Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- Seite 392 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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392 unseren Augen Voruberziehen lassen, sicher zu der Erkenntnis; gelangen, von der wir ausgegangen sind, das; die Mode nicht nur das Ewigwechselnde, sondern auch das Ewigbleibende in der Sittengeschichte der Polter ist. Ter Geist jeder Zeit trystallisirt sich in der Form der Mode, und die fulminante Strafrede des Propheten richtet sich nur deshalb gegen die Mode seiner Zeitgenossinnen, weil diese ihre Sitten verweichlicht, sie von ihrem Gotte abgewendet und ihrem Frauenberuf entfremdet hat. lUit Schrecken mögen die -Frauen, die um den Propheten; standen, da er aus freier Straf,e zu Jerusalem seine -liebe hielt, die Schauer jenes Strafgerichts vernommen haben, wo „statt des Wohlgeruchs Moder, statt des Gürtels ein Strick, statt des künstlichen Haargeträusels eine Glatze, statt eines prächtigen Mantels ein Sackkittel unb statt der Schönheit ein Brandmal" ihrer harrte. Aber das Entsetzlichste, den rhetorischen Haupteffekt, spart sich der Prophet für den Schluß seines Bildes auf, denn all das Unglück soll erst dann eintreten, „wenn die Männer durch das Schwert, und die Jünglinge durch den Krieg gefallen" sein würden. Da werden dann seufzen und trauern ihre Thore, llub verödet wird sie am Boden sitzen. Jenes Tages ergreifen sieben Weiber einen Alaun, indem sie sprechen: „Unser Brod wollen wir essen mtb unser Gewand wollen wir tragen, Nur deinen Namen laß uns führen und unsere Schmach nimm hinweg!" Aber wie alle Reden des Propheten, so endet and; diese nicht mit der Schilderung des Strafgerichts, sondern mit einem trostreichen Ausblick in eine bessere Zeit, in der alle Trübungen und Wirrnisse vergesse;;, in der die ideale Zukunft, die messianische Herrlichkeit erstehen wird. Tenn: „An jenem Tage wird des Herrn Sproß zu Schmuck und Glanz, Und die Frucht des Landes zu Stolz und Pracht werden Für den Rest des Volkes." So schließt der erste klassische Modebericht aus dem Alterthum mit einer trostvollen Aussicht für den treugebliebenen Rest Israels. O Littcrarische Mittheilungen. T i e 9t h e t o ri k und j n d i s ch e H on; il e t i k. In Briefen und Abhandlungen von Tr. Ludwig Philippson. Nach den; Tode des Verfassers herausgegeben von Tr. M. Kayserling. Leipzig. Th. Grieben's Verlag (L. Ferna;;) 1890. 8°. IV und 118 S. In Folge innerer Erhebung. Klärung und Läuterung, durch die Anssaat, die Mendelssohn gestreut, und in Folge des Umschwunges, der sich dam; in; Laufe der Zeit auf politischem Gebiete vollzog, wendete sich die Aufmerksamkeit der Inden zunächst und zumeist dem öffentlichen Gottesdienste zu. Es war dies ganz natürlich. Nach Junen befriedigte er nicht und nach außen war er r\'£t2Z'b- Tie Jndenschnle war ein Gegenstand des Spottes und des Hohns für alle Judenfeinde. Als wichtigstes Moment zur Belehrung und Erbauung wurde die Predigt in der deutschen Sprache erkannt. Es bedurfte einiger Zeit, bis sich dieser llebergnng von der „Terascha" zur Predigt vollzog; es mußten auch auf diesem Gebiete die sogenannten „Kinderkrankheiten" überstanden werden. Man hatte sich nämlich anfänglich die protestantische Predigt zum Muster genommen und ausschließlich über Moral gesprochen; das Jndenthum als solches ging leer ans. Eigenthümlich genug vernachlässigte man sogar das jüdische nachbiblische Schriftthum. Hören wir nun, wie sich Philippson über die Bestimmung eines jüdischen Predigers ausspricht. Er sagt: „Eine verstoßene Religion, welche dennoch die Mutter alles religiösen Seins und Lebens ist, nicht allein zu Ehren zu bringen, sondern ihr die ihr zukommende Stelle des höchsten Patronates einznräumen und zu vindiziren; in diese Religion zugleich das rechte Verständnis; zu bringen und in allen ihren Tiefen und Höhen das verglommene Feuer wieder anzufachen und ferner ihren Besitzer von dem unbekannten Werthe der Kleinode zu überzeugen und mit der Freude über den Besitz eines solchen zu durchströmen." „Die Predigt ist auch insofern wichtig, da der Mensch nicht blos fühlen, sondern auch denken will." „Die Predigt soll keine philosophische Abhandlung, keine exegetische Forschung, keine kritische Diskussion sein, sie muß sinnig, aber sie darf nicht tiefsinnig sein. Sie muß mehr enthalten, als die Menge schon hat, aber sie darf nicht haben, was die Menge im Durchschnitt gar nicht zu fassen vermag." Der jüdische Kanzelredner;;;;;ß, bemerkt Philippson weiter, dieses sein Amt sehr ernst nehmen. Er verlangt daher, daß der Kanzelredner die Predigt sorgfältig abfasse und ausarbeite und sodann auch gehörig memorire, wenn auch selbstverständlich wieder verlangt werden muß, daß der Prediger auch in der Lage sei, zu extemporiren, wenn es nothwendig ist. „Und wer wird es auch bestreiten wollen, daß das gesprochene Wort, wenn es in angemessener entsprechender Form vorgetragen wird, von außerordentlicher Wirkung sein kann?" Wir haben hier nur einige wenige Sätze aus der vorliegenden Schrift hervorgehoben. Wir brauchen nicht zu sagen, daß diese Schrift alle Vorzüge der Philippson'schen Arbeiten besitzt. Sie ist auf Grund vielfacher, jahrelanger Erfahrungen eines Mannes der Wissenschaft entstanden und ist klar, hell und durchsichtig geschrieben. Wir empfehlen sie Allen, die sich für Rhetorik interessiren oder die selbst Redner, auf welchem Gebiete immer, werden wollen. Auf das Nachdrücklichste aber möchten wir die Lektüre derselben den jüdischen Predigern;;nd Jenen, die sich für dieses Amt vorbereiten, empfehlen. Täuschen wir uns nicht, die Predigt hat in den letzten Jahren bei den Juden nicht mehr den Werth, den sie früher hatte. Wenn die Kunst gefallen ist, so ist sie durch die Künstler gefallen, und die Predigt ist, sagen wir des offen, durch die Prediger gefallen. Die meisten Herren Prediger wenden ihr eben nicht jene Sorgfalt zu, die ihr zugewendet werden;n;;ß, wenn man Erfolge erzielen will. Der Herausgeber Herr Dr. Kayserling gedenkt in der Note S. 82 des Wiener Predigers Mannheimer. Da ich jahrelang Gelegenheit hatte, zu sehen, wie Mannheimer arbeitete, so will ich dies zu Nutz und Frommen junger Prediger hier angeben. Am Montag las er den laufenden Wochenabschnitt sammt Kommentaren und einschlägigen Midraschim und suchte sich das Thema. Nachdem er dieses gefunden, dachte er darüber nach, in welcher Weise er dasselbe bearbeiten wolle. Mittwoch ging er zur Arbeit, und je nachdem dieselbe von Statten ging, wurde er Abends fertig oder auch manchmal nach Mitternacht. Es muß nämlich bemerkt werden, daß er manchmal einen Satz mehrere Male umschrieb, bis er die Form hatte, die er wünschte. Noch kritischer war er bei den sogenannten Uebergängen. Da mußte Alles auf das Genaueste klappen. Donnerstag schrieb er die Predigt ins Reine. Freitag memorirte er, und zwar präzise. Im Sommer wurde er mit dieser Arbeit Vormittags fertig, in; Winter jedoch sagte er sie nochmals Abends nach dem Gottesdienst auf. Samstag selbst beschäftigte er sich jedoch durchaus nicht mit der Predigt, bis er die Kanzel bestieg. Er meinte, daß der Vortrag dadurch au Ursprünglichkeit gewinne. Bis ans Ende seines Lebens hatte er beim Beginn der Predigt WUET#* Waren die ersten Worte gesprochen, dann war er Herr der Situation. Eins noch. Er hatte die Predigt stets in der Tasche seiner Kutte, um in dem Fall des „Steckenbleibens" weiter zu kommen. Der Fall trat jedoch nie ein. Philippson spricht auch über gewisse Aeußerlichkeiten beim Prediger, wie Gestikulationen, Armbewegung re., und sind diese Winke sehr zu beachten, da viele jüdische Prediger darin fehlen, daß sie so zu sagen mit Händen und Füßen sprechen. Unwillkürlich fällt mir da eine Mittheilung ein, die mir seiner Zeit Gabriel Rießer machte. Bei Gelegenheit der Verhandlungen über Schleswig-Holstein im Frankfurter Parlament hielt Dahlmann eine Rede. Er stand gewissermaßen unbeweglich auf der Tribüne, die Hände auf das Pult gestützt. Der Schluß der Rede lautete: „Deutschland hat sein Wort gegeben; sein Wort hat es gegeben, Deutschland!" Bei dem letzten Worte erhob Dahlmann mahnend die Hand, und das soll.von außerordentlicher Wirkung gewesen sein. Mögen die Herren Prediger aus dieser Mittheilung die Nutzanwendung machen. Wir schließen diese Zeilen, indem wir nochmals den Predigern ans Herz legen, diese Schrift Philippson's zu studiren und seine Rathschläge zu befolgen. Der vielverdiente Mann wirkt durch dieselbe segnend auch nach seinem Tode. G. Wolf. ä#8 Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin. 54. j K P der j 30. an gehalt auch d Anzah bäum Adler Gemei Dr. St Schult der ur jüdisch Gemei den dc die Bl den H sind di und d l äus vortra Anstal 3. Okt werde; oder & diese < wie Ni Komik Dr. S sowie Gener der M * Dr. o Den o Es st «Kinde die Hi zinisch des A, Dr. A ichaft, durch ' Rath Saniti Mediz Iubilc Rede1 Reihe fessore Gehen waren die vo * missi die W in erst der ist anlasst sprochl Freihe