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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1890-07-18 · Heft 27 (18.7.1890) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
54 (1890)
Issue
Heft 27 (18.7.1890)
Date
1890-07-18
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 daß dasselbe in jeder Beziehung zweckentsprechend angelegt ist und einst die Lösung erziehlicher Aufgaben recht begünstigen wird. * Berlin, 15. Juli. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde wird von jetzt ab die Berichte über seinen Haushalt jährlich, statt wie bisher alle drei Jahre, herausgeben. * Berlin, 16. Juli. Sein 50 jähriges Doktorjubiläum begeht am 21. d. M. der in weiteren Kreisen bekannte und als tüchtiger Arzt geschätzte Sanitätsrath Dr. Julius Badt. Sanitätsrath Dr. Badt, welcher sich noch voller körperlicher und geistiger Rüstigkeit erfreut, ist auch Mitglied der Berliner medizinischen Gesellschaft, des Vereins fürinnere Medizin, der Hufeland'schen Gesellschaft, der Repräsentantenversammlung, des Ausschusses des „Deutsch-Israel. Gemeindebundes" und vieler wohlthätiger Vereine. 8. P. Ans Posen, 12. Juli. Es war im Jahre 1876, als in Gnesen, der alten polnischen Königsstadt, sich eine Anzahl Rabbiner aus der Provinz Posen zu einer Konferenz Zusammenfanden, um unter anderen wichtigen Gegenständen auch über: „Die Nothwendigkeit eines jüdischen Lehrerseminars" zu berathschlagen. Nach langen und sehr lebhaften Debatten, in welchen besonders über das damals unter Leitung des „freidenkenden" Horwitz s. A. stehende Berliner Lehrerseminar der Stab gebrochen wurde, faßten die Herren die Resolution: „Ein jüdisches Lehrerseminar, das seine Zöglinge zugleich zu Kantoren ausbildet, ist in unserer Provinz zu errichten". Es wurden in den einzelnen Städten der Provinz Posen Sammlungen veranstaltet; man hörte von einem bedeutenden Vermächtniß eines Rittergutsbesitzers, der für diesen Zweck eine bedeutende Summe testirt hatte; es fand eine zweite Konferenz in Bromberg statt; der Ort, in dem das neue jüdische Lehrerseminar errichtet werden sollte, wurde bestimmt — es war das Städtchen Bojanowo—, aber ein Seminar, „das seine Zöglinge zugleich zu Kantoren ausbildet", ist in der Provinz Posen, nachdem schon fast 15 Jahre verflossen sind, noch immer nicht errichtet. Die bescheidene Frage: Wo lagern die angesammelten Beträge, was ist aus jenem Testament geworden? dürste vielleicht eine Antwort finden, vielleicht auch nicht! Oder sollten die Herren, welche damals das Berliner Seminar nicht für zweckentsprechend hielten, weil „bei den sonst so tüchtigen Leistungen das Hebräische die schwache Seite der Berliner Anstalt sei", ihre Ansichten inzwischen geändert haben? Fast scheint es so. Die Provinz Posen hat ja noch eine große Anzahl jüdischer Elementarschulen, aber von einem „Lehrermangel" ist doch wahrlich keine Rede. Im Gegentheil. Vor nicht langer Zeit hat gerade die Posener Regierung einem Lehrer, der sich ihr zur Verfügung stellte, geantwortet, daß der Bedarf an jüdischen Lehrern auf viele Jahre hinaus gedeckt sei. Wozu also ein jüdisches Lehrerseminar? Aber jene Resolution verlangt ja, das zu errichtende Seminar soll seine Zöglinge zugleich zu Kantoren ausbildeu. Haben die Konfereuzmitglieder unter „Kantor" nur den „Vorbeter" oder den „Vorbeter und Schächter" gemeint? Ist ersteres der Fall, so hat die jetzt unter der vortrefflichen Leitung des Direktors Dr. Holzmann stehende jüdische Lehrer-Bildungs- Anstalt zu Berlin unabsichtlich den Wünschen der Konferenzmitglieder entsprochen, denn diefrüherfakultativeAusbildungderZöglinge im „Chasones" ist jetzt obligatorisch, und werden alle Zöglinge dieser Anstalt unter Anleitung des Altmeisters Lewandowski für das „Kantorfach" vorgebildet; natürlich Orgelstimmen kann ihnen weder der Direktor noch der Musiklehrer einsetzen, daher können wohl alle Zöglinge als „Lehrer" entlassen werden, aber nicht als „Kantoren". Das „Schächten" hat diese Anstalt, nnb gewiß mit Recht, nicht in den Lehrplan ausgenommen. Der Mann „mit dem Dolch im Gewände" gehört nicht in die Schule, weder in die Religions-, noch in die Elementarschule. Der „blutige" Umgang macht ihn für das heilige Amt eines Lehrers ungeeignet. Viele Gemeinden in unserem engeren und weiteren Vaterlande haben „Berliner" schon seit vielen, vielen Jahren für die Aemter als „Kantor und Lehrer" angestellt. Es darf also in Anbetracht dieser Thatfachen wohl gefragt werden: Ist jene Resolution der Gnesener Rabbinerkonferenz vergessen oder aufgehoben? * Dortmund, 14. Juli. Der rheinisch-westphälische Parteitag der deutsch-sozialen antisemitischen Partei in Dortmund hat vorgestern den Beschluß gefaßt „behufs Herbeiführung einer Einigung der verschiedenen in der Partei vertretenen Richtungen" einen allgemeinen „Antisemiten-Ko n greß" einzuberufen. Es herrscht also andauernd Uneinigkeit in der Partei. Im Uebrigen — viel Vergnügen! * Heidelberg. 15. Juli. In der philosophischen Fakultät zu Heidelberg habilitirte sich Dr. Max Wolf, für das Fach der Astronomie, das bisher hier noch nicht vertreten war. Der junge Dozent ist in der glücklichen Lage, feine Lehrthätigkeit durch den Besitz einer eigenen wohl ausgerüsteten Sternwarte unterstützen zu können, von der schon beachtenswerthe Beobachtungen und Entdeckungen ansgegangen sind. * Worms, 16. Juli.- Der „Franks. Ztg." wird geschrieben: Der Antisemitismus sucht auch hier — voraussichtlich aber ganz und gar vergeblich — Feld für seine Agitationen zu gewinnen. Irr den letzten Tagen wurden nämlich zahlreiche Familien durch Zusendung (Poststempel Worms) der „deutsch-sozialen Blätter" nebst einem Flugblatt überrascht resp. belästigt. Widrig und ekelhaft und überall den blindesten Haß verrathend ist der ganze Inhalt dieser Blätter. Das Flugblatt (mit Nr. 39 bezeichnet) behandelt die beiden Fragen: „Was kosten uns unsere Juden?" und „Warum muß die Sozialdemokratie wachsen und immer wieder wachsen?" Unterzeichnet sind beide Ausführungen mit „Theod. Fritsch, Techniker in Leipzig". In dem ersten Aufsatze leistet sich der Verfasser u. A. den blühenden Unsinn: „Alle Steuern, Zölie und Staatsabgaben sind verhültnißmäßig unbedeutend gegen den unerhörten Juden-Unterhaltungstribut, den das Volk fortwährend anszubringen hat." Bezeichnend für den Charakter des Verfassers und bie ganze Art und Weise der antisemitischen Hetze ist auch der Schln?;: „Wenn unser Volk durchaus Luxus treiben will, so mag es sich neben Schoßhündchen und Goldfischchen noch Kakadu's, Schildkröten, Chamäleons, Klapperschlangen, zahme Krokodile und anderes Ungeziefer halten, aber den Judenluxus ertragen wir auf die Dauer nicht! Offener zeigt sich die Absicht der Antisemiten in dem zweiten Aufsatze. Die Aufforderung Fritsch's lautet: „Weist Juda aus dem Lande". Nur so, meint er, könne die Sozialdemokratie schwinden, anders helfe „kein Gott und kein Teufel". g> Cassel, 7. Juli. Unter sehr großer Betheiligung fand Heine die 22. Jahresversammlung der is raelitischen Lehrer Hessen > im großen Saale des Arbeiter - Fortbildungsvereins dahier statt. (m hatten sich wohl achtzig Theilnehmer aus dem Regierungsbezirk Cassel, sowie aus den Nachbarprovinzen eingefunden. Die Nachricht, daß d.r Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herr Geheime: Sanitätsrath Dr. Kri stell er aus Berlin, der Konferenz bciwohnen würde, hatte nicht allein das Interesse der Lehrer erregt, sondern auch viele Freunde des Schulwesens herbeigeführt. Unter Letztem bemerkten wir die Herren Rabbiner Dr. Prager aus Cassel nwb Dr. Munk aus Marburg, Herrn Realschuldirektor Dr. Bärwald aus Frankfurt a. M., Herrn Dr. Rothfeld und Herrn Rechtsanwalt Hirsch, sowie viele andere namhafte Männer aus Cassel. Der Vorsitzende, Herr Seminardirektor Dr. Stein, begrüßte die Versammlung und widmete in seiner Eröffnungsrede dem Begründer des Deutschthuuis bei den Israeliten unseres Vaterlandes und somit auch dem Begründer derneuereuisraelitischenVolksschule, demPhilosophen Moses Men belc sohn, ein ehrendes Andenken. Insbesondere hob er hervor, wie Men delssohn auch in Cassel würdige Nachfolger gefunden habe, und wie gerade von hier zuerst in Deutschland die gesetzlich geregelte israelitische Schule ausgegangen sei. Nach Erstattung des Jahres- und des Kassenberichts erhielt sodann Herr Amram-Berken das Wort zur Verlesung seines Referats über das Thema: „Der ethische Inhalt der Gebete". Derselbe hatte eine reichhaltige Arbeit geliefert, die nur in wenigen Punkten von dem Herrn Korreferenten ergänzt zu werden brauchte. Die Versammlung, beschloß die Drucklegung derselben, sowie Beschluß fassung betreffs der aufgestellten Thesen in der nächstjährigen Konferenz. Nach einer kurzen Pause fesselte Herr Geheimrath Dr. Kristeller alle Anwesenden in einem fast zweistündigen Vortrage über: „Die ethische Maxime in Pirke-Aboth II, 1." Die Worte des Redners, unter mischt mit mancher humoristischen Bemerkung, wurden mit der größten Spannung angehört und die Klarheit der philosophischen Deduktion allgemein bewundert. Man fand in den „Sprüchen der Väter" einen ungeahnten Sinn, der gewiß manche Lehrer zum weiteren Nachdenken veranlassen und zur unterrichtlichen Verwerthuug dieses Weisheitsschatzeö führen wird. Rauschender Beifall folgte dem inhaltreichen Vortrag. Es kam nun noch der Antrag des Herrn Cornelius-Rotenburg, die Einführung der vom Gemeindebunde verbreiteten 15 ethischen Grundsätze in den Religionsunterricht, zur Besprechung. Nach einem lebhaften Gedankenaustausche einigte man sich dahin, daß dieselben zur Zusammenfassung des Unterrichts am Ende des Schuljahres, sowie zu einem Repetitorium für abgehende Schüler geeignet seien. Nachdem das Thema sin' die nächstjährige Konferenz bestimmt und Fulda zum Versammlungsort gewählt worden war, schloß der Vorsitzende die Verhandlungen, welche mit geringer Unterbrechung von 9 Uhr Morgens bis Nachmittag 3 Uhr i.mgeda dankte i Uhr Damen Hoch c wlgten Zeit zr w. Porsta die Ue nlnehm wll im oerg i Ratte dem m heu Ar;ii fol; Diegesl wenn < diesen geknüp -ezogei die El gestern -olg be Man s Aufme Wien f i. k. Li bei Pr der ga llatt, t ,-ymta üe feil degänc hat len erstell yrömr 'eilig der n S. Ko seinen Leiche: was % person ooiii 8 rabbiu Profes Kisch, iehrer nians! Dr. R gungs vertrei Die Q Kallbi Hundi jüdisck selbst Walle mann kanzel des er nunm Er sp den 3 der g dieser

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