Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 31 (15.8.1890)
- Date
- 1890-08-15
- Page
- Seite 413 (sequence 9)
- Language
- German
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413 mgswerl enannteu )vth und assechtoth i, wie in voch der liebereingeognoher oder — seiner heinander es hinzuische An- Mischna eitet sein, ne in der )abe, das, e) in die e untreue Ordnung ich der in mschaulich Mfte der „Drei, die Tischgebet der Erster en ist, gees, welche in olivcn- , so wird LY „Das cm Verse:;§ gcmeiut der erste Speise ver- Abschnitt, guten" - so sagt er er dir geintes ttjiit. )her einen n hat" - stammt's, icn? Weit Lhora lind ickn hat", Lafeln von wegen des Da, wo es rein Gott, es dir gut, r Mischna. Auf den ie weiteren rg auf den en schließen nun etwas ganz Fremdartiges daran: „Wer ein Götzenbild sieht, dem göttliche Ehren erwiesen werden" (Mischna, Perek 9). Die Schwarzsche Ausgabe dagegen holt aus dem fünften Perek der bisherigen Tosifta (ed. Z. S. 12 Z. 20) hierher: Bedient Einer zwei (Speisende), so ißt er mit ihnen (sc. um die Dreizahl zu ermöglichen), bedient er drei, so bedarf er zum Mitessen ihrer Erlaubniß. Dieses entspricht dem Theile der Mischna, welcher über das Mitbeten des Dieners oder Aufwärters spricht. Hierauf läßt Schwarz in Rücklicht auf die Bestimmung, daß beim Tischgebete die Samaritaner als Glaubensgenossen zu behandeln seien, einen Abschnitt ebenfalls ans dem V. Perek folgen, der jedoch mit dem eben Gebrachten dort nicht qisammenhängt: „Alle sind zur Benediktion über die Speisen verpflichtet, Priester, Leviten, Israeliten, Proselyten, Freigelassene, Entiveihte (die durch ungesetzliche Verbindung der Eltern vom Priesterrange des Vaters Ausgeschlossene), „Tempelsklaven (Gibeoniten), Eunuchen u. s. f. bis „man untersucht nicht streng, ob ein Kleiner religiös mündig ist." Dieses Umstellen wird seinem Veranstalter sicherlich den Vorwurf eintragen, das; er gewaltsam verfahre und seine Ordnung eine willkürlich hergestellte sei. Er dürfte aber das ruhig hinnehmen. Denn Durcheinandergeworfenes kann eben nicht durch sanftes Rütteln ivieder an die rechte Stelle und in die gehörige Ordnung gebracht iverden. Den Nachweis hat die Umstellung vollauf erbracht: In der rosifta findet sich das vollständige Material, welches im Anschlüsse an die Mischna und in ihrer Reihenfolge die Erklärungen und Zusätze enthält, die den Ordnern der Mischna wohl bekannt, aber zur Ausnahme in ihr Werk nicht geeignet erschienen. Dabei haben die späteren Ordner manches entfernt, was ihre Vorgänger ausgenommen patten und umgekehrt. Dieses Material ist sodann in der Gcmara immer wieder zur Erhellung, wie zur Bekämpfung des in der Mischna Gelehrten verwerthet worden. In der Haupteinleitung erkennt Dr. Schwarz neidlos die Vervienste der früheren Arbeiten auf dem Gebiete der Tosifta an. Aber er war auch gezwungen, eine Hinrichtung zu vollziehen. Die Zeit der Psendepigraphen nämlich ist noch nicht ganz vorüber. Noch giebt cs hier und da edle Menschen, die sich selbst bestehlen und Anderen die Schätze ihres Geistes schenken. Da hat vor etwa Jahresfrist ein Herr Friedländer — er betitelt sich Rabbiner in Mülhausen i. E. — eine Tosifta edirt und durch unerbetene Zusendung unter Beilegung der Rechnung verbreitet. Dieser Herr bietet Lcseartcn aus einem spanischen Manuskripte, das aller Welt und auch ihm selbst spanisch vorkommt, da er in der Einleitung dieser kostbaren, bisher Niemand dekannt gewordenen Handschrift nicht einmal Erwähnung thut. Dchwarz zeigt kurz und drastisch nach, wie da ein Ignorant zugleich ein Fälscher ist! Neben wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit den Lehrmeinungen Geigers und Dr. Bloch's bringen die Einleitungen »»d der Kommentar des Dr. Schwarz eine Fülle von Anregendem und Belehrendem. Wie von dem gelehrten Herrn zu erwarten war, ist die Haltung des ganzen Werkes, trotz der halachischen Lehrweise, eine streng wissenschaftliche. Die Wort- und Sacherklärungen spielen beständig von dem talmudischen auf das allgemeine wissenschaftliche Gebiet hinüber. Zu bedauern ist, daß die Geschichte der Tosifta diabent sua fata libella) für den Schluß des ganzen Kommentars mifgespart ist. Die vorliegende Skizzirung derselben nracht auf die Ausführung begierig. Denn verheißen wird die Schilderung der Ursachen, welche die Durcheinanderrüttelung der verschiedenen Sammlungen bewirkt haben, eine Darstellung der Beziehungen der Tosifta zu beiden Talmuden, wie viele Boraithas z. B. die erstgenannte enthält, welche in beiden Gemaras Vorkommen, oder welche nur in einer derselben wiedergefunden werden. Dadurch soll nachgezeigt werden, was von dem Inhalte den Amorüern Babyloniens bezw. Palästinas unbekannt geblieben war. Ja selbst das glaubt der Verfasser versprechen zu dürfen, daß er die Boraithas nach ihrer Herkunft aus den Sammlungen R. Chijas oder seiner Zeitgenossen wird sondern können. So wird selbst, wer mit dem Grundgedanken dieses Werkes nicht einverstanden ist, cs nicht ans der Hand legen, ohne vielseitige Anregung empfangen zu haben. In die Kreise des einseitigen Talmudstudiums bürgert es die wissenschaftliche Forschungsweise ein, den Männern der modernen Wissenschaft erweckt und belebt cs die Verehrung und die Liebe zu dem Inhalte und zu der Methode der rabbinischen Forschung. Deshalb rufen wir dem Verfasser zu: Was Du begonnen hast, ist ein gottgeweihtes Werk (ITI2CÜ) so vollend' es auch! +~#>m Feuilleton. Hie Marter der Hoffnung. Frei aus dem Französischen von F. Saphra. Pedro Arbuez d'Espila, der sechste Prior der Dominikaner von Segovia, der dritte Großinquisitor von Spanien, steigt beim Anbruch des Abends in die unterirdischen Gewölbe des Juquisitionsgebäudes hinab. Zwei dienende Brüder des Tribunals schreiten ihm mit Laternen voran, ihm folgt ein IVa redemptor (Marterbruder). Zu einem versteckten Verließ führt ihr Weg. Das Schloß an der Thür kreischt — eine verpestete Luft schlügt ihnen entgegen. In dem Verließe steht, mit Ringen an die Wand gekettet, eine Folterbank von Blut geschwärzt; ein Kohlenbecken und ein Wasserkrug bilden die weitere ''Ausstattung. Auf einem Lager von verfaultem und kothigem Stroh sitzt eine in Lumpen gehüllte, abgezehrte Menschengestalt. Schwere Ketten fesseln sic au Händen, Füßen und am Halse. Der Gefangene ist kein Anderer als Rabbi Esra Abarbanell, welcher schon länger als ein Jahr täglich der Marter unterworfen wird. Aber seine Verstocktheit ist ebenso zähe wie sein Leben — er will feinen Glauben nicht abschwören. Wie Alle, welche des Namens „Jude" würdig sind, ist er stolz auf seinen inehrtansendjährigcu Stammbauin, stolz auf die Reinheit seines Blutes. Sein Ahn war Othniel, der erste Richter über Israel, und dieses stolze Bewußtsein hält seinen Math auch bei den grausamsten Martern aufrecht. Mit thränenden Augen, ob dieser so festen, für ihr ewiges Heil so blinden Seele, nähert sich der Großinquisitor dem erschauernden Rabbi und spricht diese Worte: „Mein Sohn, freue Dich, Deine Prüfungen hienieden gehn zu Ende. Ganz gewiß; mein brüderliches Besscrungswerk, welches, obgleich Dich beklagend, bei Deiner unüberwindlichen Hartnäckigkeit so harte Mittel anwenden mußte, hört nun auf! Du bist ein dem Dorren verfallener Feigenbaum, da keine Frucht von Dir zu erhoffen ist. Gott möge sich Deiner Seele erbarmen! Vielleicht wird Dir des Unendlichen Güte im letzten Augenblick erstrahlen. Wir dürfen es noch hoffen, denn wir haben Beispiele. — Nun, sei cs so! Ruhe heute Abend in Frieden. Morgen lvirst Du an dein Auto da lc theilnehmen, morgen wirst Dn dem Holzstoße der Feriergluth, der Vorstufe des Fegefeuers überliefert! Du weißt es, mein Sohn, die Gluth wird Dich nur allmülig verzehren, und der Tod wird, Dank den nassen Tüchern, welche wir sorglich auf Stirn und Herz des Brandopfers legen, erst nach zwei, vielleicht nach drei Stunden eintreten. Ihr werdet nur dreiundvierzig sein! Wisse noch, daß Du, in