Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Juni er. im Hotel „König von Portugal" eine Versammlung ab-; gehalten, zu der außer den in Berlin ansässigen ordentlichen Mitgliedern , auch die Ehrenmitglieder, das sind die Seminarlehrer und eine große : Anzahl geladener Gäste, von denen wir die Herrn Rabbiner Dr. May-! bäum und Rosenzweig, die Direktoren Dr. Jutrosinski, Strelitz und! Adler hier nennen, sich eingefunden hatten. Den Vorsitz führte der Gemeindelehrer Herr Levh. Außer einem von dem Seminar-Direktor Dr. Holzmann gehaltenen Vortrage: „Zur Geschichte des jüdischen Schulwesens in Berlin", der in kurzen markigen Zügen die Geschichte der unter den Auspicien von Mendelsohn und Friedlünder begründeten! jüdischen Freischule schilderte und deren Umwandlung in eine jüdische! Gemeindeschule unter Zunz's Leitung unter stetiger Bezugnahme auf - den damaligen Zustand des allgemeinen Schulwesens vorführte, bildete , die Berathung über die im Herbst abzuhaltende General-Versammlung! den Hauptzweck dieser Versammlung. Für diese General-Versammlung > sind die Mittelfeiertage des Hüttenfestes als geeignetste Zeit angenommen! unb demgemäß der 2. und 3. Oktober er. bestimmt worden. Als vor-! läufiges Programm wurde festgesetzt: am 2. Oktober ein Haupt- , Vortrag, dem eine Gedächtnißfeier für die verewigten Lehrer dieser! Anstalt, Rektor Horwitz und Seminarlehrer Pieck, vorangehen soll. Am 3. Oktober sollen zwei Vorträge von auswärtigen Mitgliedern gehalten werden, und zwar sind Themata aus der Praxis des jüdischen Lehrers oder Lehrers und Kantors hierfür erwünscht. Selbstredend wird sich diese General-Versammlung auch mit geschäftlichen Angelegenheiten, wie Neuwahl des Vorstandes re., zu befassen haben. Als vorbereitendes Komitee hierfür wurden gewählt die Herren Seminarlehrer Dr. Simon, Dr. Sonnenschein und Rosenthal und die Lehrer Remack und Ticher, sowie der Vereins-Vorsitzende. Von dieser in Aussicht genommenen General-Versammlung wird eine bedeutende Stärkung des Interesses der Mitglieder für den Verein erwartet. * Berlin, 27. Juli. Das 50 jährige Jubiläum des Sanitätsraths Dr. Julius Badt brachte dem Jubilar vielerlei Huldigungeu ein. Den Jubiläumstag eröffnete ein Ständchen der Garde-Dragoner-Kapetle. Es folgten dann die Beglückwünschungen der Familienmitglieder «Kinder und Enkel), und von 10 Uhr ab traten die Deputationen an: die Herren Professoren Henoch unb Falk Namens der Berliner medizinischen Gesellschaft; Kreisphysikus Philipp und Dr. Carsten Namens des Aerztevereins der Friedrichstadt; Professor Liebreich, Sanitätsrath Dr. Mühsam und Dr. B. Baginski im Namen der Hufeland-Gesellschaft, wobei die Ueberreichung des neuen Ehrendiploms der Fakultät durch Professor Liebreich erfolgte; Geh. Rath Professor Leyden, Geheimer Rath Dr. Ohrtmann und der Direktor des Moabiter Krankenhauses Sanitäts-Rath Dr. Paul Guttmann im Namen des Vereins für innere Medizin. Seitens eines Theils der Klienten des Jubilars wurde dem Jubilar eine prachtvolle Adresse mit werthvollem Angebinde überreicht. Rede und Gegenrede ernsten und launigen Inhalts wechselten in bunter Reihe ab und dazwischen Einzelglückwünsche von Kollegen, der Professoren Senator, Fürbringer, Julius Wolff, Mendel, Fränkel, der Geheimräthe Marcuse, Ehrenhaus, Landau u. s. w. Zahlreich auch waren die Depeschen, Briefe, Karten, Geschenke und Blumenspenden, die von nah und fern eingetroffen waren. * Berlin, 28. Juli. Der Bericht der Wablprüfungs-Kommission des Reichstages enthält die interessante Mittheilung, daß die Wahl des württembergischen Abgeordneten Freiherrn von Münch in erster Reihe darum beanstandet worden, weil derselbe im August 1889 , der israelitischen Gemeinde in Mühringen, seinem Wohnorte, in Veranlassung der Renovirung der Synagoge zwei silberne Leuchter versprochen und dieselben im Oktober 1889 auch wirklich geschenkt hat. Freiherr von Münch bemerkt zu diesem Protest: „Schließlich soll ich die Stimmen der Israeliten durch Stiftung zweier Leuchter — welche 1016, nicht 1060 Mk. kosteten — in die Mühringer Synagoge gekauft haben. Im Mai v. I. hatte in Mühringen die Einweihung eines von mir in die katholische Kirche gestifteten Hochaltars stattgefuuden; die Israeliten hatten gleichzeitig 4- bis 5000 Mk. auf die Renovirung ihrer Synagoge verwendet, und es wäre unbillig gewesen, hätte ich nicht auch zur Verschönerung ihres Gotteshauses meinen Theil beitragen wollen!; ich versprach die Leuchter im August, und sie gelangten Ende Oktober in die Hände der Genannten. Die Vernehmung des Rabbiners Dr. Jaraezewski und der übrigen Mitglieder des Kirchenvorstandes würde ergeben, daß ich mit keiner Andeutung je die Erwartung ausgesprochen, die Israeliten möchten wegen jener Spende für mich stimmenthatsächlich hatte ich bis Ende Januar nicht in meinem heimathlichen Bezirke zu kandidiren beabsichtigt." Die Wahlprüfungskommission hat auch in der That diesen Theil des Protestes als unerheblich fallen gelassen. X Berlin, 28. Juli. Wir brachten vor einiger Zeit die Nachricht, daß Herr Dr. Johann de Pavly, Präsident des Vereins „Theotogumenon" und Unternehmer der Stephan Marugg'schen Schulchan-Aruch-Spekulation, verschwunden sei. Wie manche Blätter wissen wollen, wäre dieser Johann de Pavly mit Aron Justus, recte Brimann, überhaupt identisch. Ist dieses der Fall, so wäre die Spur des Biedermanns gefunden; denn Brimann weilt, wie wir einen! polnischen Blatte entnehmen, zur Zeit in Kairo, wo er es einmal mit dein Muhawedanismus versucht l>at. Nachdem er in Polen Jude, in England Protestant, in Oesterreich und Westfalen Katholik war, hält der Freund und Genosse der Herren Rohling und Ecker jetzt in Aegypten Disputationen mit den Missionären ab, um ihnen den Vorzug des Islam zu beweisen. Der Mann kann's noch weit bringen. 8 Posen, 28. Juli. Von sehr geschätzter Seite geht uns der nachstehende Bericht zu: Die in der in Nr. 27 der „Allg. Ztg. d. Judenth." enthaltenen Korrespondenz 8. 1\ aus Posen 12. Juli aufgestellten Fragen bin ich in der Lage, beantworten zu können. Die Ausführung der darin erwähnten Beschlüsse der Guesener bezw. Bromberger Konferenzen,betreffend die Errichtung eines j ü d i s ch e n L e h r e r s e m i n a r s in der Provinz Posen scheiterte einfach an dem Mangel des nervus verum. — Im Jahre 1884 wurde jedoch diese Idee von Neuem angeregt und fand auch mehr Anklang. Nachdem damals versandten bezüglichen Eirkulair, das u. A. von den Rabbiner Drr. Bamberger-Kvln; Werner-Danzig, Vogelstein-St., Feilchenfeld-Poseu, Ehrenfeld-Gnesen re. unterzeichnet war, sollte das qu. Seminar in Posen errichtet werden. Während das Komitee mit der Versendung des erwähnten Eirknlairs beschäftigt war und auch bereits Zeichnungen eutgegengenommen wurden, trat die Angelegenheit in ein anderes Stadium. Der Kaufmann Moritz Rohr zu Breslau bestimmte nämlich aus Anlaß des im April 1835 auf Lang- Guhle bei Bojanowo erfolgten Ableben seines Vaters den später noch auf das Doppelte erhöhten Betrag von 300,000 Act. für das beregte Seminar, jedoch unter der Bedingung, daß dasselbe in Bojanowo errichtet werde. Run konnte die Angelegenheit allerdings mit größerer Zuversicht betrieben werden. -- Nach mehrfachen Aenderungen genehmigte die hiesige Königliche Regierung die eingereichten Statuten, dieselben wurden jedoch in oberster Instanz nicht bestätigt. Vor etwa 1'5Jahren nmrden die Statuten abermals der Königlichen Regierung eiugereicht und zwar dahin aögeändert, daß nicht Etementartehrer, sondern nur Religionslehrer, die zugleich als Kantoren und Schächter fnugiren könnten, ausgebildet werden sollten. Vor einigen Wochen wurden qu. Statuten wiederum höheren Ortes zurückgewieseu, und ist nun von dem Plane der Errichtung eines Seminars gänzlich Abstand genommen worden. — Die nngesannuelten Beträge wurden nach der mir von zuverlässiger Seite gewordenen Mittheilung dem Verein zur Ausbildung jüdischer Lehrer überwiesen; bedeutend werden dieselben wohl nicht gewesen sein, da seinerzeit nur wenige Zahlungen, zumeist nur Zeichnungen auf Jahresbeiträge eingegaugen sind; ein kleiner Kassenbestand befindet sich noch in Asservation eines Poseuer Bankhauses. Die von Ihrem Referenten gebrachte Mittheilnng von dem Vermächtnis eines Rittergutsbesitzers beruht auf einem Jrrthnm.