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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-08-08 · Heft 30 (8.8.1890) · p. Seite 403

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 30 (8.8.1890)
Date
1890-08-08
Page
Seite 403 (sequence 11)
Language
German
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403 Regierung : erst bei t, da die treu. In ng, inbeft inen frei' beendigt. Gemeinden Gemeinde l bis zum -schicke der es charal!) zwischen Gemeinden Trennung sa geführt ‘V ' efinbenbcv jeftov, mi hur eine - lschen mtb ügcn, bii , Unruh, gen schön verliehen. s zu thun :gft wisse».;I bclomtl. tDn itidji, beginnt? el werben. lge immer — mtb sic n Himmel. NK4 aber Zierlandes- : sich selbst ondern ein angsgelder „Bist Du nicht gleich fertig, kleine Hexe?" „Sie sinb häßlich, Herr Inspektor. Ich bin keine Hexe!" antwortete bie also Beleibigtc unb rümpfte bas Mschcn in einer Weise, eaß Jener unwillkürlich lächeln mußte. „Uub was muß noch sein?" fragte er sichtlich milber gestimmt. „Die Habbalah; — niemals unternimmt ber Vater eine alltägliche Beschäftigung vor berselben." „Was ist es, was Du ba nennst?" „Unb Sie wissen unb kennen nicht bas, was Habbalah ist, Herr Jnipcktor, unb sinb ja boch sonst ein so kluger Herr?" rief bie Kleine lustig. Der Genannte ließ sie stehen unb ging in bas Hags hinein, ln in aber schon nach einigen Augenblicken zurück. „Sagt' ich's boch!" rief Rahlchen aus unb klatschte in bie Hänbe. ..Vater hat Sic nicht empfangen. Warum wollten Sie auch nicht ,nff mich hören." Der so Gehöhnte hatte keine Antwort hierauf. Vor sich hin aber murmelte er: „Jübische Dummheit unb Bornirtheit. Eine Stunbe Soll ich noch warten; — was kann in einer Stunbe nicht Alles Jassiren!" — Er stanb einige Augenblicke unschlüssig ba, bann ging >r langsam, gesenkten Hauptes bie Straße hinab unb verlor sich im «Gewühl ber hinunb hcreilenben Menschen. Allmälig neigte sich ber Tag ganz unb gar zu @»bc. Die - chatten ber Nacht hatten bas Licht überwältigt. Die Königin bes ^ages war ben Blicken cntschwunben, aber oben am nächtlichen Firinamente zeigten sich bie feurigen, funkelnben, glitzernbcn Punkte, von welchen man uns sagt, baß sie mächtige Wcltkörper seien. Im Innern bes Hauses, vor welchem sich obige Szene abgespielt batte, i»ib welches beut Wollhänbler Benjamin gehörte, wirb es nun euch hell unb lebenbig. Der Hausherr vollzieht ben Akt ber Habdalah, bann noch einige Gesänge zur Begrüßung ber begonnenen Boche, worauf er sich alsbald an seine Geschäftsbücher setzt. In öiesem Augenblick schellt cs braußen. Rahlchen eilte, um zu öffnen, u»b kam balb barauf in Begleitung einer jungen, tiefblassen Frau »iriicf. Hartes Leib unb schwerer Kummer traten in bentlichen Spuren auf bem Gesicht berselben hervor, unb auch bie dunkel geräuberten Augen schienen bavon zu sprechen; sie zeigten, baß sie ehrünen vergossen. In ber Hanb hatte bie junge Dame ein Papier. „Guten Abenb, Herr Benjamin!" grüßte sic. „Sie werben schon entschuldigen, baß Sie mich so spät noch hier sehen." „In ber That, Frau Inspektor — ich staune, wiewohl Sie mir ,n jeber Zeit willkommen sinb." „Bitte, Frau Inspektor, nehmen Sie Platz," sagte Frau Benjamin unb bat ber Erschienenen einen Stuhl zum Sitzen an. „Ich möchteSie nur fragen, HerrBenjamin," begann biese, uachbcm ne schwer aufgeathmet hatte, „ob mein Mann bei Ihnen gewesen ist." „Jawohl, so ungefähr vor einer Stunbe." „Unb Sie haben ihm bie verlangte Gelbsumme gegeben?" „Das konnte ich umsoweniger, ba ich ihn nicht einmal selbst gesprochen. Es war noch Sabbath, unb an ihm nehme ich, wie cs hhnen vielleicht bekannt sein bürste, nichts Geschäftliches vor." „Gott sei Dank!" rief bie Frau. — „Nun wirb er boch seine Entnhlüsse nicht haben ausführen können." Man konnte ihr bie Beruhigung, die ihr burch obige Mittheilnng geworben war, vom Gesicht lesen. „Ich muß gestehen, baß ich Sie nicht begreife, Frau Inspektor." „Nun, so lesen Sie hier, Herr Benjamin." Unb sie reichte ihm bas Papier, bas Sie bei sich hatte. — „Sie kennen ja schon theilwcise unsere traurige Lage, warum sollen Sie nicht auch Alles wissen?" Benjamin schlug bas Papier auseinanber unb las: „Ich kann, theure Emilie, nicht weiter unb muß bem mich bedrohenden Schlage aus bem Wege gehen. Ich muß fort, weit fort von hier, ich würbe sonst ber Schmach erliegen, bie meiner wartet. Ich begebe mich zu Benjamin unb entnehme von ihm bie Summe, bie ich für bie Reise ins Ausland nöthig habe. Ich werbe ihm nicht sagen, zu was ich bas Gelb verwcnben will. Später scnbe ich es ihm zurück. Bin ich erst jenseits bes Meeres, so will ich mich zur ernsten Arbeit aufraffen, will für Dich unb unsere Kinder ein neues Heim schaffen — unb was ich verschulbct, wicbcr gut zu machen suchen. Du weißt, was mich hinweg treibt. Lebe wohl unb verzeihe Deinem Konrab." Benjamin schüttelte ben Kopf unb gab ber Frau bas Schreiben zurück. Dann sagte er: „Verzeihen Sie mir, Frau Inspektor, wenn ich offen bin unb Ihnen sage, baß bas nicht ber Weg bes ehrlichen Mannes sei, für welchen ich Ihren Gatten bis jetzt immer gehalten habe. Ich hätte ihm unbcbingt jede verlangte Summe gegeben, ba ich in geschäftlicher Verlünbung mit Herrn von Lohnitz stehe. Ich hätte ihm bas Gelb gegeben; allein wie ich Ihnen bereits gesagt, empfing ich ihn nicht, weil ich am Sabbath prinzipiell keine geschäftliche Angelegenheit bchanble. Ich glaubte inbeß, baß er wicberkommen werbe, weil er sich nach ber Zeit crkunbigt, in welcher bie Sabbathfeier geendet haben wirb, unb man sagte ihm, baß solches in einer Stunbe geschehen sein werbe. Diese Stunbe ist bereits um; — warten wir ab." „O, wenn er nur käme und nicht versucht Hütte, sich anderweitig die Mittel zur Ausführung seines unseligen Entschlusses zu verschaffen!" rief die Frau in halber Verzweiflung und versuchte die Thrünen zu trocknen, die ihr dabei aus den Augen rollten. — „Ich will ja Alles, Alles daran setzen, was ich besitze, will hungern und darben, um uns den ehrlichen Namen zu erhalten, um die Schmach abzuwenden, welche seine unselige Leidenschaft für das Spiel über uns heraufbeschworcn hat. Ja, ich will ihn bei mir Haben, den Vater meiner Kinder!" „Wollen Sie, Frau Inspektor, mir nicht sagen, worin der gefürchtete Schlag besteht, von welchem sowohl Sie, wie er sprechen?" „Nun, hören Sic, Herr Benjamin. Unsere häuslichen Verhältnisse waren die besten und hätten heute noch die geordnetsten sein können, wenn mein Mann das geblieben wäre, was er in den ersten Jahren unserer Ehe hinsichtlich seiner Lebensart gewesen ist. Er kannte das Gelage, er kannte das Spiel nicht. Allein böser Umgang, Verführung und weiß ich was noch, haben ihn in den letzten Jahren auf eine verderbliche Bahn geführt. Es traten Verlegenheiten bei uns ein, die wir früher niemals gekannt, und wiewohl ich mich mit den wirthschaftlichen Ausgaben auf's Aenßcrste beschränkte und auch sonst noch, wo cs nur anging, mir und meinen Kindern Entbehrungen auflegte, kam cs zuweilen doch vor, daß in der Hälfte des Monats unser Gehalt bereits ausgczehrt war. Mein Mann half sich dann damit, daß er für die Gutskaffe eingenommene Gelder für uns in Gebrauch nahm, und so schwoll endlich das Defizit zu einem solchen an, daß cs von unserer Seite nicht mehr gedeckt werden kann. Ucbermorgen soll Abrechnung sein und da muß jedenfalls das Blanko in der Kasse zur Kenntnis; des Gutsherrn gelangen." „Sie haben jedenfalls Beide, Frau Inspektor, darin unrecht gehandelt, daß Sic mich nicht zum Vertrauten Ihrer Lage gemacht; wir stehen uns ja doch sonst nicht so ganz fremd gegenüber. Sind die Bücher sonst in Ordnung, und wie hoch beläuft sich die Untcrbilanz?" „Sie beläuft sich auf etwas über -'MX) Mark. Denken Sie sich, Herr Benjamin, diese enorme Summe! Mein Braun wollte durchaus keine Mitwisser unserer zerrütteten Verhältnisse haben, er hoffte noch immer, daß es uns gelingen werde, ins Reine zu kommen. Vielleicht wäre solches der Fall gewesen, wenn er nicht in letzter Zeit so viel Geld im Spiele verloren hätte." „Wann und wo haben Sie dieses Schreiben erhalten?" „So ungefähr vor einer Stunde. Ich war ansgegangen, und

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