der Rabbiner Salomon verstorben, wurden dem Dr. Philippson die rabbinischen Funktionen übertragen, wozu dieser das erforderliche Rabbinerdiplom von dem Landrabbiner des Herzogthums Westfalen und der Herrschaft Wittgenstein, Friedländer in Brilon, sich erworben hatte. Die hervorragende Bedeutung Philippson's in seiner allgemeinen Wirksamkeit, die stets mit der größten Uneigennützigkeit verbunden war, wie ein von hervorragenden hiesigen Gemeindemitgliedern unterzeichnetes Einladungsschreiben zur Feier des 25 jährigen Jubiläums des Herrn Dr. Philippson mit Recht hervorhebt, muß in der Geschichte des Judenthums gebührend gewürdigt werden. Hier interessirt uns ganz besonders die Thatsache, daß es Philippson's Bemühungen gelang, die erste wohlorganisirte jüdische Religionsschule ins Leben zu rufen. Durch Reskrrpt der königlichen Regierung vom 10. Januar 1834 wurde die Genehmigung zur Errichtung einer Religionsschule ertheilt und 2. Februar 1834 wurde sie feierlichst eröffnet. Die Schulkommission bestand aus dem Stadtverordneten G. S. Spir, dem stellvertretenden Rabbiner Salomon, Sprachlehrer I. Allier. Kaufmann M. S. Nathan und I. Arnstädt. Das erste, wenn auch vorläufig nur provisorische Lokal der Religionsschule befand sich Kuhstraße 28 (jetzt Berlinerstr.) 1 Treppe hoch. Dr. Philippson's segensreiche Wirksamkeit in hiesiger Gemeinde währte bis 1862; er lebte als Emeritus in Bonn, woselbst er am 29. Dezember 1889 im 79. Lebensjahre verschied." Der historischen Skizze folgt eine Uebersicht der Ein.- nahmen und Ausgaben der Synagogen - Gemeinde in den fünf verschiedellen Jahren 1852, 1856, 1866, 1877 und 1889. Diese gewährt ein anschauliches Bild ständigen Fortschreitend So zählte 1852 die Gemeinde 183 beitragende Mitglieder mit einem Steuerbetrage von 2345 Thalern, 1889 deren 623 mit 19,122 Mark Beiträgen; die Gehälter betrugen 1852 1,676 Thaler, während sie im vorigen Jahre die stattlicke Höhe von 14,400 Mark erreicht haben. Die Religionsschule, in welcher Unterricht unentgeltlich ertheilt wird, zählt 166 Schüler in 5 Klassen. Auch die Wohlthätigkeitspflege steht, wie das Vorhandensein von 8 Vereinen und 21 tnilben Siftungen beweist, in hoher Blüthe. £2 Emden, 8. August. An: 26. und 27. August wird hier, wie alljährlich, die Konferenz des Vereins der israelitischen Lehrer und Kultusbeamten des Landrabbiuatsbezirks statthaben. Die Tagesordnung ist eine sehr reichhaltige. Zunächst wird unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Buchholz über „Die geschichtliche Entwickelung des Jugendunterrichts nach Bibel und Talmud" ein Referat halten. Sodann werden die Herren Lehrer Selig und Apt verschiedene Lehrbücher, so dir 31. Auflage von Herxheimers Religionslehrbüchlein, die Rechenbücher von Krancke, Heuer-Magnus und Backhaus, einige hebräische Lesefibeln und Badt's Kinderbibel besprechen. Der Vorsitzende des Vereins, Hauptlehrer Le vH-Norden, wird eine Lehrprobe sowie ein Referat über dciv Thema: „Wie ist ein poetisches Lesestück schulgemäß zu behandeln?' abhalten. Schließlich steht nod) die Vorstandswahl auf dem Programni. Als besonders erfreulich wollen wir bei dieser Tagesordnung hervorheben, daß der Verein im Gegensatz zu der überwiegenden Mehrheit der gleichartigen Körperschaften sich nicht auf die rein konfessionellen Fragen beschränkt, sondern auch pädagogische Fragen allgemeiner Art zum Gegenstände seiner Besprechung macht. X Cassel, 10. August. Ueber die Jahresversammlung der hessischen Lehrerkouferenz, welche am 7. Juli hier stattgefunden hat, ist in Nr. 27 der „Allg. Ztg. d. Judenth." schon berichtet worden. Es sei heute gestattet, den damaligen Bericht durch Mittheilung noch einiger Einzelheiten 311 ergänzen. Die Thesen, welche Herr Amram-Borken seinem Vorträge „Ueber den ethischen Inhalt der jüdischen Gebete" zu Grunde legte, lauten folgendermaßen: 1. Die Gebete der Israeliten sind ihrem Inhalte nach ganz den ethischen Grundsätzen der heiligen Schrift und ben Morallehren aller Kulturvölker entsprechend. 2. Die Gebete der Israeliten haben einen großen erziehlichen Werth für den Betenden, indem sie zu innerer Heiligung führen. 3. Die Gebete der Israeliten unterstützen und fördern den Religionsunterricht und die religiöse Erziehung durch die Schule, deshalb muß die Schule deren Verständniß ganz besonders pflegen. Die nächste Jahresversammlung soll in Fulda stattfinden. Bei der Auswahl eines Referates sprach Herr Geheimrath Dr. Kristeller den Wunsch aus, die israelitischen Lehrerkonferenzen Deutschlands möcht en sich wegen der anfzustellenden "Referate untereinander verständigen. Auf diese Weise lasse sich ein wahres Bild von den Bestrebungen der Lehrerwelt erzielen. Herr Plaut-Grebenstein übernahm das Referat, Herr Levi-Hofgeismar das Korreferat über: „Die soziale Stellung der israelitischen Lehrer in Hessen und die sozialen Aufgaben, die ihnen obliegen". Der Ausschuß bleibt auf Antrag des Herrn Heiser-Niedenstein in seiner jetzigen Zusammensetzung auch für's nächste Vereinsjahr. Das gemeinschaftliche Mahl, an dem sich auch eine größere Anzahl von Damen betheiligte, wurde im Palais- Restaurant eingenomme'. Die gehobene Stimmung, welche während der ganzen Dauer der Versammlung vorgeherrscht hatte, setzte sich auch hier sw Herr 3 Herrn dieser c die Gä auf de das Tt frohen n. gelegen, gemeit begrub flehen gemäß, der Eru auch Nl und La buchste legung ,7mge sdriedho mißglüc iure Lö der Ger 3 tuet L auf (an, dae an äußern, lastbark ^alamit ckemein' erwachst mcht lc n:r An cknebr rrouitbli das erf wahrend legung □ welche \ in Hesse ist den . falls: < liberale! stimme der anti in Darn der libei Eemeind ckegner X < diel fach 49 ü r 11 nur in £ am s sieht, llorrespl eerhältu Neffen \\ wförder!ldvokat UMirtten ne ein einer zr elbe wi nerden, ollen m iUe Po;

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