Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 31 (15.8.1890)
- Date
- 1890-08-15
- Page
- Seite 415 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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415 mgsamer, Gestalten iten auf. tx Handeln. fein Herz rchdringt jte längs vielleicht xetrachtet, ke, dessen fühlt er gräßlich :! Sein glühende nlich der i. Nachn, ohne ie beide» iten dem »getreten zuckt sein gestorben scheinung »etrachtet, zu sehen, n sträribi - ist nur ieberxxdcs erreichen, d bis zu io kriecht erreicht rheil des e er ans heftigen lang ahnte nach üchtlings astet die nsterniß! i> auf — : sich die geheuren - Gefühl bei dem Garten! Lebexx! Sierra. ,ett. — r, deren Bergen, »ad — er ist gerettet! Wie athmet er sie tief ein, die gute, heilige Bist! Der Wind belebt ihn, seine Lungen dehnen sich weit aus! In seinem Herzen singt er den glühendsten Dankespsalm Davids! Und, um den Gott zu benedeien, der sich so barmherzig gegen ihn gezeigt, prellet er die Arme aus und erhebt seine Augen zum funkelnden Hirmamente!- Da glaubt er zu sehen, wie die Schatten seiner Arme sich zu ihm zurückwenden, er glaubt zu fühlen, wie diese Schattenarme ihn uinfangen, ihn umklammern — er suhlt sich zärtlich an eine Brust gepreßt! Eine hohe Gestalt steht in der That neben ihm — vernmietib wendet er den Blick auf diese Gestalt und — keucht. Sein Äick erstarrt vor jähem Entsetzen — sein Athem pfeift — Schaum tritt ihm vor die Lippen! — Schrecken und Graus! Er ist in den Armen des Großinquisitors, des ehrtvürdigcn Pedro Arbxxez d'Espila, welcher ihn mit thränendnnkten Blicken betrachtet, einem treuen Hirten gleich, der ein verirrtes Lamm wiederfindet. Der finstere Priester preßt den unglücklichen Juden mit solcher inbrünstigen Barmherzigkeit an sein Herz, daß das raue, härene t'iewand unter der Kutte die Brust des Dominikaners fast wund reibt. Und währeird der Rabbi Esra Abarbanell in den Armen des Asketen Don Arbuez vor Angst röchelt, begreift er dunkel, daß nile die Phasen des verhängnißvollen Abends, nichts Anderes waren, n!s eine fein angelegte und völlig gelungene höllische Marter, „die -.Harter der Hoffnung!" Der Großinquisitor aber flüstert ihm mit heißem, vom Fasten beiserm Athem, mit schmerzlichem Vorwurf und bestürztem Blick ins v hr: „Wie, mein Sohn, am Vorabend, vielleicht Deines Heils, willst Tn uns verlassen?! ..." U Die Mutter Giaeomo Meyerüeer'K. Von Dr. Ad. Kohut. Während so manche, dem jüdischen Stamm angehörige große Tondichter den Glauben ihrer Väter vcrleugneten — ich erinnere nur an Felix Mendelssohn-Bartholdy und Ignaz Moscheles - blieb Giaeomo Meyerbeer stets ein Jude, der es unter seiner Würde erachtete, äußerer Vortheile wegen oder etwa um eingewurzelten Vorurtheilen, die in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts noch viel ichärfer hervortraten wie heut zu Tage, zu begegnen, die Religion;u „changiren", wie man Handschuhe wechselt. Das jüdische Herz, tvelches er Zeit seines Lebens auch durch viele Thaten der Nächstenliebe und Barmherzigkeit bethätigte, hatte er von seiner Mutter geerbt, die eine der edelsten jüdischen Frauen Berlins war: voll echter und holder Weiblichkeit, Feingefühl und Anmuth. Sie sowohl wie ihr Gatte, der Banquier Jacob Herz Beer, geboren am 10. Juli 1769 in Frankfurt a. M., standen auf der Bildungsstufe der Zeit. Sie hatten sich eine humane Geistesbildung angeeignet, welche von Mendelssohn, Lessing, Herder und Schiller gepredigt wurde, und verstanden die Satzungen der Religion mit den Anforderungen des Zeitgeistes trefflich in Einklang zu bringen. ,''U dem Hause dieses Börsenfürstcn fanden sich nicht nur Staatspapiere, Gold und Silber und Alles, was Menschen Begehr, sondern auch die Werke der klassischen Dichter und Schriftsteller Deutschlands and aller Kulturstaaten. Der Vater Meyerbeer's war einer jener verstandesklaren Köpfe, welche zwar nicht selbst schöpferisch thätig sind, iedoch die wärmste Liebe für alles Gute, Große und Schöne in der Wissenschaft hegen. Die Werke unserer großen Dichter und der reisinnigen Denker bildeten seine Lieblingslektüre. Fleißig besuchte er Theater und Konzerte und versäumte nie die ersten Theater- und Konzert-Aufführungen. Die Mutter des Komponisten, Ainalie Beer, war ein wahrer Engel an Herzensgüte und Sanftmuth. Nicht blos ihre Glaubensgenossen, sondern alle Welt verehrte in ihr eine wahre isclio cliaschuwo, einen Genius der Nothleidenden und Unglücklichen. Sie war eine Urenkelin der Wolf Tausk in Wien und Tochter des reichen Licpmann Meyer Wulf, welcher der „Berliner Krösus" hieß. Mit einer seltenen Humanität vereinigte Amalie Beer auch hohe geistige Bildung und feines ästhetisches Empfinden. In ihren Salons verkehrten die hervorragenden Geister Berlins — wir nennen nur u. a. die Dichter: Karl Jmmermann und Ludwig Robert; die Musiker: B. A. Weber, Zelter, Lauska und Reichard; den Schauspieler Jfflaxxd; die Naturforscher Alexander von Humboldt und Trallcs u. a. in. Sie war kein sogen. Schöngeist und glänzte nicht durch brillante Einfälle und blendende Augen; sie hatte nichts an sich von der (getauften) Rahel Lewin, vcrheiratheten Varnhagen von Ense; sie war kein kokettirendes, haltloses „Kind" a In Bettina v. Arnim; produzirte nicht selbst, schrieb nicht einmal witzige Briefe, damit dieselben dann veröffentlicht würden, lebte jedoch ganz für Poesie und Musik und verehrte Dichter und Koinponisten mit Begeisterung. Ein schönes Kunstwerk vermochte sie in schwärmerische Begeisterung zu versetze», und für alle künstlerischen Interessen hatte sie stets offene Hand. Treu dem Glauben ihrer Väter, war sic eine fleißige Synagogenbesucherin. Unter den Dichtern war Klopstock ihr Lieblingspoet, und dieser Uinstand hat wohl ihren Sohn bewogen, schon in seinen Jünglingsjahren geistliche Lieder dieses Dichters in Musik zu setzen. Mit liebevollen, theilnehinciiden Augen verfolgte die Mutter vom Anfang seiner Laufbahn stets das Ringen und Schaffen ihres geliebten, genialen Sohnes. Seine Erfolge ließen sie hiinmelhochjaxichzen; bei seinen Mißerfolgen, naxncntlich im Anfang feiner Laufbahn, als er kaum die Knabenschuhe ausgezogen, war sie zu Tode betrübt. Bekanntlich ging der Stern Meyerbeer's zuerst in Italien auf, wohin er 1815 reiste, sich aus den Arxnen seiner Mutter losreißeud. Die großen Erfolge, welche er dort dxxrch seine italienischen Opern, wie: „8emiramide Riconosciuta“, „Mai’garita d’Anjou“, „Almanzor“, „La port de Brandenburg“ u. s. w. erzielte xxnd tvclchc die kühnsten Erwartungen übertrafen, versetzten die Mutter in selige Stixnmung. Wie Goethes Mutter die Ruhmesstaffel ihres großen Sohnes xnit sich immer mehr steigerndem Selbstgefühl verfolgte, so die Mutter Meyerbeer's die Triunxphe ihres Erstgeborenen. In nxütterlicher Fürsorge hatte sie sich axxch uxn eine Gattin für denselben xxxngethaxx; deshalb reiste sie 1825 nach Italien, uxn den Sohn nach der nordischen Heimath zurückzurufen. Sie kaxn eben zur rechten Zeit, um an dexx Siegen desselben Theil zu ixchxnen. Gerade daxnals wurde Meyerbccr wegen seiner Oper: „Kreuzritter in Egypten" von allen Klasseix der Gesellschaft gefeiert. Seine Reisen durch die Haxxptstüdte Italiens glichen Triuxnphzügen. Axxch Amalie Beer xvxxrde mit Blumen xxnd Lorbeerkränzen überschüttet und in Gedichten als die glücklichste der Mütter gepriesen. Der gefeierte Toxxdichter folgte sofort dein Rufe seiner Mutter. Er - begleitete sie nach Berlin xxnd dort Verlobte er sich mit der von Axnalie Beer Erkorenen, seiner Jugendsreundin xxxxd Cousine Minna Mossoxx. Diese Ehe wxxr die glücklichste, welche inan sich denken kaxxn. Seine Gemahlin schenkte ihxn fünf Kinder. Getrübt tvurde das Glück Meyerbeer's nur durch den Tod seines Vaters. 1827 zog er xnit seiner jungeix Frau nach Paris, wo er fortan eine ständige Wohnung beibehielt. Man weiß, daß in Paris zuvörderst die Opern: „Robert der Teufel" und „Die Hugenotten" entstanden, welche das größte Aufsehen