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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-08 · Heft 30 (8.8.1890) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 30 (8.8.1890)
Date
1890-08-08
Page
Seite 404 (sequence 12)
Language
German
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404 als ich heimkehrte, Lag es auf dem Tische. Stellen Sie sich meinen Schreck vor, als ich es gelesen hatte. Ich lieh sogleich anspannen und inachte mich auf den Weg nach hier. Mein Gatt, mein Gott, so weit zu gelangen! Es schnürt mir die Brust zusammen, wenn ich daran denke, daß er nicht wiederkommen möchte." „Seien Sie nicht ängstlich, Frau Inspektor," tröstete die Gattin Benjamins die Halboerzweifelte. „Tie sollen sehen, Ihr Herr Gemahl erscheint nochmals hier." Und wie, als ob diese Warte vom prophetischen Geiste eingegeben worden wären, schellte es-noch einige Allgenblicke, und die sonst so stattliche, impanirende Gestalt des Inspektors zeigte sich wie unter der Last einer schweren Bürde halb gebeugt in dem Rahmen der geöffneten Thür. — Bald darauf trat er ein. Sein schüchterner Blick ulllkreiste das Zimmer und traf entsetztauf seine dasitzende Gattin. „Emilie!" rief er in der tiefsten Ueberraschung aus. „Tu hier?" Schail war diese van ihrem Sitze aufgesprllllgen und hing an seinem Halse. „Du bleibst, bleibst, Konrad!" rief sie unter heftigen Schluchzen. „Ich theile Tein Schicksal, und welches es auch sein nlöge. Tach siehe, hier steht ein Retter, ein Freund van uns, er wird uns der entsetzlichen Lage entreißen." llnb sie wandte ihr ganzes, volles, schöiles, freilich von Kummer ulld Angst gebleichtes, abgehärmtes Gesicht bem Hausherrn zu. „Kommen Sie vor Allem zur Ruhe und Besinnung, Herr Inspektor," sprach dieser und reichte dem Eingetretenen die Hand. „Ihre Frall Gemahlin hat mich bereits mit der Verlegenheit bekannt gemacht, ill welcher Sie sich befinden. Es ist jetzt nicht Zeit, den Ursachen nachzugehen, welche dieselbe hervorgerufen Haben; noch weniger möchte ich Ihnen in der Stimmung, in welcher Sie'sich befinden, Borwürfe lnachen. Jetzt gilt es, die Situation, in die Sie sich gebracht, ins Auge zu fassen unb auch einen glücktichell Ausweg aus derselben zu suchen. Setzell Sie sich hin, Herr Inspektor, wir wollen überlegen." Tiefer, noch inlmer unter dem Eindruck sich befindend, welchen die plötzliche Wendung seiner peinlichen Lage ill ihm hervorgerufen hatte, sand kalnn Worte der Erwiderung auf das ihm von Benjamin ausgesprochene Entgegenkonlmeu; fast mechanisch ließ er sich auf den ihm augebotenen Stuhl nieder. Jener fuhr fort: „Wie ich eben erfahren, beläuft sich das Manko in der von Ihnen verwalteten Gutskasse auf dreitausend Mart und etwas darüber. Ich werde Ihnen dieses Geld vorschießen. Sie bringen Ordnung in die Kasse und zahlen mir später die von mir enlpfangene Summe ratenweise, je nachdem Sie es vermögen werden, zurück. Ich werde Ihnen keinen Termin festsetzell, bis zu welcher Zeit solches geschehen soll. Was ich aber wünsche, ist, daß Sie jetzt mit neuem Mull) an Ihre Berllfsthätigkeit gehen. Ich habe kein Recht, Ihnen Anweisungen für Ihr weiteres Leben zu geben; aber ich rathe Ihnen, ich bitte Sie im Rainen Ihrer braven Frau und Ihrer hoffnungsvollen Kinder darum: lassen Sie die Pflichten nicht mehr aus den Augen, die zll erfüllen Sie diesen und sich selbst gegenüber schuldig sind." Eine tiefe Bewegung bemächtigte sich des Mannes, der sich in solcher Weise in die Möglichkeit versetzt sah, die Ehrlichkeit seines Namens zll wahren unb ein weiterer Ernährer seiner Familie zu bleiben. „Sie sind ein edler Mann, Herr Benjamin," begann er, „lllld Worte reichen llicht lins, Ihnen uleinen Dank für die hochherzige Handlung auszusprechcn, durch welche Sie nlich in ben Stand setzell, meinem Rufe die Fleckenlosigkeit zu erhalten, nachdem ich mich leider zu Manchem habe verleiten lassen, das mich auf abschüssige Bahn bringen nlußte. Ich werde die mir von Ihnen gewährte Aushilfe dazu benutzen, unl meinem moralischen Sinlle die Festigkeit wieder zu geben, die, wie Sie so richtig bemerkt, Frall und Kind von mir das Recht haben, von mir zu fordern." „Gott mögeSie darin unterstützen," erwiederte der Kaufherr daraus und holte eine Anzahl Banknoten herbei, die er auf den Tisch legte. „Hier sind also, Herr Inspektor, dreitausend Mark, die Sie zur Regelllng Ihrer Verhältnisse verwenden tönitcu. Reicht diese Summe llicht aus, so kommen Sie her, unb Sie werden mich bereit finden. Weiteres für Sie zu thun. Ich wüllsche, daß Ihnen Gott die Zeit des Kunlmers und der Sorge in die der Freude unb des Glücken verwandeln lnöge." Die Wohnung des Kaufmanns Benjamin schloß in diesem Allgenblicke nur glückliche Mellschen ein. Der Inspektor und seine Frau, glücklich ill der Hilfe, die sie gespendet, während Rahlcheu mit leuchteilden Blicken diesem ganzen Vorgänge zuschaute. Wenn der Inspektor aber ill späteren Zeiten auf die schrecklichen Stundell zu sprechen kam, die er an diesem Tage durchlebte und dabei auch voll der glücklichen Umwandlung berichtete, die sich mit ihm vollzogen, so blieb die Habdalah allch niemals unerwähnt, die allein es verhindert hatte, daß er nicht zur Ausführung seines unglückseligen Planes gekommen war. Litterarische Mittheilungen. „©timmen über Iüben unb Judcnthllm von hervor ragenden christlichen Gekehrteil Nord-Amerikas", erschienen im „American Hebrew" in New-Aork, ins Deutsche übertragen unb mit Anmerkungen versehen von Moritz Baum (Frankfurt a. M. 1890). — Das 72 Seiten umfassende Büchlein liefert wieder einmal einen Beweis, wie überall» praktisch und energisch zugleich die Amerikaner vorzugehen pflegen. Während wir Deutsche mit einer gewissen Aengstlichkeit heutzutage Nichtjuden gegenüber jedes Gespräch über Judenthum und die sogenannte Judenfrage zu umgehen suchen, haben die amerikanischen Jllden mit wohlberechtigter Offenheit beim ersten Auftreten des Antisemitismus jenseits des Ozeans sich durch offeile Anfrage bei maßgebenden Persönlichkeiten Gewißheit über deren Stellung ill dieser Frage bei' schafft. Die Redaktion des „Americail Hebrew" in Rew-Uork hat an hervorragende Nichtjuden verschiedener Berufe uitb Klassen folgende Fragen zur sorgfältigen Erwägung und aufrichtigen Beantwortung gestellt: 1. Kennen Sie aus eigener persönlicher Erfahrung irgend welche Rechtfertigung für die Forterhaltllng des Vorurtheils gegen Iw dividnen, weil sie Juden sind? 2. Ist dieses Vorurtheil nicht größteutheils dem Religionsunterrichte der von christlichen Sonntags- und Kirchenschulen ertheilt wird, zuzuschreiben? z. B. der Lehre, daß die Juden Jesus gekreuzigt haben; daß sie ihn verworfen haben und nur Rettung finden können in dem Glauben all ihn; und ähnlichen Dingen, welche berechnet sind, in dem leicht beeinflußlichen kindlichen Geiste eine Ablleigllng zil erregeil, wenn llicht Abscheu gegen die Mitglieder der verworfenen Rasse? 3. Haben Sie im gesellschaftlichen oder geschäftlichen Leben der Juden, soweit Ihre persönliche Erfahrung reicht, irgend ein verschiedene» Handlnngsprinzip, als das unter Christen desselben gesellschaftliche!! Standes gefunden? 4. Können Sie Vorschlägen, was zur Zerstreuung des vorhandene!! Vorurtheils gethan werden kann? Mit demselben Freimuth, wie die Frage gestellt war, wllrden die Ailtworten ertheilt, deren Uebersetzung ill oben genanntem Büchlein vorliegt. Das Resultat ist eine Verurtheilmlg der alltisemitischen Bewegung, wie sie schärfer kaum gedacht werden kann. Einige Proben aus dem reichen Schatze der Ailtworten bringen wir all anderer Stelle und empfehlen im klebrigen die Lektüre der vortrefflich übersetzten „Stimmen" allen denen, welche an ungeschminkter Wahrheit und deren öffentlichem Ausdruck Freude empfinden. B, <5*35. re Druck und Verlag voll Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max B auch Witz in Berlin. 54. La Ko * 8 Alarmn 3 n t) eu laut feit Barbar! langer i welche Russisch wohnen, oder pw der xu\ wurde t deutendi Bbau, wurde s erlaubt, stimmur nud alli lvnbern weggewi außerha müssen l von Ha m Zuk Bergwe besitzen, weder i votatur hinfort werden geordne h a u s e llnterstc Mitthei gierur w elche letzt i Melton Petersb bereits izetheilt zur Ae: diese V günstig welcher Hirt wo der Tir nate ve M hofft nach A Allg. ' von Er runes zeichnen bekannl von M Rußlau Juden müßten um zu r t lassen

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