Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 54 (1890)
- Issue
- Heft 29 (1.8.1890)
- Date
- 1890-08-01
- Page
- Seite 385 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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385 empfunden die Vateriige Gesetziver Crom. iaren. In mzosen genkreich zur ugenotten' ix Katholil t zu lieben vürde, wie in? Wenn würde, wie? Warum Juden jene Men einen inen guten irden, nicht iel Gelehrerheben —. ruern nicht; die Juden n ehrbaren 1 Viehzuchl ich eignen . Dies is: m; sie hat luzuführen Zuden auch ie für Ena dein sie ok betrachten, hnen dann aber: ihnen »alten und den. Wir :t sie, dan :Iet Jahrix, unsere s an, das; natürliche >ie Gewalt nur Gold besser, als üonal-Eha- )er höchsten da unser Kunst noch a lag, kaum tädte, seine i Handels m Staats- Geschichts nals gegen zigkeit und;en so aus laren? Und mlinge von Vorfahren Gesetzes und Geächteter! Wurf gegeri i) und eine wir gerecht n wir ihnen nn. Bevor len, daß es ata, keiner! - das ist tb das Interesse der christlichen Religion. Ich würde diese Religion zu verletzen glauben, wenn ich sagte, daß sie ohne die Hilfe unduldsamer Gesetze nicht bestehen könne. Ohne solche Gesetze ward sie gegründet, ohne solche Gesetze kann ne sich erhalten. Sie triumphirte über den Aberglauben der gebildetsten und der wildesten Nationen, über die arunuthige Götterlehre Griechenlands und den blutigen Götzendienst der nordischen Haine. Sie siegte über die Macht und die Staatsklugheit des römischen Reiches. Sie uihmte die Barbaren, durch welche dieses Reich gestürzt wurde. Aber ülle diese Siege wurden nicht mit Hilfe der Unduldsamkeit, sondern trotz ihres Widerstandes gewonnen. Die ganze Geschichte der christlichen Religion beweist, daß sie wenig zu fürchten hat von der Verwlgungssucht als Gegnerin, daß sie viel von ihr zu fürchten hat, wenn ne sich mit ihr verbündet. Mag sie noch in später Zukunft unser Vaterland segnen mit ihrem wohlthuenden Einfluß, stark in ihrer erhabenen Weltweisheit, stark in ihrer fleckenlosen Sittenlehre, stark in ihren inneren und äußeren Zeugnissen, welchen die kräftigsten und umfassendsten menschlichen Geister zugestimmt, als letzter Trost derer, die jede irdische Hoffnung aufgegeben, als letzter Zwang für diejenigen, die über jeder irdischen Furcht stehen. Wir wollen nicht, in Verkennung ihres Wesens and ihrer Interessen, den Kampf der Wahrheit kämpfen mit den Waffen Ses Jrrthums, wir wollen nicht durch Unterdrückung die Religion stürzen, welche zuerst die große Lehre von der allgemeinen Menschenliebe gepredigt hat. 9 Zur ÄynagogeN'Mn»ll;.) Von Willi am Wolf. Ein Austausch geistiger Erzeugnisse unter den verschiedenen Rationen und Bevölkerungsschichten, selbst unter den verschiedenen Kulten, vollzieht sich heutigen Tags in fortwährender Steigerung, ou allen Lebenskreisen finden sich Schütze aufgehäuft, Schatze des Geistes und Gemüths, der Weisheit, der sittlichen Kraft, der Kunst, per industriellen Fähigkeiten, des Geschmacks, der Lebenserfahrung; man giebt und nimmt einander und bereichert sich dadurch in vieluilligster Hinsicht. Dazu kommt, daß man auch vergangene Jahrhunderte in Tribut nimmt. Man findet unter dem Alten gar Vieles, was nicht veraltet, was von einigem Werth ist, und sucht dies für die Gegenwart zu beleben. Wir sagten, auch die Kulten untereinander tauschen ihre Schätze aus. Natürlich kann es sich nicht um eine Veränderung ihres Inhalts, ihres Kernes handeln, nur um eine Zuthat oder Modifikation an dem, was diesen Kern umhüllt. Allerdings hat die Religion zu ihrem Prinzip die Unwandelbarkeit; aber nur die starrste, enggeistigste Orthodoxie kann dies Prinzip auch für das ganz Aeußere, das Gewand, festhalten wollen und meinen, auch in diesem Punkte iei, was nicht hergebracht oder nicht heimisch ist, Frevel gegen göttliches Gebot. Moses verordnete für die Kleidung des Hohenpriesters Byssus und Purpurzeuge, die man vom Auslande beziehen mußte, und Salomo ließ phönizische Baumeister kommen, um seinem Gotte einen würdigen Tempel und der Nation die heilige Versammlungsstätte zu erbauen. Der unvergleichliche Aufschwung, den die Musik in den letzten Jahrhunderten in Europa, besonders in Deutschland, genommen, die unsagbare Bereicherung, den diese Kunst und die Welt der Schönheit überhaupt durch eine Reihe unsterblicher Meister, welche innerhalb dieser Zeit lebten, gewonnen, und die Vollkommenheit, welche der musikalische Stil im Allgemeinen durch diese ganze Entwickelung erfahren hatte, konnte schließlich auch aus den gottesdienstlichen Gesang in der Judenschaft nicht ohne Wirkung bleiben, zumal dann nicht, als unsere Glaubens- und Stammesgenossen der sie umgebenden Mensch- ') Fünf Fest-Präludien für die Orgel, kornponirt von L. Lewandowski. op. 37. Berlin. Bote & Bock. heit rechtlich und gesellschaftlich nahe getreten waren. — Vor etwa zwei Jahrzehnten begann man, den modernen mehrstimmigen Chorgesang in unseren Gottesdienst einzuführen und verlieh diesem dadurch eine bedeutende Verschönerung und ein neues gemüthanregendes Moment. Unter diesen älteren Versuchen sind fast allein die Kompositionen Sulzers in Wien von Werth und Wirkung gewesen, welche, aus einer schönen melodischen Begabung und gutem künstlerischen Können hervorgegangen, alsbald entschiedensten Anklang und allmälig steigende Verbreitung fanden. Ihm folgte Lewandowski in Berlin mit einer Fülle neuer Chorschöpfungen, denen sich im Laufe der Jahre immer neue Sammlungen gottesdienstlicher Gesänge anreihten, welche nach und nach einen sehr großen Kreis der rituellen Gebete umspannten. In den letzteren Werken galt es namentlich, außer größeren und kleineren Chorstücken auch eine Regelung und schöne Ausgestaltung der einstimmigen Gesangspartien für den Vorbeter herzustellen, und später, nachdem die Orgel als Begleitung zum Gesänge in vielen Gemeinden Eingang gefunden hatte, theils eine Orgel-Begleitung für schon vorhandene Musikstücke zu verfassen, theils neue Kolnpositionen unter ästethischer Mitberücksichtigung der Orgel zu schaffen. Durch diese Reihe von Werken ist unzähligen jüdischen Gemeinden ein schöner hochwillkommener Schmuck für ihren Gottesdienst zu Theil geworden, und der Name des Verfassers ist demzufolge in der ganzen jüdischen Welt gekannt und hochgeehrt. Bei den Sulzer'schen sowohl wie bei den Lewandowski'schen und anderen ähnlichen Bestrebungen sind mit richtiger Unterscheidung nur die unwesentlichen melodischen Bestandtheile des affen Gottesdienstes durch Neues, Besseres verdrängt, dagegen gewisse von Alters her feststehende charakteristische Melodien durchaus tonservirt worden. Diese Melodien, welche unsere Festzeiten mit unterschiedenen und sehr ausgeprägten Ton- und Stinnnungsfarben ausstatten, und hierdurch gottesdienstlich lvie allgemein künstlerisch, überdies noch historisch werthvoll sind, haben ihre Existenz theils als einstimmige unbegleitete Melodien fortgesetzt, theils, namentlich durch Lewandowski, sind sie in moderner Weise harmonisirt und für den Chorgesang, oder als Sologesänge mit Orgelbegleitung eingerichtet worden. An den Lewandowski'schen Bearbeitungen dieser Art sind große Schönheiten und tunstwie geschmackvolle Anpassung an das moderne Harmoniesystem zu Preisen. Wie vortrefflich dergleichen zu wirken vermag,; derart, daß es den ursprünglichen Charakter der Melodien nicht; zerstört, sondern vielmehr in ganzer Fülle hervorhebt, das wird derjenige erfahren haben, der z. B. das für den Vorbeter, Chor und i Orgel von Lewandowski für die Nene Synagoge zu Berlin bearbeitete; Kol Nidre gehört hat. Auch in anderen Kreisen hat man moderne Gewandung für den! antiken schönen Inhalt zu schaffen, denselben außerdem für das Haus zu! künstlerischer Erbauung zu formen, und damit zugleich ein Mittel! herzustellen gesucht, um auch außerjüdischen Kreisen diese eigenartigen z Musikweisen zugänglich zu machen und ihr Interesse dafür erwecken.! Zahlreiche Bearbeitungen einzelner oder zusammengestellter Melodien j — besonders der Königin derselben, des Kol Nidre — für Klavier > oder für Geige und Klavier u. dergl. sind von jüdischen, später auch! von christlichen Komponisten (z. B. von dem bedeutenden Max Bruch)! verfaßt worden. und auch der Schreiber dieser Zeilen hat sich vor einem Jahrzehnt bemüht, in Gemeinschaft mit dem Berliner Kantor Marksohn, eine ansprechende Einkleidung für eine Zahl unserer I hauptsächlichen Melodien zum Gebrauch für das klavierspielende Pui blikum herzustellen. > Lewandowski hat jetzt in diesem Gebiete mit der Komposition, I die wir in der Ueberschrift genannt haben, etwas Neues geschaffen,