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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-15 · Heft 31 (15.8.1890) · p. Seite 412

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 31 (15.8.1890)
Date
1890-08-15
Page
Seite 412 (sequence 8)
Language
German
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412 bei Seite gelassen worden. Dieser Ansicht steht eine andere gegenüber, welche in der Tosifta die Ueberbleibsel sieht, die Zusammenfassung all' dessen, was nach der Redaktion der Mischna vom Inhalte der Tradition noch übrig geblieben war. Demzufolge dürfen nur die Stellen bei Gesehesnormirungen mit in Betracht kommen, welche auch in die Mischna ausgenommen sind. Alle aber gestehen die Historizität des Berichtes zu, daß, wie Rabbi Meir (140 nach) und nach ihm Rabbi Jehuda hanassi (200) die Mischna ausbauten, Werkmeister der Tosifta zuerst Rabbi Nehemia, der Schüler Rabbi Akiba's, und nach ihm Rabbi Chija, Rabbi Oschaja und Bar Kappara» die jüngeren Zeitgenossen des Rabbi Jehuda hanassi, gewesen sind. Mit einer ganz neuen Auffassung der Stellung und der Bedeutung der Tosifta innerhalb des jüdischen Schriftthums trat der verdiente Herausgeber derselben, Dr. Zuckermandel, auf. Sie war ihm das Kind seiner Mühen, wohl auch sein Schmerzenskind geworden. Deshalb erschien ihm für sie nichts zu hoch und nichts zu gut. Die Tosifta, erklärte er, ist die Mischna, die von R. Jehuda hanassi veranstaltete Sammlung des Halachamaterials. Die sechs Ordnungen dagegen, welche wir uns gewöhnt haben, die Mischna zu nennen, sind Usurpatoren des Königsgewandcs. Die späteren Gesetzeslehrer, die Amoraim, haben nach den Erfordernissen und den Verhältnissen ihrer Zeit an der ursprünglichen Mischna gemodelt und gebastelt, sie gekürzt und erweitert, hinzugefügt und fortgenommen. Und dieses oft bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte und veränderte Produkt späterer Zeiten hat sich den Namen Mischna angemaßt, während die rechte Königstochter, ihres Titels und ihres Schmuckes entkleidet, zum Aschenbrödel Tosifta geworden ist. Wie Dr. Zuckermandel scharfsinnig, geistreich und mit großer Belesenheit diese seine Theorie besonders aus dem Jerusalemischen Talmud begründet und stützt, läßt sich nur schwer in einem nicht für Fachgenossen allein geschriebenen Blatte darlegen. Deswegen wolle man mir die Wiedergabe freundlichst erlassen. Herr Dr. A. Schwarz (Stadt- und Konferenzrabbiner in Karlsruhe), der schon vor 15 Jahren in einem Aufsatze über die Tosifta sich als Gegner dieser Zuckermandel'schen Ansicht erklärt hat, unternahm es, dieselbe gründlich zu bekämpfen, die historisch überlieferte dagegen mit einigen Modifikationen zu vertheidigen und zu gleicher Zeit die Tosifta selbst kritisch zu behandeln. Nachdem er die Abschnitte Sabbath und Erubin in deutscher Sprache konimcntirt hatte, gewann er die Ueberzeugung, daß für die Darstellung solcher Forschungen die hebräische Sprache die geeignetste sei. In ihr fand er es möglich, viel kürzer und knapper zu sein, wobei die Deutlichkeit nicht gemindert, sondern gesteigert wurde. Da auch der Leserkreis dabei eher größer als kleiner wird, hat er nunmehr die Ordnung Seraiin (die erste der sechs, in welche Mischna und Tosifta fallen) herausgegebcn') und sie mit hebräisch geschriebenen Einleitungen (einer allgemeinen und je einer besonderen zu einem jeden Traktate) und einem sehr eingehenden Kommentar „Hegion Arje“ in derselben Sprache versehen. Wozu hat Dr. Schwarz sich der Mühe unterzogen, den Text der Tosifta abermals herauszugeben? Nun, er ist der Ansicht, daß, wie die Mischna sich aus den drei Sammlungen des R. Akiba, R. Meir, Rabbi, die aufeinander folgten, gebildet hat, so sei auch die Tosifta geworden, indem in derselben Reihenfolge, die in der Mischna beobachtet ist, Alles, was aus ihr ausgeschlossen wurde, der Tosifta zufloß. Der Herausgeber wendet dabei das Bild der Gesteinsablagerungeu 0 Tosifta juxta Misrhnanmi ordinem recomposita et commentario inslructa — Pars 1, orilo Seraiin — Vilnac Typis et sumptilms vicluae fralrmiiqe Romm. 1890. gr. 8. 431 S. (nebst entsprechendem hebräischen Titel). an. So entsteht die Tosifta als Neben- und Ergünzungswerk der Mischna aus den Sammlungen der oben schon genannten Rabbinen. Nur zu den Traktaten Aboth, Tamid, Middoth und Kinin besitzen wir keine Tosifta; sonst ist die Anzahl der Massechtoth der der Mischna entsprechend. In der Kapitelzahl dagegen, wie in der Aufeinanderfolge der einzelnen Paragraphen, oder doch der Reihenfolge der behandelten Gegenstände, findet sich keine Uebereinstimmung. Dr. Schwarz erblickt darin die Folge — um im geognostischen Vergleiche zu bleiben — revolutionärer, vulkanischer oder neptunischer Einwirkungen. Verschiedene Sammlungen — seiner Ansicht nach wenigstens zwei — sind in unserer Tosifta durcheinander geworfen und gewirrt. Spätere haben willkürlich Fremdes hinzugesetzt. Dadurch ist die ursprüngliche, systematische und logische Anordnung zerstört worden. Daß aber eine solche in der Mischna herrschen muß — und soll die Tosifta in ihren Wegen geleitet sein, auch in dieser — ist unzweifelhaft. Das beweisen schon die in der Gemara selbst gestellten Fragen, was es wohl veranlaßt habe, daß der Abschnitt Nasir (über die Nasiräer und ihr Gelübde) in die Ordnung Naschim (Frauen) itnb der Traktat Sota (über die untreue Ehefrau) nach Nasir gesetzt worden ist! Diese ursprüngliche Ordnung der Tosifta stellt Dr. Schwarz wieder her. Er ordnet sie nach der in der Mischna beobachteten Reihenfolge. Um sein Verfahren anschaulich zu machen, sei ein kurzes Beispiel angeführt. Die erste Hälfte der ersten Mischna des siebenten Abschnitts von Berachoth lautet: „Drei, die zusammen gespeist haben, sind verpflichtet, gemeinsam das Tischgebet zu verrichten. Wurde Demai (zweifelhaft, ob verzehntet) oder Erster Zehnten, von dem nur die große Hebe genommen worden ist, genossen, oder Zweiter Zehnt und dem Heiligthum Gehörendes, welche (nicht in genügender Weise) gelöst sind, hat der Diener ein olivcngroßcs Stück mitgegessen oder ein Samaritaner mitgespeist, so wird das gemeinsame Gebet gesprochen!" Die Tosifta hat als Anfang von Abschnitt 7 (6 eck Z.): „Dmgemeinsame Tischgebet ist von der Thora verordnet in dem Verse: „Du sollst essen, dich sättigen und segnen", — das ist das gemeinsame Tischgebet — „den Ewigen, deinen Gott" — das ist der erste Abschnitt desselben — in welchem Gott als Spender der Speise verherrlicht wird, „wegen des Landes" — das ist der zweite Abschnitt, in welchem Gott wegen des Landes gesegnet wird — „des guten" - das ist der dritte Abschnitt (wegen Jerusalems). — Und so sagt er auch: „Dieses gute Gebirge und den Libanon" — „das er dir gegeben hat", das ist der Lobspruch, der gut ist und Gutes thut. Woher haben wir, daß du ebensowohl vorher als nachher eine» Segen zu sprechen hast? Weil es heißt: „der dir gegeben hat" - also von dein Augenblicke an, da er dir gicbt! Und woher stammte, das; wir auch über Berge und Hügel eine Benediktion haben? Weil! es heißt „über das Land". Woher, daß auch über die Thora und | bei Erfüllen der Gebote? Weil cs heißt: „das er dir gegeben hat", und an anderer Stelle das Wort lautet: „ich gab die Tafeln von! Stein". R. Meir sagt: Wo ist's begründet, daß wie du wegen dee Guten segnest, du cs auch thuest wegen des Bösen? Da, wo e»I heißt „das Dir gegeben hat der Ewige, dein Gott"; dein Gott, das heißt dein Richter. Also so oft er dich richtet, ob es dir gut, | oder ob es dir eine Strafe ist!" Das bisher Angeführte entspricht der Bestimmung der Mischna, daß drei Konviven gemeinsam bei Tische beten sollen. Auf beul Schriftvers wird diese Bestimmung zurückgeführt, und die weiteren! Folgerungen, die sich aus demselben Bibelworte in Bezug auf den! Dank gegen Gott ergeben, angeknüpft. Unser Tosistaausgaben schließen! nun et dem gö Di der bisi pvci (€ möglich Dieses des Dil licht au Glaube dem V gisamn pflichtet weihte ränge Eunuch religiös Di wurf e> ivillkürl Denn Z ivieder werden, kosifta an die Atze en Ausnak ipätercr patten lmmer J> dienste er war der Ps, es hier die Sck Herr F eine D der Re spanisck vorkom l'ekännl Dchwai ein Fü den Le und de »nd B ist die ciile str bcstünd Gebiet Oiabei --ufgesp Aussift Ursache l un gen >u beit enthält, Piner i

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